Vobro

Auch Unsinn und Wahnsinn haben ihren Sinn.
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RE: Wir lesen "Das katholische Abenteuer" von Matthias Matussek | 27.05.2011 | 13:44

Katholizismus oder Vernunft - Sie haben die Wahl, Herr Matussek!

Nachdem ich Herrn Matussek vor einer Weile in der Sendung bei Markus Lanz gesehen habe, hat sich mein Eindruck von erstgenanntem Herrn nochmal auf eine Weise verschlechtert, die ich selber nicht für möglich gehalten habe.

“In seinem Durchschnitt ist der deutsche Katholizismus mies bis dreckig, in seinen Methoden dumm bis dreist.” –

Dieser bemerkenswerte Satz von Heinrich Böll steht im Raum und bleibt dort stehen, denn geistig hat sich in der Kirche, der katholischen, in der Amtskirche wohlgemerkt, nicht sehr viel verändert, denn wir können von Glück reden, daß die katholischen Amtsträger, vermeintlich hochwürdig und erlaucht, in Wahrheit aber nur abergläubig und in der Regel machtbesessen, nicht so können, wie sie gerne wollten, und das gilt nicht nur sexuell.

Zunächst muß bemerkt werden, daß es nicht “den” Katholizismus gibt, von welchem von Herrn Matussek immer in der von ihm gewohnt unreflektierten Weise gesprochen und geschrieben wird. Nehmen wir aber als Grundlage dessen, was offiziell als “gut-katholisch” zu gelten hat, den Weltkatechismus der Römischen Kirche aus dem Jahre 1992, der unter der Federführung Ratzingers entstanden ist, dann finden wir eine Menge gute, bzw. eben eher äußerst schlechte Gründe darin, den real existierenden Katholizimsus zu verabscheuen.

Es beginnt natürlich mit der Feststellung, daß Aadam und Eva auch im 20. und wohl auch noch im 21. Jahrhundert als historische Personen zu glauben sind, bereits damit beginnt das wohl nie enden wollende Widerkäuen eines längst überholten Aberglaubens, der sich an jeder Stelle fortsetzt, wo alte Mythen fälschlicherweise objektiviert und historisiert werden.

Wirklich schlimm aber wird es erst, wenn im Römischen Weltkatechismus nach wie vor die Meinung vertreten wird, daß der Krieg unter bestimmten Umständen als gerechtfertigt und die Todesstrafe als Ausdruck göttlichen Willens angesehen werden kann.

Zwar darf die Katholische Kirche inzwischen und entgegen ihrer blutigen Tradition selber weder Krieg führen, noch Todesurteile fällen, aber ihre ideologische und moralische Rechtfertigung finden sowohl Krieg als auch Todesstrafe immer noch. Natürlich, die nach wie vor feierlich vorgetragene Frauenfeindlichkeit findet in der katholischen Sicht in der Abtreibungsproblematik nach wie vor ungekürzt und unverhohlen ihren Ausdruck, da muß das ungeborene Leben unter allen Umständen, allzumal unter Leugnung von tragischen Lebensumständen gegen die Frau geschützt werden, selbst im Falle einer Vergewaltigung oder der Todesgefahr der werdenden Mutter, aber gewiß darf der Schutz des Lebens niemals so weit gehen, daß Krieg und Todesstrafe prinzipiell geächtet werden – das ist beste katholische Lehre und sie ist perfide und verwerflich, nur Leuten wie Herrn Matussek scheint das alles nicht begreifbar zu sein.

Fügen wir noch einen kleinen Aspekt hinzu, denn immerhin gilt dem Weltketechismus nach die Homosexualität zwar nicht mehr als Todsünde, aber als eine schwere moralische Verfehlung gilt sie nach wie vor, natürlich wieder vollkommen undifferenziert, als ob es nicht ganz verschiedene Formen von Homosexualität gäbe.

Vielleicht denkt Herr Matussek einmal gründlich über solche und viele andere Dinge nach, bevor er sich weiterhin dazu hergibt, unreflektiert und undifferenziert als eine Art Werbe-Ikone dem Katholizismus das Feld zu bereiten, auf welchem er sich wohl erneut ausbreiten soll. - Vobro