Die Müll-Verwertung und ihre Verwerfungen

Akzeptanz von Müll In Ergänzung zum Artikel "Müll-Mafia" möchte ich Hinweise geben auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Müll als wichtiger Faktor für die Verwertung von Abfall insgesamt.
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Danke für den übersichtlich geschilderten Artikel zum Konflikt zwischen DSD und Kommunen/Fuhrunternehmen.

Ich würde mir wünschen, die Gesamtproblematik anhand von einzelnen Themenfeldern bei der Müllentsorgung und Müllaufbereitung weiter zu verfolgen, wenigstens alle 3 Monate, und gebe hierfür einige Hinweise, die uns umfassender beschäftigen müssten, weil dies eben nicht nur den "grünen" Umweltacker betrifft, sondern viel tiefer in die gesellschaftliche Alltagsrealität hinein wirkt.

1. Müllverbrennung - welchen gesellschaftlichen Nutzen hat sie aus energetischer Sicht (Strom-Wärme) und aus Sicht der Problemstoffentsorgung (Medikamente, Giftstoffe, Chemikalien) und aus geopolitischer Sicht (Müllimporte).

2. Kunststoffrecycling

Jenseits der Systembetreiber des DSD hat sich eine beachtliche Zahl an spezialisierten Recyclern entwickelt, die vor allem die Kunststoffe aus Polymeren wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) Folie für den Weltmarkt 100 % stoffrein aufbereiten. Die Vermarkter dieser stark nachgefragten Stoffe handeln vorrangig im Auftrag chinesischer Käufer.

Es wäre zu fragen, wo die Verwertung "wertvoller" Stoffe bleibt, wenn wichtige Produkte den Systembetreibern und Kommunalentsorgern entzogen werden. Außerdem wäre nach der CO2-Bilanz zu fragen, wenn in Deutschland die Aufbereitung vorgenommen wird und China von der reinen Ware profitiert, ohne die Entsorgungskosten real getragen zu haben.

3. Sekundärrohstoffe

Die unter dem Begriff Ersatzbrennstoffe (EBS) aktiven Unternehmen, Aufbereiter wie Abnehmer, sorgen dafür, dass extrem umweltbelastende Stoffe wie Schlacke, Fette und Öle sowie Gummiabfälle in einen Kreislauf geführt werden, die vorrangig der Zement- und Stahlindustrie zugute kommt, die einen erheblichen Teil ihrer Wärmeerzeugung mittlerweile durch EBS erbringen kann und so auf einen Großteil von Primärenergieversorgung durch Erdöl, Gas und Kohle verzichten kann. Auch hier wäre nach dem Nutzen zu fragen. Ist hier eine hervorragende Umweltbilanz das Ergebnis, bei der es sich gemütlich machen lässt, oder haben wir hier unsere alltäglichen Problemstoffe in einen unsichtbaren Kreislauf von ziemlich schmutziger Wäsche gebracht?

4. Arbeitsmarkt Müllverwertung

Das erreichbare Ziel 100 % Recyclingquote (gewiss mit einigen Abstrichen), wenn es denn so deutlich herausgerufen würde, sorgt seit einigen Jahren bei den Unternehmen, ob kommunal oder gewerblich, für eine Dynamik in der Branche, die sich technologisch und bei der Mitarbeiterqualifizierung auswirkt. Der starke Mann für die Mülltonne wird ergänzt von dem angeeigneten Wissen über die Trennbarkeit und Wiederverwertbarkeit von fast allem, was wir wegwerfen. Die Besuche von Kindern bei den Recyclinghöfen und die engagierte Vermittlung von dem, was eigentlich Müll ist, bringt der Branche mit ihrem qualifizierten Personal enormen Aufwind und hat einen gesellschaftlichen Mehrwert, der von der Politik in der Kommune, im Land und in der Bundesregierung systematisch unterstützt werden sollte. Es muss nicht ständig ein neues Gesetz her, wenn alle Beteiligten die Tragweite ihres Handelns in den Vordergrund stellen und so eine verantwortliche Gesellschaft schon entstanden ist.

20:42 10.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

WH-HH

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