Verwegen

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RE: Diagnose: Doppelmoral | 01.08.2021 | 14:28

Dem Vorwurf des Autors der Doppelmoral könnte ich mich grundsätzlich voll anschließen. Aber die Passage über das neue ungarische Gesetz stößt mir sehr bitter auf.

Das Gesetz verbietet nicht "Werbung für Homosexualität". Es gibt überhaupt keine "Werbung für Homosexualität", wenn man mal eine Sekunde darüber nachdenkt.

Was es gibt, sind Medien, in denen Homosexualität, und sei es nur am Rande, vorkommt oder "als normal dargestellt wird". Darum geht es auch in dem Gesetz. Mit dieser falschen Formulierung reproduzieren Sie leider einen billigen Kampfbegriff der Homophoben.

Man will nichts weniger als Homosexualität gänzlich aus den Medien verbannen. Bzw., wenn ich es richtig verstehe darf sie dargestellt werden, wenn zugleich aber betont wird, dass das unnormal ist. Ein Teil der Realität wird somit aus allen Darstellungen verbannt bzw. gezielt gebrandmarkt.

Ich finde, Herr Hofbauer, das ist ein bisschen mehr als "ein kritikwürdiger homophober Kern".

RE: „Vegan leben bringt mehr als Elektroautos“ | 11.05.2021 | 11:24

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie die Debatten immer wieder auf das "so ist nun mal die Natur"-Argument zurückfallen kann. Wir sprechen hier über die industrielle Massentierhaltung: 60 Millarden Tiere werden jedes Jahr von 7,8 Milliarden Menschen getötet. Diese Tiere fristen weit überwiegend ein kurzes, zusammengepferchtes Leben in dunklen Hallen und werden in Massenabfertigung von Maschinen getötet, ohne dass der konsumierende Mensch sie jemals zu Gesicht bekommt. Wo sehen Sie hier die Parallele zu den Prinzipien der Natur, zu Löwen und Antilopen?

Zu Ihrer philosophischen Frage am Ende: Stellen Sie sich einmal vor, man würde mithilfe von Klontechniken menschliche Kinder produzieren, einzig zu dem Zweck, ihr Leben lang als rechtlose Sklaven zu dienen. Nun fordern einige, damit aufzuhören, weil es menschenverachtend ist. Die Gegenseite argumentiert, aber sei es nicht besser für die Kinder, für ein Sklavendasein in die Welt gesetzt zu werden, als gar nicht erst in die Welt gesetzt zu werden.

RE: Die Nahrungsbeauftragte | 07.05.2021 | 16:03

Kann dem nur zustimmen. Der Artikel ist leider verblüffend unkritisch. Dabei, es sei denn ich hab irgendwie die Tonalität falsch erfasst. Die Fakten sind ja vorhanden, sie lauten in Kürze: Klöckner hat 4 Jahre lang nach besten Kräften jeden Fortschritt für Tier und Umwelt maximal blockiert, verschleppt und verzögert und demnächst ist sie weg. Damit sticht sie trotz unglaublich niedriger Vergleichsmaßstäbe i keinsterr Weise positiv aus dem Kabinett der Scheuers, Seehofers und Spahns heraus :-(

RE: „Das Vorbild ist Roosevelt“ | 19.03.2021 | 16:28

USA, die große Machernation, oha! Das Land wird gerade mal 3 Monate von einem nicht komplett Geisteskranken regiert und schon ist dort alles viel besser als hier? Mmmhh, da bin ich skeptisch. Krankenversorgung, Ungleichheit, Umweltschutz, Spaltung der Gesellschaft, ehrlich gesagt ist da so viel mehr im Argen als hier dass es mehr braucht als einige Wochen markiger Ankündigungspolitik, eh ich in das Jubelgeschrei einstimme. Ich bin ja aber auch nicht der Finanzmarkt :-)

Das einzige, was dort bisher konkret offenbar besser läuft, ist dass man sich america-first-mäßig kompromisslos (mit welchen Mitteln auch immer) massenhaft Impfstoff reserviert hat und daher viele andere Länder mit dem Impfen überholt. Der Nutzen solcher nationalen Impf-Sprints gegen das global arbeitende Virus wird sich aber erst noch herausstellen.

RE: King Kretschmann | 23.02.2021 | 15:49

Erfrischend, in diesen Kreisen mal einen Artikel über Kretschmann zu lesen, der einen grundsätzlich positiven Tenor hat. Ich bin grundsätzlich gern und schnell dabei, ihn und seine Partei zu kritisieren für fehlende Konsequenz und Verbandlung mit der Wirtschaft.

Aber dabei darf nicht ausgeblendet werden, dass die Kretschmann-Grünen in BW im Kernbereich Umwelt und Klimaschutz immer noch um Welten besser aufgestellt sind als CDU und SPD. Das wissen auch Fridays for Future: https://bw.klimawahlen.de/

Bei allem, was sich landespolitisch regeln lässt, hat Kretschmann eine beeindruckende realpolitische Regierungsbilanz wie ich finde (auch als jemand aus einem sehr viel ärmeren und kleineren Bundesland:-)) und die Grünen BW ein beeindruckendes neues Wahlprogramm. Alle Fundamentalkritiker*innen hier könnten das übrigens gern mal reinschauen:-)

RE: Macht die Schulen nie wieder zu | 22.02.2021 | 11:01

"Triff Freunde! Spiele! Tobe!"

Die allermeisten Argumente, wieso die Schule für das Kindeswohl und die emotionale Entwicklung so unfassbar mega ultra wichtig sei, scheinen sich nicht aufs Lernen, sondern eher auf das drumherum zu beziehen. Das mag alles stimmen, aber kann noch nicht nachvollziehen wieso die Schulen für "triff Freunde, spiele, tobe" der entscheidende Ort sein soll, zumal die Schulen unter strengen Hygieneauflagen. Da ist doch eh nix mit Toben, sondern alle sitzen in Reih und Glied mit Masken und Abstand, oder? Alles andere wäre wahrscheinlich auch Irrsinn.

Also lautet meine Frage, gibts auch ein Argument dafür, dass in Reih und Glied mit Masken und Abstand, ohne Spiel, ohne toben, so furchtbar viel besser ist als per Videokonferenz?

RE: Jenseits von Geschlecht | 13.02.2021 | 10:45

Herr/Frau Grenzpunkt, darf ich an diesem Punkt einmal freundlich darauf hinweisen, dass Sie mich jetzt schon zum zweiten Mal persönlich beleidigt haben? "Ihre Fähigkeit, ein Argument zu verstehen, ist mangelhaft ausgeprägt." "Es ist intellektuell nur mäßig anregend, mit Ihnen zu diskutieren." Dass man sein Gegenüber als zu dumm bezeichnet ist keine gute Voraussetzung, Verständnis für die eigene Position zu inspirieren. Wenn schon nichts anderes, nehmen Sie das vielleicht mit für künftige Diskussionen :-)

RE: Jenseits von Geschlecht | 12.02.2021 | 08:48

"Was hat Weltkultur und Mindestlohn im Zusammenhang mit dem hiesigen Thema zu tun?"

Lesen Sie bitte Ihren eigenen Kommentar von gestern, da haben Sie selbst das Argument Weltkultur angeführt, dass die gendergerechten Sprache zu dieser noch nichts beigetragen habe. Meine Erwiderung zielte darauf ab, Ihnen verdeutlichen zu wollen, dass das - genau! - nichts damit zu tun hat, sondern der Umstand, dass Werke der Weltliteratur in Zeiten entstanden sind, als nur das generische Maskulinum üblich war, nicht bedeutet, dass es hier eine Kausalität gibt, wie Sie es oben eindeutig suggerierten.

So viel zu einer intellektuell anregenden Debatte, hmm.

RE: Jenseits von Geschlecht | 11.02.2021 | 08:20

Ich hab den Artikel sehr wohl gelesen, herzlichen Dank.

"Der Autor hat doch mehr als deutlich gemacht, dass das Geschlecht einer Person nur eine seiner vielen Eigenschaften ist. Warum es eine so herausragende Stellung einnehmen soll, bleibt im Übrigen Ihr Geheimnis."

Wenn es so unwichtig ist, weshalb machen Sie dann einen Aufstand, wenn es darum geht, auch weibliche Formen zu verwenden? Indem Sie generisches Maskulinum verwenden, sprechen/schreiben Sie ja nicht neutral, sondern männlich. Gegenfrage also: Wieso muss für Sie das männliche Geschlecht eine so herausragende Rolle einnehmen?

"Mit dem generischen Maskulinum sind ganz offensichtlich schon Werke der Weltkultur entstanden. Die jetzigen Versuche der gendergerechten Sprache haben es dazu noch nicht geschafft."

Fast alle großen Werke der Weltkultur sind auch entstanden, ohne dass es einen Mindestlohn gab.

"(...) Die TU Dresden breitet das sogar auf 4 Seiten aus. Vorteile in Form von Einfachheit kann ich darin nicht erkennen."

Oh bitte, Sie haben schon verstanden, dass Sie nur EINE dieser Formen benutzen können, und nicht alle gleichzeitig, ja? :-) Was jetzt so schwer daran sein sollte, IRGENDEINE zu benutzen, verstehe ich nicht. Davon abgesehen, überhaupt, hat das auch niemand von Ihnen verlangt. Es wäre nur nett, wenn Sie aufhören sich darüber lustig zu machen oder zu protestieren, wenn andere dies tun wollen. Denn die "Gendersau" wird durchaus nicht durchs Dorf getrieben von den Befürworter*innen.

RE: Jenseits von Geschlecht | 10.02.2021 | 17:18

Hui, der Debattenteil macht seinem Auftrag alle Ehre, steil kontroverser Artikel... dachte ich mir so, bis ich die Kommentare darunter gesehen habe. Heiliger Strohsack!

Dabei ist die Argumentation doch so dünn! "Leser" ist - ganz offensichtlich! - kein "Allbegriff". Wenn Sie eine lesende Frau auf der Parkbank sehen, sagen Sie dann zu ihrem Kind, "guck mal, ein Leser"? Von Begriffen, die eine männliche und weibliche Form besitzen - Bürger, Arbeiter, Leser - gibt es auch eine weibliche, die steht ind er Tat auch im Duden. Diese zu unterschlagen und zu behaupten, das andere Geschlecht sei mitgemeint, ist eine - bewusste oder unbewusste - Entscheidung.

Dass Gendersternchen unästhetischer seien als generisches Maskulinum ist - ganz offensichtlich! - Ihr persönlicher Geschmack.

Die These, dass reale Ungerechtigkeiten dadurch eher verdeckt würden, wird mit keinem einzigen Argument unterfüttert. Ich habe den Eindruck, reale Ungerechtigkeiten zu verdecken ist in der Vergangenheit auch ohnedies hervorragend gelungen.

Sorry, aus meiner Sicht gibt es wirklich, wie man die Vorteile und Wirkung auch bewerten mag, keine Nachteile der "geschlechtergerechten Sprache".

Ich frag mich daher was die tatsächliche Motivation ist der Leute, die hier mit solcher Verve die Gegenposition einnehmen und diese Debatten permanent am Leben erhalten, befeuern und spötteln.