Die Gefahr ist da

Kriegsblase Die Gefahr ist da. Im Ernst. Ich meine, es kann ja jeder Zeit passieren.
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Die Gefahr ist da. Im Ernst. Ich meine, es kann ja jeder Zeit passieren. In dem Moment, in dem ich aus einer gut im Hamburger Untergrund versteckten Toilette wieder zurück an die frische Luft gefunden habe, könnte es geschehen sein, dass die Russen Tallinn erobert haben. Oder Riga. Oder Kopenhagen. Wohl wahr.

Es sind natürlich keine 60 Stunden vergangen, meine Blase ist nicht so fortgeschritten, aber die Russen könnten es ja auch deutlich schneller schaffen. Im Falle Tallinns tippe ich auf vier Stunden, samt radikaler, ungezwungener Volksabstimmung und neuer Parlamentswahlen. Kann ja passieren, und versuchen Sie bitte, das Gegenteil zu beweisen. Noch mehr – es könnte ja auch passieren, dass die Kollegen in Ruanda – während ich mich mit meiner Wenigkeit beschäftigt habe – sich mit Jungs in Burkina Faso angelegt haben und ohne Vorwarnung ins Land einmarschiert sind. Die Regierungsgebäude sind sichergestellt worden, erste Erschießungen haben stattgefunden und auch die UNO hat sich inzwischen ganz klar und entschlossen dazu geäußert – mit einer unwiderruflichen Resolution.

Und dann, versteht sich, haben sich in dieser begünstigten Lage auch die Japaner plötzlich auf den Kurilen strategisch positioniert. Es kann ja sein. Woher sollen wir es wissen, ob nicht genau zu dem Zeitpunkt, als ich meine Zähne in eine trockene und überteuerte scheindeutsche Brezel stecke und sie nicht wieder herauskriege, ob nicht genau dann die ersten Bomber auf düsteren Erdflächen landen und die ersten Infanteristen ihre im Kampf verschwitzten Gesichter in Bergbrunnen erfrischen – unter den neugierigen Blicken von Inselbewohnern, die sich inzwischen dem Widerstand angeschlossen haben? Sehen Sie, genau das wissen wir nicht!

Es muss also eine Zeitung her. Ich muss mich informieren. Und dann kommt es. Fieberhaft blättere ich, tippe ich, scrolle ich. Die Nato ist besorgt. Die Russen reagieren. China, Israel, mal wieder Korea. Sogar die Bergleute rund ums friedliche Tirol beeilen sich, sich irgendwie wärmer als üblich anzuziehen.

Und das ist nur das, was man schwarz auf weiß gedruckt bekommt. Unfassbar! Es ist also nur das, was man offiziell erfahren darf. Stellen Sie sich vor, meine Damen und Herren, was man zwischen den Zeilen lesen kann. Gänsehauterregend! Und auch Honduras macht uns Sorgen. Weil dort einiges hochkocht vor dem Hintergrund, dass es jede Sekunde von den USA angegriffen werden könnten, um das neugewonnene Land und Bodenressourcen für einen entscheidenden Kampf gegen San Marino zu nutzen.

Und das alles ohne Drohnen. Noch ohne Drohnen. Ich meine, wir wissen es nicht. Mein Nachbar, der macht es richtig. Er grillt nicht mehr im Freien. Er hat mir erzählt, dass es schon Fälle gab, in denen Grilldüfte als Signal für ferngesteuerte Drohnen eingesetzt wurden – als die Franzosen Erfurt im Visier hatten. Das sind mal Zeiten! Ewige Glorie auf uns unbekannte Helden, die es sicherlich jede Menge gibt. Ich hätte es nicht geschafft. Oder, ich schon, meine Blase nicht.

Die Welt ist richtig gefährlich geworden. Für meine Blase.

19:04 03.07.2016
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