Wie sagt man's richtig auf "design"?

Design – Wie wird darüber gesprochen? Eine kleine Analyse darüber, wie die Medien über Design berichten.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wie wird über Design gesprochen? Diese Frage soll in dieser Ausführung gestellt werden und natürlich wollen wir versuchen sie am Ende dieser Ausführungen zu beantworten.
Dazu haben wir uns drei Texte aus unterschiedlichsten Plattformen gesucht, die auf verschiedene Art ähnliche Themen behandeln.
Das verbindende Thema unserer drei Artikel ist die Autobahn. Allerdings isoliert von der typischen Assoziation der Hochgeschwindigkeitsstraße unserer Zeit. Vielmehr unter den Aspekten der Kunst und Wissenschaft.

Zu nennen sind da die Artikel aus dem Bettery Magazine und aus dem Hamburger Abendblatt, in denen es um das Autobahn- Kunstprojekt von Ole Utikal und Hannes Mussbach geht, und der Artikel von INGENEUR.de, welcher davon handelt, wie ein Stück Autobahn zu einem Freiluftlabor umgebaut wurde.

Das Bettery Magazine ist eine englischsprachige Online-Zeitschrift, welche vom Autohersteller Smart gesponsert wird. Ihre Leitidee ist es, die Veränderung der städtischen Landschaft in vielfältiger Art und Weise aufzuzeigen. Erreichen wollen sie kreative Menschen, die selber kreativ aktiv sind oder werden möchten.
Unser ausgesuchter Artikel „Do highways really simplify our lives?“ (Vereinfachen Autobahnen wirklich unser Leben?) erschien in der Frage und Antwort-Serie dieses Magazins, in der zwei kreative Köpfe gewählt werden, die jeweils eine Frage zum Thema Städtelifestyle stellen oder beantworten. In unserem Fall stellt Ole Utikal die oben genannte Frage. Hannes Mussbach antwortet, in dem er erklärt, was die A0, eine drei Meter lange Originalautobahn, alles ist und sein kann und dass durch das entstandene Objekt der Zweck dieser umfunktioniert wird. Durch die gestellte Frage, die zudem die Leitfrage der beiden Designer bei dem Projekt war, beschreiben sie ihre Kunst.
Das Hamburger Abendblatt, eine gut gelesene Tageszeitung in Hamburg und Umgebung, erscheint im Axel Springer Verlag. Es spricht nach eigener Aussage „eine junge, überdurchschnittlich gebildete und einkommensstarke Zielgruppe an“ (Zitat ihrer Website [8.6.13]). Die Zeitung hat 14 Oberkategorien, wie z.B. Politik, Wirtschaft und Sport.
Der Artikel „Auf der Autobahn der Kunst ist Rasen erlaubt“, geschrieben von Birgit Reuther, erschien in der Kategorie ‚Kultur & Live‘. Insofern können wir annehmen, dass dieser Artikel vor allem Kulturinteressierte ansprechen soll. Es werden viele unterschiedliche Randinformationen eingebracht. Ausgehend von der Ursprungsidee der Designer werden neben historischen Hintergründen zum Thema Autobahn und anderen Künstlern, die sich diesem Thema angenommen haben, auch die beiden Erbauer näher vorgestellt. Der Artikel wirbt auch für das Dockville Festival, auf welchem das Autobahnobjekt zu sehen ist. Der Artikel ist insofern sehr exklusiv, da er über das Designobjekt A0 berichtet, bevor das Festival überhaupt begonnen hat und ein Besucher sie hätte sehen können. Zum Ende kommen die Designer indirekt selber zu Wort und geben ein paar Aussichten, wie sie die Autobahn aktiv in das Festival einbinden wollen.
Das Portal INGENIEUR.de ist eine Informationsplattform von VDI-Nachrichten, einer Zeitung, die einmal wöchentlich erscheint. Sie richtet sich an Ingenieure verschiedenster Art. Auf ihrer Seite gibt es fünf Hauptkategorien, z.B. Aktuell, Karriere und Spiel & Spaß. Unser Artikel „Autobahn als Umweltlabor“ ist unter der Kategorie Aktuell/ Branchen/ Fahrzeugbau zu finden. Er erklärt und beschreibt, warum und wie ein Freiluftlabor auf der BAB 656 zwischen Mannheim und Heidelberg errichtet wurde, was dort gemessen wird und wie Teile der Versuch ablaufen: „Mit unseren Feldmessungen an der BAB 656 wollen wir feststellen, welche Stoffströme vom Autobahnverkehr tatsächlich an die Atmosphäre abgegeben werden“. Viele Hintergrundinformationen, wie die aktuellen Werte aussehen und worin das Ergebnis des Ganzen liegt werden erwähnt. Der Text möchte informieren und richtet sich dabei an naturwissenschaftlich Interessierte, sogar an eine speziellere Berufsgruppe – die Ingenieure.

Diese drei Texte sind an sehr unterschiedliche Leser gerichtet, zum einen an kreative Menschen, an Kulturinteressierte und zuletzt an Ingenieure.
Das jeweilige Publikum hat auch sehr unterschiedliche Erwartungen an die Texte. Die Leser des Bettery Magazines wollen von neuen Projekten erfahren, die andere kreative Menschen initiieren und sich kritisch mit ihrer Städtekultur auseinandersetzen. Hamburger Abendblatt-Leser sind ein sehr breit gefächertes Publikum und wollen wissen, was in ihrer Umgebung passiert und die Leser des INGENIEUR.de-Portals sind naturwissenschaftlich interessiert und möchten viele Fakten und Abläufe präsentiert bekommen.
Oberflächlich betrachtet erfüllen alle drei Texte damit die Erwartungen ihres Publikums.
Geht man jetzt ins Detail und untersucht den Artikel des Hamburger Abendblatts auf die Zielgruppe, die sie ihrer Meinung nach ansprechen: „eine junge, überdurchschnittlich gebildete [...] Zielgruppe“ dann möchte man meinen, dass der Text sprachlich gesehen dem nicht ganz entspricht. Formal betrachtet bietet das Abendblatt zwar ein klassisches Arrangement an mit zwei Überschriften, Autorennennung, Datum und einem Titelbild, auf dem sowohl die Künstler als auch die Autobahn zu sehen sind, inhaltlich stellt sich die Frage nach der Kernaussage des Artikels. Es gibt Formulierungen, die wie: „im Spaghettiknoten zwischen Faszination für Kritik und ironischem Blick“, „Eine gute Gelegenheit für Frontalunfälle mit dem anderen oder gleichen Geschlecht“ oder „körperliche Baustellenmaloche“ doch sehr umgangssprachlich anmuten und eher schlecht gelungene Metaphern sind, die nicht für ein „überdurchschnittlich gebildetes“ Publikum ansprechend erscheinen. Zudem wollen sie viele Informationen, die einzeln betrachtet wenig zusammenpassen, in einem Artikel zusammenfassen. Das Projekt der beiden Designer soll zwar als roter Faden zu erkennen sein, doch die vielen Randinformationen zeugen von einer gewissen Informationsflut. Festgemacht haben wir diese Beobachtung bei Informationen zur Geschichte der Autobahn: "Die erste öffentliche deutsche Autobahn, die 1932 zwischen Köln und Bonn von Konrad Adenauer eingeweiht wurde", Künstler die sich dem Thema ebenfalls annahmen: "zahlreiche Künstler haben sich der symbolisch immens aufgeladenen Straße in ihren Werken angenommen. Allen voran die Düsseldorfer Band Kraftwerk mit ihrem Album „Autobahn“ aus dem Jahr 1974", sowie früheren Projekten von Utikal und Mussbach:"Zuletzt haben sie beim Roskilde-Festival in Dänemark mit anderen Sprayern eine ein Kilometer lange Wand bemalt. Utikal und Mussbach entschieden sich dafür, eine Musikklub-Toilette nachzuempfinden. Mit all den typischen Sprüchen und Stickern".
Im Gegensatz dazu steht das Bettery Magazine, außergewöhnlich durch sein Design und sich damit von den anderen zwei Artikeln abhebend. Er besitzt gleichfalls mehrere Überschriften, allerdings ist die erste auf ein großflächiges Bild der Autobahn gelegt. Auf der linken Seite der Website sind zwei Buttons zu sehen, mit denen der Betrachter direkt zur Frage oder Antwort gelangt. Auf der rechten Seite sind kurze Informationsblöcke zu den beiden Künstlern (mit Portrait-Foto) zu finden. Das Bettery Magazine arbeitet viel mit dem optischen Eindruck und hält sich deswegen im Textlichen kurz. Über den Projekthintergrund, also wo genau die Autobahn aufgebaut wurde und wie es von statten ging, wird wenig berichtet. Allerdings wird viel über die Aussage des Projekts gesprochen: „The ‚A0‘ is a platform free of speed limits and time conventions–a platform where everyone is free to choose where to go and what to do, a platform that shows us that slowing down sometimes lets us take a break from the everyday and allows us to find a moment of silence and enjoyment on our urban streets.“ (Die A0 ist eine Plattform, frei von Geschwindigkeitslimits und Zeitkonventionen - eine Plattform, wo jeder frei ist zu wählen wohin er geht, oder was er macht, eine Plattform, die uns zeigt, dass uns abbremsen manchmal eine Pause vom Alltag nehmen lässt und uns erlaubt einen Moment der Ruhe und Gelassenheit auf unserer Straße zu finden.) Insgesamt ist der Artikel gut gestaltet und lässt dank philosophischer Textführung dem Leser offene Fragen.
Während das Hamburger Abendblatt und das Bettery Magazine für die Allgemeinheit formulieren, schreibt der Artikel auf INGENEUR.de sehr fachbezogen. Wie beim Hamburger Abendblatt gibt es viele Informationen, allerdings sind jene bei diesem auf das Projekt selber bezogen. Beschriebene Abläufe , wie: „Untersucht werden Vorläufersubstanzen so genannter Photooxidantien, die zur Bildung von Sommersmog führen, also von Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ozon, Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen.“ werden für Eingeweihte einen bildhaften Sinn ergeben und interessant sein. Dagegen fällt es Menschen, die naturwissenschaftlich nicht sehr interessiert sind, schwer den Text zu lesen und zu verstehen. Es ist zudem ein ziemlich neutral geschriebener Text, der nur am Ende eine kleine Wertung mit einbringt: „Und damit für – teils recht teure – Maßnahmen im Verkehr und in der Kfz-Industrie, wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Katalysatoreinbau.“ Dieser Text möchte informieren, ohne an seine Leser zu appellieren oder sie zu irgendetwas aufzufordern.
Der Artikel von INGENEUR.de behandelt zwar kein Designrelevantes Thema, obwohl auch das Freiluftlabor von jemandem gestaltet wurde, sondern bezieht er sich vor allem auf die Abläufe, die dort stattfinden, die Gestaltung spielt keine Rolle.
Ihn wählten wir dennoch, um unserer Analyse eine große Bandbreite bieten zu können. Dieser Text ist auf eine sehr spezielle Berufsgruppe gerichtet, daher könnte man überlegen, wie beispielsweise ein Artikel aussehen könnte, der direkt an Designer gerichtet wäre.

Die allgemeinere Frage könnte lauten: „Wie spricht man für Designer über Design?“
Beantworten würden wir diese Frage, nach unserer Analyse wie folgt:
Formal gesehen, müsste der Artikel sehr gut gestaltet werden, ähnlich wie im Bettery Magazine, und natürlich in einem Portal erscheinen, welches Designer erreicht. Am Wichtigsten sind Fotos oder Bilder, die das Projekt/ Objekt verdeutlichen, da sehr visuelle Menschen angesprochen werden sollen.
Inhaltlich ist eine kurze Einführung von Nöten z.B. wer hat das Projekt entworfen/ gestaltet, in welchem Zusammenhang ist es entstanden und eine kurze Beschreibung des Projekts/ Objekts. Nun können ein paar technische Details folgen, aber nicht als einfache Aufzählung, sondern sehr rund in einen Fließtext eingebunden. Zudem sind ein paar philosophische Gedanken zu dem Projekt angebracht, wie die Motivation des Gestalters und was er der Welt damit sagen wollte. In sprachlicher Hinsicht ist es von Nöten eine klare Aussage zu treffen und sich nicht davor zu scheuen Fachausdrücke zu benutzen.
Am Ende sollte unbedingt eine Kontaktmöglichkeit oder Website angegeben werden.

Zusammengefasst sollte es eine gute Mischung aus fundierten Hintergrundinformationen und philosophischen Gedanken sein, die das Designobjekt den Lesern nahe bringt.
Aufgrund der gewählten Artikel sind wir zu diesem Ergebnis gekommen. Wir sind überzeugt davon, dass unser Vorschlag eines Textaufbaus zu einem gut verständlichen, informativen Artikel führt.
Wir hoffen, dass es uns gelungen ist aufzuzeigen wie gut über Design gesprochen wird und gesprochen werden kann.

Über Design wird viel geredet und geschrieben. Braucht das Thema nicht aber eine andere sprachliche Form als etwa Technik oder Politik? Kann man Design erzählen?

16:24 21.06.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

waschecht

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