Griechenland - Geschäft mit der Staatspleite!

Realsatire Zwei sehr vermögende Griechen, so genannte Ultra HNWI`s unterhalten sich auf einer Jacht, die gerade in der Karibik kreuzt. Schließlich ist man gerne unter sich.
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Georgios: Sag mal, Dimitrios, hast Du die Nachrichten verfolgt, wie es mit unserem Heimatland in Sachen Handhabung der Schuldenkrise weiter gehen soll.

Dimitrios: Nein, habe ich nicht. Ich kann mich doch nicht um alles kümmern. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, dass wir unser Geld noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben. Das schlummert jetzt auf diversen Offshore-Konten. By the way, wir sollten auch auf den Bahamas vorbeischauen. Ich muss dort noch eine wichtige Geldtransaktion tätigen.

Georgios: Du solltest Dir mal ein Family-Office zulegen, das Deine weltweiten Finanzgeschäfte plant und koordiniert. Dann kannst Du Dich mit dem Wesentlichen beschäftigen. Ansonsten wäre Dir doch nicht entgangen, dass die deutsche Regierung dem griechischen Staat rund 730 Mill. €uro schenken will.

Dimitrios: Ja, sind die denn komplett verrückt geworden, diesen korrupten und unfähigen Schweinen in meinem ehemaligen Zuhause auch noch Geld hinterherzutragen. Ich jedenfalls werde in diesen Staat keinen Euro mehr investieren.

Georgios: Mal langsam, mein lieber Dimitrios, Du redest immerhin von Deinen Landsleuten. Schließlich haben genau diese korrupten Schweine dafür gesorgt, dass Du fast keine Steuern bezahlt hast.

Dimitrios: Das ist wohl wahr. Aber was für den Einen recht ist, muss für die Anderen billig sein. Aber Du faselst ständig von deutschen Regierungsgeschenken an Griechenland. Was hat es damit auf sich?

Georgios: Diese Nachricht ist von enormer Brisanz für ein sehr lukratives Geschäftsmodell, an dem ich mich vor nicht allzu langer Zeit beteiligt habe.

Dimitrios: Nun mal langsam, welches Geschäftsmodell?

Georgios: ich habe mich an einem Hedgefonds beteiligt, der sich darauf spezialisiert hat, griechische Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt aufzukaufen. Mein Portfolio an diesem Fonds beträgt ca. 1 Mrd. Euro, kein Kleingeld also, wenn Du verstehst was ich meine.

Dimitrios: Bist Du denn völlig durchgeknallt, Du leihst dem griechischen Staat Geld, wo doch jeder weiß, dass diesem Land nicht mehr zu helfen ist.

Georgios: Du bist eben nicht richtig informiert, mein lieber Dimitrios. Wie heißt der schöne Satz „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Staatsanleihen werden immer zu einem Kurs von 100%, also mit ihrem Nominalwert zur Rückzahlung fällig. Der Zinssatz ist auch immer auf den Nominalwert (= 100%) zu zahlen. Der Erwerb einer Anleihe zu einem Kurs von beispielsweise 50% und einer Nominalverzinsung von 5% bedeutet eine Effektivverzinsung von 10%, zuzüglich des Kursgewinns am Ende der Laufzeit, versteht sich. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass der Kurs der Staatsanleihe bei der Erstplatzierung und vor allem während der Laufzeit der Anleihe erheblich schwanken kann. Der Kauf von Staatsanleihen auf dem so genannten Sekundärmarkt ist demzufolge überaus lukrativ. Das betrifft sowohl den Kursgewinn als auch die Zinserträge.

Dimitrios: seine Sturz runzelt sich, er bekommt einen leicht roten Kopf, der Blutdruck steigt und er stammelt etwas kleinlaut „Und was heißt das im Klartext?“

Georgios: Nun, dieser Hedgefonds hält griechische Staatsanleihen zu Kurswerten von bis zu 20% ihres Nominalwertes. Das hängt von der Restlaufzeit und dem zugrunde gelegten Rating der Staatsanleihe ab. Es gilt folgende Grundregel: Je schlechter das Rating und je länger die Restlaufzeit, desto niedriger ist der Kurs. Wird die Staatsanleihe dann zur Rückzahlung fällig, fließt der gesamte Kursgewinn zuzüglich der ab Kaufdatum realisierten Zinsgewinne in die Kasse des Hedgefonds und damit auch in meine Schatulle.

Dimitrios: hat sich von seinem ersten Schock etwas erholt und kann wieder klar denken. Was ist aber, mein lieber Georgios, wenn die Rückzahlung teilweise oder ganz ausfällt? Dann hast mit Zitronen gehandelt.

Georgios: Also, zum einen gibt es dafür Kreditausfallversicherungen, die einem möglichen Forderungsausfall absichern. Die Prämie dafür ist überschaubar und schmälert die Rendite nur marginal. Aber viel wichtiger ist, dass man sich auf die Geber-Länder in Euroland, vor allem auf die Deutschen, verlassen kann. Die werden Griechenland niemals pleite gehen lassen, weil sie eine Kettenreaktion befürchten. Du erinnerst Dich vielleicht, dass der Schuldenschnitt für die Privatgläubiger bereits erfolgt ist. Da hat der Hedgefonds, an dem ich beteiligt bin, zwar etwas Federn gelassen, aber das war überschaubar. Schließlich liegt im Einkauf der Gewinn und die gehebelten Zinserträge sind auch nicht zu verachten.

Im Übrigen: der Kapitaleinsatz für den Staatsanleihenkauf ist über bereits fällig gewordene Staatsanleihen komplett zurückgeflossen. Es geht jetzt geht nur noch darum, wie hoch der Gewinn ausfällt. Aber eine Verdreifachung meines Kapitaleinsatzes innerhalb von 3-4 Jahren erwarte ich auf jeden Fall.

Dimitrios: Das habe ich jetzt verstanden. Aber warum bist Du jetzt so verärgert über die deutsche Regierung?

Georgios: Ja, weil diese Profilneurotiker das von dem Hedgefonds praktizierte Geschäftsmodell offenbart haben. Die EZB hat ebenfalls Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt gekauft und will jetzt den Kursgewinn und Teile des Zinsgewinns an Griechenland weiterleiten. Da die Deutschen mit ca. 27% an diesen Gewinnen beteiligt sind, kostet dieser Verzicht die Deutschen ca. 730 Mill €.

Dimitrios: Zwei Dinge, mein lieber Georgios. Schreib mir mal die Kontaktdaten des Hedgefondsmanagers auf. Und dann setze mich dort ab, von dort aus ich den nächsten internationalen Flughafen erreichen kann. Ich muss dringend nach Singapur.

14:58 29.11.2012
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