68er-Schülerbewegung: Schulstreik in Lübeck

Relegation vom Johanneum Dreitägiger Schulstreik an allen Gymnasien als Antwort auf Hausverbot und Relegation - Wie ein "Rädelsführer" des AUSS sein Recht auf Ausbildung doch erreichen konnte.
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B., packen Sie Ihre Tasche und verlassen Sie diesen Raum! Sie haben ab sofort Hausverbot!“ Mit dieser Aufforderung meines damaligen Klassenlehrers zu Beginn einer zweiten Schulstunde im Physik-Hörsaal endete am 03. September 1969 meine schulische Laufbahn am Traditionsgymnasium Johanneum zu Lübeck. Als noch 16jähriger Unterprimaner [1], der sich im Verlaufe des Jahres 1968 erstmals an politischen Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beteiligt hatte, war mir schlagartig – und wie sich noch herausstellen sollte: für fast ein ganzes Schuljahr – das Recht auf eine weitere Schulbildung verwehrt. Das mündlich ausgesprochene Hausverbot wurde nachfolgend nie wieder aufgehoben, ich durfte das Schulgebäude nicht mehr betreten. Täglich kam es zu „Sit-ins“ und Kundgebungen der Lübecker Basisgruppen im Aktionszentrum Unabhängiger Sozialistischer Schüler (AUSS) [2] vor dem Gebäude des Johanneums, begleitet von ausführlichen Presseberichten in der Regionalpresse [3]. Erst sechs Wochen später wurde ein Schulverweis schriftlich zugestellt, gegen den von meiner Seite geklagt wurde. In den nachfolgenden Monaten verweigerten alle Gymnasien Lübecks unter vollkommen unglaubwürdigen Vorwänden [4] die Wiederaufnahme in eine dortige Unterprima, so dass ich fast ein Jahr lang zu Hause bei meinen Eltern lebte und in dieser Zeit keine Schule besuchen konnte, obwohl ich als Schüler mit immer guten Leistungen unbedingt ein Abitur erreichen wollte.

Mit Hausverbot und Relegation reagierte diese sehr autoritär geführte Institution Gymnasium, deren Schulleitung gerade die Veröffentlichung einer Schülerzeitung mit einem Aufruf zur Leistungsbeurteilung der Lehrkräfte verboten hatte, auf ein morgens u.a. von mir verteiltes Flugblatt des AUSS, das mit der rebellischen Aufforderung „Organisiert den Widerstand in Euren Klassen!“ geendet hatte. (Weitere Einzelheiten im unteren Abschnitt.)

Mitten im Bundestagswahlkampf 1969 ließ der Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Wendelborn eine großformatige Wahlkampf-Anzeige veröffentlichen, die meine aktuelle Relegation zur öffentlichen Hetze gegen rebellische Jugendliche zum Stimmenfang unter konservativen Wähler*innen nutzen wollte. Genützt hat es ihm nichts: Der frühere Schüler am Johanneum zu Lübeck, Willy Brandt (Abitur 1932), wurde erster SPD-Bundeskanzler einer veränderten Bundesrepublik Deutschland und wollte v.a. „mehr Demokratie wagen“, ein weiterer früherer Schüler des Johanneum zu Lübeck, Björn Engholm (Mittlere Reife 1958), konnte mit deutlicher Mehrheit das Direktmandat für den Wahlkreis Lübeck für sich gewinnen und zog als jüngster Abgeordneter für die SPD in den Bundestag ein.

Schließlich fasste die Lübecker Stadtschülervertretung im Frühjahr 1970 einen folgenreichen Entschluss: Da weiterhin kein Gymnasium aus der Region meine Wiederaufnahme ermöglichen wollte, wurde im Mai 1970 zu einem dreitägigen Schulstreik aufgerufen, dem nahezu geschlossen alle Oberstufenschüler*innen der Gymnasien in Lübeck und Bad Schwartaus folgten, an einer Demonstration in der Innenstadt beteiligten sich nach offiziellen Angaben ca. 1.000 Schüler*innen. Mehrere Tage lang organisierten unsere AUSS-Basisgruppen sehr gut besuchte Workshops und Diskussionsveranstaltungen in Räumen außerhalb der Schulen, Reader gegen die oft dominierenden autoritären Strukturen, für Schüler-Selbstbestimmung und für andere Inhalte im Unterricht wurden viel gelesen. Wieder berichtete die Regionalpresse täglich über solche Aktionen. Damals erschien noch die SPD-nahe Zeitung Lübecker Morgen und unter der Überschrift „Right must be done“ setzte sich u.a. auch der SPD-Schuldsenator Lund nachdrücklich für mein Recht auf Schulbildung bis zum Abitur ein.

So erreichte die „68er-Bewegung“ in einer norddeutschen Großstadt ohne studentisches Milieu[5] etwas verspätet ihren eigentlichen Höhepunkt. Der mutigen Solidarität meiner Mitschüler*innen habe ich es zu verdanken, dass sich wenige Monate nach dem erfolgreichen Schulstreik dann doch die liberaler geprägte Oberschule zum Dom bereit erklärte, mich kurz vor Ende des Schuljahres in eine Obersekunda aufzunehmen, dort erreichte ich 1972 doch noch ein gutes Abitur.
(1979 habe ich später ein Hochschulstudium an der Universität Hamburg mit dem ersten Staatsexamen für Philosophie und Deutsch abgeschlossen. Seit 2005 arbeite ich tatsächlich als Gymnasiallehrer in diesen Fächern am nördlichen Stadtrand Hamburgs in Schleswig-Holstein.)

„This is my generation …“ – Meine persönliche Entwicklung zu einem „Rebellen“ in dieser Zeit

In einer 1997 veröffentlichten offiziellen „Festschrift zur 125-Jahr-Feier“ des Johanneums ist dem „Fall B. (1999)“ immerhin ein kleines Kapitel und diese abschließende Beurteilung gewidmet: „Die Herausforderung des Instituts Gymnasium, vielleicht war ja das Johanneum nur stellvertretend gemeint, ist dem B. jedenfalls gelungen.[6] Auszug aus der „Geschichte des Johanneum zu Lübeck in chronologischem Abriss“ in derselben Festschrift: „1969 [...] Die 68er-Bewegung hat längst auch das Johanneum erreicht. Allerdings den Geist der Anstalt allem Anschein nach zumindest in den Wertvorstellungen nicht wesentlich befruchtet, soweit es die Lehrerschaft betrifft. Aufbegehren tun die Schüler. Auf Konferenzbeschluss soll der 'Rädelsführer' Wolfgang Blankschein mit ‚Verweis‘ vom Johanneum bestraft werden. (3.9.) 27 Lehrkräfte des Johanneums stellen drei Tage später Strafantrag gegen den Unterprimaner „wegen vorsätzlicher Beleidigung und öffentlicher Verleumdung von beamteten Lehrern." Eine weitere Gesamtkonferenz beschließt auf Erlass des Kultusministers die „sofortige Vollziehung der Verweisung W. Blankscheins aus verschiedenen Gründen". Worum es in der Sache eigentlich geht, verrät der Jahresbericht nicht. Symptomatisch?! Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet anscheinend nicht statt. Blankschein soll einem anderen Gymnasium zugewiesen werden.[…][7]

Aus meiner Sicht habe ich viele Stärken und gesellschafts-politische Veränderungen der „68er-Bewegung“ intensiv miterlebt und verarbeitet, die in einigen Reportagen und Berichten deutscher Leit-Medien anno 2018 entweder nicht erwähnt oder sogar entschieden ablehnend beurteilt werden. Anlass genug, nicht einfach „Anekdoten“ aus bewegten Jugendjahren zu erzählen, sondern kollektive Lebenserfahrungen als Lernprozesse bis in unsere Zeit zu reflektieren:

1968, nach Auffassung des Philosophen Peter Sloterdejk eines der „dichtesten Jahre der Weltgeschichte[8] jährt sich zum 50. Male. In jenem denkwürdigen Jahr, dem dieser Tage einige neue Chroniken und Buchveröffentlichungen sowie Artikel-Serien gewidmet sind, begann für mich als noch 15jähriger mein erstes politisches Engagement. Niemand aus meinem familiären Umfeld, aus der Schule oder aus dem Bekanntenkreis hat mich persönlich zum Engagement aufgefordert, die öffentliche Berichterstattung v.a. im deutschen TV über die Kriegsführung der USA in Vietnam und über weltweite Jugendrevolten, die Filmaufnahmen aus den USA, aus Berlin und Paris erreichten mein Herz, beflügelten meine aufbrechenden Reflexionsfähigkeiten und meinen bis heute nicht erlahmten Enthusiasmus für den Kampf um mehr Freiheit – gegen jede Form der Unterdrückung und Vernachlässigung des Menschen.

Im Mai 1968 beteiligte ich mich in Lübeck bereits an einer Demonstration gegen die von der Großen Koalition geplanten Notstandsgesetze, am Silvesternachmittag 1968 gründete ich, erst seit wenigen Tagen 16jährig, gemeinsam mit wenigen Mitschüler*innen anderer Gymnasien einen „Sozialistischen Schülerbund (SSB)“ „im Geiste Rosa Luxemburgs“. Unsere Pressemitteilung „Ohne Sozialismus keine Demokratie und ohne Demokratie kein Sozialismus“ erschien in der Regionalpresse.

Meine Eltern waren keine NS-Parteigänger, mein Vater entstammte einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie aus Vorpommern, der Großvater meiner Mutter allerdings war schon Ende der 20er Jahre in Westpreußen (zu jener Zeit polnisch) der NSDAP beigetreten, seine Ersparnisse für einen eigenen kleinen Bauernhof waren durch die Weltwirtschaftskrise schlagartig vernichtet worden und nach den Erzählungen meiner Mutter gehörten Schlägereien zwischen jungen Deutschen und Polen in den noch halb feudal geführten ländlichen Regionen ihrer Heimat zur Tagesordnung. Ihr „BDM-Jahr“ [9] hatte sie „bei der Gräfin“ als Haushaltshilfe zugebracht.

Meinem Vater mit seiner sozialdemokratischen Einstellung habe ich nie eine Mitverantwortung für all die unvorstellbaren Verbrechen aus der NS-Zeit vorwerfen müssen, gleichwohl hatten auch wir Auseinandersetzungen über das Recht des antifaschistischen Widerstands in Italien, denn mit der deutschen Niederlage im 2. Weltkrieg hatte er dennoch gewisse Probleme [10]. Nie habe ich hingegen verstehen können, wie die Generation der Erwachsenen nach 1945 ihre maßgebliche Mitverantwortung an rassistisch begründeter Massenvernichtung und an Millionen Toter im 2. Weltkrieg so verdrängen und oft sogar verleugnen wollte, wie ich es eben persönlich noch jahrelang als Schüler erleben musste.

Noch in der Grundschule konnte 1959 ein Sportlehrer uns regelmäßig verprügeln, wenn wir von ihm geforderte „Ertüchtigungsaufgaben“ nicht wunschgerecht ausgeführt haben. Am Gymnasium Johanneum zu Lübeck lebte die Pädagogik der Mehrzahl fachlich nicht inkompetenter Lehrer von Einschüchterung, Drill und ständiger Verängstigung. Da wurde im Englisch-Unterricht mit großem Schlüsselbund auf „quatschende Schüler“ geworfen (auch ins Gesicht), Nackenschläge und schmerzhaftes Ziehen in Nackenhaaren begleiteten den Sprach-Unterricht bis in die Mitte der 60er Jahre. Ein Geschichtslehrer vergab regelmäßig „7“ oder „8“ als Noteneintrag beim Wiederholen des Unterrichtsstoffes, schon ein Versprecher aus Angst genügte für diese „schwarze Pädagogik“ der permanenten autoritären Bestrafung. „Inhaltlich“ ergänzt wurde dieser „Unterricht“ durch viele Erzählungen aus dem Krieg, bei denen in aller Regel keine (selbst)kritische Reflexion erkennbar war, die Verantwortung des NS-Regimes für unfassbare Verbrechen wurde schon gar nicht thematisiert. Solche Meister der Verdrängung und Verleugnung durften die nächste Generation nur in ihrem Sinne erziehen.

Meinem wirklich toleranten Vater habe ich es zu verdanken, dass ich die pubertäre Begeisterung für die rebellischen Klänge anglo-amerikanischer Rockmusik ab der zweiten Hälfte der 60er Jahre persönlich im beschränkten Rahmen ausleben konnte. In einer Familie ursprünglich aus dem Arbeiter-Milieu gab es dafür nur bescheidene finanzielle Möglichkeiten, am Traditionsgymnasium Johanneum zu Lübeck war ich einer der ersten und wenigen Schüler, die nicht aus bürgerlichem Elternhaus stammten, eigentlich war ich noch ein Arbeiterkind. Der Geist einer nach Bildung und Selbstbewusstsein strebenden Arbeiterbewegung zählt zu meinen sozialen Ursprüngen. Niemals musste ich Nachhilfe o.ä. beanspruchen, meine Eltern oder andere Erwachsene konnten mir nie helfen in der Unterrichtsvorbereitung, dennoch war ich ein so guter Schüler, dass alle Versuche „schwarzer Pädagogik“, mir als Rebellen durch schlechte Benotung den weiteren Weg zum Abitur zu verbauen, zum Scheitern verurteilt waren.
Zum damals möglichen pädagogischen „Stil“ im Kollegium des Traditionsgymnasiums zählte es, dass ein schon pensionierter Mathe- und Physiklehrer und dessen Sohn mit derselben Fächerkombination gegen Ende der Mittelstufe mehr als ein Drittel meiner unmittelbaren Mitschüler mit „mangelhaft“ bewerten und durch diese nicht hinterfragbare Selektion deren Abgang aus dem Gymnasium erreichen konnten: In einem Schuljahr hatte der Vater das Sitzenbleiben (durch „5“ in Mathe und Physik) erwirkt, am Ende der Wiederholung des nachfolgenden Schuljahres erwirkte dessen Sohn ein nochmaliges Sitzenbleiben derselben Schüler.

Während 1968 Medien häufig über die Studentenbewegung und die APO berichteten, traten einige Lehrer selbstherrlich vor unsere Klasse und „belehrten“ uns über die „keine Zeitung lesende“ junge Generation. „Sie sind die Elite von morgen!“ war die geflügelte pädagogische Maxime in der Mitte der 60er Jahre. „Widerworte“ wurden nicht geduldet, doch sie kamen immer häufiger – besonders eben auch von mir. Reflektierten Diskussionsprozessen war diese Lehrer-Generation in der Mehrheit nicht gewachsen und schreiende Ausraster am Lehrerpult waren bei einigen Lehrkräften keine Seltenheit.

Und die Anfänge unseres Aufbruchs? Noch vor dem Stimmbruch als junge 11- bis 12jährige Quintaner hatten wir uns mit „She loves you, yeah, yeah, yeah“ (Beatles 1963) in der Umkleidekabine gemeinsam vor dem Sportunterricht in morgendliche Hochstimmung gebracht. (Das Johanneum zu Lübeck wurde erst später, ab 1975 eine Koedukationsschule. Wir pubertierenden Jungen kannten Mädchen nur aus dem Privatleben. In der Schule wendete sich immer die ganze Klasse begeistert den Fenstern im Chemie-Hörsaal zu, wenn auf der gegenüber liegenden Seite des Schulhofes die Mädchenklasse einer anderen Schule den Turnsaal der Freiwilligen Feuerwehr betreten und dort ihre sportlichen Übungen begonnen hatte.) Meine Haare wuchsen mit denen meiner Vorbilder aus Liverpool, London und den USA mit, mit häufigerem Hinterher-Gepöbel „Moses!“ oder „Jesus!“ wuchs ich in den Straßen Lübecks weiter auf. In der Schule ist mir eine solche Intoleranz allerdings nur eher selten begegnet.

Meine persönlichen Wurzeln unterschieden sich kaum von den Vorlieben unserer Generation. Abends lauschte ich heimlich der Musik des britischen Piratensender „Radio Caroline“ [11] und bis heute erinnert mich die dort 1966 erstmals gehörte „Them“-Version des Dylan-Songs „It‘s all over now baby blue“ tief an jene frühen Jahre als noch 13jähriger. TV-Bilder aus den USA vom stilprägenden „Monterey Pop Festival“ (16. -18.6.1967) und von der internationalen „All you need is love“-Ausstrahlung der Beatles (1967) [12] kamen hinzu. „Beat-Club“-Sendungen waren regelmäßig unserer Gesprächsstoff: Am 11. März 1967 wurde aus dem legendären „Marquee-Club“ aus London [13] übertragen: Jimi Hendrix improvisierte sein „Hey Joe“ mit Lippen an den Saiten und Pete Townsend von den Who rieb seine Gitarre zu „My Generation“ am Mikrophonständer, bevor das übliche Zerstören der Gitarre im „Beat-Club“ nur angedeutet wurde [14]. (Persönlich sollte es noch einige Jahre dauern, bevor ich als privat eher schüchterner Mensch einen ersten Geschmack „freier Liebe“ kennenlernen konnte.)

Noch 1967 bestand meine Lieblingsbeschäftigung im regelmäßigen Zusammenstellen einer Klassen-Hitparade aus aktuellen Rock- und Pop-Titeln. In den Sommerferien konnte ich mich einige Tage in London aufhalten, das gerade als „Swinging London“ zum weltweiten Zentrum der explodierenden Rock’n-Roll-Kultur wurde. Pink Floyds psychodelisches „See Emily Play“ in den Ohren besuchte ich wiederholt die Carnaby Street [15] und schon einfache Mitbringsel von dort wie ein Union Jack (die britische Flagge) oder ein riesiger Kamm konnten meine Mitschüler nach den Sommerferien erfreuen.

Wenig Gegenliebe konnten dagegen einzelne Lehrkräfte aufbringen. Ein Sport- und Chemielehrer, den stets auch die langen Haare „im Gesicht“ zu Missfallens-Äußerungen veranlassen sollten, ergriff sich den unter der Tischbank verborgenen riesigen Kamm aus London und schmiss ihn voller Zorn an die Wand im Chemie-Hörsaal, wo er zerschellte. (Noch 1972 stand derselbe Gymnasiallehrer mit einem Megaphon an einem Info-Stand in der neu geschaffenen Fußgängerzone Lübecks und warb für die „Freilassung von Rudolf Heß“ [16], „humanistische Motive“ dürfte ihn weniger getrieben haben für diese Aktion.) Heinrich Manns „Professor Unrat“ lebte noch im Lübeck der ausgehenden 60er Jahre, er hatte seine Seele zwischenzeitlich weiter verdorben mit nationalsozialistischer Ideologie, die zwar nicht mehr gefragt, aber dennoch nicht vollkommen gestorben war.

Persönlich aufgerüttelt reagierte ich 1968 auch auf eine weitere Sendung des „Beat-Club“ am 14.09.1968: Zum Stück „America“ der Nice wurden Bilder vom Vietnamkrieg und vom US-Präsidenten Richard Nixon collagenartig einblendet [17].

Zu meinen persönlichen Wurzeln zählt aber ebenso die unmittelbare Anschauung der DDR-Grenze an den östlichen Vororten Lübecks: Die Teilung Deutschlands war hier immer unmittelbar präsent, nicht so stark wie in Berlin, doch Lübeck war östlich vollkommen abgeschnitten vom traditionellen Umland in Mecklenburg-Vorpommern. Schon als Junge war ich oft nach Eichholz geradelt, wo die Allee in einem Holz-Nachbau des Brandenburger Tores und direkt dahinter am Stacheldraht der hoch gesicherten Grenze zur DDR endete. Dort wie am Priwall in Travemünde konnte man den bewaffneten Wachposten nahezu in die Augen sehen. Mich haben schon diese Eindrücke vom „real existierenden Sozialismus“ vor den Toren der Stadt stets so verschreckt, dass ich sogar von der Möglichkeit eines „grenznahen Verkehrs“ ab 1972 [18], der Lübeckern die Tagesreise in Randgebiete der DDR ermöglichte, nie Gebrauch machen wollte. Und am 21.August 1968 haben mich die Bilder in Prag einrollender sowjetischer Panzer, die den friedlichen Widerstand aus dem „Prager Frühling“, einem Versuch der Demokratisierung des Sozialismus, brutal niederwalzten, nachhaltig geprägt. (1972 hatte ich als Physik-Student im ersten Semester an der Uni Hamburg ein weiteres Schlüsselerlebnis: Nach einem kurzen Besuch in Ostberlin wurde ich am Grenzübergang nach Westberlin über eine Stunde lang von einem Stasi-Offizier erniedrigend ausgehorcht nach meinem Studium und meinem Engagement; wenn es ein Anwerbeversuch war, dann scheiterte er an meinen Überzeugungen.)

Jahre des Umbruchs und des gesellschaftlichen Wandels – eine Generation im Aufbruch zu mehr Freiheit und Demokratie: Wir haben diese Gesellschaft nachhaltig verändert.

Alle rebellischen „68er“ haben sich immer als Teil einer weltweiten Jugend- und Protestbewegung verstanden. Wenn in diesen Tagen in einzelnen Leit-Medien besondere „subversive“ Aktionen des SDS und anderer Gruppen in Berlin, München, Frankfurt oder Hamburg zum Anlass genommen werden, darin „die 68er“ identifizieren zu wollen, wird ein solcher Versuch den vielfältigen Motivationen und Erscheinungsformen dieser gewaltigen Veränderungen in allen „westlichen Ländern“ in keiner Weise gerecht. Im geteilten Deutschland waren es besondere Umstände, die weniger erfreuliche Entwicklungen wie die unübersehbare Eskalation in Gewalt – sowohl vom Staat als auch aus den Reihen des Protestes – begünstigen und befördern konnten.

  • In Deutschland hatten zwischen 1933 bis 1945 Nazis systematische Massenvernichtung an Juden betrieben, diese und andere Verbrechen dürfen nie vergessen werden und nie verzeihbar sein!
  • Die „Entnazifizierung“ nach 1945 war nie konsequent und v.a. nicht tief in der Gesellschaft geführt worden. Erst ab den 70er Jahren konnte es zu weiterreichenden gesellschaftspolitischen und kulturellen Veränderungen in der Verarbeitung dieser einschneidenden Jahre deutscher Geschichte kommen.
    [Zwei mich persönlich prägende Erlebnisse: Erst die TV-Ausstrahlung der vierteiligen US-amerikanischen Serie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss im Januar 1979 führte zu einer breiten öffentlichen Diskussion über die Mitverantwortung unserer Elterngeneration und Verdrängung und Vergessen verloren spürbar an Einfluss. Davon berührt wurde ich unmittelbar vor meinem Staatsexamen wesentlicher Autor der Broschüre „Von der NSDAP zur CDU. Politische Karrieren in Schleswig-Holstein[19].

Für die mündliche Prüfung des literaturwissenschaftlichen Staatsexamens an der Uni Hamburg sollte ich in Absprache mit Prof. Klaus Briegleb einige Romane aus der Zeit des Exils lesen, darunter Lion Feuchtwangers 1933 in Amsterdam und London erstveröffentlichtes Werk „Die Geschwister Oppermann“. Dieser Schlüsselroman eines deutschsprachigen jüdischen Autor von Weltruf war aber 1979 in der Bundesrepublik Deutschland noch gar nicht wieder aufgelegt, ich musste mir eine Original-Ausgabe von 1933 über Fernleihe aus den Niederlanden zukommen lassen. [20]]

  • Die Civil-Rights- und Jugend-Protestbewegung in den USA und Großbritannien war in Staaten mit einer langen demokratischen Tradition gewachsen – ein „Summer of Love“ konnte 1967 eben deshalb nur in San Francisco entstehen und von dort aus in die Welt ausstrahlen. „Swinging Londons“ Rock- und Pop-Kultur desselben Jahres und das Gründerfieber dieser Monate stehen in vergleichbarer Tradition.
  • Meine Generation ist groß geworden im dominierenden kulturellen Einfluss der befreienden Impulse aus den Siegermächten, welche Deutschland die erste Demokratie mit nachhaltigem Bestand ermöglichten. Bis 1945 haben in diesem Land nie länger anhaltend stabile Mehrheiten für einen demokratisch verfassten Staat bestanden. Deshalb haben wir nicht nur gegen eine Elterngeneration rebelliert, wie es in allen Kulturen dieser Welt stets war, sondern wir haben uns vor allem gegen die unrühmlichen Traditionen aus vor-demokratischen und terroristischen Verhältnissen aufgelehnt. Keineswegs war dieses Land schon konsequent entnazifiziert, viele Erwachsene hatten sich der von Alliierten mitgebrachten Demokratie einfach nur z.T. widerwillig angepasst. [21]
  • Teil der Auseinandersetzung mit den Wurzeln und Traditionen deutscher Geschichte war zugleich die Wiederentdeckung und Aufarbeitung demokratischer Kultur in Deutschland, die hier über viele Jahrhunderte „weltbewegende“ Ideen und Bewegungen hervorgebracht hat, doch im eigenen Land wegen der vorherrschenden Machtverhältnisse mit besonders reaktionär ausgeprägter Gewalt nie wirklich Mehrheiten gewinnen konnte. (Protestantismus als Strömung, deutsche Aufklärung, sozialdemokratische und sozialistische Arbeiterbewegung vs. Katholische Liga, Spätromantik, preußischer Militarismus, Nationalsozialismus und „real existierender Sozialismus“).
  • Die deutsche „68er“-Bewegung konnte sich auf eine tief verwurzelte demokratische Kultur in angelsächsischen Ländern und Frankreich beziehen, dorthin waren die besten Köpfe Deutschlands emigriert, als ihre Bücher auf deutschen Plätzen verbrannt wurden, von dort kamen die „Kritische Theorie“ und andere kulturelle Einflüsse wieder hierher zurück.
    Die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Geschichte konnte Befreiendes wieder beleben, vergleichbar ein wenig der Renaissance und ihrer Rückbesinnung auf die griechische und römische Antike, sie konnte sich aber ebenfalls verrennen in der totalitären Fokussierung auf besonders schreckliche Gesichter deutscher Staatsmacht.
  • Nicht nur die unfassbaren Verbrechen des NS-Regimes waren weiter aufzuarbeiten, im Nachkriegsdeutschland der Bundesrepublik ist niemals ein Jurist aus der NS-Zeit je verurteilt worden, auch kein Richter des berüchtigten Volksgerichtshofes.
    Denn: Hitler kam bekanntlich legal an die Macht als Reichskanzler und ebenso „legal“ veränderten sich alle Institutionen nach 1933, „verantwortlich“ im Sinne einer juristischen Schuld blieben nach 1945 nur die Verurteilten aus den „Nürnberger Prozessen“ und die persönlich identifizierbaren Verbrecher in Konzentrationslagern, wo Juden massenhaft ermordet worden sind.

Anlass und Begründung meiner Relegation im September 1969 – ein „Rädelsführer“ und „Störenfried“ der „Schulgemeinschaft“ wird vor die Tür gesetzt

Noch einmal zurück zu den Ereignissen des Jahres 1969, die nun besser eingerückt sind in die Zusammenhänge ihrer Zeit.

Dem Hausverbot und meiner Relegation unmittelbar vorausgegangen war die Verteilung eines AUSS-Flugblattes vor den Toren des Johanneum zu Lübeck, das mit einer – aus heutiger Sicht natürlich provokatorisch übertriebenen – Titelzeile „Hier werden die Faschisten von morgen erzogen“ und dem Resümee „Organisiert den Widerstand in Euren Klassen!“ auf das Verbot einer liberalen Schülerzeitung geantwortet hatte. Die Redaktion dieser Schülerzeitung hatte die Schüler zur Leistungsbeurteilung der Lehrkräfte des Traditionsgymnasiums aufrufen wollen, der Oberschuldirektor (ein CDU-Mitglied) verbot daraufhin die Veröffentlichung dieser Schülerzeitung, die nicht von AUSS-Mitgliedern geschrieben worden war. Diese Schülerzeitung erschien nie, stattdessen aber ein Flugblatt des AUSS, das sich mit autoritärem Führungsstil an einem Gymnasium anno 1969 befasste. Als ein Verteiler und mutmaßlicher Verfasser dieses Flugblattes erhielt ich Hausverbot und wurde relegiert. Dialog mit kritischen Schülern war nicht angesagt zu dieser Zeit.

Aus der sechs Wochen später zugestellten Begründung der Relegation ließ sich herauslesen, wie ein Gymnasium zu dieser Zeit noch verstanden werden wollte. Unter den zwölf einzelnen Gründen fanden sich drei nicht vorgelegte Hausaufgaben, drei verschiedene Stimmen „besorgter Eltern“, die ihre Söhne nicht in einer Schule mit den Einflüssen eines solch rebellischen Mitschülers sehen wollten. Der „Schulfrieden“ einer solchen „Schulgemeinschaft“ könne erst wieder hergestellt werden nach Relegation des „Störenfrieds“, dessen „Charakter“ schriftlich als „falsch, verlogen und raffiniert“ bezeichnet wurde. (Ja, gemeint war ich.) Bis in einzelne Formulierungen hinein fand sich die Ideologie einer „Volksgemeinschaft“ wieder, aus welcher gefährliche Infektionsherde zu entfernen seien, damit „innerer Frieden“ und „Gesundheit“ wieder hergestellt werden könnten. Aus der „Volksgemeinschaft“ war eine „Schulgemeinschaft“ geworden, Ansprüche an eine demokratisch verfasste Bildungsinstitution, an einen Dialog und Meinungsaustausch bis hin zum möglichen austragbaren Konflikt, waren nicht herauszulesen aus diesem Relegationsschreiben vom Oktober 1969.
Mein damaliger sozialdemokratischer Rechtsanwalt, der die Klage gegen die Relegation übernommen hatte, zeigte sich entsetzt angesichts dieses Demokratieverständnisses. [22]

Doch der Geist der „68er“ hatte bereits viele andere Jugendliche meiner Generation ergriffen:

  • Vor den Toren des Johanneum zu Lübeck war es schon vorher zu einer symbolischen Zeugnisverbrennung gekommen.
  • Klassenarbeiten, die nicht angekündigt waren, wurden z.B. von unserer Klasse mit Erfolg verweigert und mussten dann – abgesprochen –verschoben werden.
  • In den AUSS-Basisgruppen waren viele Mitschülerinnen aus anderen Gymnasien der Stadt aktiv beteiligt. Simone de Beauvoirs Klassiker des Feminismus wie Das andere Geschlecht oder Die Mandarins von Paris wurden gemeinsam in Literatur-Gesprächskreisen gelesen und diskutiert. Wir trafen uns häufiger in Privatwohnungen und führten intensive Gespräche über die Rolle der Frau in der Gesellschaft, in unseren Familien und in der Schule, Schülerinnen setzten sich unüberhörbar für ihre Befreiung als Frauen ein.
  • Am 9. Juni 1969 unterstützen viele Schüler aus Schleswig-Holstein den Protest der Studenten der Kieler Universität, das politikwissenschaftliche Institut war von Studenten besetzt und in „Karl-Marx-Institut“ umbenannt worden. Tausende Schüler*innen und Student*innen aus ganz Schleswig-Holstein demonstrierten gegen die Bildungspolitik der damaligen CDU-Landesregierung vor einem zu einer Festung hinter Stacheldraht und Wasserwerfern umgewandelten Landeshaus (Sitz der Landesregierung) [23].
  • Kaum bekannt und in der Verarbeitung der 68er-Bewegung nie gewürdigt ist ein Streik der HDW-Arbeiter im Sommer 1969, die sich ausdrücklich mit protestierenden Studenten solidarisch erklärt hatten. [24] Keineswegs nämlich war der Protest nur beschränkt auf eine vermeintlich bürgerliche Elite, nicht ohne Grund konnte die SPD 1969 erstmals nach 1945 eine Bundestagswahl gewinnen und mit Willy Brandt den Kanzler stellen.
  • Im Bundestagswahlkampf 1969 hatte sich der NPD-Vorsitzende mit dem sinnigen Namen Adolf von Thadden zu einer Veranstaltung angekündigt. Besonders die AUSS-Basisgruppen der Lübecker Gymnasien mobilisierten erfolgreich zu einer Protestdemonstration in Lübecks Altstadt vor dem Versammlungsort, die noch während der üblichen Unterrichtszeit am späten Vormittag stattfand. Viele Gymnasiast*innen waren dem Unterricht einfach fern geblieben.
  • Zu unüberhörbaren Protesten kam es auch während aller Kundgebungen des Noch-Bundeskanzlers Kiesinger in Schleswig-Holstein während jenes Bundestagswahlkampfes, der als früherer NS-Propagandist von Beate Klarsfeld öffentlich geohrfeigt worden war.

So eben war die 68er Bewegung in ihrer dialektischen Entfaltung von Veränderungen in der Gesellschaft. Der Satz „Organisiert den Widerstand in Euren Klassen!“ war Anlass für Hausverbot und Relegation, mein Auftreten bot Stoff für konservativ aufgezogenen Bundestagswahlkampf einer Partei, Lehrerkollegien und Elternvertretungen hatten Angst vor einer Weiterverbreitung eines Geistes der Rebellion gegen autoritäre Strukturen in Schulen und Familien, doch ausgerechnet diese repressiven Reaktionen ermöglichten erst den eigentlichen „Widerstand in den Klassen“. Niemand ließ sich länger einschüchtern und so wurde der vorherrschende Geist des Kadavergehorsams in „Schulgemeinschaft“ und „heiliger Familie“ e n d g ü l t i g gebrochen. [Andere Institutionen ließen sich ebenso aufzählen.]

Die Schülerselbstbestimmung, von der wir im AUSS geträumt hatten und die wir persönlich in einem nicht zu überbietenden Eifer in Lesestudien – mit 15 und 16 Jahren lasen wir Freuds Werke, verschlangen Kafka und Literatur der Moderne, Simone de Beauvoir und Sartre waren sehr gefragt, später lasen wir Hegel, Marx und andere – hier und dort auch in andere Formen des Zusammenlebens umsetzen konnten.

Adornos philosophische und sozialwissenschaftliche Verarbeitung der nationalsozialistischen Barbarei im hochzivilisierten Europa wollten wir im Sinne des Zeitgeistes der 68er miteinander und in uns selbst b e f r e i e n d zur Maxime machen: Als in jeder Hinsicht selbständige und autonome Persönlichkeiten wollten wir alle repressiven Determinanten, alle uns einschränkenden Einflüsse durch Bewusstwerdung, Reflexion und Verarbeitung zurückdrängen und abschütteln. Persönliche und gesellschaftspolitische Befreiung haben wir nicht als getrennte Prozesse in unserem rebellisch begonnenen Lebensweg aufgefasst.

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Autor Wolfgang Blankschein arbeitet seit 15 Jahren als Deutsch- und Philosophie-Gymnasiallehrer in Norderstedt (bei Hamburg), dort initiierte er 2015 ein breites Netzwerk-Bündnis „Norderstedt ist weltoffen“, dem u.a. Gewerkschaften, Funktionsträger der Kirchen, Schulen, Sportvereine und die Stadt beigetreten sind. Gemeinsam mit anderen Autor*innen gründete er im August 2017 in Hamburg das Online-Magazin (die Blogadresse) www.confessiones.online gegen Rechtspopulismus und Rechtskatholizismus in Österreich und Deutschland. 50 Jahre nach 1968 wird er seit Februar 2018 vom FPÖ-Medienpolitiker Robert Lizar wegen vermeintlicher Verletzung von Urheberrechten verklagt, am 8.Mai 2018 wird es vor dem Handelsgericht in Wien zu einer mündlichen Verhandlung kommen. [25]

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[1] Eine Unterprima entspräche heute dem 12. Jg. eines Gymnasiums, Schleswig-Holstein hatte jedoch zwei Kurzschuljahre hinter sich, durch die der Schuljahresbeginn vom Frühjahr in den Spätsommer verlegt worden war.

[2] Das Aktionszentrum Unabhängiger Sozialistischer Schüler (AUSS) war ein antiautoritär und basisdemokratisch orientierter Verband von Aktionszentren in Deutschland, der eng mit dem SDS kooperierte. In Lübeck entwickelten sich AUSS-Basisgruppen 1969 bis 1970 an nahezu allen Gymnasien der Stadt; 1968 war ein SSB gegründet worden.

[3] Eine Anfrage der BILD-Zeitung nach einem Interview wurde von mir abgelehnt.

[4] Meist wurde auf „fehlende Kapazitäten“ und begrenzte Klassenstärken verweisen, damals waren Schulklassen jedoch noch deutlich kleiner als in unserer Zeit. Schulwechsel kamen durchaus vor und scheiterten nicht an Klassenstärken.

[5] In Lübeck sind immer nur das Studium der Medizin, der Musik, sowie Fachhochschul-Studiengänge für künftige Ingenieure angeboten worden.

[6] Johanneum zu lübeck – Festschrift zur 125-Jahr-Feier, S.348, Lübeck 1997

[7] ebenda, S. 120 f.

[8] vgl. Kommentar Sloterdejks zur Textsammlung „1968 - eine Enzyklopädie“, edition suhrkamp 2008

[9] BDM: Bund deutscher Mädel. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_M%C3%A4del

[10] Italien hatte sich am 03.September 1943 mit dem Waffenstillstand von Cassibile aus dem Bündnis mit dem Deutschen Reich gelöst. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenstillstand_von_Cassibile

[11] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Caroline

[12] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/All_You_Need_Is_Love

[13] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Marquee_Club

[14] Beat-Club Folge 18 vom 18.03.1967. Alle Beat-Club-Folgen sind inzwischen online auch einzeln zu einem jeweiligen Preis unterhalb eines Cafés käuflich erwerbbar.

[15] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Carnaby_Street

[16] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_He%C3%9F

[17] Beat-Club Folge 35 vom 14.09.1968.

[18] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kleiner_Grenzverkehr

[19] Herausgegeben wurde die Broschüre am 17.04.1979 von der Liste für Demokratie und Umweltschutz (LDU), einer Vorläufer-Organisation der GRÜNEN in S-H, den Jungdemokraten und den Jungsozialisten in S-H.

[20] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Geschwister_Oppermann

[21] Schwer nachzuvollziehen sind deshalb nachfolgende Thesen Bettina Röhls im SPIEGEL 14/2018 vom 31.03.2018, S. 48:

Röhl: Waren das wirklich die 68er? Die Auschwitzprozesse waren vorher. Wissen Sie, auch bei den Schüssen auf den Studentenführer Rudi Dutschke progagierten die Führer des SDS spontan, dass die Bundesrepublik oder der Springer-Verlag mitgeschossen hätten. Dabei war der Schütze ein Einzeltäter. An diesen Mythen hängen die 68er unwahrscheinlich fest, wir alle. Die Bewältigung der Nazivergangenheit spielte damals kaum eine Rolle. Es wurden nicht gegen Nazis Eier geworfen, sondern gegen das Amerika-Haus. Nicht die Nazis sollten weg, sondern die kleinbürgerliche Familie. Und vor allem das Kapital.

SPIEGEL: Dennoch spricht viel dafür, dass 1968 ein notwendiger Katalysator war, um ein liberaleres Deutschland zu schaffen.

Röhl: Das ist Quatsch. Die Reformen waren alle schon vorher eingeleitet: die Entnazifizierung, die Emanzipation der Frau, die Liberalisierung der Familien. Die 68er-Generation ist vielmehr die erste Nutznießerin der neuen Freiheiten. Wenn Sie in deren Biografien gucken, womit haben die sich beschäftigt, bevor sie 18 waren? Die sind ins Kino gegangen, haben Sport getrieben, waren Ski laufen. Die hatten eine unpolitische, glückliche Jugend in einer Wohlstandsgesellschaft mit wachsender Liberalität. Sie waren Nutznießer von mehr Taschengeld, der Pille, einem Plattenspieler zu Hause. Geknallt hat es, weil es bei den Jüngeren plötzlich eine neue Lässigkeit, ein Aufbruchgefühl gab.

[22] Die Klage wurde nicht weiter verfolgt, nachdem ich 1970 einen Platz in einem anderen Gymnasium gefunden hatte. Zu einem Urteil ist es daher nie mehr gekommen.

[23] Vgl. http://t.kn-online.de/News/CAU-Kiel-350-Jahre/350-Jahre-CAU-Kiel-Studentenbewegung-an-der-Uni-Kiel

[24] Vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45562549.html

[25] Zum Hintergrund der Beklagung vgl. folgende Veröffentlichungen:

https://derstandard.at/2000077045821/Fotorechte-FPOe-Redakteur-klagt-deutschen-Blogger-auf-8400-Euro

https://confessiones.online/2018/03/31/fpoe_robert_lizar_handelsgericht_wien_meinungsfreiheit_und_zitatrecht/

https://confessiones.online/2018/03/24/rechtsextreme_netzwerke_burschenschaften_fpoe-funktionstraeger/

19:11 10.04.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Wolfgang Blankschein

Confessiones-Autor gegen vernetzten Rechtspopulismus und -extremismus. Deutsch- und Philosophie-Gymnasiallehrer sowie Fotograf im Großraum HH.
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