Erdogan, erfolgreicher Bühnendichter

Antisemitismus Recep Tayyip Erdogan hat sich schon als junger Mann als Dramatiker einen Namen gemacht. In seinem Schauspiel geht es ihm gegen Freimaurer, Kommunisten und Juden.
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Der heutige türkische Staatspräsident Erdogan gab seinem Theaterstück den Namen „Mas-Kom-Yah“. Das sind Abkürzungen für Freimaurer, Kommunisten, Juden, auf türkisch Mason - Komünist - Yahudi. Als Autor führte Erdogan nicht nur Regie, er war auch einer der Hauptdarsteller.

Von 1975 bis zum Militärputsch 1980 wurde das Stück quasi überall in der Türkei aufgeführt.

Zur Handlung:

Der nicht religiöse Fabrikant Ayhan Bey schickt seinen Sohn zur Ausbildung ins Ausland. Jahre danach kehrt der Sohn, vom muslimischen Glauben abgefallen, zurück in die Türkei. Daraufhin entzweien sich Ayhan Bey und sein Sohn. Zur selben Zeit begehren die Arbeiter des Fabrikanten auf und übernehmen den Besitz Ayhan Beys. Dabei werden sie von einem sich als türkischer Muslim ausgebenden jüdischen Arbeiter aufgehetzt. Weiter wiegelt der im Stück als äußerst bösartig dargestellte jüdische Aufwiegler seine Kollegen zum Mord an Ayhan Bey auf.

Erdogan scheint auch heute noch das Theater als Instrument für Agitation und Propaganda zu sehen. Als ein Instrument einer Erziehungsdiktatur, die sich im Kern gegen den Säkularismus richtet, der Trennung von Staat und Religion.

Im Jahr 1924 hatte Atatürk für die Türkei ein säkularistisches Modernisierungsprogramm aufgelegt, das manchen politischen Führern in der islamischen Welt als Vorbild diente. Den Säkularismus zu überwinden, die Trennung von Staat und Religion aufzuheben - in der Türkei und der Region - ist eines der zentralen Anliegen Erdogans.

Zurück zum Theater.

Seit Jahren protestieren in der Türkei Schauspieler, Regisseure, Intendanten gegen staatliche Einmischung in Spielpläne öffentlich subventionierter Theater.

Der Spiegel berichtete im 2012: „Der Protest verärgerte Erdogan so sehr, dass er ankündigte, sämtliche Bühnen zu privatisieren. Offiziell begründet Erdogan diesen Plan mit seiner Sparpolitik, aber Kritiker glauben eher, dass die Theater Erdogan stören, weil sie liberale und säkulare Bastionen der türkischen Gesellschaft sind. Er drohte, den Theatern den Geldhahn komplett zuzudrehen. Ohne Geld 'könnt ihr spielen, wie ihr wollt', so der Ministerpräsident.“

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mas-Kom-Yah

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-85586248.html

03:58 21.04.2016
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Geschrieben von

weinsztein

Journalist. Lebt vorwiegend an der türkischen Ägäis. Guckt auf griechische Inseln. Kocht gern.
weinsztein

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