Linksbündnis gewinnt in Argentinien

Vorwahlen Bei den Vorwahlen am Sonntag, 11. August 2019, errang das linke Wahlbündnis „Frente de Todos“ einen überwältigenden Triumph über die rechtskonservative Regierungspartei.
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Der Spitzenkandidat des linksperonistischen Wahlbündnisses „Frente de Todos“, Alberto Fernández, erzielte in den Vorwahlen für das Präsidentschaftsamt einen deutlichen Vorsprung mit einem Anteil von 47,3 Prozent der Stimmen gegenüber 32,2 Prozent für den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri. Die Differenz von 15 Prozentpunkten, die in keiner Umfrage vorhergesagt worden war, macht Fernández im ersten Wahlgang am 27. Oktober zu einem fast sicheren Gewinner. In den Vorwahlen werden gleichzeitig die Kandidaten aller Parteien für die kommende Parlaments- und Präsidentschaftswahl gewählt. Die Teilnahme ist offen, da keine Parteienmitgliedschaft erforderlich ist, und Pflicht für alle Bürger zwischen 18 und 70 Jahren, die sich im Land befinden. Außerdem finden am 27. Oktober in einigen Provinzen des Landes die Gouverneurswahlen statt, so auch in der politisch sehr wichtigen und mit Abstand bevölkerungsreichsten Provinz Buenos Aires. Acht Kandidatenpaare traten zur Präsidentschaftswahl an. Das Duo Alberto Fernández – Cristina Fernández de Kirchner (Expräsidentin Argentiniens zwischen 2007 und 2015) der „Frente de Todos" fügte dem amtierenden neoliberalen Präsidenten Macri eine Niederlage zu, die auch die Provinz Buenos Aires erfasste, in der der Kandidat Axel Kicillof sogar noch um einen größeren Prozentsatz das Ergebnis der amtierenden Gouverneurin María Eugenia Vidal übertraf. „Wir Argentinier fangen an, eine andere Geschichte zu schreiben", sagte Alberto Fernández kurz vor Mitternacht zu seinen euphorischen Anhängern auf der zentralen Wahlversammlung in Buenos Aires. In einer symbolischen Geste erschien er auf der Bühne begleitet von Taty Almeida von den Müttern der Plaza de Mayo und Lita Boitano von den „Familienangehörigen der Verschwundenen und Inhaftierten“ (Familiares de Desaparecidos y Detenidos), zwei der bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen Argentiniens, die die juristische Aufarbeitung der Verbrechen der letzten Diktatur fordern. Die Rede des Präsidentschaftskandidaten war nicht nur eine Rede der Dankbarkeit, sondern eine Bestätigung einiger der Hauptinhalte seiner Kampagne. Er sprach unter anderem von der Bedeutung öffentlicher Schulen und Universitäten, der Notwendigkeit, dass KMU staatliche Beihilfen erhalten, und dem Recht der Rentner auf Zugang zu einem Gesundheitssystem. „Wieder einmal werden wir die Probleme, die sie uns hinterlassen haben, lösen", sagte Fernández mit Blick auf die soziale und wirtschaftliche Verwüstung, die vier Jahre Macri-Herrschaft hinterlassen haben.

Dr. Estela Scipioni
20:26 13.08.2019
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