Werner Gerhard

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RE: In der Warteschleife | 25.02.2009 | 16:04

Nicht gerade eine Petitesse, die die Petentin da vom Petitionsausschuß erbittet...

Ob die Mitglieder dieses nach Insiderangaben nicht sonderlich beliebten Ausschusses die Traute entwickeln werden, in die Geschichte eingehen zu wollen? Sie könnten ja bescheiden: "Joo, machen wir!"

Nun, die Anwort wird vermutlich etwas länger und etwas ablehnender ausfallen, aber ich freue mich doch schon sehr drauf und überlege oft, was da alles so drinstehen könnte.

Um auch ein bischen mit dafür zu sorgen, dass das Thema in der Öffentlichkeit bleibt, schlage ich hiermit einen Schreibwettbewerb "Textbausteine für die Antwort des Petitionsausschusses an Susanne Wiest" vor.

Also:

"Sehr geehrte Frau Wiest MitpetentInnen,
Ihr Gesuch 'Bedingungsloses Grundeinkommen' haben wir..."

RE: Logik des Gabentauschs | 25.02.2009 | 14:43

ad 1: vgl. meine Anmerkung zu Moral bei data.
ad 2: womit jedenfalls die Genannten ihre "Überflüssigkeit" trefflich überwunden haben. Oder möchtest Du sie missen?
ad 3: Interessant, was denkst Du darüber?
ad 4: Deshalb per Dauerauftrag an alle. Formulare sind überflüssig und belasten unser CO2-Budget unnötig.
ad 5: Wieso? Fühlst Du dich gedemütigt, wenn Du auf einem Fußweg läufst, den du nicht selbst gepflastert hast?
ad 6: Ja, und heute gibt es die Vorstellung, alle haben ein Anrecht darauf, ihre Lebensaufgaben zu erfüllen. Das war schon eine sehr lebenskluge Vorstellung, die die da hatten, im Mittelalter...
ad 7: Bitte näheres.
ad 8: Was verstehst du unter Reichtümer?
ad 9: "Sinn ist jetzt das knappste Gut auf der Welt." ok, lets make sense - Gute Geschäftsidee, aber hast du eine Idee, wie sich unser Output gegen Klohpapier tauschen läßt?
ad 10: Das ließe sich ja übernehmen.
ad 11: Das ist nun ein echtes Problem.

RE: Logik des Gabentauschs | 25.02.2009 | 14:08

Ja, Moral ist immer zwanghaft, siehe "die Moral der Truppe". Moral ist gesellschaftlich und also den Individuen oktroyiert, Ethiken sind individuell, angenommen, erarbeitet, erworben. Und wenn eine gesellschaftliche Moral nicht mehr in der Lage ist, sich ethisch zu legitimieren oder sonstwie obsolet geworden ist, wie derzeit die "Arbeits"-Moral? nun, dann muß eben von Zeit zu Zeit aus den individuellen Ehtiken eine neue gesellschaftliche Moral destilliert werden.

Eine solche, aktualisierte Moral bildet das bedingungslose Grundweinkommen ab. Es sagt jedem Neuankömmling: Du bist uns wichtig, erfülle Dein Leben, Deine Lebensaufgaben Liebe, Beruf und gesellschaftliche Mitgestaltung! Hier hast Du, was du als vergesellschaftetes Wesen Mensch dafür existenziell brauchst.

Ach, und nicht zu vergessen, ein Pferdefuß: Für die Goodies mußt du "arbeiten gehen", wie man das früher nannte. Dich verdingen. Aber das du vormittags in die Fabrik mußt um Nachmittags erfolgreich ins Kaufhaus gehen zu können, diese Einsicht in die Notwendigkeit, die trauen wir dir zu...

RE: Logik des Gabentauschs | 25.02.2009 | 13:04

Frühestens wenn ich mit dem Lachen über den Witz mit der "sozialstaatliche(n) Verpflichtung zur Integration und Inklusion" fertig bin. Aufgabe des bürgerlichen Staates ist es, die Gesellschaft profitabel zu halten, zur Not auch durch sozialstaatliche Zugeständnisse. Aber nur soweit sie "finanzierbar" sind, also die Profite nicht auffressen.

Also lieber mal Klartext: Liebe, Beruf und Gesellschaft sind die drei Aufgabenbereiche unseres Lebens. Zweieinhalb davon finden aus Deiner Sicht offenbar im "gesellschaftlichen Abseits" statt. Plädiere für eine Umkehrung der Abseitsregel...

Es gibt keinen überflüssigen Menschen. Es gibt nur überflüssige Autos und obsolete Ressourcenverteilungsparadigmen.

RE: Logik des Gabentauschs | 24.02.2009 | 16:06

Bitte, lieber Petitionsausschuß, laßt uns doch einfach mal das bedingungslose Grundeinkommen einführen - das ist natürlich ein Witz. Ein ziemlich guter politischer Witz, allerdings. Mal abgesehen davon, daß in der Politszene zu viele Moral-Desparados rumlaufen, die überhaupt nichts vom Lachen oder gar von dialektischen Doppeldeutigkeiten futuristischer Paradigmen verstehen, liegt das Problem bei manchen politischen Witzen anscheinend darin, das nicht alle sie verstehen.

Beim bGE-Witz drängt sich mir allerdings der merkwürdige Eindruck auf, daß zwar viele unpolitische Leute, denen ich ihn erzähle, ihn auf Anhieb gut verstehen und also über den ermüdenden und entwürdigenden Nerv ihres noch herrschenden Alltags anfangen nachzudenken, während einige Politikanten, die ihn erzählen, ihn selbst anscheinend noch gar nicht verstanden haben: Sie scheinen tatsächlich der absurden Idee aufzusitzen, das bGE ließe sich in die bestehenden Verhältnisse "einführen" ohne diese umzuwälzen.

Kein Wunder, daß bei einem monolithischen Moralisten wie Ratzel, an sich ja ein ausgewiesener Befürworter des Grundeinkommens, etwas ausbricht, was schon moralpanische Züge trägt: Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens hält den Verhältnissen den Spiegel vor, er sieht zu Tode erschreckt im Spiegel die Verhältnisse - und meint, den Spiegel einwerfen zu müssen.

Also, bevor ich den Witz jetzt komplett erkläre, oder gar noch damit anfange, warum bei derartigem geistigem Glasbruch in Zeiten der Krise, wo die große Suche nach den Bösewichtern losgeht, die gegenleistungslos das liebe "Geld" beiseite gebracht haben, bei mir jeglicher politischer Spaß aufhört, erzähle ich doch lieber einen anderen: Also, bGE ohne Offene Grenzen, das geht gar nicht, das ist mir wie ein Klo ohne Fallrohr...

In der Hoffnung, mich unklar genug ausgedrückt zu haben, um verstanden zu werden, augenzwinkernd...