Verena Reygers
Ausgabe 4213 | 31.10.2013 | 06:00 85

Härter, härter!

Porträt Sasha Grey wollte gezielt in die Porno-Branche, um ihre Phantasien auszuleben. Nach über 200 Filmen stieg sie aus und schrieb einen Roman über die Emanzipation einer Frau

Stellen Sie sich folgende Szene vor: eine Frau in einem Kreis von Männern. Alle sind nackt. Einige der Männer stehen wie unbeteiligt in der Gegend rum, lassen ihre Hände locker ihre halbsteifen Glieder rauf- und runtergleiten. Drei Männer penetrieren die Frau in der Mitte – oral, vaginal, anal. Trotzdem gelingt es ihr noch, Kommandos hervorzubellen. Sie will es: härter, stärker, mehr. Ihre Haut glänzt vor Schweiß, ihre Augen blicken gezielt in die Kamera. Voll wilder Aggression scheint sie den Zuschauer aufzufordern, sich an der Gangbang-Orgie zu beteiligen.

Willkommen in einem Porno mit Sasha Grey! In mehr als 200 Filmen hat die Amerikanerin ihre Lust an der Unterwerfung zelebriert und ist damit nicht nur in der Pornobranche zum Star avanciert. Auch in der pornoaffinen Popkultur gilt Grey als hot, weil sie dem Klischee der Pornodarstellerin in mehrfacher Hinsicht widerspricht: optisch, intellektuell und als Visionärin. Grey zeigt sich als sexuell emanzipierte Frau, die genauso aggressiv und pervers ficken kann, wie man es gemeinhin Männern zugesteht. Ihrer Meinung nach ist es eine Form weiblicher Selbstermächtigung, sich der Mechanismen des Geschäfts zum eigenen Vorteil zu bedienen.

Über 100 Seiten Vorspiel

Aber: Die Pornobranche hat sie damit nicht revolutioniert. Und das wird sie auch nicht mehr. 2011 ist Grey aus dem Pornogeschäft ausgestiegen, hat stattdessen mit dem Hollywood-Regisseur Steven Soderbergh einen wenig erfolgreichen Kinofilm gedreht, Musik gemacht, ein Fotobuch veröffentlicht und nun einen erotischen Roman geschrieben. Der folgt Greys Mission, ein unübliches Bild weiblicher Sexualität zu zeigen. Allerdings muss die Protagonistin in Die Juliette Society mehr als hundert Seiten warten, bevor sie endlich Sex hat. Ist das nicht für jemanden wie Sasha Grey ein etwas arg langes Vorspiel?

Grey lacht laut über die Frage. Sie ist gerade auf Lesereise in Deutschland und will über ihr Buch sprechen, weniger über ihre Pornofilme. Vor dem Interview in Hamburg bittet die Begleitung vom Verlag das Gespräch nicht auf die Vergangenheit zu reduzieren, sondern auf die aktuelle Veröffentlichung zu beziehen. Grey selber gibt sich aufgeschlossen und freundlich. Das Bild der Aggressiv-Unersättlichen aus ihren Filmen wird man im Kopf zwar nicht so schnell los, aber hier auf dem Sofa des Hotels bei stillem Wasser und Earl Grey hat es gerade keinen Platz. Hier sitzt eine junge Frau, die eher mit einem Achselzucken reagiert als mit Vehemenz, wenn man ihre Ideen angreift.

Greys Buch erzählt die Geschichte einer jungen Filmstudentin, die angeregt durch die Filme Jean-Luc Godards und Luis Buñuels versucht, ihre sexuellen Phantasien auszuleben. „Das ist keine Situation, in der ich sie direkt in wilde Sexorgien hätte werfen können“, erklärt Grey mit dramaturgischen Argumenten den Romanaufbau. „Diese Phantasien müssen sich entwickeln und brauchen Zeit, umgesetzt zu werden.“

Es ist kein wirklich gutes Buch. Zwar versucht es die reaktionären Klischees des SM-Bestsellers Shades of Grey zu umgehen – Jungfrau trifft reichen Mann, der die devote Sklavin in ihr wachvögelt –, aber an die Eindringlichkeit ihrer Filme reicht Grey mit Worten nicht heran. Nicht mal die Sexszenen im Roman sind sonderlich aufregend. Obwohl sich Grey von de Sade, Voltaire und Jean-Baptiste de Boyer inspirieren ließ.

Dafür wirft Grey die ewige Frage nach der Vereinbarkeit der individuellen Wünsche mit den Regeln der Partnerschaft auf. Wie kann ich meine Phantasien in meiner Beziehung ausleben, wenn mein Partner sexuell anders tickt? In Die Juliette Society wird Catherine von ihrem Partner verlassen, nachdem sie von ihm während des Sex einen Schlag auf den Hintern fordert. Das ist nicht das Ende des Romans, aber es thematisiert einen Aspekt weiblicher Sexualität, für das im Drehbuch eines Pornos für gewöhnlich kein Platz ist. Das Recht auf Selbstbestimmung.

„Frauen neigen meiner Meinung nach mehr zur Unterwürfigkeit, im Sinne, dass sie ihre Unabhängigkeit zugunsten ihres Liebsten aufgeben“, sagt Grey. „Deshalb ist dieser Prozess, den Catherine durchmacht, so wichtig, auch in Bezug auf ihre Angst, ihren Partner zu verlieren. Das Wichtige ist, dass es ihr gelingt, diese Ängste zu überwinden.“ Sich den inneren Konflikten zu stellen, statt sie ins geheime Tagebuch zu verbannen – die Ausgangslage ähnelt Sasha Greys eigener Biographie. Auch sie hat nach einer Möglichkeit gesucht, ihren Phantasien Ausdruck zu verleihen und dabei das Risiko in Kauf genommen, Beziehungen zu Freunden und Familie aufs Spiel zu setzen. Da war sie gerade mal 18.

Grey wächst im kalifornischen Sacramento in einer stinknormalen Familie auf – es gibt weder Vernachlässigung noch Drogenabhängigkeit noch andere Bedingungen von denen man sagt, sie begünstigten den Eintritt ins Pornobusiness. Greys Mutter ist katholisch und auch wenn die Familie nicht streng religiös ist, spürt die Tochter als Heranwachsende doch die Auswirkungen einer Sexualmoral, die Geschlechtsverkehr als ausschließliche Angelegenheit zwischen Eheleuten betrachtet. Aufgeklärt worden ist sie zu Hause nicht.

„Ich habe versucht, mit meiner Mutter über Sex zu sprechen“, erzählt Grey. „Aber sie ist nicht drauf eingegangen“. Als sie einer Freundin geheime Phantasien anvertraut, wendet sich diese an Greys Mutter. „,So darfst du nicht empfinden, denke nie wieder darüber nach‘, sagte meine Mum.“ Die Tochter macht aber das Gegenteil. Grey beginnt, mit ihren Phantasien zu experimentieren und sucht nach einer Möglichkeit, diese in einem sicheren Umfeld auszuleben. Sie entscheidet sich für die Pornobranche, keine leichtfertige Entscheidung, wie sie betont. Sie habe sehr wohl gewusst, dass sie dadurch ihre Beziehungen zu Freunden und Familie riskiere. „Gleichzeitig merkte ich, dass ich doch nicht so abnormal bin, wie ich gedacht hatte“, erzählt sie. „Das gab mir Vertrauen. Ich wusste, ich mache das für mich.“

Sie will Grenzen verschieben

Grey recherchiert mehrere Monate lang über die Branche, bevor sie schließlich nach Los Angeles zieht, um ins „Adult Entertainment“ einzusteigen. In einer Art Bewerbungsschreiben an den Porno-Agenten Mark Spiegler schreibt sie: „Es gibt nur wenige Pornostars, die die Grenzen dessen verschieben, was man als Frau im Bett mögen soll oder wie man zu sein hat. Ich will eine dieser Frauen sein“.

Direkt ihre erste Szene ist eine Orgie, in der sie so herausfordernd auftritt, dass sogar gestandene Darsteller wie der männliche Porno-Star Rocco Siffredi irritiert sind. Greys Lust an Unterwerfung und Erniedrigung geht einher mit einem Sinn für die absolute Kontrolle der Situation. Ein Widerspruch, den sie trotzdem zu lösen versteht. Sasha Grey benutzt die Männer in diesen Szenen, die sie in völliger Unterwerfung zeigen, sich zwischen Qual und Lust windend. Ihre Kompromisslosigkeit, sich sexuell aggressiv zu geben, ist man bei Frauen nicht gewöhnt. Sie mögen noch so sehr Lust zeigen, es ist doch immer eine vom Mann dirigierte Lust. Sasha Grey dagegen behält gern die Kontrolle. Aber geht das wirklich, wenn ihr von allen Seiten ins Gesicht ejakuliert wird?

In der Dokumentation 9 to 5. Day in Porn, in der der Regisseur Jens Hoffmann Pornodarsteller über Monate mit der Kamera begleitet hat, sieht man Sasha Grey in ihrem Home-Office sitzen und eine Bemerkung über ihre Kollegen machend, die sie als Requisite benutze. „Sie sind meine Knarre, mit der ich schieße.“

Sicherlich, Greys sexuelle Vorlieben spielen direkt in die Hände der Branche. „Härter, geiler, perverser“ ist die Maxime, die Grey bedingungslos bedient. Es ist wie mit nackten Frauen auf Magazintiteln, die ihre Entscheidung, sich auszuziehen für die feministische Errungenschaft auf Selbstbestimmung halten. Sie übersehen dabei, dass Medien und Gesellschaft Frauen nach wie vor wohlwollende Aufmerksamkeit schenken, wenn diese mit Brüsten statt mit Intellekt überzeugen.

Grey widerspricht diesem Einwand nicht. Sie sei aber überzeugt, dass die Dinge sich mehr und mehr ändern, sagt sie. Nur belegen kann sie das nicht. Wenn man von weiblichen Porno-Fans absieht, die ihr versichern, wie sehr ihnen Grey geholfen habe, sich ihre Perversionen einzugestehen. Ist es nicht bemerkenswert sich seiner sexuellen Wünsche schon als sehr junger Mensch so sicher zu sein, dass die reale Erfahrung tatsächlich zur Befriedigung führt? Gibt es bei ihr gar keine Differenz zwischen Phantasien und Realität? Grey schaut etwas irritiert. Entweder sie versteht die Frage nicht, oder sie kann einfach nichts mit der Vorstellung anfangen, dass der Wunsch nach Fesselspielen auch in ein Bondage-Trauma münden könnte. Sie sagt: „So viele Leute sind der Ansicht, dieser Job hätte mich völlig kaputtmachen müssen. Die Wahrheit ist aber, mein Sexleben ist jetzt zehnmal besser als davor.“

Ähnlich verständnislos reagiert sie auf die Frage, wieso Frauen in sämtlichen Pornos innerhalb von Sekunden zum Höhepunkt kommen und damit suggerieren, der weibliche Orgasmus bedürfe nicht mehr als ein bisschen vaginaler Penetration. Wieder lacht sie, gesteht aber auch ein, dass sie durchaus schon Frauen, sogar Pornodarstellerinnen, getroffen habe, die erzählten, noch nie einen Orgasmus bekommen zu haben. „Natürlich habe ich manchmal auch großartigen Sex, ohne zu kommen“, sagt Grey. „Aber ich weiß auch genau, was ich anstellen muss, um meinen Orgasmus herbeizuführen. Ich kenne meinen Körper sehr gut.“ Einen Pornostar vorgetäuschter Orgasmen zu überführen, wäre dann wahrscheinlich auch zu viel verlangt.

Grey will auch nicht in die Rolle gedrängt werden, ein Sprachrohr für weibliche Sexualität per se zu sein. Andere Versuche, Pornographie umzudefinieren, interessieren sie nicht besonders. Nicht einen feministischen Porno kennt sie; nur Tristan Taormino fällt ihr ein, Autorin von Büchern wie The Ultimate Guide to Anal Sex for Women oder True Lust: Adventures in Sex, Porn and Perversion. Zweifellos, Greys Mission ist die der Befreiung. Aber sie gilt nur für die Frauen, die sich wie Grey von einer bestimmten Art der Sexualität angezogen fühlen – und für die das Ausleben dieser Sexualität nicht selbstverständlich ist.

Später am Abend liest Grey im Hamburger Mojo Club aus ihrem Buch. Sie trägt dasselbe Outfit wie morgens beim Interview und verfügt trotz des langen Tages noch über eine bemerkenswert professionell gute Laune. Im begleitenden Gespräch werden die üblichen Fragen nach Buch und Karriere gestellt. Dann sagt sie etwas, das ihr Anliegen knapp zusammenfasst. Auf die Frage, was sie inspiriere, antwortet Grey: „Keine junge Frau wird dazu ermutigt, auf ihre Sexualität stolz zu sein, vor allem, wenn sie abseits der Norm ist“.

In diesem Satz liegt ihr gesamtes feministisches Potenzial. Greys Arbeiten, egal ob als Pornodarstellerin oder als Autorin, zielen darauf ab, Frauen mit ihren sexuellen Vorlieben zu versöhnen – gerade weil sie fern der gesellschaftlichen Akzeptanz sind. Dass diese Aussöhnung ein Prozess ist, der von Hindernissen, Zweifeln und Ängsten begleitet ist, konnte Grey aber in keinem ihrer Filme verdeutlichen. In ihrem Buch macht sie nun genau das.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 42/13.

Kommentare (85)

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 02:11

In mehr als 200 Filmen hat die Amerikanerin ihre Lust an der Unterwerfung zelebriert

(...)

Dass diese Aussöhnung ein Prozess ist, der von Hindernissen, Zweifeln und Ängsten begleitet ist, konnte Grey aber in keinem ihrer Filme verdeutlichen.

Du meine Güte, Frau Reygers, Sie haben wirklich sämtliche Filme von Frau Grey angeschaut? Olympiareif.

Abgesehen davon: Ich vermute mal ins Blaue hinein, daß der normale Gucker von Pornos es nicht sonderlich vermissen wird, wenn der Porno, den er gerade guckt, nicht hinreichend verdeutlicht, daß die Aussöhnung von Frauen mit ihren sexuellen Vorlieben ein Prozeß ist, der von Hindernissen, Zweifeln und Ängsten begleitet ist.

Ciao

Wolfram

MaxKretzschmar 03.11.2013 | 11:39

Frauen mit *ihren sexuellen Vorlieben* versöhnen wollen??? In Flatrate-Bordellen müssen dies Frauen, die ihren Körper für wenig Geld verkaufen, auch: Am häufigsten wird Gangbang angekreuzt (beispielsweise in Europas größtem Laufhaus *Pascha*, Köln). Prösterchen, lieber LatteMacchiato-Feminismus, alle Chauvinisten und Schwarzer-Hasser werden Dir applaudieren und ein Sektchen spendieren.

SandraMeisner 03.11.2013 | 12:31

Ja, als Beispiel werden nicht Frauen genannt, die es nicht ertragen, sondern aus irgendeinem Grund gepolt sind, Erniedrigung so genießen. Redet irgendwer darüber, wie kalt und traumatisiert Sasha Greys Gesicht wirkt? Oh Freitag, quo vadis? Wie immer ist es die (deutsche) Linke (und der Freitag), der die Frauen im Stich lässt. Der einzige Fortschritt, der in diesem Land für Frauen kam, kam immer mit der Union. Für deutsche Linke sind Frauen "gedöns"

Deshalb macht ihr auch auf Spaltung: "Es gibt gute und schlechte Feministinnen, die guten machen nur, was wir Männer sagen." Sie sind natürlich pro Porno und pro Prostitution.

Sasha Grey ist kein Popstar. Sasha Grey ist ein Alibi, zum Gewissen reinwaschen, das für all die Frauen herhalten muss, die an den inneren Verletzungen sterben, an den Drogenüberdosen, an der PBTS verenden. "Heey wir haben eine einzige gefunden, ders gut geht damit! Druck die ab! Druckt die ab! Sie ist der Beweis, wie cool, dass es diese Exotin gibt! Unser Gewissen ist rein ab jetzt!"

Schade, dass hier nicht abgedruckt wird, was Wissenschaftler in der HuffPo sagen durften: Dass der Zusammenhang zwischen Gewaltneigung und Pornokonsum bei Männern SO evident ist, dass Ehtik-Kommissionen an Unis meist bis auf weitere Zeit keine Studien erlauben. Der Sozialpsychologe Ed Donnerstein sagt:

"Good colleagues of mine would argue that the relationship between... [pornography] and subsequent aggression and changes in... attitudes toward women is much stronger statistically than the relationship between smoking and [lung] cancer."

Die Gang-Vergewaltigungen überall auf der Welt haben natürlich keine Vorbilder in den Gang Bang Videos, neiiiin.

lechotobi 03.11.2013 | 12:38

sasha grey gilt als hot, weil sie intellektuell ist? oder weil sie optisch nicht wie eine pornodarstellerin aussieht.

weiß nicht recht. ich denke sie gilt als hot, weil sie sex vor kameras hat und also nichts anderes in als sex in unseren köpfen produziert. was sie von anderen darstellerinnen unterscheidet, ist dass sich eine allianz mit der popwelt eingegangen ist: glamour statt schmuddelecke mit der rechten hand am schwanz. der flair der kunstwelt und eine intellektuelle pose, die es auch den letzten ermöglichen dazu zu stehen, geil auf pornos zu sein. ein paar politische statements hier, eine musikproduktion dort, kleidung nie ohne styleberater...

nur, "ihre" filme unterscheiden sich in nichts von allen anderen pornos. wenn sie "fordernd" und "aggressiv wie männer" ist, dann nur weil das dem mainstreamtypus der frau im porno darstellt. (der andere typus wäre das überraschte naive mädchen, das nicht weiß wie ihr geschieht - aber natürlich freude daran findet.) dafür muss man als darstellerin weder einen klaren willen noch visionen haben. :)

ihre politischen visionen scheinen also doch etwas halbgar. aber zur markttauglichen verzierung taugen sie auf jeden fall!

vielleicht sollte man dem aber nicht unbedingt auf den leim gehen. sonst landet man wirklich beim 'lattemacchiato-feminismus' (grüße an herrn kretzschmar ;) )

SandraMeisner 03.11.2013 | 12:47

Sie sprechen mir aus der Seele. Sasha Grey ist ein Alibi.

Für die Frauen, die an inneren Blutungen oder der nächsten Kokaindosis sterben. Und die Frauen, die Teenies, von denen verlangt wird, es nachzumachen. Denn der Mann hat mit solchen Pornos oft erst erlernt, Lust an Erniedrigung mit Lust an Sex zu verbinden.

"Male leaders have an enormous task, because their work will be done in a cultural context that has constructed their manhood around the pornification of human sexuality.


The fusion of erotic pleasure with the domination of females is a very dangerous place to have reached."

(Catwinternational)

___

Das Nicht-Hinterfragen von Herrschaftsstrukturen, von den Wahlmöglichkeiten, die der Frau zur Verfügung stehen, ist nicht liberal, sondern konservativ.

Sich in Ausweglosigkeit vom Opfer zum Menschen umzudefinieren, der ja noch "Agency" hat, ist keine Macht. Das ist nur der letzte Spielraum der Machtlosen.

kopfkompass 03.11.2013 | 12:49

Emanzipation? Befreiung weiblicher Lust? Dominanz durch dominiert werden?

Ganz offenbar bin ich nicht intelektuell genug, Sasha Greys Karriere als drastisches Pop-Gesamtkunstwerk zu lesen.

Wann immer sie irgendwo sehe, denke ich weniger als dass ich fühle. Ich empfinde ihr Verhalten extrem selbstverletzend und ihre (öffentliche) Person als völlig gebrochen und unendlich traurig.

Auf dieses Gefühl ein, zwei bunte Diskursscheinwerfer zu richten kommt mir zynisch vor.

http://www.youtube.com/watch?v=BxUq_zzvAaA&feature=youtu.be

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 13:17

"Sie mögen noch so sehr Lust zeigen, es ist doch immer eine vom Mann dirigierte Lust. Sasha Grey dagegen behält gern die Kontrolle. Aber geht das wirklich, wenn ihr von allen Seiten ins Gesicht ejakuliert wird?" Klar, genau hier findet die Umkehrung doch statt. Der Masochist ist IMMER der Chef, der bestimmt, wie weit der Sadist gehen wird. Zu den Grenzen gibt es Vereinbarungen, die auf einem sehr hohen Maß an Vertrauen in den Partner beruhen. Gerade das ist ja der Trick mit der Hingabe. Komisch dass so viele das nicht verstehen, denn es ist so einfach.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 13:56

Ich vermute schon lange, viele Feministinnen können es einfach nicht ertragen, wenn eine Frau wirklich unabhängig mit beiden beiden im Leben steht (die sie dann "breitmacht", wann sie es will und "für" wen sie will). Damit meine ich unabhängig von den "Gefühlen" anderer Frauen und von den "Wünschen" von Männern. Vielleicht schwingt sogar etwas wie Neid mit, wenn eine Minderheit von Frauen selbst und anders entscheidet als die Masse und da sich bestimmte Feministinnen selbst nicht von ihrem Gruppenzwang lösen können.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 14:04

..."Der Masochist ist IMMERder Chef, der bestimmt, wie weit der Sadist gehen wird. Zu den Grenzen gibt es Vereinbarungen, die auf einem sehr hohen Maß an Vertrauen in den Partner beruhen. Gerade das ist ja der Trick mit der Hingabe. Komisch dass so viele das nicht verstehen, denn es ist so einfach"...

Knallhart beobachtet, Schmaltz T., komisch, dass sich das nicht so ganz mit meiner Lebenserfahrung wiederspiegelt, die meisten Sadisten die ich so zwischen Fernasien und Lateinamerika kennengelernt habe, zahlten meist ziemlich gut dass sie keine Vereinbarungen eingehen mussten, ich weiss nicht in welcher Parallelwelt Sie leben, aber es kann mit meiner nicht viel zu tun haben, die Opfer haben hinterher nur Genussvoll die Greenbacks gezählt.

Vielleicht sind die Masochisten in Deutschland nur Warmduscher die gar nicht so richtig wissen, wie es sich so glücklich unter richtigen Sadisten lebt, oder so...

SandraMeisner 03.11.2013 | 14:05

Das ist es auch, zynisch. Sasha Grey kann ihre ihr Sexualität ja gern so leben wie sie will. Nur sie als öffentliche Begründung zu nehmen, eine Pornoindustrie zu unterstützen, die Frauen ganz klar vorschreibt, wie ihre Sexualität zu sein hat: nämlich masochistisch, erregt durch die eigene Erniedrigung, durch Schmerz, das ist eine sehr oberflächliche Analyse, die Machtverhältnisse voll ausblendet. Sasha Grey unterstützt Mainstream, was genau ist am Gruppenzwang des Mainstreams befreit?

Was hat das denn mit Befreiung zu tun, wenn man die alte Norm neu verteidigt? Was ist das für eine Botschaft? "Frauen, ihr dürft sexuell befreit sein, aber nur dann, wenn ihr euch wünscht, erniedrigt zu werden! Nur so, wie die gute alte Pornoindustrie das auch will."

lechotobi 03.11.2013 | 15:08

ich glaube nicht, dass es von "moralinsäure" zeugt, wenn man sich fragt, inwieweit ein durchschnittsporno menschen zu einer stärker selbstbestimmten sexualität verhilft. ich würde das eher für eine politische frage halten als für eine moralische. welche bilder akzeptieren wir als symbole der befreiung und der selbstbestimmung.

unterscheiden muss man, glaube ich, auch zwischen der freien und selbstbestimmten entscheidung einer sasha grey ihren masochistischen neigungen nachzugehen (und damit auch noch geld zu machen), und der bedeutung, die diese entscheidung für das endergebnis im rahmen der pornoindustrie hat. im skript eines durchschnittspornos bestimmt der mann und für männliche konsumenten ist er imm allgemeinen gemacht. im genre porno empfindet eine frau nicht lust an der erniedrigung, weil die darstellerin (frl. grey) das so will, sondern weil das genre es so will.

und weil von einer linken die rede war, welche die sexuelle freiheit nicht versteht. wie kann ich als linker ausgerechnet im intimsten, das uns bleibt, unsere sexualität nämlich, davon ausgehen, dass der markt und die industrie uns glücklich machen, wenn ich überall sonst doch nach einer kritischen selbstständigen Perspektive oder nach Marktversagen suche?

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 15:23

"kopfkompass"

..."Wann immer (ich) sie irgendwo sehe, denke ich weniger als dass ich fühle (das ist augenscheinlich, dass Sie nicht denken wenn Sie sie sehen) . Ich empfinde ihr Verhalten extrem selbstverletzend und ihre (öffentliche) Person als völlig gebrochen und unendlich traurig", mein Gott, hören Sie auf zu Googeln !!!...

Wo haben Sie das her??? Sex sells und basta...

It's Shit Mr. Shmith

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Sophia 03.11.2013 | 16:03

Na, das ist ja mal ein guter Einwand! *****
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass bei Weitem nicht jeder Sadist zur großen Einfühlsamkeit befähigt oder auch nur gewillt ist. Und dann wird eben problematisch für die Partnerinnen.

Problematisch finde ich auch, wenn die masochistischen Bedürfnisse von Frau Grey so verherrlicht werden. Natürlich soll jede Frau, die solche hat, das auch ausleben dürfen. Wer wollte das schon verbieten? Aber es sollte doch bitte nicht so getan werden, als wäre es sonderlich befreiend, wenn eine Frau von drei Männern gleichzeitig penetriert wird. Da gibt’s doch wahrlich sinnlichere und lustvollere Praktiken.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 18:47

@rechercheuse

hmm ... literatur ist doch nicht nur für die leser und filme nicht nur für zuschauer ... es gibt ja auch die berufsgruppen der literatur-, film und pornowissenschaftler

Freilich. Pornos werden wegen der Film- und Pornowissenschaftler gedreht, damit die sich einen Doktorhut ergeiern können. Und die entdecken dann, daß Pornos uns das Geworfensein des Menschen in ein kaltes Universum im Sinne Sartres, Camus' und Heideggers aufzeigen wollen.

Pornogucker beim Pornogucken.

http://apxeo.info/wp-content/uploads/2012/02/Neandertaler-in-Denkerpose.jpg

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 19:20

sie dachte schon immer an avantgarde ...

Greys Buch erzählt die Geschichte einer jungen Filmstudentin, die angeregt durch die Filme Jean-Luc Godards und Luis Buñuels versucht, ihre sexuellen Phantasien auszuleben.

bald kommen tarkowski und eisenstein

eine Bemerkung über ihre Kollegen machend, die sie als Requisite benutze. „Sie sind meine Knarre, mit der ich schieße.“

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 19:34

@rechercheuse

sie dachte schon immer an avantgarde ...

>>Greys Buch erzählt die Geschichte einer jungen Filmstudentin, die angeregt durch die Filme Jean-Luc Godards und Luis Buñuels versucht, ihre sexuellen Phantasien auszuleben.<<

Bei Godards Filmen hatte ich regelmäßig mit dem Abschnarchen zu kämpfen.

Ciao

Wolfram

P. S.: Die Frage liegt nahe, warum ich dann relativ viele Godard-Filme angeschaut habe. Die Antwort ist, daß ich rausfinden wollte, warum diese Filme (damals, in den 70er Jahren) bei Intellektuellen so beliebt waren. Ich weiß es bis heute nicht.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 19:54

@tlacuache

Knallhart beobachtet, Schmaltz T., komisch, dass sich das nicht so ganz mit meiner Lebenserfahrung wiederspiegelt, die meisten Sadisten die ich so zwischen Fernasien und Lateinamerika kennengelernt habe, zahlten meist ziemlich gut dass sie keine Vereinbarungen eingehen mussten, ich weiss nicht in welcher Parallelwelt Sie leben, aber es kann mit meiner nicht viel zu tun haben, die Opfer haben hinterher nur Genussvoll die Greenbacks gezählt.

Vielleicht sind die Masochisten in Deutschland nur Warmduscher die gar nicht so richtig wissen, wie es sich so glücklich unter richtigen Sadisten lebt, oder so...

Da nicht nur du den Unterschied zwischen "Sadismus" und Sadismus nicht zu kennen scheinst und deshalb die beiden Begriffe verwechselst, will ich mich wieder mal selber zitieren:

"Carl Améry, der von den Nazis gefoltert worden war und ein Leben lang darunter gelitten hat, hat mal geschrieben: 'Auch der Masochist zerbricht unter der Folter.'

Sadomasochisten bezeichnen das, was sie tun, gerne als 'Folter'. Es ist aber ein Spiel und das Spiel heißt nicht 'Folter', sondern 'Vertrauen'. Das Spiel von Qual und Demütigung kann nur deshalb lustvoll sein, weil es eben ein Spiel ist. Allem Theaterdonner zum Trotz ist es bei sadomasochistischen Spielen das 'Opfer', das die Kontrolle über das Ritual hat. Hat er das nicht mehr, gerät ein Masochist an einen echten Sadisten, dann ist ganz schnell Schluß mit Lust. Das 'Opfer' vertraut dem 'Täter', daß dieser die Spielregeln einhält."

Vor einigen Jahren gab es mal den Fall eines Mannes, der sich von einem anderen Mann töten und dann verspeisen ließ. Die beiden hatten zuvor einen entsprechenden Vertrag aufgesetzt. Extremer kann man seine Begierden nicht ausleben.

Jede Wette, daß der freiwillig Verspeiste nicht begeistert gewesen wäre, wenn ihn irgend jemand in den Keller gezerrt und dort getötet hätte.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 20:30

@rechercheuse

>>Der Anpassungsdruck wär schon da, aber ich bin halt ein Sturkopf.<<

... aber nur bis zum abschnarchen

Ich bin ja nicht abgeschnarcht, ich habe durchgehalten bis zum Ende. Ich hab sogar Fassbinder-Filme durchgehalten, dafür wurde ich bereits mit dem Eisernen Malteserkreuz am Bande ausgezeichnet, der höchsten Tapferkeitsauszeichnung für Filmanschauer.

Ciao

Wolfram

Eberhardt 03.11.2013 | 21:56

Was ist denn Sex ohne Gefühle, ohne Sinnlichkeit, ohne Liebe? Das ist unmenschlich, wie porno, dass nur ein kapitalistisches Geschäft ist. Keine Befreieung und kein Sinn. Sogar Tiere haben beim Sex mehr Mitgefühl zueinander als diese Pornodarstellerin mit ihren Geschäftspartner. Ja, kaltherzig und innerlich zerstört. Das sieht man in ihren Augen. Warum über sie schreiben? Mit solchen Artikeln, die irgendwie diese Lebensweise preisen, kommt die Menschlichkeit um kein deut voran. Feministisch? Soll das Opfer zum Herrscher werden? Soll der Mann zum Knecht werden, damit die Frau zum Orgasmus kommt? Das die Autorin nicht in diese ethische Problematik und nur auf stolze Sexualität eingeht, macht diesen Artikel unnütze. Da war Rousseau mit seiner "Julie oder die neue Heloise" viel lehrreicher.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 22:08

"die Opfer haben hinterher nur Genussvoll die Greenbacks gezählt"

Es ist die strukturelle Gewalt, die hier zuschlägt, aber das kann man weder den Sadisten noch den Prostituierten vorwerfen. Solange alles finanziell abgegolten wird, ist es zumindest ein unangenehmer aber lebbarer Kompromiss für beide.

Mit der (nicht finanziellen) SM-Realität in D hat das, in der Tat, nicht das Geringste zu tun. Da bestimmt normalerweise der Masochist, wie weit er/sie gehen will. Im SM-Bereich verwischen übrigens die Geschlechtergrenzen sehr stark. Es gibt mind. szeneaktive Maso-Männer, wie Maso-Frauen. Wobei ich vermute, dass Frauen das oft in ihren Beziehungen leben und nicht in der Szene aktiv sind (was für Männer idR schwerer ist).

Definitiv eine der lustvollsten Perversionen, für diejenigen die dafür veranglagt sind. Leider biologisch bisher kaum erforscht. Zumindest habe ich nicht rausfinden können, welche Neurotransmitter und Hormone dafür verantwortlich sind. Eine Marktlücke, könnte man die entsprechenden Bedürfnisse mit dem Einwurf einer Tablette hervorrufen :-)

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 22:15

Wegen Leuten wie dir wird darüber geschrieben. Die entweder alles dramatisieren oder romantisieren.

Sex ist tierisch. auch wenn Menschen es machen. Vertrauen ist vorteilhaft und kann die Lust steigern, aber auch Fremdheit kann das mitunter. Bei der Penetration spielen die eigentlichen Gefühle auch keine Rolle mehr, die sind höchstens beim Vorspiel noch bemerkbar und bei der Anbahnung nützlich. Wenn das Testosteron sprudelt, sind sie vernachlässigbar.

Und es gibt halt unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen. Es ist gut, dass die das ausleben können.

askerc 03.11.2013 | 22:22

Kann von einer "stinknormalen Familie" die Rede sein, in der Sexualität in der Art und Weise, wie es in dem Artikel über Sasha Grey geschildert wird, tabuisiert wird? Offensichtlicher können Sasha Greys Beweggründe für eine Karriere in der Pornoindustrie doch gar nicht sein, oder?

Traurig auch Sasha Greys Aussage darüber (bzw. die Darstellungsweise dieser Aussage), ihr Sexualleben sei aufgrund ihrer 200 gedrehten Filme deutlich besser als früher. Sex wird nicht aufgrund der Anzahl von Sexualpartnern oder der Erfahrungen die man macht lustvoller oder hochwertiger oder wie auch immer man es nennen mag, sondern ganz schlicht und einfach durch die Anzahl der Lebensjahre.

Und ich frage mich auch, wie man von Unterwerfung sprechen kann, wenn Sasha Grey all den Männern befehlen kann, ihr ins Gesicht zu spritzen.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 22:33

"im genre porno empfindet eine frau nicht lust an der erniedrigung, weil die darstellerin (frl. grey) das so will, sondern weil das genre es so will."

Im Optimalfall beides. Gerade im SM-Bereich gibts da viele Überschneidungen. Man kann keinen erstklassigen guten Porno drehen, wenn man sich da nicht reinfühlen kann. Das gilt im Fetisch-Bereich im besonderen Maße. Klar, 0815 Filme habe das ritualisiert, das merkt man idR aber (negativ).

"ausgehen, dass der markt und die industrie uns glücklich machen"

Das tut sie nicht, kann sie gar nicht, aber sie kann ganz hilfreich sein ;-)

"wenn ich überall sonst doch nach einer kritischen selbstständigen Perspektive oder nach Marktversagen suche?"

Ich bin links, nicht weil ich Marktversagen suche, sondern weil ich es überall finde. Das ist ein Unterschied. Nichtdestotrotz funktioniert "Markt" hier und da ganz gut.

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 22:50

"Das ist es auch, zynisch. Sasha Grey kann ihre ihr Sexualität ja gern so leben wie sie will. Nur sie als öffentliche Begründung zu nehmen, eine Pornoindustrie zu unterstützen, die Frauen ganz klar vorschreibt, wie ihre Sexualität zu sein hat: nämlich masochistisch, erregt durch die eigene Erniedrigung, durch Schmerz, das ist eine sehr oberflächliche Analyse, die Machtverhältnisse voll ausblendet."

Machtverhältnisse? Die P-Industrie beliefert alle mit dem, was sie wollen. Nix Macht. Masochistische Männer finden da ebenso ausreichend Material. Oder Lesben. Oder Schwule. Weil die P-Industrie das macht, wird es zum Zwang? Kaum.

Der Zwang ensteht wohl eher durch die Vorlieben des momentanen Partners, dessen Vorlieben durch Porno vielleicht expliziter sind, als sie das früher waren.

"sexuell befreit sein, aber nur dann, wenn ihr euch wünscht, erniedrigt zu werden!"

Keinesfalls, du solltest das SG-Beispiel nicht pauschalisieren.

Sexuelle Befreiung hat mit Pornos nicht viel zu tun, außer, dass sie nicht mehr verboten sind. Sexuelle Befreiung ist, wenn du dich per Online-Portal straf- und folgenlos zum One-night-stand verabreden kannst. Mit Partnern, die deine Vorlieben teilen und/oder respektieren.

"Nur so, wie die gute alte Pornoindustrie das auch will."

Die will nur Geld verdienen, sonst nichts.

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Eberhardt 03.11.2013 | 23:38

"Die Psychoanalyse erklärt zwar die Genealogie des Körper-Subjekts... Es ist ein grosser Fortschritt für die Erkenntnis [im Vergleich zum Monopol des Beichtvaters]. Aber vorgeschlagen als eine falsche Universalität, weil dieses Spiel des "Ichs" nur das der Bourgeoisie ist... Die Wahrheit der psychoanalysierten Bourgeoisie... hilft die Politik des Kapitalismus aufzubauen. Sie ist eine Blockierung der Erkenntnis des [Klassen-]Bewusstseins... Der Krieg tobt draussen – der Wirtschaftskrieg – aber die Bourgeoisie scheert sich um einen Dreckt darüber: sie hat alles abgesperrt, um sich mit ihren internen Widersprüche zu konfrontieren, aber reduziert auf die Verwaltung ihrer sexuellen Problematik. Das [psychonanlytische] "Ich" ist nur die Verwaltung des Eros... reduziert auf die Sexualität des Liberalismus" Michel Clouscard, Kritik des libertären Liberalismus (kurz mal vom französichen "Critique du libéralisme libertaire" übersetzt.

Ich glaube, sie haben nicht den Unterschied zwischen Mensch und Tier verstanden. Sex, wie alles Menschliche, hat mit Ethik zu tun. Manche bezeichnen Rowdys, Mörder als Tiere. Sie wollen den cartesianischen Zwiespalt kultivieren. Porno, SM, usw. gehört zum erniedrigenden kapitalistischen Geschäft. Das beschreibt sehr gut Clouscard. Es ist regressiv. Das höhere sexuelle Empfinden des Menschen ist in seiner sakralen Dimension zu suchen. Dahinter ist keine dramatik oder romantik, das ist alleine eine progressive Haltung gegen den überall grasierenden Krieg, auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 00:05

"Ich glaube, sie haben nicht den Unterschied zwischen Mensch und Tier verstanden. Sex, wie alles Menschliche, hat mit Ethik zu tun."

Er ist ethisch reglementiert, zumindest die Anbahnung und die Freiwilligkeit. Ansonsten dient er nach wie vor den primitivsten körperlichen Bedürfnissen. Die letztlich nur einen einzigen Sinn haben: Fortpflanzung. Wenn das nicht tierisch ist, was dann?

"Porno, SM, usw. gehört zum erniedrigenden kapitalistischen Geschäft."

Nein, da es sie zu jeder Zeit und in jeder Gesellschaft auf die ein- oder andere Art gab.

"sexuelle Empfinden des Menschen ist in seiner sakralen Dimension zu suchen"

Sakrale Dimension? Sex ist wie immer: feucht, klebrig, schwitzig, mit Körpergerüchen aufgeladen. Bei Tageslicht und ohne entsprechenden Hormonspiegel: ekelig und unhygienisch und sowas von überhaupt nicht sakral.

Die Empfindungen finden hauptsächlich im Hypothalamus statt, einer der urtümlichsten Hirnregionen.

Freud bezeichnete das m.E. nicht umsonst als "Es", die unbewussten Triebe und Bedürfnisse, die immer wieder durchkommen. Heutzutage kann und darf das "Über-Ich" (die Kontrolle) sie lediglich unbeschnittener rauslassen.

"Dahinter ist keine dramatik oder romantik, das ist alleine eine progressive Haltung gegen den überall grasierenden Krieg, auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen."

Das ist mir zu pathetisch. Ich empfinde mein Leben nicht als Krieg, und Sex schon gar nicht. Wenn ich schonmal welchen habe, dann ist das eher wie Ostern und Weihnachten, nicht wie Bomben und Granaten :-)

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 04:31

..."Bei Godards Filmen hatte ich regelmäßig mit dem Abschnarchen zu kämpfen." ... "P. S.: Die Frage liegt nahe, warum ich dann relativ viele Godard-Filme angeschaut habe. Die Antwort ist, daß ich rausfinden wollte, warum diese Filme (damals, in den 70er Jahren) bei Intellektuellen so beliebt waren. Ich weiß es bis heute nicht"...

Jetzt verstehe ich endlich deine "Kopflastigkeit", du hättest lieber so Sachen wie "Sissy", "Dschango" oder "Einer flog übers Kuckucksnest" im Ersten oder Zwooten anschauen sollen, und nicht immer um 22.40 Uhr in den Dritten rumzäppen sollen.

Übrigens, als Starautor im Freitag leuchtet neuerdings so ein Banner oben Rechts im Freitag, ganz grosses Theater:

"Warten auf Wolfram", ääh, "Godot"

:-))))))))

Gruss

rheinhold2000 04.11.2013 | 07:25

"Problematisch finde ich auch, wenn die masochistischen Bedürfnisse von Frau Grey so verherrlicht werden. Natürlich soll jede Frau, die solche hat, das auch ausleben dürfen. Wer wollte das schon verbieten? Aber es sollte doch bitte nicht so getan werden, als wäre es sonderlich befreiend, wenn eine Frau von drei Männern gleichzeitig penetriert wird. Da gibt’s doch wahrlich sinnlichere und lustvollere Praktiken."

ich habe das mal etwas umgeschrieben. exakt so wurden die homophoben verbotsorgien in moskau begründet:

"Problematisch finde ich auch, wenn homosexuelle Bedürfnisse von Schwulen so verherrlicht werden. Natürlich soll jede Frau und jeder Mann, die solche hat, das auch ausleben dürfen. Wer wollte das schon verbieten? Aber es sollte doch bitte nicht so getan werden, als wäre es sonderlich befreiend, wennMänner mit männern und Frauen mit Frauen schlafen Da gibt’s doch wahrlich sinnlichere und lustvollere Praktiken.

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 08:44

Das ist nun aber die Wiederholung von "So darfst du nicht empfinden, denke nie wieder darüber nach". Das kann ja nun aber auch nicht gerade besonders feministisch sien, wenn Frauen anderen Frauen verbieten, zu fühlen, wie sie fühlen, nur, weil Männer das für deren Argumentation missbrauchen könnten? Dazu die seltsame Interpretation des Gesichtsausdrucks: gehen sie mal durch die Fußgängerzone, und Sie werden überwiegend Gesichter sehen, die Ihren Anforderungen entsprechen. Für mich sind Ihre Äußerungen Diffamierung und Bevormundung der nach Ihrer Auffassung nicht richtig aussehenden und fühlenden Geschelchtsgenossinnen. Und was soll eigentlich die Kosequenz sein? Nur brave Frauen kriegen einen Beschützer, der sie vor den bösen HuffPo-Männern bewahrt? Willkommen in der Steinzeit!

Ratatörskr 04.11.2013 | 10:42

Das spannende Endlosthema. arte zeigte zufällig gerade den japanischen Film "Guiltyof Romance". Ich meine, er ist sehenswert, obwohl ich zunächst abschalten wollte, war ich schnell gefangen. Spannend auch die literarische Brücke zu Kafkas "Das Schloss". Es bleibt kaum eine Frage oder Widerspruch ausgeklammert. Gesellschaftspolitisch ist Religion und/oder Kaste das erste persönliche sexuelle Gefängnis, aus dem man ausbricht und unversehens wieder zurückkehrt.

Ein Thema aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, schockierend erhellend und läßt die Frage nach der Emanzipation m. E. offen: Ist der Schrei nach Geld für Sex die Emanzipation der Frau oder ist es die Bezahlung des Mannes, seine erkaufte, vermeintliche Herrschaft über die Frau?

Eberhardt 04.11.2013 | 10:52

Freud hat das Menschliche nur auf die Frustration der Libido reduziert. Der Freudo-Marxismus, der die vermeintliche sexuelle Revolution begleitet hat, ist eigentlich eine Konter-Revolution mit oberflächigen marxistisches Geschwätz. Die Befriedigung der Begierde, als "produktiv" von Deleuze bezeichnet, ist eigentlich ein Mittel, um den Neo-Kapitalismus durchzusetzen. Weiterhin, führt diese Sex-Industrie zum Neofaschismus. Nur die Elite kann sich ihre sexuelle Wünschen befriedigen lassen. Man muss eben gut bestückt sein, um sein sexuelles Leben mit immer neuen und härteren Praktiken auszutoben. Siehe Strauss-Kahn, ehemaliger IWF-Chef, als Symbolfigur. In Zeiten der wirtschaftlichen Krise ist dafür das gemeine Volk von dem Genuss ausgeschlossen und schliesst sich aus Frustration an den Neofaschismus an. Dieses "kleine Spiel vom Abbremsen und Peitschenhieb" wurde meisterhaft schon 1973! von Michel Clouscard in seinem anderen Buch " Neofaschimus und Ideologie der Begierde" als Antwort auf Deleuzes "Anti-Oedipus" beschrieben.

Haben sich schon Welche gefragt, warum die SM-Ausrüstung die der Neonazis gleich kommt?

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 11:22

"Haben sich schon Welche gefragt, warum die SM-Ausrüstung die der Neonazis gleich kommt?" Na klar. Allerdings sollte man (Porno-, Sexploitation-)Film nicht mit der Realität verwechseln, denn manche SM-Anhänger führen ihre Praktiken ja auch in ganz normalen Schlafanzügen aus. Oder im rosa Kuschelhasenkostüm. By the way: http://www.ikonenmagazin.de/artikel/sadiconazista.htm

kolumnarde 04.11.2013 | 11:41

Interessant hier mal treffenderweise von Clouscard zu lesen, ich ergänze mal eine engl. Übersetzung, die Bezug zu einem umstrittenen bekannten Deutschen, der auch ein liberalalla Sex-Problem hat, herstellt:
Neofascism will be the ultimate expression of libertariansocial liberalism, of the unit which starts in May 68. Its specificity holds in this formula: All is allowed, but nothing is possible. The permissiveness of abundance, growth, new models of consumption, leaves the place to the interdict of the crisis, the shortage, the absolute depauperation. These two historical components amalgamate in the head, in the spirit, thus creating the subjective conditions of the neofascism. From Cohn-Bendit (libertarian leftist) to Le Pen (French extreme nationalist), the loop is buckled: here comes the time of frustrated revanchists.”

u.a. daran hat sich auch ein anderer abgearbeitet:

Although Houellebecq's work is often credited with building on conservative, if not reactionary, ideas, his critical depiction of the hippie movement, New Age ideology and the May 1968 generation, especially in Les Particules Elementaires, echoes the thesis of MarxistsociologistMichel Clouscard.

http://en.goldenmap.com/Michel_Houellebecq

der bei uns z.B. mit der "Ausweitung der Kampfzone" bekannt wurde:
„In einem völlig liberalen Wirtschaftssystem häufen einige wenige beträchtliche Reichtümer an; andere verkommen in der Arbeitslosigkeit und im Elend. In einem völlig liberalen Sexualsystem haben einige ein abwechslungsreiches und erregendes Sexualleben; andere sind auf Masturbation und Einsamkeit beschränkt. Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen.“

Folglich kann man S. Grey´s "Emanzipationsbegriff" auch als ein weiteres Plädoyer für sex. Liberalisierung betrachten, die in ihrer Quintessenz. wenig fortschrittlich, eher reaktionär ist.

Ratatörskr 04.11.2013 | 13:19

>Grey zeigt sich als sexuell emanzipierte Frau, die genauso aggressiv und pervers ficken kann, wie man es gemeinhin Männern zugesteht.<

Die sexuell emanzipierte Frau oder der sexuell emanzipierte Mann sind doch eher keine emanzipierten Persönlichkeiten. Schon gar nicht in Verbindung oder in der Übersetzung mit Marktliberalität! Liberalisiertes Suchtverhalten in allen Schattierungen? Das ist etwas anderes als eine emanzipierte eigenständige u. eigenverantwortlich handelnde Persönlichkeit.

Grey ist in ihr persönliches Gefängnis des Herrschens und Beherrschens zurückgekehrt. Ob sie sagen kann, dass sie ihre Würde noch empfindet oder wann und wo sie diese verlor? Eine andere Farbe macht kein anderes Chamäleon!

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 13:34

Zunächst: falls Sie mit Ihrem, Hinweis auf Ihre Lebenserfahrung auf mein junges Aussehen anspielen, so kann ich Sie beruhigen. Ich werde oft jünger geschätzt als ich bin und meine androgynen Eigenschaften setzte ich auch manchmal gezielt ein. Allerdings bin fast 39 und habe auch schon einiges an verschiedenen Orten erlebt. Wie Wolfgang Heinrich schon schreibt, Sie verstehen den umgekehrten kinky Kick offenbar nicht. (So entstehen übrigens sehr viele Missverständnisse und Vorurteile.)Vielleicht aber habe ich mich nicht präzise ausgedrückt - das passiert mir manchmal leider. Lesen Sie mal das hier, von der bekannten lesbischen Autorin Kathrin Passig und ihrer Partnerin. Dort wird für Einsteiger genauer angegeben, was dahinter steckt: http://www.rowohlt.de/buch/Kathrin_Passig_Die_Wahl_der_Qual.2440165.html

Eberhardt 04.11.2013 | 14:08

Ich verstehe schon, dass einige Menschen mit höherem Bewusstsein einen Unterschied zwischen Virtuelles und Realität machen können. Wenn aber das voyeuristische Verhalten durch die Medien aufgepuscht wird und Porno, Sexploitation, usw. zu einer Gewohnheit wird, dann wird unweigerlich das Vorstellungsvermögen der vermeintlich Bewussten von Gewalttätigkeit besetzt. Die wird manchmal wegen einer Neurose, die aus der Kindheit stammt, zu einer mehr oder minder starken Sucht. Weiterhin werden durch diesen Konsum die ureigenen positiven Empfindungen verdrängt. Dann verenden Zärtlichkeit, Sinnlichkeit hinter dem lauten Grundgeräusch der schnellen Erregung des standisierten Sex-Produkts. In dieser Falle bleibt auch die "Intelligenz" mit ihren Bücher, Zeitschriften, Filme hängen, ohne wissen zu wollen, dass sie nur am Spiel des Kapitalismus teilnimmt und die Anderen mithineinzieht.

Fazit: Alles Voyeuristische vom Bildschirm verbannen (es ist schon genug in unserem Gehirn hängen geblieben) und die Welt unserer Gefühe so aufbauen, dass man die Sinnenlust durch seine eigene Vorstellungswelt langsam bis zum Klimax aufbäumt. Dort gibt es einen ganzen Kosmos, den es noch zu erforschen gibt. Der Partner muss in unserem Bewusstsein immer noch als gleichwertiges Subjekt auftreten, auch wenn kurzweilige Spielchen ihn zum Objekt machen. Ich habe selber eine Konferenz über das Thema "Sexualität, Sinnlichkeit, Zärtlichkeit" abgehalten, die leider nur auf Französisch hier zu lesen ist. Auf Deutsch gibt es sonst auch noch einen verwandten Text über Tristan und Isolde.

Eberhardt 04.11.2013 | 14:35

Hallo!

Ich danke ihnen für diesen Hinweis. Ich wusste nicht, dass Clouscard in Deutschland gelesen wird. Es ist langsam Zeit, dass der Freudo-Marxismus, der sich an de Sade und Nietzsche anlehnt, entzaubert wird. Nietzsche : "Du gehst zur Frau, vergiss die Peitsche nicht!". Es reicht mit dieser Herabwürdigung des Menschen. Auf meinen Webseiten, kommt Clouscard viel zu Wort, in Philosophie und Wirtschaftspolitik, Tristan und Isolde, Familengeheimnisse und andere Tabus, usw. Vielleicht haben sie ein paar Kommentare dazu.

Dagegen halte ich Houelebecq für eine zwielichtige Gestalt. Ich habe ihn aber nicht gelesen und kann es nicht beurteilen.

Gruss :-)

kolumnarde 04.11.2013 | 15:11

Die Rezeption von Clouscard in D ist äußerst schwach, das stimmt. Er hat nicht einmal einen Eintrag in der deutschen Wikipedia und es gibt soweit ich recherchiert habe auch keine Übersetzung ins Deutsche, nur ein Buch ist in D in englischer erschienen und – abgesehen von winzigen soziologischen Zirkeln mit marxist. Grundierung - kaum registriert worden.

Mitbekommen habe ich von ihm etwas z.B. durch die Debatten auf dem mehrsprachigen Portal des transform-Netzwerkes
http://transform-network.net/fr/journal/numero-102012.html
(ist für Sie evtl interessant, klinken sie sich ggf ein)

und im Studium bei der eher soziologisch orientierten Recherche über die von Bourdieu & Co. angestoßenen Debatten über Neoliberalismus in F. Da taucht der Name öfter auf, aber man muß schon suchen, wenn man eine deutsche oder englische Übersetzung braucht, weil das eigene Schulfranzösisch für diese doch z.T. komplexen Texte nicht hinreicht, so wie bei mir – leider.

Houellebecq halte ich auch für zwielichtig, er hat einen Hang mit den Rechten zu kokettieren, den ich abstoßend finde. Ebenso den Umstand, daß er sich u.a. in Clouscards Werken wie in einem Steinbruch bedient, um seine z.T. kruden Thesen intellektuell zu hinterlegen. Aber diese publizistische Unsitte ist, neben dem C&P-Plagiatentum längst mainstream und eingerührt in sex-sells-Sümpfe immer gut für einen Bestseller – wiederum leider.
BG

kolumnarde 04.11.2013 | 15:42

Hm, seit den Foucaultschen Bekenntnissen scheint das postmoderne SM in der Intelligenz salonfähig und im Zuge des weiteren anything-goes + Liberalisierung im mainstream angekommen.
Vorläufiger Höhepunkt der Trivialitäten war 50 shades of Grey, woran die hier vorgestellte Autorin nicht nur namentlich nahtlos anzuknüpfen scheint.
Wer es etwas ziviler und anspruchsvoller mag, greift zu ihrem Buchtipp, da öffnet sich dann auch das Fenster zur weiblichen Homosexualität in dieser Spielart des Sexes. (seit dem Onlineversandhandel von sex-toys haben sich gerade Lesben mit ausgeprägt speziellen Wünschen dieser diskreten Bestellwege bedient, man/n glaubt es kaum – nebenbei boomt auch der lesbische Porno und die Barrieren ggü Prostitution dürften auch dahinschwinden, vermute ich – seltsames Treiben das)

Man/n wird dabei den Eindruck nicht los, daß hier nur eine weitere Variante des GV auf den Markt getragen und am Reiz des „Perversen“ partizipiert und verlegerisch davon profitiert wird. Wirkt doch alles in allem wie ein gepushter Boom und ich frage mich daher, wieviel Langeweile muß in den Schlafzimmern herrschen, wenn diese Praktiken samt ihrer nicht eben billigen Ausstattung wie eine Welle in selbige zu schwappen scheinen.
Das Einfallstor bzw. die Leserschaft und die Bestellenden des nötigen Zubehörs sind übrigens, laut eines ZO-Artikels (gucke mal nach dem Link) zu 50shadesofgrey, weit überwiegend Frauen mittleren Alters...
Da habe ich mir dann schon gedacht, aha, die Feuchtgebiete in den hochentwickelten Ländern stehen auf die etwas härteren Nummern bzw. needs more hc-stuff. Bei klaren Spielregeln und voller Kontrolle versteht sich. Und bitte was hat das noch mit Ausleben sexueller Phantasien zu tun?
Geht es nicht viel mehr um kinky fun & the next kick und darum dem routinierten oder sonstwie eingefahrenen Sexualleben mal einen neuen Anstrich zu geben?
Soweit ich weiß, sind ja SM-Praktiken unabhängig von der sexuellen Orientierung und somit erworbene, in vielen Fällen in der Sexualentwicklung als Präferenz ausgeprägte, Neigungen und daher biographisch eingewurzelt.
Lustig ist dabei die Diskussion mit emanzipierten Frauen zu diesem (Masochismus ist überwiegend weiblich) Thema, wo dann dieser doch nicht unbedeutende Part des Privaten, dann doch nicht so politisch und alltagspsychologisch vernachlässigbar ist, wie ansonsten gern behauptet wird. Bißchen widersprüchlich, aber wirklich nur ein bißchen, das, finden Sie nicht?^^

;-)

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 16:14

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich ihre Begründungen nachvollziehen, dennoch sage ich, der Mensch ist als rationales Tier selbst verantwortlich für das, was er konsumiert. Übergeordnete Instanzen wie Medienmmachtpolitik sind zwar Fremdeinwirkungen, aber auch steuerbar. Dass "Eigenverantwortung" vielleicht neolieberal anmutet, ist klar, aber das meine ich nicht. Sondern eine Verantwortumng des Einzelnen, so wie er kann. Und ich glaube, (auch was Pornokonsum betrifft) iost es einfacher/natürlicher, die Menschen erst mal machen zu lassen. Ein-und ausschlaten kann jeder Erwachsene und jedes Elternteil kann seine Kinder zu Selbstentschiedern erziehen. Leider schaffe ich es nicht mehr, auf weitere Details Ihrers kommentars einzugehen.

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Ehemaliger Nutzer 04.11.2013 | 16:36

"Wer es etwas ziviler und anspruchsvoller mag, greift zu ihrem Buchtipp, da öffnet sich dann auch das Fenster zur weiblichen Homosexualität in dieser Spielart des Sexes. […]" ? Zwar kenne ich S.o.G. nicht, ahbe es aber wie Ausweitung der Kampfzone ungelesen im Regal. Die beiden Autorinnen verzeichen eben KEIN stereotyp lesbisches Bild des (BD)SM. Die sind einfach normal. Sie schreiben allgemein für alle, das ist ja das Interessante. Und für den Schwanzist mit Beutel und Ratte ist die humorvolle Schreibweise vielleicht ein Anreiz :D :X http://www.ralf-koenig.com/wie-die-karnickel.html

kolumnarde 04.11.2013 | 18:16

guck mal hier
http://www.ats-group.net/ressourcen/zeitungen-franzoesisch.html

von der wusste ich auch noch nichts, ist vielleicht interessant/er für dich, da D&F verbindend, von D bzw Berlin aus:
http://www.lagazettedeberlin.de/index.php?id=1432

soweit ich es verstanden habe, gehen da auch eigene Blogs.
Politische Ausrichtung ebenso diffus irgendwie links-linksliberal mit lifestyle-Abteilung und so - nun ja, guck halt mal.

Eberhardt 04.11.2013 | 21:19

OK für die eigene Verantwortung. Meine bewusstseinsbildende Kommentare (und die von Kolumnarde) zielen darauf hin, welche sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen wir auch ausgesetzt sind. Denn es wird meinstens nicht auf diesem Feld aufgeklärt, weil die Tabus noch verdeckter sind als was Sex angeht.

OK auch für die entsprechende Erziehung der Kinder. Haben sie welche? Wie es Rousseau empfohlen hat, habe ich meiner Tochter die Schönheit der Zärtlichkeit gepriesen, die als nötiger Ausgangspunkt für Sinnlichkeit und Sex ist. Nur das Vorspiel der zwischenmenschlichen Gefühle kann zum Ausleben von tiefgründiger Sinnenlust zwischen Gleichgestellten führen. Sobald dieses Verhalten sichergestellt ist, kann man diversen Spielchen mit dem Partner versuchen, ohne die Beziehungsgrundlagen zu zerstören. Beobachtung des Partners und Liebe ist immer vorrangig, damir das Sexleben durch diverse Praktiken herrlich wird.

Eberhardt 04.11.2013 | 21:34

Das ist aber nett, dass du dich um mich kümmerst :-)

Ich bin Deutsch-Franzose und wohne als Bauer in Süd Frankreich. Ich kenne meine Frenchies auswendig. Im Bereich Ideologie und Dogmatik sind sie sehr stark. Nur sind sie schwächer was die Praxis angeht. Seit mehr als 16 Jahren versuche ich sie dahin ohne merklichen Erfolg zu bewegen. Auf diesem Forum merke ich, dass der Austausch viel tiefgründiger und effektiver ist. Weil ich auch nicht zu viel Zeit habe, reicht mir der Freitag-Forum aus, auch wenn man sich in meiner kleinen Sradt machmal einsam fühlt ;-)

kolumnarde 04.11.2013 | 22:54

Wäre ich ein Russe in Russland, gehörte ich vermutlich zur aussterbenden Art der männlichen Heten, die vielfältige Kontakte zu Schwulen haben. Ich bin hier zwar immer noch - politisch und sexuell - ein Fremder im eigenen Land, aber diese Differenz weiß ich zu schätzen.
Ich weiß´ansonsten auch nicht so genau was die Schwulengemeinde an mir findet, evtl. diese Melange von männlich-markanter Physis und androgynem Outfit? Wahrscheinlich quatschen meine stockschwulen Freunde nur einfach gern über Sex, geile Männer und warum die Frauen so sind wie sind – ich mein` die kriegen ja meist die besten Schnitten ab und das verärgert^^
Von daher sind mir die Comic-Weisheiten von Ralf König natürlich wohlbekannt und ein paar seiner zeichnerischen Entdröselungen der Geschlechterverhältnisse befinden sich als Erstausgaben in den – in einem anderen Blog beschriebenen – Regalen. Und da Teile unseres Nachwuchses u.a. homosexuell sind, erweitert sich die Rezeption des beachtlichten Königs-Werkes innerfamiliär auf diese und zuweilen erschallt dann während der Lektüre -sein wahrhaft königliches – jedoch mangels Adelsstand ungebremstes – ein Gelächter in den Räumlichkeiten der nachfolgenden Generation.

Jedenfalls ist Hetero - (BD)SM – egal wie und wo – nicht wirklich mein Fall. Ich finde Dominas nicht sexy und mag auch nicht der Befehlsausführende für den weiblichen Kontrollfreak, genannt Masochistin, spielen. Da mangelt es mir an den meinen Geschlecht, vielleicht nicht uneigennützig, zugeschriebenen Dominanz – im Übergang zum Sadismus – Reflexen, auf jeden Fall aber ist es so, daß mich vorauseilende Unterwürfigkeit bei Frauen, egal ob politisch oder sexuell, generell abtörnt bis zur völligen Erschlaffung. Echte sexuelle Emanzipation finde ich hingegen anziehend, bis ich weiß nicht wohin...
;-)

Ich steh´ also eher auf die Zwischenräume, falls Sie das musikalisch-erotisch interessiert:
(der eine ist vermutlich gut bekannt und mir optisch recht ähnlich – aber ich bin viel jünger hähä, der andere ist W. Dauner – auf ihre Art manchmal Kon-Genies. Und bitte was zieht Frauen, die auf Männer stehen, mehr an als deren Intellekt, gepaart mit Kreativität – als Versprechen auf den ultimativen flow = Ekstase ihres Lebens?)

http://www.youtube.com/watch?v=SeEN4QoUvOM

und es gibt auch weibliche Zwischenräume, die eine meiner Exen so ausdrückte:
http://www.youtube.com/watch?v=-GDntJEctlc


Im deutsch-französischen Volltext (aus der HD-Schublade):

Q.I.

Même si j'en ai vu des culs

C'est son Q.I qui m'a plu

Je vis le choc de cul...ture

La belle aventure

~

Même si je suis dans son lit

C'est son Q.I qui me lie

À lui pour la vie entière

Bien que solitaire

~

Et moi j'en ai vu des culs

Mais c'est son "Q.I" qui eut

Le dernier mot pour m'avoir

Là, sur le plongeoir

~

Bien sûr j'en ai vu des cons

Mais son Q.I me rend com-

-plétement occise de désir

Quitte à en mourir

~

Sa bouche est sanctuaire

La plus sacrée des prières

S'alanguir est pour moi

Le pire des effrois, c'est froid

~

Sa bouche est sanctuaire

Le plus sacré des mystères

Il est l'ange pour moi

Je lui dis tout bas...

~

Qu'il a les rondeurs d'un "Rodin"

J'aime! Ça m'incite à...

Il sait la douceur de mes reins

Qui oscillent...

Il sent la tiédeur de mes mains

J'aime! Ça l'incite à...

Longue est la route de nos plaisirs...

...sémantiques!

~

Même si j'en ai vu des cas

Son Q.I moi, me rend coi...

Devant telle érudition

Langue morte, non!

~

Et quand je suis dans son lit

C'est son Q.I qui me lit

La physique des quantas

Quant-à-moi, je crois que...

~

Ton Q.I, mon cul est, ton Q.I

C.Q.F.D.

I.Q.

Auch wenn ich schon Ärsche gesehen habe

Ist es sein IQ welcher mir gefallen hat

Ich lebe den Schock eines Arsches... teuer

Das schöne Abenteuer

~

Auch wenn ich in seinem Bett liege

Ist es sein IQ welcher mich bindet

An ihn für die Ewigkeit

So gut wie Alleinsein

~

Und ich, ich habe schon Ärsche gesehen

Aber es ist sein IQ welcher

das letzte Wort hatte mich zu kriegen

Dort, auf dem Sprungbrett

~

Sicher habe ich schon Idioten gesehen

Aber sein IQ bringt mich völlig

Um vor Verlangen

Sprich daran zu sterben

~

Sein Mund ist Heiligtum

Das heiligste aller Gebete

Erschlaffen ist für mich

Das schlimmste Entsetzen, es ist kalt

~

Sein Mund ist Heiligtum

Das heiligste aller Mysterien

Er ist der Engel für mich

Ich sage es ihm ganz leise...

~

Dass es Rundungen eines #Rodins# gibt

Ich liebe! Das treibt mich an zum&

Er weiss um die Sanftheit meiner Lenden

Welche schwanken...

Er fühlt die Lauheit meiner Hände

Ich liebe! Dies treibt ihn an zum...

Lang ist der Weg unseres Vergnügen...

... Semantisch!

~

Auch wenn ich schon Fälle sah

Sein IQ macht mich sprachlos&

Vor solch einer Belesenheit

Tote Sprache, nein!

~

Und wenn ich in seinem Bett bin

Ist es sein IQ welcher mich durchliest

Die Quantenphysik

Was mich anbelangt, ich glaube, dass...

~

Dein IQ, mein Arsch ist, dein IQ

C.Q.F.D.

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