Ich bin Muslim, und kein Terrorist

Terrorist oder Opfer Der Pariser Anschlag rückt die Muslimen wieder in den Mittelpunkt. Aber was viele nicht merken, die meisten Muslimen sind ebenfalls Opfer der sogenannten "ISIS".
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2989, 52, 11 und 43. Die erste Zahl wird vielen von euch bekannt vorkommen, es ist die Zahl der Todesopfer am 9/11. 52 Menschen starben an den Anschlägen in London und 11 starben vor zehn Monaten beim Anschlag gegen Charlie Hebdo. Es sind Anschläge, die weltweit große Solidarität aufrufen, es gab Parolen wie „Je suis Charlie" oder „Pray for Paris". Staatsoberhäupter der ganzen Welt schritten Hand in Hand einen Solidaritätsmarsch auf dem Boulevard Voltaire.

Wissen Sie, was die letzte Zahl 43 bedeutet? Es ist die Zahl der Todesopfer beim Anschlag in Beirut, dass unmittelbar vor dem Pariser Attentat stattfand. Diese Zahl wird mit einem Schulterzucken wahrgenommen. Keiner oder wenige zeigen ihre Solidarität mit diesen 43.

Auch wir Muslime sind Opfer

Es wird keine Parole geben, es wird keinen Trauermarsch geben. Es wird viele geben, die werden wohl sagen, gut so, es gibt 43 weniger blutdürstige Muslime. Man zeigt mit dem Finger auf uns Muslime, man schaut uns auf den Straßen skeptisch an, man blafft uns an und man nennt uns offen Terroristen. Aber man vergisst dabei einen Aspekt, auch wir Muslime sind Opfer.

Ich bringe weitere Zahlen 148, 102 und 86. Im letzten Jahr starben in Pakistan in der Stadt Peshawar bei einem Anschlag 148 Menschen darunter 130 Kinder, es waren die Kinder von Muslimen. 102, so viele starben im letzten Monat in Ankara, die Daesh (auch bekannt als IS) bekannte sich zum Anschlag. In meiner Heimatstadt Lahore starben 2010 86 Menschen bei einem Anschlag auf zwei Moscheen, darunter der Zwillingsbruder meines Großvaters, indem er einen der Attentäter aufhielt.

Es sind auch die unseren Kinder, die getötet werden, es sind auch die unsere Frauen, die misshandelt und vergewaltigt werden, es sind auch die unsere Häuser, die bombardiert werden, es sind auch die unsere Träume, die zerstört werden. Der Titel müsste eher heißen: „Ich bin Muslim, und auch ein Opfer."

Oder in den Worten von dem bekannten pakistanischen Dichter Obaidullah Aleem ausgedruckt:

„Kein anderer steht hinter dem Messer. Wir sind es, die ermordet werden, und wir sind es, die morden."

0,025 % radikale „Muslime"

Meine Bitte an Sie als muslimischer Schweizer und Europäer ist: Bitte lassen sie uns nicht den Preis für die Taten der 0,025 % radikaler „Muslime" bezahlen. Es herrscht eine Angst unter den Muslimen, dass auch hier in Europa bald solche Zustände herrschen werden, wie in Amerika nach 9/11.

Den muslimischen Nachbarn wurde misstraut, kopftuchtragende Frauen wurden angegriffen, Korane wurden verbrannt, Ladenbesitzer wurden angegriffen, man mobbte und boykottierte, es kam sogar in einzelnen Fällen zu Meuchelmorden. Muslime waren gezwungen ihre Identität zu verleugnen, sie hatten Angst sich Muslime zu nennen.

Es gibt wohl kein anderes Szenario, wovor sich Muslime mehr fürchten als dieses. Dabei wollen die Muslime das Gleiche wie die Christen, Juden und Atheisten. Sie wollen Frieden. Frieden auf der ganzen Welt. Und dieser Frieden kann erst geschaffen werden, wenn wir zusammenarbeiten. Wir müssen uns für Toleranz und für den Dialog öffnen.

Man muss aufeinander zugehen. Und da sind besonders die Muslime gefragt, weil in diesem Bereich schwächeln sie. Aber es gibt auch Muslime die offen den interreligiösen Dialog suchen, wie z.B die islamische Gruppierung Ahmadiyya Jamaat. Sie veranstaltet regelmäßig Bücherstände, Informationsabende und erst letzte Woche wurde eine Islamausstellung am Frankfurter Hauptbahnhof organisiert.

Anstatt uns gegeneinander zu misstrauen, zu hassen, könnten wir diese Energie für ein gemeinsames Vorgehen nutzen? Lassen wir nicht zu, dass sich nochmals eine Trennlinie, eine Mauer des Hasses zwischen uns stellt. Lassen wir nicht zu, dass sich unsere Trauer in Wut und Hass umwandelt.

Schulter an Schulter gegen den Hass

Diese Vorurteile und diese versteckte Angst soll uns nicht hemmen, denn wir werden uns nur ins eigene Fleisch schneiden. Lasst uns zusammenarbeiten für eine bessere Welt. Lasst uns zusammenarbeiten Schulter an Schulter gegen den Hass für dieUNSERE Welt.

Für diesen Zweck ist es wichtig, dass auch sie den wahren Islam kennenlernen, denn nur so können Misstrauen und Vorurteile vorgebeugt werden, indem wir uns einander kennenlernen und somit Missverständnisse aufgeklärt werden.

Informieren Sie sich, fragen Sie Ihren muslimischen Nachbarn, gehen Sie in eine Moschee in Ihrem Viertel (keine Angst, wir beißen nicht), fragen Sie UNS, weil wir sind die wahren Repräsentanten des Islams, die wahren Muslime und nicht diese kleine Minderheit.

Es ist ihre Aufgabe sich zu informieren, weil die Medien erfüllen ihre Pflicht nicht. Sie widmen den 0.025 % ihre ganze Aufmerksamkeit, aber der große Rest bleibt ungefragt. Wir, die den wahren Islam ausleben, die dem Beispiel des Heiligen Propheten und dem Heiligen Koran folgen, die vergisst man.

Islam heißt Frieden, Muslim bedeutet Friedenstifter, wie kann eine Religion, deren Bedeutung schon Frieden ist, Gewalt propagieren? Der Heilige Prophet sagte einst:„Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Hände und Zunge andere Muslime sicher sind."

Des Weiteren sagt der Heilige Koran: „wenn jemand einen Menschen tötet, so soll es sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten." (5:33)

http://images.huffingtonpost.com/2015-11-18-1447805808-1407507-12270224_1019175638134774_1030905813_n-thumb.jpg

Diese zwei Aussprüche aus den zwei wichtigsten Rechtsquellen des Islams genügen, um zu zeigen, in welch einer Weise diese Bestien unislamisch handeln und im Widerspruch zum wahren Islam stehen.

Am Schluss möchte ich gerne mit den Worten von Martin Luther King abschließen:

Finsternis kann keine Finsternis vertreiben.
Nur das Licht kann das.

Hass kann den Hass nicht austreiben.
Nur die Liebe kann das

17:20 27.11.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Waleed Ahmed

- Vorstandsmitglied MKAS - Chefredakteur KHADIM
Waleed Ahmed

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