Widersprüche im bürgerlichen Denken

Linke: aufwachen Beginnen wir, Wahlergebnisse richtig zu lesen. Unter heutigen Bedingungen muß sich die Linke von falschen Hoffnungen und falschen Dramatisierungen lösen.
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Die Grünen im Höhenflug. So sieht die neue bürgerliche Hoffnung aus. Aber es ist die Inkarnation der Aporien der modernen Welt. Die Grünen wollen das autonome, verantwortliche Subjekt, gleichzeitig schreiben sie mehr als andere vor, wie wir essen, reisen, leben, sprechen (pc) sollen, legen die Freiheit in die Hände der Individuen und halten doch eine Diktatur der Wahrheit für unumgänglich, geben sich liberal und sind an vorderster Front bei den Menschenrechtskriegen. Eine Lösung oder ein Konzept gegen diese Widersprüche haben sie nicht, nicht einmal ein Problembewußtsein.

Es ist das fundamentale Dilemma der Linken, daß wir heute mit der Bürgergesellschaft insgesamt ein intellektuelles Problem haben: Sie (die Bürger) sind gegen den Neoliberalismus, aber sie wählen neoliberale Parteien (FDP, Grüne, gemäßigt: CDU, SPD), sie sind gegen Krieg, wählen aber bellizistische Parteien. Sie wollen, daß alles bleibt, wie es ist, und wählen die Mitte, die die kapitalistische Dynamik entfesselt, oder sie stemmen sich dagegen, wie es ist, und wählen den noch schnelleren Weg in die Katastrophe.

Der Kapitalismus ist kein moralisches, sondern ein intellektuelles Problem. Wer bringt den Menschen Denken bei, wer vermag ihnen die Augen zu öffnen? Kann das die Linke noch, die auch schon falsche Alternativen anbietet? Sie müßte sich zu einer konsistenten Erzählung durchringen (die das Prädikat links verdient), um in einer paradoxen Intervention der Ideologie begegnen zu können.

13:30 20.10.2018
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