Krieg oder Frieden

Solidarität international Der unbedingte Wille zum Frieden gehört zum Kernbestand linken Denkens. Dabei ist im Inneren wie im Äußeren Frieden das Minimalziel, Solidarität das Wunschziel.
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Es gibt zwei Grundformen der Politik, Machtpolitik und Diplomatie, die eine basiert auf dem Konkurrenzprinzip, der Erzeugung von Gewinnern und Verlierern, die andere auf dem des Ausgleichs, der Interessenharmonisierung, der Reziprozität, dementsprechend ist das eine Mal die Unterwerfung, das andere Mal die gleichberechtigte Koexistenz, im besten Fall die Solidarität das Ziel. In der Machtpolitik ist der Krieg nichts anderes als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, es ist sogar die ultimative Form der Machtpolitik, Machtpolitik läuft zwangsläufig auf Krieg hinaus.

Nun könnte man sich den Kapitalismus als Kapitalismus in einem Lande vorstellen, also Kapitalismus im eigenen Land, mit gegenüber anderen Ländern sich um gegenseitigen Respekt, um win-win-Strategien bemühender Außenpolitik, also Diplomatie. Und so könnte man sich die Gemeinschaft kapitalistischer Staaten, des Blocks des Westens, als kapitalistischen Innenraum vorstellen, der in friedlicher Koexistenz mit anderen Blöcken diplomatisch Konfliktlinien entschärft.

Nun muß man eine Spezifität der kapitalistischen Machtpolitik berücksichtigen: sie zielt nicht auf die Vernichtung des Gegners, sondern auf seine scheinbar gleichberechtigte Einbindung in das System, der Gegner, die arbeitende Klasse, produziert die Lebensgrundlage des Ganzen, Unterwerfung heißt Einverständnis mit dieser Rolle. In Krieg oder innerstaatliche Verfolgung artet die Klassenkonkurrenz nur aus, wenn die Beherrschten die Loyalität verweigern, wenn dem System die ideologische Integration mißlingt. Insofern ist Krieg kapitalistisch eine kostspielige Krise.

In den goldenen Zeiten des Kapitalismus (Marx sprach von den goldenen Ketten), als die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit so groß war, daß, wie von Adam Smith behauptet, für alle etwas abfiel, als der Massenkonsum mithilfe der Massenproduktion sich entfaltete, war es nur die Unreife der Kapitalisten (deren Spekulationsgier), die Krisen verursachte, der Keynesianismus hat das korrigiert.

Jedoch die Notwendigkeit der exponentialen Entwicklung des Kapitalismus, eine Systemnotwendigkeit, führt das System zwangsläufig an seine Grenzen. Und an diesen Grenzen steht der Krieg. Bevor der Krieg zum innerstaatlichen Bürgerkrieg gelangt, erzeugt das System, das sich nicht begrenzen läßt, also nicht auf die Globalisierung verzichten kann, zu Kriegen an seinem Rand, im Inneren gilt noch lange die bürgerlich-demokratische Selbstversicherung, daß Kriege zwischen kapitalistischen Staaten nicht möglich seien.

Wir befinden uns im kapitalistischen Endspiel. Da heißt die Alternative: mit der Systemlogik in den Krieg oder Ausstieg aus dem System in eine Solidargesellschaft. Wenn es der Linken nicht gelingt, den Menschen die Augen zu öffnen für diese Alternative, werden wir alle einen hohen Preis bezahlen müssen, wird unsere Zivilisation einen harten Bruch erleiden.

14:10 28.12.2017
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