Wolfgang Höschele

Der Geograph Wolfgang Höschele hat einen Ansatz einer »Wirtschaft der Lebensfülle« zur Überwindung der sozial-ökologischen Krise entworfen.
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RE: Von Wirtschaft, Wachstum und der Lebensfülle | 28.03.2017 | 12:37

Es freut mich, dass mein Buch im „Freitag“ rezensiert worden ist – allerdings möchte ich manches in ein etwas anderes Licht stellen. Deshalb meine Replik!

Erstens sollte ich erwähnen, dass mein ursprünglicher Titel, „Wirtschaft neu denken“ vom Verlag verändert worden ist. Das Buch heißt jetzt „Wirtschaft neu erfinden.“ Mehr über das Buch ist auf der Webseite des Verlags (https://www.oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/wirtschaft-neu-erfinden.html) und auf meiner neu-erstellten Webseite (http://whoeschele.de/de/wirtschaft-neu-erfinden/) zu finden.

Zweitens über monokausale Erklärungen: Wer will, kann „alles“ auf den Wachstumszwang zurückführen. Ebenso aber auch auf die Verkehrung von Mittel und Zweck, oder die soziale Polarisierung, oder die Tatsache, das nur knappe Güter einen wirtschaftlichen Wert haben. Es hängt eben alles mit allem zusammen, in Wechselwirkungen. Wenn wir in so einem Geflecht sich gegenseitig verstärkender Beziehungen an nur einer Stelle mit Veränderungen ansetzen, kommen wir nicht weit. Wir müssen stattdessen an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen. „Wir“ bedeutet hier die vielen Menschen, die an grundsätzlicher Änderung interessiert sind. Gerade weil so viel zu tun ist, kann kein einzelner Mensch und auch keine einzelne Gruppe alles anpacken, und wir sind aufeinander angewiesen, um wirkliche Änderung zu erreichen! Einfacher geht es nicht.

Drittens über kleine oder große Veränderungsvorschläge: Mein Vorschlag zu Zinsbegrenzung ist zugegebenermaßen recht bescheiden, wenn auch mit potenziell großer Tragweite. Er befindet sich allerdings in einem Kapitel, in dem ich vorschlage, das Finanzwesen als öffentliche Infrastruktur umzugestalten, in Analogie an einen Verkehrsverbund. Privatbanken in der heutigen Form würde es dann nicht mehr geben. Jedoch könnte es noch immer Banken geben, die sich „Commerzbank“ oder „Dresdner Bank“ nennen, die allerdings ganz anders verfasst wären, als die jetzt existierenden Banken unter diesen Namen. Sie bestünden großenteils noch aus den gleichen Elementen (Menschen, Banktransaktionen, Gebäuden usw.), wären aber ein „whole other animal“ - ein ganz anderes Wesen, so ähnlich, wie ein Nilpferd und ein Pferd zwar im Wesentlichen das gleiche Knochengerüst haben, doch durchaus unverwechselbar sind! Eine kleine Systemänderung wäre das nicht – und eine, die eventuell machbar wäre, ohne die Gegnerschaft der gesamten Finanzwelt zu provozieren!

Welche Systemänderung gegen den Widerstand der gesamten Finanzwelt durchsetzbar wäre, kann ich in einem Wort sagen: Keine. Und mir ist daran gelegen, Veränderung zu erreichen, und nicht, ergebnislos zu debattieren.