Verwegen

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RE: Die stille Diskriminierung der Alten | 15.11.2021 | 09:36

Ich verstehe nicht wieso Sie das nicht nachvollziehen können... der genannte Satz "man stelle sich vor... der Aufschrei wäre ohrenbetäubend" ist eine polemische Zuspitzung zu Lasten anderer Formen der Diskriminierung. So, also ob dies Diskriminierungen wären, die gerade im Trend liegen und die eine übertriebene Aufmerksamkeit bekämen eben im Verhältnis zur Altersdiskriminierung. Dadurch stellt die Autorin die beiden Dinge doch zueinander ins Verhältnis?! Und eben das halte ich für unnötig und schädlich.

Ich hab übrigens schon von Altersarmut gehört. Trotzdem gibt es über die Einkommens- und Vermögensungleichheit der Altersgruppen jede Menge Statistiken und das ist keineswegs eine Vermutung von mir. Schauen Sie mal hier: https://www.iwkoeln.de/studien/judith-niehues-maximilian-stockhausen-grosse-gruppenspezifische-unterschiede-487547.html

Es ist auch nicht nur das Vermögen, sondern auch die Arbeitsverträge, denn von prekärer Beschäftigung und befristeten Verträgen sind die Jüngeren weitaus stärker betroffen. Auch die Wohneigentumsquote hat sich in den letzten 20 Jahren verringert; immer weniger junge Menschen gelangen an Wohneigentum, wenn man dies als Indikator für Wohlstand nimmt, was ich aber durchaus tun würde. Das Durchschnittsalter im letzten Bundestag lag bei rund 50 Jahren, im Kabinett noch höher.

All das ist auch durchaus erklärbar, denn wenn man sich vor Augen führt, wie sehr die Ü-60-Altersgruppe Wahlen dominiert (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1498/umfrage/altersstruktur-der-wahlberechtigten-bundestagswahl/), dann wird klar, wessen Interessen eben auch vorrangig vertreten werden.

Und nach alledem passt für mich - sorry!- ins Bild, dass die "Alten" nun mal auch mit überwältigender Mehrheit die CDU/CSU als Partei der Besitzstands- und Privilegienwahrung wählen.

RE: Die stille Diskriminierung der Alten | 12.11.2021 | 16:02

Diskriminierung im Berufsleben auf jeden Fall, doch die meistdiskriminierte Gruppe in Deutschland sind die Älteren ganz sicher nicht. Die Älteren sind viel reicher als die Jungen. Die Älteren sind überrepräsentiert in Parlamenten und Führungspositionen in Staat und Wirtschaft.

RE: Die stille Diskriminierung der Alten | 12.11.2021 | 15:55

"Man stelle sich vor, diese Diskriminierung würde nach anderen Kriterien geschehen, wie Hautfarbe, Sexualität, Religion. Der Aufschrei wäre ohrenbetäubend."

Ich stelle mal ne ganz steile These auf und behaupte, genau das geschieht auch sehr wohl. Zumindest bei Ethnie und Religion. Versuchen Sie sich mal als Ahmed irgendwo zu bewerben, viel Spaß. Der Aufschrei hält sich auch hier in Grenzen, möchte ich behaupten.

Das soll aber durchaus kein Einwand gegen den Punkt Altersdiskriminierung sein. Nur finde ich es keinen klugen Ansatz, das ausgerechnet gegen andere Formen der Diskriminierung auszuspielen.

RE: Spiel mit dem Tod | 17.10.2021 | 10:08

Ich weiß nicht... ich für meinen Teil habe diese Serie nach anderthalb Folgen abgebrochen. Die Grundidee ist mir allzu simpel und plakativ; wenn das Gesellschaftskritik ist, dann würde sie allenfalls noch Siebtklässler*innen Stoff zum Nachdenken liefern. Wie in der Rezension erwähnt, ist das alles auch schon erschöpfend in der Filmgeschichte durchgespielt worden.

Was die Serie zum internationalen Massenhit macht, dürfte aus meiner Sicht wohl - wie so oft - die inflationäre, menschenverachtende Gewalt machen, die die niedersten Unterhaltungsinstinkte anspricht, gewürzt mit einer schlichten, knackigen Ästhetik, die den Blick zuverlässig auf die einschlägige Netflix-Kachel lenkt (sehe nur ich hier eine Ähnlichkeit zu der von Haus des Geldes?! Es gibt bestimmt irgendwelche Studien darüber, wie leuchtende rote Kostüme und Masken die Aufmerksamkeit anziehen).

Mich persönlich können solche blutigen Spektakel (erschreckenderweise?) nicht mehr schockieren, wohl aber langweilen. Inflationäre Gewalt ohne ernsthaften Sinn und Verstand macht mir lediglich ein Gefühl im Magen, als hätte man einen Billigfleischburger bei McDonalds gegessen (zumindest vermute ich, dass sich das auch so anfühlt:)).

Naja, wie gesagt, hab sie früh abgebrochen, vielleicht kommt ja noch der ganz große Clou... aber ohne mich.

RE: 12 Seiten „weiter geht’s“ | 16.10.2021 | 13:29

Mir geht es ganz genauso - niedrige Erwartungen, und trotzdem noch enttäuscht. Dass die FDP ein massiver Klotz am Bein wird, war mir klar. Doch hier wurde von SPD und Grünen anscheinend wirklich schlecht verhandelt.

Die FDP hat in dem Papier klare Pflöcke eingeschlagen: Steuererhöhungen wird es nicht geben. Schuldenbremse bleibt. Tempolimit gibts nicht. Mitwirkungspflichten im SGB bleiben. 2-Klassen-Krankenversicherungssystem bleibt. U. v. m.!

SPD und Grüne haben 12 Euro Mindestlohn (schön, das wäre im Jahr 2015 big news gewesen, im Jahr 2022 wohl kaum), doch ansonsten überhaupt nichts handfestes: Wir schauen mal, ob der Kohleausstieg früher gelingt. "Bürgergeld statt Hartz 4" - unter völliger Offenhaltung, was der zentrale Unterschied sein soll, eine Frechheit! Bekenntnis zur Klima- und Biodiversitätsrettung, doch keinerlei Bekenntnis zu ordnungspolitischen Maßnahmen, und Geld wird es angesichts der o. g. Punkte auch nicht geben. Für diesen Dünnschiss können wir auch gleich die "Große Koalition" im Amt lassen.

RE: Dosierter Egoismus | 28.08.2021 | 16:15

Wenn die europäischen Regierungen einen Funken Anstand hätte, würden sie ihre 1,8 Mrd. nachbestellen Impfdosen, die von ihren 500 Mio. Einwohnern sowieso ungefähr 40% nicht haben wollen, postwendend nach Afrika, Indien und andere Regionen schicken, wo sie dringen benötigt würden. Doch dass sie das nicht haben, wissen wir nicht erst seit gestern. Unsere Bundesregierung verhindert ja sogar noch aktiv, dass die ärmern Länder sich wenigstens selbst Impfstoffe herstellen dürften!

RE: Diagnose: Doppelmoral | 01.08.2021 | 14:28

Dem Vorwurf des Autors der Doppelmoral könnte ich mich grundsätzlich voll anschließen. Aber die Passage über das neue ungarische Gesetz stößt mir sehr bitter auf.

Das Gesetz verbietet nicht "Werbung für Homosexualität". Es gibt überhaupt keine "Werbung für Homosexualität", wenn man mal eine Sekunde darüber nachdenkt.

Was es gibt, sind Medien, in denen Homosexualität, und sei es nur am Rande, vorkommt oder "als normal dargestellt wird". Darum geht es auch in dem Gesetz. Mit dieser falschen Formulierung reproduzieren Sie leider einen billigen Kampfbegriff der Homophoben.

Man will nichts weniger als Homosexualität gänzlich aus den Medien verbannen. Bzw., wenn ich es richtig verstehe darf sie dargestellt werden, wenn zugleich aber betont wird, dass das unnormal ist. Ein Teil der Realität wird somit aus allen Darstellungen verbannt bzw. gezielt gebrandmarkt.

Ich finde, Herr Hofbauer, das ist ein bisschen mehr als "ein kritikwürdiger homophober Kern".

RE: „Vegan leben bringt mehr als Elektroautos“ | 11.05.2021 | 11:24

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie die Debatten immer wieder auf das "so ist nun mal die Natur"-Argument zurückfallen kann. Wir sprechen hier über die industrielle Massentierhaltung: 60 Millarden Tiere werden jedes Jahr von 7,8 Milliarden Menschen getötet. Diese Tiere fristen weit überwiegend ein kurzes, zusammengepferchtes Leben in dunklen Hallen und werden in Massenabfertigung von Maschinen getötet, ohne dass der konsumierende Mensch sie jemals zu Gesicht bekommt. Wo sehen Sie hier die Parallele zu den Prinzipien der Natur, zu Löwen und Antilopen?

Zu Ihrer philosophischen Frage am Ende: Stellen Sie sich einmal vor, man würde mithilfe von Klontechniken menschliche Kinder produzieren, einzig zu dem Zweck, ihr Leben lang als rechtlose Sklaven zu dienen. Nun fordern einige, damit aufzuhören, weil es menschenverachtend ist. Die Gegenseite argumentiert, aber sei es nicht besser für die Kinder, für ein Sklavendasein in die Welt gesetzt zu werden, als gar nicht erst in die Welt gesetzt zu werden.

RE: Die Nahrungsbeauftragte | 07.05.2021 | 16:03

Kann dem nur zustimmen. Der Artikel ist leider verblüffend unkritisch. Dabei, es sei denn ich hab irgendwie die Tonalität falsch erfasst. Die Fakten sind ja vorhanden, sie lauten in Kürze: Klöckner hat 4 Jahre lang nach besten Kräften jeden Fortschritt für Tier und Umwelt maximal blockiert, verschleppt und verzögert und demnächst ist sie weg. Damit sticht sie trotz unglaublich niedriger Vergleichsmaßstäbe i keinsterr Weise positiv aus dem Kabinett der Scheuers, Seehofers und Spahns heraus :-(

RE: „Das Vorbild ist Roosevelt“ | 19.03.2021 | 16:28

USA, die große Machernation, oha! Das Land wird gerade mal 3 Monate von einem nicht komplett Geisteskranken regiert und schon ist dort alles viel besser als hier? Mmmhh, da bin ich skeptisch. Krankenversorgung, Ungleichheit, Umweltschutz, Spaltung der Gesellschaft, ehrlich gesagt ist da so viel mehr im Argen als hier dass es mehr braucht als einige Wochen markiger Ankündigungspolitik, eh ich in das Jubelgeschrei einstimme. Ich bin ja aber auch nicht der Finanzmarkt :-)

Das einzige, was dort bisher konkret offenbar besser läuft, ist dass man sich america-first-mäßig kompromisslos (mit welchen Mitteln auch immer) massenhaft Impfstoff reserviert hat und daher viele andere Länder mit dem Impfen überholt. Der Nutzen solcher nationalen Impf-Sprints gegen das global arbeitende Virus wird sich aber erst noch herausstellen.