RE: Und alle haben geschwiegen | 05.03.2013 | 22:14

@MAGDA

Nein, das kann sich niemannd vorstellen, der nicht selber ähnliches erelebt hat. Wie ludwig14te schon sagte"wie es wirklich war kann nur der erahnen der dabei war .." Die Erinnerungen sind ja teilweise gespalten, um seine Ruhe vor dem Schmerz zu haben. In mir ist gestern auch das Entsetzen wieder hochgekommen.

Nein Magda, da hilft auch kein großüges Verständnis, im Gegenteil, das ist eher verletzend.

„Und alle haben geschwiegen“*

Die inneren Schreie verstummt - unvertont

verschmolzen mit dem Rest meiner Seele.

Nein, sie sind nicht weg, nur nicht zu hören.

Unnachgiebig die Mauern, dick die Türen,

von außen verschlossen … es nützt nichts,

sich den Kopf an ihnen blutig zu schlagen.

Die inneren Schreie, verschluckt im Hagel

sadistischer Pein. Wer will sie hören,

diesen ohrenbetäubenden Klang?

Viktoria Hammon

*Inspiriert durch den gleichnamigen Fernsehfilm im ZDF

RE: Ganz sicher nicht nichts | 09.02.2013 | 10:35

Das hole ich hiermit noch nach: danke für den netten Empfang hier.

Ja, ich habe einen Satz: Sexismus ist ein Angriff auf die Integrität eines Menschen mit dem Ziel, sie/ihn wehrlos zu machen. Dafür wird mit den intimsten Gefühlen gespielt, zu dem Zweck des eigenen Machterhalts, zur Machtdemonstration oder zum Erhalt der Herrschaftsverhältnisse.

Deshalb war der #Aufschrei so wichtig, denn über Beschämung und gezielte Irritation der Wahrnehmung durch Verdrehung von Tatsachen, war es bisher leicht, Betroffene zum Schweigen zu bringen. Wie und dass es so funktionierte, haben wir ja jetzt erlebt.

Serotonic schreibt: "Er möchte um jeden Preis etwas bedeuten." das hat sich beim Lesen anders angehört; er wollte um jeden Preis ihren Willen brechen, mit allem, was am eigenen Willen hängt. Die Empfehlung einer RÄ gebe ich hier mal weiter, in derartigen Situationen immer aggressiv und spitz zu reagieren. O-Ton RÄ: "Verpiss dich du Arsch!"

Dazu lege ich auch sehr das Buch Die Masken der Niedertracht ans Herz. Es bestätigt reihenweise das, was durch den Angriff auf die Integrität am meisten beschädigt wurde: die eigene Wahrnehmung. Und es hilft, daraus zu kommen.

Noch eine kleine Umlenkung zu einem differenzierten männlichen Blogeintrag, Wie jetzt, Debatte ...? den ich sehr lesenswert finde. Es gibt ihn auch, den männlichen Stolz mit einem guten Gefühl für Frauen, der durch sexistisches Verhalten ebenfalls verletzt wird.

Frauenland ist abgebrannt - als hätte ich's geahnt - ein Gedicht von 1998.

Ich wünsche ein schönes und heiteres Wochenende!

RE: Ganz sicher nicht nichts | 08.02.2013 | 17:18

Dass die Diskussion hier noch lebt, finde ich wunderbar und hat mich noch zu einem Statement angeregt.

Der Auslöser Brüderle/Himmelreich für eine lebendige und kontroverse, teilweise auf hohem Niveaus geführte Debatte, wird gern als sexuelle Belästigung bezeichnet. Das war für viele eine Steilvorlage, Frauen zu belehren oder als zimperlich zu bezeichnen… und Männer als Opfer darzustellen. Dass die, die ein System verteidigen, von ihm profitieren, ist auch schon viel gesagt/geschrieben worden. Nun wurde aber auch die Definition von Sexismus selber zum Thema.

Die auch genannte Gleichschaltung von Sexismus und Sex hingt dagegen. Sexismus hat nichts mit Sex zu tun. Er beschreibt die Ausprägung eines Herrschaftsgebarens, das sich der Sexualität bedient. Der sexuelle Besitzanspruch an eine Frau wurde in vielen Bereichen und über Jahrhunderte manifestiert. Das ganze Ausmaß beginnen wir gerade zu erahnen.

Warum wurden Frauen denn in Kriegen massenhaft vergewaltigt? Sie galten als legitimierte Kriegsbeute. Auch heute lassen sich Frauen noch vom Herrn Papa zum Traualtar führen – nichts anderes als eine Weiterreichung von Mann zu Mann.

Ich begrüße diese Debatte sehr, auch in ihrer Widersprüchlichkeit. Auch wenn ich manchmal die Wut kriege. Das Thema ist da. Und die positiven Auswirkungen sind noch gar nicht zu übersehen. Allein der Wegfall der Mauer des Schweigens wird kontinuierlich seine Kreise ziehen, das spüre ich jetzt schon. Auch an mir.

RE: Ganz sicher nicht nichts | 03.02.2013 | 15:01

Danke für diesen differenzierten Artikel samt Links, den ich gern bestätigen und ergänzen möchte.

Ob nun Machtmissbrauch zwischen Männern/ Frauen/Männern/Lesben u.s.w., das Problem ist das gleiche: die sexuelle Ebene wird zu Destabilisierung eines Menschen "benutzt". Da können wir es drehen und wenden wie wir wollen, da sind sich auch kritische Stimmen einig - es ist hauptsächlich ein männliches Problem. In einer von männlichen Herrschaftsstrukturen geprägten Gesellschaft (auch das ist unstrittig) auch naheliegend. Dass wir noch nicht weiter sind, kann zu recht bedauert und beklagt werden, hilft aber nicht weiter. Wenn der gegenwärtige #aufschrei diese überfällige Entwicklung anregt, werden wir jedoch einen ganzen Schritt weiter kommen. Denn meine These ist: Männer und Frauen WOLLEN sich miteinander sicher fühlen.

Der Artikel von Frau Himmelreich, den ich übrigens mehr als Beschreibung, denn als Pranger verstanden habe, hat offenbar viele Lesarten. Er hatte aber auf alle Fälle die Power, Stichwortgeber für ein vielschichtiges und komplexes Unbehagen zu sein. Ursache/Wirkung lässt sich nicht mehr auseinander halten, der Zusammenprall von Erfahrungen (#aufschrei) und Be- und Abwertungen hat einen eigenen Spin entwickelt.

Es ist interessant, einen fundamentalen Wandel zu beobachten: wurden bisher Frauen (u. alle Betroffenen!) bisher durch sexuelle "Anmache" in Abhängigkeitsverhältnissen destabilisiert, ist nun das System selber (das wiederum von Männern u. Frauen getragen wurde) ins Schlingern geraten. Es kämpft jetzt um sein Überleben. Ist das der Stoff aus dem Revolutionen gemacht sind?

Bei meiner Recherche bin ich zu meiner Freude, auch zu meiner intellektuellen Freude, auf viele differenzierte Artikel gestoßen. Es hat sich außerdem, durch eine überraschende Eigendynamik eine Quervernetzung in die unterschiedlichsten Blogs entwickelt, durch die sich mir eine neue, ernst zu nehmende Welt aufgetan hat. Das hatte mich ermutigt, mich auch in meinem Blog dazu zu äußern:

http://viktoriahammon.wordpress.com/2013/02/01/das-ende-der-ismen/

Mein Anliegen: wir müssen Viele werden, die sich für einen menschlichen und schätzenden Umgang miteinander einsetzen. Dazu gehört auch, gewisse Dinge zu ächten.