Verena Schmitt-Roschmann
25.07.2012 | 13:24 30

Gemütlich dynamisch

Schwergewicht Peter Altmaier ist ein kurioser neuer Politikertyp – oder ein antiquierter. Jetzt nimmt er sich die Energiewende vor

Gemütlich dynamisch

Illustration: Jan Stoewe für der Freitag

Auf Socken und hemdsärmlig steht Peter Altmaier im Gang eines schwankenden Kleinbusses auf der A2, rechts einen Kaffeebecher in der Hand, links ein Käsebrötchen, und schon ist er mitten im Thema. Es geht um seinen neuen Job, um den Netzausbau, die Erneuerbaren und natürlich um sein Interview vergangene Woche in der Bild am Sonntag, mit dem er einige Unruhe gestiftet hat: Stellt inzwischen sogar der Bundesumweltminister die Ziele der Energiewende öffentlich infrage? Doch Altmaier gibt sich völlig entspannt. „Mein Ziel war es, mich ehrlich zu machen“, sagt der CDU-Politiker schlicht. Und das hat nicht nur mit seinem Naturell zu tun, mit seiner katholischen Erziehung oder seinem Image als großer Kommunikator, sondern vor allem mit Strategie.

Sieben Wochen nach der Amtsübernahme ist der Nachfolger des geschassten Wahlverlierers Norbert Röttgen an diesem Morgen unterwegs zum Antrittsbesuch beim sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff – als würden sich die beiden Duzfreunde nicht schon seit Jahren kennen und fabelhaft verstehen am fast ideologiefreien Rand der Christlich Demokratischen Union. Aber egal. Politik lebt von Symbolen, von Ritualen, und ja: von Öffentlichkeit. Und so hat der Saarländer einige Journalisten mit auf Tour genommen, hat sogar höchstpersönlich beim Bäcker Frühstück für alle besorgt, und erzählt nun ausgiebig und eindringlich über das, was er im Umweltministerium vorgefunden hat und wie es weitergehen soll.

Es wird hart werden in den kommenden Monaten, Altmaier braucht Verbündete. Kurzfristig will der 54-Jährige nächste Woche erst mal verkünden, was er in den paar Monaten bis zum Ende der Legislatur überhaupt noch schaffen kann. Ein Zehn-Punkte-Programm hat er in Aussicht gestellt. Die Punkte Wertstofftonne („gehen wir an“) und Kohlendioxid-Speicher („kaum realistisch“) hat er schon abgehakt. Außerdem liegt Altmaier mit SPD und Grünen in den letzten Zügen der Verhandlungen über ein Endlagersuchgesetz, das er ebenfalls für Ende Juli angekündigt hat. Wie die Sache steht, will er nicht sagen. Aber klar ist, dass ein Kompromiss in der Frage nach Jahrzehnten der Anti-Gorleben-Proteste ein Durchbruch wäre und eine mächtige Entlastung vor allem für die Union vor den Wahlen in Niedersachsen im Januar und im Bund in einem Jahr.

„Jetzt brauche ich mein Jackett“

Ist das Thema abgeräumt, bleibt für den Wahlkampf vor allem noch eine innenpolitische Gefahrenzone: der von Schwarz-Gelb erst abgewürgte und dann vor einem Jahr neu gestartete Atomausstieg. Und die Strompreise. Schon im Oktober dürfte neues Gezeter über die steigenden Kosten des Ökostrom-Booms losbrechen. Die Gegner bringen bereits die großen Geschütze in Stellung. Altmaier weiß, am Ende wird es auf ihn zurückfallen, ob die Energiewende die breite Unterstützung der Wähler verliert, ob sie im Streit untergeht oder zumindest erste Fortschritte macht.

Deshalb baut er vor und gibt schon mal zu Protokoll, dass einiges nicht im Plan liegt – zufällig vor allem Dinge, für die der Bundesumweltminister gar nicht zuständig ist: Stromsparen, Netzausbau, Elektroautos, Gebäudesanierung. Der zweite Teil seiner Strategie heißt: reden, reden, reden. Unermüdlich ist er in diesen Tagen unterwegs, um Themen und Leute kennenzulernen, um Interessen auszuloten und auszugleichen, Konflikte zu entschärfen.

Dass er damit bisher recht erfolgreich ist oder jedenfalls ganz anders als sein zuletzt völlig isolierter Vorgänger Röttgen, zeigt sich gleich bei der Ankunft in der Magdeburger Staatskanzlei. „Jetzt brauche ich mein Jackett und meine Schuhe“, meint Altmaier, kurz bevor die Türen des Busses aufgehen, und während Haseloff auf den Stufen seines fein renovierten Prachtbaus von einem Fuß auf den anderen trippelt, ruft er kurz nach draußen: „Ach, der Ministerpräsident persönlich! Moment, ich bin noch nicht vorzeigbar.“ Dann schält sich der massige Mann aus dem engen Wagen, um seinen Parteifreund zu begrüßen und sich gleich ausgiebig loben zu lassen.

Haseloff kommt vor den Fernsehkameras geradezu ins Schwärmen, als er von dem kürzlich ausgehandelten Kompromiss zur Solarförderung redet. Röttgen hatten die Ministerpräsidenten – auch die von der Union – noch im Bundesrat auflaufen lassen, weil ihnen die Einschnitte bei der Photovoltaik zu weit gingen. Altmaier schaffte es dagegen binnen weniger Tage, das Thema im Vermittlungsausschuss abzuräumen. „Das war eine Erfolgsgeschichte“, rühmt Haseloff. Altmaier sei so zugänglich, so kenntnisreich, so kompromissbereit. Kaum ernannt, habe der Minister ihn schon angesimst. Und nun komme Altmaier wie versprochen persönlich ins „Solarland Sachsen-Anhalt“, wo beim insolventen Hersteller Q-Cells Hunderte um ihre Arbeitsplätze bangen. Die deutschen Solarfirmen bräuchten ein politisches Signal, dass es weitergeht, meint der Ministerpräsident. Und Altmaier tut ihm den Gefallen. Der weltweite Solarboom stehe ja noch aus, sagt er. „Sachsen-Anhalt ist gut aufgestellt.“

Der Jurist mit Prädikatsexamen beherrscht die Kunst, jedem das zu vermitteln, was der hören möchte. Er steht für eine kuriose Mischung aus Dynamik und Gemütlichkeit. Aussichtslose Kämpfe meidet er, Pfauenrituale ebenfalls. Nachdem sich Röttgen monatelang mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler beharkt hatte, heißt es nun aus dessen Haus, der neue Minister habe ja so einen angenehm pragmatischen Ansatz. Und das Verhältnis der beiden Minister sei gut. Alles so neu und so anders. Ironischerweise klingt die Einschätzung bei Umweltverbänden ganz ähnlich. „Dass er gut kommunizieren kann, stimmt einfach“, sagt auch Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe, der mit anderen Verbandsvertretern drei Stunden lang mit Altmaier über die Energiewende reden konnte. Bei den NGOs blieb danach der Eindruck, dass der neue Minister zum Atomausstieg steht und auch den Ökostrom-Ausbau nicht infrage stellt. „Das heißt aber nicht, dass er nicht taktisch agiert“, meint Rosenkranz. „Er ist gerissen.“

Dass Altmaier zwischen den Fronten glaubwürdig scheint, liegt auch an seinem politischen Werdegang. Erst mit 36 Jahren zog der saarländische Bergmannssohn, der es zum Spitzenbeamten der EU-Kommission gebracht hatte, 1994 in den Bundestag. Dort gab er sich in den bleiernen Kohl-Jahren seiner Partei dosiert rebellisch. Unter anderem setzte er sich für ein moderneres Staatsbürgerschaftsrecht ein und kritisierte die hessische Kampagne dagegen. In der Pizza-Connection aß er mit Grünen, übrigens gemeinsam mit seinem Weggefährten Norbert Röttgen. Der war ihm dann in der politischen Karriere immer einen Schritt voraus. Als Röttgen 2009 Umweltminister wurde, übernahm Altmaier seinen Posten als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

Damit hatte der Mann aus der zweiten Reihe, der in der großen Koalition Innen-Staatssekretär war, plötzlich die sehr öffentliche Rolle des Ausputzers – wenn die Koalitionsmehrheit im Bundestag wankte oder sich sonst niemand fand, den angeschlagenen Bundespräsidenten Christian Wulff im Auftrag der Kanzlerin zu verteidigen. Altmaier avancierte zu Angela Merkels Politikerklärer, anfänglich noch unsicher, ob ihm die Rolle passen würde, aber schließlich mit großer Lust, vor allem, seit er Ende 2011 mit dem Twittern anfing. Seither hat er knapp 3.800 Tweets in die Welt gesetzt und mehr als 20.000 Follower angelockt. Sein Draht zur Kanzlerin gilt als so eng, dass es im Frühjahr einigen Wirbel gab, als er sich an ihrer Statt in einem Tweet von Wulff abzusetzen schien. Altmaier gab sich zerknirscht. Doch der Präsident hielt sich sowieso nicht mehr lange.

Altmaiers politische Schlagkraft hängt aber sicher auch mit dem zusammen, was nun gerne als „barock“ an ihm beschrieben wird. „Es ist kein Geheimnis, dass ich nicht gerade untergewichtig bin“, sagte er neulich der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Aber zu meiner Freude hat sich das bisher nicht als Handicap erwiesen.“ Im Gegenteil, irgendwie scheinen ihm seine monumentale Statur und sein kahler Schädel Sympathien einzubringen in einer politischen Welt durchgestylter Marathonläufer. Vor allem seit dem Absturz fernsehtauglicher Pseudohelden wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Christian Wulff scheint eine Sehnsucht aufgeflammt nach einem neuen Politikertyp oder einem antiquierten – jedenfalls nach einer Antithese.

Egal, ob der Anzug sitzt

„Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die Menschen vor allem Authentizität wollen“, sagt Altmaier selbst. „Die Menschen wollen das Gefühl haben, dass sie das, was sie sehen, auch bekommen. Ob der Anzug sitzt oder die Haare richtig geschnitten sind, ist dabei nicht so wichtig.“ Dieser Devise folgte vor ihrer Zeit als Kanzlerin auch Merkel, und deshalb passt es, dass sie die eitlen Glamourboys Guttenberg und Röttgen schließlich mit Ministern wie Thomas de Maizière oder Peter Altmaier ersetzt hat.

Der jedenfalls geht mit seiner Körperfülle offensiv um. Als er bei seinem Besuch in Sachsen-Anhalt mit Haseloff auf einer Aussichtsplattform vor dem „weltgrößten Windrad“ der Firma Enercon für die Fotografen posieren soll, kalauert der Ministerpräsident: „Mit diesem erneuerbaren Schwergewicht werden wir auf jeden Fall die Energiewende schaffen.“ Darauf Altmaier: „Ach, jetzt warten die nur darauf, dass das Geländer durchbricht.“

Häufig redet er vom Essen und auch vom Kochen, das er im politischen Tagesgeschäft als strategische Waffe einsetzt, wie der Tagesspiegel schrieb. In seiner 280 Quadratmeter großen Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg hat er der Legende nach bereits zahlreiche politische Verbündete wie Gegner mit erlesenen Speisen und Weinen weichgekocht. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger soll sich der freundlichen Umgarnung entzogen haben aus Furcht, bei gefüllten Klößen in Sachen Vorratsdatenspeicherung über den Tisch gezogen zu werden. In der Bild am Sonntag ließ sich Altmaier mit Schürze an der Bratkartoffelpfanne ablichten und gab zum Besten, bei einem ordentlichen Essen „hat man oftmals die besten Ideen, und man gerät sich auch nicht so schnell in die Haare“.

Mehr Aufsehen erregte allerdings Altmaiers verschwurbelte Antwort auf die Frage, warum man denn im Archiv nichts von einer Partnerin finde: „Der liebe Gott hat es so gefügt, dass ich unverheiratet allein durchs Leben gehe. Deshalb kann in den Archiven auch nichts über eine Beziehung stehen.“ Die Taz empörte sich darüber, weil sie aus den Worten schloss, da traue sich einer nicht, sich zu outen, was wiederum Chefredakteurin Ines Pohl zu einer Entschuldigung bewog. Darauf brach in der Berliner Medienszene ein sommerliches Wasserglasstürmchen über den Umgang mit Politiker-Privatleben im Allgemeinen und Homosexualität im Besonderen los, unter eingehender Berücksichtigung angeblicher Verklemmtheiten der politischen Linken.

Altmaier selbst sagt dazu: nichts. Die ganzen Spekulationen und Weiterungen sind völlig irrelevant, meint sein Sprecher Dominik Geißler. „Wir machen da gar nichts.“

Lieber erzählt Altmaier auf der Rückfahrt im Kleinbus, warum er sich so für Otto von Bismarck interessiert und alles von und über den Eisernen Kanzler liest. Bewundern könne er ihn nicht, denn Bismarck sei ein Reaktionär gewesen. Doch immerhin habe der Reichskanzler als erster deutscher Politiker einen Pressesprecher beschäftigt. Da findet sich Altmaier wieder – Politik erklären, Verbündete gewinnen, die politische Maschine am Laufen halten. Ansonsten trennt ihn von Bismarck, der fast drei Jahrzehnte amtierte, unter anderem die Einsicht, dass seine Macht endlich ist. Denn der Umweltminister weiß: „Ich habe jetzt erst mal ein Jahr Zeit.“

Kommentare (30)

Sünnerklaas 25.07.2012 | 17:15

Auf der einen Seite ist Altmaier eine beeindruckende Persönlichkeit - ein Nonkonformist, wie er im Buche steht. Altmaier ist Altmaier - er passt in kein Raster. Und in manchen Augenblicken - man mag es mir verzeihen - erinnert er mich ein ganz kleines Wenig an Gustav Heinemann, der auch in keinerlei Raster passte.

Was nun die Energiewende angeht - nun im Umweltressort hatte auch schon sein Vorgänger nichts zu sagen. Röttgen wurde bei den Verhandlungen zum "Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie" ausgeschlossen. Statt dessen "entschieden" Wirtschaftsminister Brüderle und die Kanzlerin, wohin die Reise gehen sollte.

anne mohnen 25.07.2012 | 20:39

Na, hoffentlich gibt es dafür eine Homestory mit Minister Altmeier, wo alles mal seriös aufgearbeitet und und, bei aller Sympathie, das Ding mit der Energiewende. Wenn's mit dF nicht mehr klappen soll, öffnen sich für Sie, Frau Schmitt-Roschmann, bei BUNTE, BAMS, BILD garanatiert die Tore.

Aber Obacht. BAMS und BILD sitzen ja schon in der ersten Reihe bei ARD und ZDF, ganz seriös, ganz unprätentiös. Ob die soviel Süße noch brauchen können?

Achtermann 25.07.2012 | 21:00

Ist doch alles nett hier. Die Frage ist: Wie wird man christdemokratischer Bundesminister? Indem man immer verbindlich, freundlich und kommunikativ auftritt und deshalb parteiintern ebenso behandelt wird? Oder indem man über Jahrzehnte Machtfäden spinnt und in die Lage kommt, Konkurrenten aus dem Weg zu räumen? Wenn der CDU-Minister über den Freitag so gut rüberkommt, muss er ja ein toller Mensch sein. Und trotzdem hat Gott ihn auserkoren, "unverheiratet" durch die Welt zu gehen. Sehr seltsam.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.07.2012 | 22:14

verpartnert oder nicht. Altmaier ist einfach nur clever und ein kommunikativer Typ, der sich nicht platzhirschmäßig in den Vordergrund schiebt. Außerdem versucht er die überzogenen Erwartungen an die verkündete Energiewende präventiv zu dämpfen.

Der Mann hat Übersicht und ist wohl keiner der sich gern die Finger verbrennt, gelernt ist gelernt.

Wäre der Typ nicht von der CDU, könnte man den beinahe sympathisch finden - so auf´n Bier hin betrachtet.

Vielleicht ist der einfach zu knuffelig für den Fleischmarkt, für die Energiepolitik von schwarz-gelb aber anscheinend gerade richtig.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 25.07.2012 | 23:17

Der sich zu seiner Homosexualität bekennende Herr Niggemeier spekulierte am 16. Juli in seinem Blog, ob der Herr Altmayer schwul sei und ließ seine Kommentatoren darüber spekulieren. Nach 252 Kommentaren schloss er entnervt seine Kommentarspalte wegen zu viel Gegenwind. Herr Altmaier sieht immer noch keinen Grund, mehr dazu zu sagen, als er bisher gesagt hat. Ein starker Typ, dieser Herr Altmaier. Ein mieser und gehässiger Typ, dieser Herr Niggemeier.

weinsztein 26.07.2012 | 02:52

Ein gelungenes, faires und von mir sehr gern gelesenes Porträt Peter Altmaiers im quasi linken Freitag.

Die Häme, hier in manchen Kommentaren über Verena Schmitt-Roschmann wegen ihres fairen Umgangs mit Altmeier gekübelt, ekelt mich an.

Dies ist ein Porträt, eine Annäherung an die Person, hier der neue Bundesumweltminister. Gerade da gehört Fairness gegenüber einem politisch nicht links orientierten Menschen wie Peter Altmaier unbedingt zu linken journalistischen Standards.

Diffamierung ist "Schweinejournalismus". Der ist nicht links.

Achtermann 26.07.2012 | 10:22

Lieber weinsztein,

wie du dich so ins Geschirr legst, um Altmaier und die Autorin zu verteidigen. Das, was du Häme nennst, die einige hier über beide ausgegossen hätten, gerinnt bei deiner eigenen Stellungnahme zur Abscheu. Sicher braucht man hin und wieder Kuscheltexte, doch wenn sie Politiker verklären, sollte man schon eine gewisse Vorsicht walten lassen. Ob die nun mit Häme oder in anderer Art vorgetragen werden, ist sicher eine Stilfrage.

Ich nähere mich Altmaier mit Fakten. Zu diesen zähle ich sein Abstimmungsverhalten, das bei Abgeordnetenwatch nachzulesen ist. Hier ein paar Beispiele:

• Pläne für Betreuungsgeld aufgeben: nein

• Reform des Bundestagswahlrecht: ja (wurde gerade vom BVG gekippt)

• Unverzügliche Abschaltung aller deutschen AKW: nein (17.03.2011)

• Vorläufiger Bau- und Vergabestopp bei S21: nein

• Recht auf Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare: nein

• Kürzung der Solarförderungen: ja (29.03.2012)

• Keine Panzer an Saudi-Arabien verkaufen: nein

• Abschiebestopp für syrische Flüchtlinge: nein

• Einführung bundesweiter Volksentscheide: nein

• Verzicht auf Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe: nein

Ja, nett und kommunikativ sein ist das Eine. Wenn man so bei Linken wir dir trotz harter CDU-Politik positiv ankommt, hat der Fuchs in Altmaier gewonnen.

SiebzehnterJuni 26.07.2012 | 10:53

Es geht doch nicht um Altmaier, sondern um die Umsetzung der Energiewende.

1.Was hat Röttgen eingeleitet und vorbereitet und verabschiedet,

was Altmann koriegieren will oder umsetzen will oder anders

machen will?

2. Was hat Röttgen als Umweltminister falsch gemacht oder

an Homestories nicht geliefert ? Oder was ist

Röttgen in Bezug auf die Energiewende aus der Sicht der Union aus

vorzuwerfen?

3. Was hat Altmaier konkret angekündigt, bis wann wird welches

Gesetz erstellt und bis wann umgesetzt?

Was wäre dringend?

1. Verbot aller Nachtspeicheröfen, Verbot aller

Elektrofußbodenheizungen, Verbot aller elektrischen Durchlauferhitzer

für Bäder!

2. Alle neu installierten Waschmaschinen werden an die zentrale

Warmwasserversorgung angeschlossen - keine Elektroheizung mehr

3. Zwingendes StromLastmanagement für alle mittelständischen Betriebe

und Zusammenführung in zentralem Stromlastmanagement BRD.

4. Zwingende Erneuerung aller Heizungsumwälzpumpen auf

modernstes Niveau!

5.etc. etc.

Und die Begründung für die Zweifel des Herren Ministers hinsichtlich des punktgenauen Erreichens der Energiewende hätte ich auch schon mal gerne.

Als Nachhilfelehrer für Altmaier empfehle ich Klaus Töpfer!!

Lethe 26.07.2012 | 12:12

Und was gab die Auflistung seines Abstimmungsverhaltens zu erkennen, das nicht von vornherein klar gewesen wäre? Der Mann steht auf der Liste der CDU, nicht der Linken. Es mag empören, aber es gibt z.B. im Kontext Energiewende tatsächlich andere bedenkenswerte Meinungen als nur die angeblich einzig angemessene.

Und dass er machtaffin ist? Tja, wir haben noch keinen gesellschaftlichen Algorithmus entwickelt, der garantiert, dass an die Macht nur Leute kommen, die nicht machtaffin sind. Solange ein solcher Algorithmus nicht existiert, müssen wir wohl damit leben, dass unsere Mächtigen diejenigen sind, die gerne mächtig sind - und über das notwendige Geschick verfügen, sich im Haifischbecken ihren Claim abzustecken. Die Art und Weise, wie und auf Grundlage welcher Einsichten Altmaier das gemacht hat, erscheint mir immer noch einigermaßen akzeptabel.

Was keine Prognose für sein zukünftiges Verhalten liefern soll. Macht korrumpiert. Selbst Linke, wie die Grünen bewiesen haben.

Achtermann 26.07.2012 | 14:12

@Lethe

"Und was gab die Auflistung seines Abstimmungsverhaltens zu erkennen, das nicht von vornherein klar gewesen wäre?"

Ich finde die Auflistung für den Diskussionsverlauf notwendig, weil der Artikel als auch einige Reaktionen auf diesen, geeignet sind, einen CDU-Politiker für die irgendwie Linken des politischen Spektrums hoffähig zu machen. Wenn etwa formuliert wird: "Dass Altmaier zwischen den Fronten glaubwürdig scheint, liegt auch an seinem politischen Werdegang.", werden Schneisen geschlagen. Wer von damals noch, als Wulff wegen seines Gierverhaltens in der Kritik stand, Altmaiers Statements im Ohr oder vor dem Auge hat, weiß, dass von Glaubwürdigkeit nicht die Rede sein kann, weil er als Adlatus der Kanzlerin wider besseres Wissen den damaligen Präsidenten mit allen ihm zur Verfügung stehenden rhetorischen Mitteln verteidigte.

SiebzehnterJuni 26.07.2012 | 14:59

@ LE THE

Die EnergieWende war und ist kein Fehler, sondern eine Notwendigkeit, um das Klima noch irgendwie zu retten. Und ob es teuer zu stehen kommt? Wer sagt das aufgrund welcher Fakten?

Total ausgeblendet wird die Wärmeenergie!

Wenn jedes zehnte Haus mit Photovoltaik ausgerüstet würde und jedes fünfte mit Solarthermik und dann noch das entsprechende Energiemanagement mit den dazugehörigen Netzen, wird alles billiger und nicht teurer.

Teurer wird die Stillegung der KKW's und die Lagerung der radioaktiven Abfälle!!

Lethe 26.07.2012 | 15:33

das sind viele "wenn", SiebzehnterJuni, aber selbst wenn diese alle rechtzeitig Realität werden sollten, hilft Mathematik weiter: der Ausbau von alternativen Energien wird den Energiebedarf auf einer linear steigenden Skala unterstützen. Der Energiebedarf wird aber exponentiell wachsen. Wenn Sie Mathematiker sind, brauchen Sie keine weitere Begründung dafür, warum der Atomausstieg gröbster Unfug war. Sollten Sie keiner sein, hier die etwas längere Version:

Egal, was wohlmeinende Idealisten veranstalten werden, die Menschheit wird ihre Gier nach Wachstum nicht begrenzen. Dieses Wachstum wird exponentiell wachsen, bis die Erde kippt., Falls wir es schaffen, vorher ins All zu entkommen, wird das exponentielle Wachstum weitergehen. Dieses exponentielle Wachstum ist nur mit exponentiell wachsender Energieversorgung machbar. Dafür sind alternative Energien nicht annähernd ausreichend.

Maengelwesen 26.07.2012 | 16:05

Dies ist doch ein Portrait eines Politikertyps und nicht die Würdigung politischer Ansichten und Taten.

Das interessante Phänomen ist doch, wie Altmaier als Mensch so wahrgenommen wird. Auch wenn Guttenberg und Altmaier in der Erscheinung und im Auftreten wohl kaum unterschiedlicher sein könnten, beiden schlägt (oder im Fall von KTzG "schlug") wohl kaum wegen ihrer politischen Leisungen die Sympathie vieler Menschen entgegen. Interessante Parallele, bei zwei so unterschiedlichen Typen. Mich interessiert viel mehr, wo da die Gemeinsamkeit ist.

Achtermann 26.07.2012 | 18:42

@ Maengelwesen

"Das interessante Phänomen ist doch, wie Altmaier als Mensch so wahrgenommen wird."

Wieso soll das interessant sein? Eine derartige Position suggeriert doch, Politiker handelten per se für das Gemeinwesen. Nett rüberkommende Politiker machten anständige Politik und grantige, nun ja, das Gegenteil. Politik zu personalisieren, halte ich aus grundsätzlichen Erwägungen für falsch. Wer der Bildzeitung eine Homestory abliefert, begibt sich in deren Hände, zeigt dass er mit Diekmann zusammenarbeitet, sich die Bälle zuspielt. So lange die Sympathiewelle rollt und das Boulevard-Blatt sie mit Energie versorgt, läuft die Sache. Wenn Diekmann den Umweltminister zum Wulff macht, kann er die Segel streichen. Was nutzt mir, wie Altmaier als Mensch wahrgenommen wird? Da ich ihn wahrscheinlich persönlich nie kennenlernen werde, bleibt seine Persönlichkeit nur eine via Medien vermittelte. Und: Wer traut schon den Medien?

weinsztein 27.07.2012 | 02:43

Hier geht es nicht um eine Altmeier-Homestory der Bildzeitung.

Wir reden über ein Porträt des Menschen hinter dem CDU-Politiker Peter Altmaier, das Verena Schmitt-Roschmann für die Leser des irgendwie linken Freitag gezeichnet hat. Das Porträt ist ein journalistisches Genre. Es ist kein politischer Kommentar, keine Abrechnung.

Beim Porträt geht es um zuhören, hingucken, schließlich ums Schreiben. Aus meiner Sicht ist das der Autorin sehr gut gelungen. Sie zeigt einen ziemlich netten dicken Mann, der schlau taktiert, auf eingen Gebieten gut zu Hause ist oder sich rasch reindenkt, der gern kocht (!) in seiner 280 m² großen Wohnung, also weite Wege zu gehen hat. Was seiner Leibesfülle fürderhin abträglich sein sollte - aber nicht muss.

Lieber 8erMann, das macht mich nicht zum Fan dieses Politikers. Wir werden ihn wegen seiner Poltik noch oft verhauen müssen.

@dllxllb 27.07.2012 | 17:51

Ich mische mich mal ein. "Eine derartige Position suggeriert doch, Politiker handelten per se für das Gemeinwesen." Den Zusammenhang kann ich nicht erkennen.

Es funktioniert alles zwischen Menschen über Sympathiewerte. Das Verwerfliche ist wenn man sich diese als Politiker erschleichen will. Und zwar durch ein Zurechtbiegen, eine gezielte Manipulation der Wahrnehmung. Nun ist jede Form der Kommunikationsstrategie Zurechtbiegen und Manipulation. Es kann sich niemand einer Wirkung entziehen. Selbst eine ablehnende Haltung ist eine Reaktion. Das Auffliegen von billigen Tricks, und glatten Lügen dürfte einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben, dass ein Mensch wie Altmaier der ein sich 'Ehrlichmachen' verkündet relativ beliebt ist. Ist nur die Frage ob man hier wieder dem nächsten Strategiespiel auf den Leim geht. Man vertraut nicht den Medien, sondern Personen. Oder auch nicht.

aliquis 29.07.2012 | 13:30

@ Lethe

Zur Versachlichung der Diskussion:

Primärenergieverbrauch BRD (PJ): 1990 14.9052011 13.411

(Quelle Wikipedia)

Falls Ihnen eine Graphik lieber ist:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Energieverbrauch_Deutschland_nach_Bereichen.gif&filetimestamp=20100203143744

Das sagt doch alles zu ihrem Argument desexponentiellen Anstiegs. Dieses wird immernur von den Vertretern der Kraftwerkslobbyverwendet um die Energiewende zu torpedieren.

Sie sollten einmal über die Einsparpotentiale unserer Wegwerfgesellschaftnachdenken!

SiebzehnterJuni 01.08.2012 | 13:32

@ALTMAIER

Der gemütliche Minister von der andern Art entscheidet im Bundeskabinett mal locker, Energieeinsparungen und Energieeffizienz per Gesetz in eine freiwillige Verpflichtung umzustricken!

Das heißt, sein Zweifel am Erreichen der Energiewende hat sich in Null und Nichts aufgelöst. Ja, die Wende scheint so schnell zu kommen, dass Energieeffizienz und Energieeinsprung schon einfach überflüssig für die deutsche Industrie sind.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.08.2012 | 00:49

Everybody's darling is everybody's depp. Die Sterne für Deppen, Vasallen, Günstlinge und Vorteilsnutzer scheinen gut zu stehen: prifillos, anpassungsfähig und der herrschenden Macht nicht gefährlich werdend. Aber personell der Depp von jemandem Mächtigen zu sein und klarstellend, dass nur die zweite Reihe beansprucht wird, ist die Karriere, welche ewig währen kann. Flexibilität oder besser gesagt: nach allen Seiten stets offen und nicht festlegbar, mit dem Strom schwimmend, kann man lange zur Verfügung stehen. Neu ist allerdings, dass ein Verteidiger zu einem Nutzniesser wird.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 02.08.2012 | 00:55

Schlimmer noch ist aufgrund der Ablenkung wird vollkommen vergessen, dass Herr Altmaier ausschliesslich als Bremsblock herhält, um erneuerbare Energien zu stoppen um den alten "Vertrauten" der Kohle- und Atomkraftlobby mehr Zeit zu verschaffen. Dafür werden auch Tausende von Arbeitsplätzen durch Aushungern mal eben vernichtet ohne Wimpernzucken. Und Billigimporte vorgezogen. Warum ist mir dieser Mensch bloß so unsympatisch und warum glaube ich, dass jeder ihn kaufen kann?