Wolver Hollow

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RE: Aufforderung zum Mord | 20.11.2014 | 14:13

Darf ich dem offenbar lückenhaften Gedächtnis des Autor rin ernig auf die Sprünge helfen? Dieser scheinbar ewige "Kampf der Generationen" ist ein beliebtes Ablenkungsmanöver, um die wahren Interessengegensätze nicht ansprechen zu müssen. Und wenn nicht zum Aufschrei gegen Alte aufgerufen wird, dann sind die anderen "A" an der Reihe: Als da wären: Ausländer, Asylanten, Arme, Asoziale.

Bei Wolfgang Lieb in den "Nachdenkseiten" findet sich eine Auswahl von Kuntze-Vorläufern:

"'Wie die Alten die Jungen ausplündern' titelte der SPIEGEL, 'Die Jungen werden verschaukelt' schrieb Henning Krumrey im FOCUS, „Rentner – Leben auf Kosten der Anderen“, meinte Viktoria Unterreiner in der WELT, 'Ran an die Rente', forderte der FOCUS. 'Ran an das Geld der Rentner' (Dorothea Siems, DIE WELT), 'Die gierigen Alten' (Jörg Tremmel, SRzG in 3-Sat), 'Alte gebt den Löffel ab' (Jan A. Dittrich FDP, in BILD), 'Die Alten haben zu wählen – Verzicht oder Krieg' (Hans-Ulrich Jörges, im STERN).
Und selbst die seriöse FAZ schrieb: 'Nie zuvor haben die Älteren ihre Nachkommen so schamlos ausgenommen'.”

Kuntzes "Schamlose Generation" gibt der Sache einen neuen Drive, da der Mann zu seinen journalistischen Zeiten als dezidiert "links" galt und und zudem im "Rotfunk" WDR beschäftigt war. Ein Paulus, der zum Saulus wird und sich in seinen wohlversorgten alten Tagen ausgerechnet auf Adenauer und Kinder-Reichtum beruft.

RE: Bodenständige wie wir | 11.10.2013 | 22:30

--hätte, hätte - nix da mit Fahrradkette. "Zeit der Helden" hat den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Die Nischenserie hat den Mainstream geschlagen. Zugegebernermaßen in einem dünn besetzten Feld. Die Juroren haben mit ihrem Bekenntnis zum Minderheitengeschmack zugleich die FREITAG-Autorin mit ihrer vorschnellen Prognose beschämt. Ein wenig längeres Abwarten wäre nicht schlecht gewesen.

Generell gilt: Der Deutsche Fernsehpreis ist offenbar mutiger als die Mitglieder der Deutschen Film- und Fernsehakademie, die sinnlos als Preise auf einen Haufen werfen. Was den einen "Oh Boy" war, ist den anderen nun "Unsere Mutter, unsere Väter".

RE: An die "Monitor"-Redaktion | 06.04.2013 | 22:42

Was soll man eigentlich von einem Offenen Brief halten, was soll man von der medienpolitischen Kompetenz seines Autors halten, wenn nicht mal die Adresse stimmt, an die Robert Zion seine antisemitischen Vorwürfe richtet? Egmont R. Kochs Bericht ist in der WDR-Featurereihe "Die Story im Ersten" gelaufen und nicht etwa im Politmagazin "Monitor". Diese Vermengung, diese Gleichsetzung zweier verschiedener Redaktionen und Formate zeugt von einer Wurstigkeit der Recherche, die an den weiteren Gedankengängen des Autors zweifeln lässt.

RE: Er ließ sich nicht täuschen | 18.12.2012 | 22:17

Ein feiner, selbstreflexiver, ja selbstkritischer Nachruf auf einen ungewöhnlichen Mann, einen Grenzgänger zwischen den Kulturen und Disziplinen. Geschrieben von einem Mann, der für mich wie kaum ein anderer für die fragile Kontinuität zwischen dem alten und dem neuen "Freitag" steht.

RE: FREITAG-Kulturressort mit neuem Beraterteam! | 07.01.2012 | 18:43

Lieber Herr Angele,
mit einer tollkühnen Flucht in die Ironie wollen Sie als Ressortleiter Kultur retten, was Ihr Chef Augstein in selbstgefälliger Arroganz unterlassen hat. Im Editorial der Printausgabe des "Freitag" werden die vier Herausgeber mit ein paar netten, unverbindlichen Floskeln abserviert und schnurstracks wird von Augstein eine neue Epoche in der wechselvollen Geschichte der Wochenzeitung eingeläutet. Wo die "Zeit des Übergangs" vorbei ist, da soll kein Platz mehr sein für bekannte Namen im Impressum. Ein Augstein muss genügen und dieser Augstein braucht keinen irgendwie gearteten Rat der Weisen neben sich.
Das Interview von Frau Dahn mit taz und Junger Welt spricht für sich: Hier haben sich ein Zeitungseigner und vier Honoratioren konsequent auseinandergelebt. Die einen konnten mit dem anderen nichts anfangen und umgekehrt gilt wohl das Gleiche.
Aber spricht diese wechselseitige Entfremdung denn grundsätzlich gegen die Institution von Herausgebern oder gar gegen ein reformiertes Kollegium, das zum einen die Leser / Community repräsentiert, aber auch unabhängige Intellektuelle versammelt? Ich denke nicht. Aber es spricht Bände für den Führungsstil innerhalb des neuen "Freitag", wenn solche Reformideen gar nicht weiter verfolgt werden. Und wenn sie dann doch nachträglich aufgegriffen werden, wie in Ihrem Blog geschehen, dann werden sie ins Lächerliche und Absurde gezogen, dass die Abwegigkeit gleich ins Auge springt. Viel Spaß mit Poltergeist Grass möchte man Ihnen zurufen...
Von einer "neuen Form des partizipativen Journalismus" spricht Jakob Augstein und meint damit die Online-Aktivitäten des "Freitag" seit 2009. Doch über diese nicht zu leugnenden Fortschritte im Web-Bereich haben er und seine Berater vergessen, was sie mit der klassischen Print-Fassung in Zukunft anfangen können. Natürlich, wie jedes bürgerliche Blatt im steten Kampf gegen das moralische Veraltern hat auch der "Freitag" einen Relaunch und in neues Layout bekommen, aber der Content ist im Vergleich dazu eher nebensächlich geworden. Ich schlage damit in die gleiche Kerbe wie diverse andere Einträge in diesem Blog und ich biete auch eine Erklärung für diese Verflachung an: Der alte "Freitag" lieferte Beiträge zu einer offenen linken Debattenkultur, er war eine Autorenzeitschrift, deren Mitarbeiter sich auf ein, wie unterschiedlich auch immer geartetes gemeinsames politisches Ideal verständigen konnten und deren Beiträge im gelungenen Fall neue Einsichten und Erkenntnisse vermittelten. Unter Augsteins Ägide ist aus dem "Freitag" ein "Meinungsmedium" geworden. Dieser Begriff ist in seiner Verwaschenheit verräterisch. Eine Meinung hat jeder oder behauptet jeder von sich, sie zu haben. Aber entscheidend sollte doch sein, wie begründet, fundiert, originell sie vertreten wird. Und was die Auswahl der Themen angeht, da ist der "Freitag" unendlich viel mainstreamiger und berechenbarer geworden. Die Frage, warum man jede Woche den "Freitag" lesen (oder gar abonnieren) sollte, hat das neue Geschäftsmodell sträflich unbeantwortet gelassen, zumal ja der Inhalt meist fast zeit- und inhaltsgleich sich online nachlesen lässt.