Verena Schmitt-Roschmann
18.01.2012 | 16:00 6

Bürger, zur Sonne!

Ökostrom Über die Kritik an der Solarförderung wird bisweilen vergessen: Strom vom eigenen Dach wird bald billiger als der eingekaufte vom Versorger

Der Ausbau der Solarenergie hat in den vergan­genen Jahren durchaus seltsame Blüten getrieben: Die saftigen Renditen der Hausbesitzer mit ihren Solarpanels, die fetten Gewinne einiger deutscher Hersteller dank üppiger gesetzlicher Förderung – an diesem Braten ist tatsächlich eine Menge Schwarte. Wenn die Bundesregierung in der nächsten Woche die überarbeitete Förderung der erneuer­baren Energien vorstellt, sind also eine ganze Menge an Einsparungen möglich. Das Wehklagen der Lobbyisten muss niemand erschüttern.

Dass sich nun allerdings der CDU-Mittelständler Michael Fuchs zum Rächer des Präkariats aufschwingt und die hohen Stromrechnungen der Hartz-IV-Empfänger beklagt, dass er zusammen mit seinem Atomparteifreund Joachim Pfeiffer das Ende neuer Fotovoltaikanlagen besiegeln will, dass Wirtschaftsminister Philipp Rösler im FDP-Überlebenskampf den Strompreis-Horror aufbaut und uralte, wirkungslose Gegenmodelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz auftischt – das ist mehr als ärgerlich.

Dasselbe Stroh

Es wird hier Jahr um Jahr aufs Neue dasselbe Stroh gedroschen. Der Wirtschafts­minister steht für die Interessen der großen Stromkonzerne, denen der kleinteilige Ausbau erneuerbarer Energien Arbeit macht. Der Umweltminister hält dagegen. Denn immerhin gibt es eine Energiewende: Bis 2020 soll der Ökostrom-Anteil von 20 auf mindestens 30 Prozent wachsen. Eine Vollbremsung jetzt wäre absurd.

Die Ironie liegt jedoch darin, dass ausgerechnet die Jünger der Marktwirtschaft einen über den Wettbewerb erzielten Preisverfall beklagen. Denn die Solarförderung ist nur deshalb zu üppig, weil der Gesetzgeber nicht mit dem Kürzen hinterherkommt: Seit chinesische Hersteller der deutschen Konkurrenz mit Billigmodulen einheizen, sind die Preise für neue Anlagen im freien Fall.

Solarstrom wird billig, und zwar auch im regengrauen Deutschland. Schon für dieses Jahr rechnen Experten mit Kosten unter 15 Cent pro Kilowattstunde. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, den Strom vom Hausdach zu zapfen, statt ihn für 25 Cent bei einem der Monopolisten einzukaufen.

Kommentare (6)

Horsti 18.01.2012 | 23:43

Liebe Verena,

ob das, wörtlich genommen, nun so eine "tolle Idee" ist, möchte ich anzweifeln.
Die Einspeisevergütungen machens möglich.
Unpraktisch wäre es, wegen nicht bedarfsgerechter Verfügbarkeit, außerdem.

Mich würde mal ein Quellenangabe zu den 15Cent-Experten und deren Milchmädchenrechnungen interessieren.

Die absurde Vollbremserei wird doch regelmäßig schon zumindest geprobt. Ich erinnere dabei an das Märchen vom kostenpflichtig im Ausland zu entsorgenden Windstomüberschuß und das Brimborium um den Netzausbau.

Herzliche Grüße

Schachnerin 19.01.2012 | 00:29

Ich würde den Strom an einen Monopolisten verkaufen.
Für Anlagen, die heuer ans Netz gehen, gibt es 24,43 ct/kWh Einspeisevergütung. Die Eigenverbrauchsvergütung beträgt 12.43 ct pro kWh bei einem Verbrauch von über 30%.
www.photovoltaik-bundesweit.de/cms/photovoltaik-einspeiseverguetung.html
Anlagen über 30kW können vom Netzbetreiber bei Netzüberlastung abgeregelt werden.
www.lfl.bayern.de/ilb/technik/42888/index.php

Bis die Solarpanele auf das Dach geschraubt sind, ist schon viel Strom verbraucht worden, in China Atomstrom.

Horsti 19.01.2012 | 12:29

Ah ja, vielen Dank.

Wenn man sich da ein klein wenig weiter hineinvertieft, dann kann man schnell bemerken, daß er selbst im eigenen Verein nicht unumstritten ist. sfv.de/artikel/verbraucherverbaende_widersprechen_der_forderung_des_vzbv_nach_absenkung_der_sol.htm
Das Ganze dreht sich auch eher um das Thema "Subventionen". Da wirft wohl jeder mal die Zahlen in den Ring, die seiner Meinung am nächsten kommen.