Volker Hummel
03.10.2011 | 14:54

Der Quizmaster

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Volker Hummel

Ein Gespräch mit Rex Kramer, dem Mastermind des Ersten Berliner FilmTableQuiz, das seit letztem Jahr auch alle zwei Monate in Hamburg gastiert (heute ab 16 Uhr im Großen Abaton).

Herr Kramer, wie ging es los mit dem Filmquiz?

Rex Kramer: Ich komme aus Hannover, wo Stefan Kopka 2000 das erste Filmquiz ins Leben gerufen hat. Als ich nach Berlin ging, dachte ich mir, dass man das Konzept dort mal etwas professioneller und größer aufziehen könnte. Mit Kopkas Einverständnis habe ich für das Erste Berliner FilmTableQuiz 2007 auf eigene Kosten den RAW-Tempel in Berlin-Friedrichshain angemietet. Es kamen damals nur 30, 40 Leute, aber darunter waren drei von dem Stadtmagazin Zitty. Die fanden das so gut, dass sie mir eine Kooperation anboten. Seitdem wird das Filmquiz im Zitty angekündigt, und eine Team aus der Redaktion rät immer mit. Bei der zweiten Veranstaltung im August 2007 kamen dann schon 160 Leute. Und für das vierte Quiz sind wir dann in den Punkerschuppen SO36 gezogen, wo wir heute noch gastieren.

Letztes Jahr seid ihr nach Hamburg expandiert, wie kam das zustande?

Das war die Idee von Matthias Elwardt, dem Geschäftsführer des Abaton-Kinos. Der war mal während der Berlinale bei uns zu Gast und machte uns hinterher den Vorschlag, mal ins Abaton zu kommen. Das ist ein ganz anderer Ort als das SO36, wo das Publikum auf Bierbänken sitzt und so eine Art Konzertstimmung herrscht. Im Kinosaal in Hamburg ist das Ambiente konzentrierter, gesetzter. Fast schon seriös. In Hamburg kamen von Anfang an auch mehr Leute aus der Filmbranche, während wir in Berlin ein ganz gemischtes Publikum haben, eher Filmfreunde als Filmprofis. Treu sind die Zuschauer in beiden Städten.

Welche Stadt weiß mehr?

Das Rateniveau ist ungefähr gleich, allerdings unterscheiden sich die Fragen ein bisschen. Ich habe schnell feststellen müssen, dass es sehr einfach ist, schwierige Fragen zu stellen (stimmt), und sehr schwierig, leichte zu formulieren, oder vielmehr solche, mit denen viele Teilnehmer etwas anfangen können. Ich mache das Quiz ja nicht für Nerds und Spezialisten, sondern für alle Leute, die sich für Film begeistern. In Berlin experimentiere ich mehr mit den Fragen und unternehme mehr Ausflüge in abseitige Gefilde, zum Beispiel den Independent- und Trashfilm. In Hamburg kommt dann eine abgesicherte Version des Quiz zum Einsatz, die um die Fragen bereinigt ist, mit denen in Berlin kaum einer etwas anfangen konnte.

Welche Fragen funktionieren, welche nicht?

Das ist sehr schwer zu gewichten. Ich hatte zum Beispiel mal ganz früher einen Western-Block, da gab es dann hinterher massive Beschwerden von den Frauen im Publikum. Die wissen in dem Bereich gar nichts. Horror ist auch schwierig, obwohl das ein tolles Thema ist, das mir sehr nahe liegt. Fragen zum Asien-Kino kann man auch nicht allzu häufig bringen, da gibt es eine Handvoll Spezialisten, die alles wissen, der Rest schaltet ab. Wir versuchen eine Mischung hinzubekommen aus solchen Nischen und den Standards, die das Publikum zusammenführen, also Kultfilme wie Pulp Fiction oder The Big Lebowsky, die Spaß machen und die jeder gesehen hat. Aber irgendwann gehen die einem auch aus. Ich mache in Berlin jetzt das 27. FilmTableQuiz, das sind ungefähr 80 Fragen zu rund 100 Filmen, irgendwann sind die naheliegenden Themen durch, wenn man sich nicht wiederholen will.

Wie entwickeln Sie die Fragen?

Ich habe mittlerweile eine riesige Datei auf meinem Computer, die ich mit Indexwörtern durchsuchen kann und die ich ständig erweitere. Diese Datei erlaubt es mir zu recherchieren, welche Darsteller, Motive oder Themen in verschiedenen Filmen auftauchen, zum Beispiel Szenen mit Pferden, Seancen oder Klavierspielern. Wenn ich ins Kino gehe, habe ich immer die Brille des Quizmasters auf, der überall nach möglichen Fragen scannt. Natürlich besprechen wir auch viel im Team, jeder bringt Ideen ein, und ganz wichtig ist auch mein Freundeskreis. Der setzt sich nicht nur aus Filmspezialisten zusammen, deshalb probiere ich bei ihnen viele Fragen aus und finde heraus, was sie interessiert und woran sie sich erinnern. Die Woche vor einem Quiz kann für meine Bekannten auch mal nervig werden, weil ich sie alle zu Kandidaten mache.

Wie groß ist der technische Aufwand?

Die Schwierigkeit bestand anfangs darin, dass es für die nötige Vorarbeit, vor allem das Suchen nach bestimmten Filmszenen, ihr Aus- und Zusammenschneiden und das Entfernen bestimmter Bildteile (Credits), kein Vorbild und keine passgenaue Software gab. Ein weiteres Problem sind die unterschiedlichen Formate, deren man sich bedienen muss, DVD, Blu-Ray, verschiedene Rips. Das alles in einem Schnittprogramm zusammenzuführen ist eine Heidenarbeit. Erst heute Nacht hatte ich das Problem, dass ich bestimmte Filmdateien nicht laden konnte, deshalb habe ich mal wieder nur drei Stunden geschlafen. Mein Vorteil ist aber, dass ich in meinem Hauptberuf als Redakteur für Imagefilme, Making-ofs und Musikvideos sowieso viel mit Filmschnitt zu tun habe. Diese Montage bewegter Bilder und Töne macht mir Spaß, und ich habe den Eindruck, dass sich das aufs Publikum überträgt.

Film ist?
Emotion.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.