RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 14.11.2018 | 07:03

Herr Heyden, Sie scheinen zu vergessen, daß die Söldner der "Volksrepubliken" nicht mit Watte schießen. Und Sie scheinen zu vergessen: Ohne die russische Doktrin, wo Russisch gesprochen wird sei Russland, gäbe es diesen Krieg nicht. Auch im Donbas gibt es Menschen, die dieses wissen.

Darüber hinaus sprechen Sie immer von "die Menschen" und unterstellen ihnen, alle hätten die gleichen Ansichten. Daher frage ich mal, in welchem Land oder in welcher Region sie so etwas schon mal erlebt haben. Könnte es sein, daß Sie da gerade eine Diktatur beschreiben?

Erwartungsgemäß kommt von Ihnen der imaginäre Bandera-Kult. Das Gruselmärchen, was seit 70 Jahren kleinen Kindern erzählt wird, wenn sie sich fürchten sollen. Banderovzy, davor waren es die Machnerovzy. Wird langsam langweilig. Vom Bandera-Kult habe ich in Städten wie Uzhhorod oder Chernivtsi nichts gesehen. Bandera war eine regionale Erscheinung, was diejenigen wissen, deren Augen nicht von der Propaganda verblendet ist. Vielleicht sollten Sie sich mal die kultischen Handlungen so ansehen, die die neuen Herren des Donbas so veranstalten. Davor fürchtet sich niemand? Ich habe das anders vernommen. "Die Menschen", sie Sie beschreiben, sind nicht alle Menschen. Soweit ich einschätzen kann, ist es nicht einmal die Mehrheit. So wie sich auch im freien Teil der Ukraine die Mehrheit nicht für den Bandera-Kult interessiert. Mummenschanz ist Mummenschanz, egal wie der parfümiert oder lackiert wird.

Zu guter Letzt kommt Ihr Märtyrergeschwafel über Saharchenko. Ich glaube Ihnen ja, daß der Anhänger hatte. Aber viele wissen, er war nur ein Krimineller, der sich bereichert hat. Die These, er könnte von den Seinen in die Luft gejagt worden sein, die sein Geschäft beerben wollen, haben Sie ja nicht einmal in Erwägung gezogen...

RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 13.11.2018 | 19:59

80 %? Never ever...naja oder eben so, wie beim sogenannten "Referendum" auf der Krym, da kam man stellenweise auch Ergebnisse weit über 100 %. Ist doch genial oder?

Akls Bonmot kann man sogar noch hinzufügen: Es gab auch einen Ort, dort erreichte man über 120 Prozent. Wohlgemerkt der Einwohnern, nicht der Wahlberechtigten. Da stellt sich die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Wahl schon nicht mehr. Mich erstaunt höchstens, wie viele Menschen an absurde Dinge glauben.

RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 13.11.2018 | 19:14

Nun, dann erklären Sie uns doch, welche Hoffnungen die Menschen in den "Volksrepubliken" wirklich haben.

Zunächst einmal maße ich mir nicht an, welche Hoffnungen DIE Menschen in den "Volksrepubliken" haben. Es beginnt damit, daß ich zwei Familien kenne, die dort leben. Da kann ich Ihnen natürlich sagen, was die wollen. Die wünschen sich, daß "die Verbrecher endlich verschwinden, die unser Land besetzen" (Zitat beider Familien). Die machen auch der Ukraine den Vorwurf, sie nicht vor den einmarschierenden Soldaten geschützt zu haben. Sie kennen ja das berühmte Mao-Zitat, welches besagt, die Macht gehe von Gewehrläufen aus. Ich kenne übrigens auch ukrainische Soldaten, die mir unabhängig davon erzählt haben, wie im Frühjahr und dann noch mal im August 2014 Soldaten, Panzer etc. über die russische Grenze in die Ukraine einmarschiert sind.

Sie könnten zurecht einwenden, es sind nur zwei Familien, die ich aufführen kann. Bestätigt wird diese Beobachtung aber von vielen anderen Ukrainern, die verwandschaftliche oder freundschaftliche Kontakte in die besetzten Gebiete haben. Durch diese Kontakte potentiert sich dieser Eindruck enorm, denn ich habe bestimmt 20 Freunde und Bekannte, die aus dieser Region stammen und größtenteils geflüchtet sind. Oft sind die Eltern oder Großeltern zurückgeblieben. Die meisten Kontakte bestehen nach Luhansk, ich kenne nicht so viel aus Donezk.

Zu Donezk kann ich Ihnen aber ebenso interessante Informationen liefern. Einer meiner Freunde, ein junger Deutscher, hatte einige Zeit eine Studentin aus Donezk als Freundin. Der war öfter da und hat auch ihre Kommilitoninnen kennengelernt. Seine Eindrücke gebe ich gerne wieder, weil ich diese Zusammenfassung teile.

Es gibt drei Fraktionen in der in den "Volksrepubliken" noch lebenden Bevölkerung:

1. Die Unterstützer der "Separatisten".

2. Diejenigen, die hoffen, eines Tages wieder zur Ukraine gehören zu können. Und die nicht flüchten konnten oder wollten.

3. Die völlig Apolitischen. Denen es völlig egal ist, wer da grad an der Macht ist und die sich vielleicht anpassen, wenn es gefordert ist.

Wie die prozentualen Verhältnisse sind, vermag ich Ihnen nicht zu sagen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie man solche Zahlen demoskopisch in einem Pseudostaat ermitteln soll, der von Kriminellen geleitet wird. Auch Sie werden kaum die Gelegenheit haben, im besetzten Teil vom Donbas proukrainische Stimmen zu vernehmen. Wenn die hören, Sie sind ein akkreditierter Journalist, werden Sie auch nur das zu hören bekommen, was den grad Mächtigen gefällt. Sonst wären Sie dort nicht akkreditiert worden... Sie haben keinerlei Erfahrungen mit Diktaturen gesammelt und sehen dieses dortige Gebilde als werdender Staat an. Sie erkennen nicht einmal Zwischentöne oder die kleinen Zeichen des Protestes der Menschen. Hätten Sie in der DDR mal ein Theaterstück gesehen und mitbekommen, an welchen Stellen das Publikum gelacht hat, hätten Sie vielleicht ein wenig Gespür dafür entwickeln können.

Ich gehe mal etwas näher auf die drei Gruppierungen ein und beginne mit der ersten Gruppe. Da ist die Motivation interessant, warum sie die "Separatisten" unterstützen. Ein nicht geringer Teil hat profitiert. Entweder haben sie Karriere machen können oder Wertgegenstände wie zum Beispiel ein Haus oder eine Wohnung ergattern können. Da müßte es für Sie als Journalist doch interessant sein, in Erfahrung zu bringen, wem eine schicke Wohnung vor 2014 gehört hat. Die Ukraine ist voll von Flüchtlingen aus dem Donbas. Es gibt im Film "Donbass" von Serhij Losnitza eine Szene mit zwei Frauen, die sich im Bus unterhalten, während sie zwischen den Checkpoints fahren. Eine der beiden Frauen will ihr altes Häuschen besuchen und hofft, es hat neue Besitzer gefunden. Dann stehts noch und sie hat eines Tages die Hoffnung, dort wieder einzuziehen (letzteres sagt sie nicht einmal). Der Platz reicht nicht aus, um all die absurden Geschichten zu erzählen, die ich zu diesem Thema schon vernommen habe.

Natürlich gibts auch die Überzeugten. Die der russischen Propaganda glauben, aber niemals aus ihrem Wohnort herausgekommen sind. Sie wissen nicht, daß zum Beispiel Lviv die am stärksten prosperierende Stadt ist und glauben der Propaganda, dort leben nur Faschisten. Sie blasen ja in das gleiche Horn.

Die Uninteressierten beschreibe ich mal mit den Worten: "Homo sovjeticus". So richtig gefällt mir die Schublade auch nicht, aber der meckernde Untertan, der auch weiter meckern will und keine Änderung der Verhältnisse anstrebt, weil er das Leben in der Sowjetunion kannte, paßt schon ganz gut. Im Donbas noch vermischt mit der Tatsache, Bergarbeiter waren in der SU privilegiert und wurden besser versorgt als andere Orte in einer vergleichbaren Provinz. Ein Blick aufs Ruhrgebiet verrät, wie profitabel Kohleabbau heute noch ist. Vor allem mit dem katastrophalen Sicherheitsstandards, die im Donbas vorherrschen.

Zur 3. Gruppierung. Da beantworte ich es mal mit den Erlebnissen derjenigen, die abgehauen sind. Genauer gesagt mache ich das mit der Geschichte einer Frau, die sofort aus Luhansk verschwinden mußte, als die neuen Herren auftauchten. Sie war beim Maidan in Luhansk dabei. Da verstehen die neuen Herren keinen Spaß. Ich lernte sie in Lviv 2015 kennen bei einer Party einer gemeinsamen Freundin. Ich selbst hatte kein Zimmer gefunden und fand Unterschlupf bei einer Familie, die übrigens 2011 aus Luhansk nach Lviv gezogen war und umging die Verlegenheit des Gastgeschenkes in Absprache mit der Familie, ich hätte zuviel Geld getauscht und machte den Vorschlag, dieser jungen Frau die über 100 Euro zu geben.

Ringtausch gelöster Probleme kann man das nennen. Es war genau die passende Summe Geld, die sie brauchte, bis sie endlich eine Arbeit fand. Nicht so einfach, wenn weit über 1 Mio. Flüchtlinge ins Land kommen (in Lviv sollen es ca. 50000 sein). Im September traf ich sie wieder. Richtig viel Geld verdient sie nicht, aber die Visafreiheit nutzte sie dennoch für eine Reise nach Norwegen und zeigte mir ein paar Urlaubsbilder. Zum Vergleich - ich treffe oft einen Kellner (sooo viel verdienen die auch nicht). Der hat gerade Land Nummer 19 abgehakt. Der will ganz Europa mit eigenen Augen sehen.

Verstehen Sie jetzt, was junge Menschen wollen? Das werfe ich Saharchenko, Pulishin und wie sie alle heißen vor. Die berauben der Jugend alle Chancen. Letztendlich dank ihrer Profit- und Profilsucht. Von Ihnen gerne mit dem Mäntelchen Antifaschismus getarnt. Mit dem Ladenhüter konnten Sie vielleicht früher erschrecken. In der ukrainischen Jugend ernten Sie mit Ihrer Propaganda nur noch Gelächter. Die reisen - auch immer mehr innerhalb ihres Landes. RyanAir 9,95 Lviv-Düsseldorf? Kriegen die noch hin. Gepäck haben die eh nicht. Unterkunft wird auch irgendwie organisiert. Endlich sieht man auch normale Ukrainer in Deutschland dank Visafreiheit. Ich traf schon öfter welche am Hauptbahnhof. Das zählt. Keine Ideologie. Der Rest kommt von alleine. Und die "Volksrepubliken" erleiden das Schicksal von Transnistrien. Einen Rumänen in Chernivtsi fragte ich mal, ob er in den letzten 20 Jahren dort war. Moldawien, Rumänien - oft. Transnistrien? Dahin geht kein Ukrainer oder Rumäne aus der Ukraine. Da ist nichts mehr. Originalantwort.

Sollten Sie mal wieder in die Ukraine reisen können, lassen Sie Ihren ganzen Mummenschanz in Moskau und unterhalten sich mit jungen Menschen in der Ukraine. Was in Ihrem (und in meinem) Alter nicht immer ganz einfach ist. Ich weiß

RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 13.11.2018 | 13:24

Zum Thema Sie schreiben Stuss. Nun ja. Die von Ihnen namentlich genannten Wahlbeobachter haben Teile der Leserschaft schon erfolgreich amüsieren können. Und da haben wir bislang noch nicht über die ultrarechten Wahlbeobachter gesprochen. Die Namen, so sie denn mal veröffentlicht werden, könnten für weiteres Amüsement sorgen...

RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 13.11.2018 | 13:20

Hätten Sie die kostenlose Verteilung von Butter angesprochen, die Sonderangebote in Geschäften rund um das Wahllokal und die sorgfältige Auswahl der Kandidaten, dann wären Motive der Wähler vielleicht etwas deutlicher zu verstehen gewesen. Das in der DNR Pushilin als Hoffnungsträger gilt, können Sie Ihren Fans vielleicht vermitteln. Aber wohl kaum Leuten, die Kontakte in die besetzten Gebiete haben. Kümmern Sie sich doch mal bei Ihrer nächsten Reise um die Geschäftsinteressen Pulishins...

RE: Donezk und Lugansk haben gewählt | 12.11.2018 | 18:09

Ein verurteilter Wahlmanipulator und ein Chemtrails-Gläubiger als Wahlbeobachter. Da hat Herr Heyden ja richtig Glück gehabt, daß die deutschen Medien die beiden Personen nicht genauer vorgestellt haben. Die klingen ja wahnsinnig glaubwürdig. Immer wenn man denkt, tiefer kann Herr Heyden nicht sinken, wird man vom Gegenteil überrascht.

RE: Abrechnung mit den Rechtspopulisten in der EU | 03.11.2018 | 00:34

Herr Heyden, wenn Sie schon Artikel über den Donbas in den westlichen Medien vermissen, werden Sie diesen hier sicherlich goutieren: Rentner im Donbas

RE: Abrechnung mit den Rechtspopulisten in der EU | 29.10.2018 | 21:53

Wenn ein russischer Medienkonzern, der als Propagandasender bekannt ist, eine russische Position vertritt, fällt mir alles mögliche ein. Aber eines bestimmt nicht. Dieser Medienkonzern fürde wie in der Eigenwerbung über "den fehlenden Part" berichten. Oder es gar als Wagnis hinzustellen, wie Sie es tun. Die Wiederholung propagandistischer Phrasen ist kein Wagnis. Was Oleh Sentsov macht, ist ein Wagnis. Und Sie sollten der Letzte sein, der sich darüber beschwert, wenn etwas Ihrer Meinung "verschwiegen" wird. Was Sie allein bezüglich der Ereignisse in Odesa am 2. Mai 2014 verschweigen, würde Bücher füllen. Die vorhergehenden Ereignisse lassen Sie außer acht. Das wie mir unabhängig zwei Zeugen vor Ort bestätigt haben, ein Zug mit Bewohnern von der Krym am 2. Mai morgens am Bahnhof in Odesa angekommen sind, habe ich bei Ihnen auch noch nicht vernommen. Ihr Schweigen zu all den Fragen verwundert mich auch nicht, wenn Sie den Begriff "Brandangriff" wählen. Warum die prorussischen Demonstranten ausgerechnet am 2. Mai Randale gesucht haben, als Metalist Kharkiv gegen Chernomorez Odesa gespielt hat und die Ultras beider Lager sich gemeinsam an diesem Tag treffen wollten, haben Sie auch nirgendwo beantwortet. Auch nicht, warum eine der Organisationen auf den Kompromiss, das Zeltlager für die Feierlichkeiten am 9. Mai zu räumen, nicht eingegangen sind. War es vielleicht so, man wollte Märtyrer produzieren? Möglich wär es. Aber da Sie grundsätzlich ideologisch argumentieren, werden Sie niemals etwas herausfinden.

Das zeugt von Ihrer neutralen Art der Berichterstattung, die ich von Ihnen kenne und weshalb Sie mich hier auch nicht mehr los werden. Das hatte ich Ihnen ja schon versprochen. Versprechen halte ich. Ich nehme das in Deutschland verbriefte Recht der Widerrede wahr.

Dann zum Thema, warum andere Journalisten den Donbas nicht besuchen. Da könnte ich Sie fragen, warum Sie die Ukraine nicht besuchen... Und in dieser Frage liegt auch eine Antwort. Wer die Völkischen Republiken besuchen will, muss von der Ukraine aus anreisen. Das dauert Tage. Da wäre zunächst einmal die Frage, wer eine Reise dorthin bezahlen soll. Bezahlt man Sie bei RT so gut? Was mich nämlich verblüfft: Ich habe alleine in diesem Jahr bestimmt mit 10 Deutschen und Ukrainern gesprochen, die entweder in Donezk oder in Luhansk waren oder dort sogar leben. Jeder hat mir bestätigt, er habe russische Soldaten mit Rangabzeichen etc. gesehen. Berichten Sie nicht über alles, was Sie sehen? Oder will Ihr Brötchengeber nicht, daß Sie darüber schreiben? Ich habe darüber bei Ihnen noch keine Zeile lesen können. Es kann natürlich sein, daß man Ihnen potemkinsche Dörfer zeigt. Das wäre dann natürlich die Frage, warum ein Journalist eine solche Reise unternehmen sollte, um über Kulissen zu berichten.

RE: Abrechnung mit den Rechtspopulisten in der EU | 26.10.2018 | 20:37

Wie kommen Sie darauf, daß ich andere für ungebildet halte? Ich habe Sie lediglich gefragt: Wenn dieser mögliche Strategiewechsel und diese 14seitige Abrechnung mit der europäischen Rechten eine solche Bedeutung haben sollen wie Sie sagen, warum taucht es nicht bei RT auf? Warum machen Sie darüber keinen Artikel? Ist die Nachricht doch nicht so bedeutend? Das war meine Frage, auf dessen Antwort ich vermutlich wie üblich vergeblich warte. Die Antwort kann ich mir eh denken. Das rechte Zielpublikum bei RT soll nicht verunsichert werden. Oder haben Sie eine andere Antwort parat? Gerne auch anders gefragt: Wenn nicht einmal RT diese "Abrechnung" bringt, warum sollte es dann irgendein deutscher Journalist bringen? Sie veröffentlichen das hier doch auch nur, um das linke Freitag-Publikum zu beruhigen...

RE: Abrechnung mit den Rechtspopulisten in der EU | 26.10.2018 | 17:27

Herr Heyden, es ist reines Mitleid. Ohne uns wär hier doch nichts los und Ihre vor Putinliebe strotzenden Beiträge blieben vollkommen unbeobachtet. Dennoch könnten Sie unsere Neugierde befriedigen, in welche russischen Medien Frau Krasheninnikovas Analysen so Widerhall gefunden haben. Darüber hinaus wünschen Sie doch sicherlich nicht, dass Ihre rechten Fans auf RT so vor dem Kopf gestossen weeden. Dürfen wir erwarten, dass Sie dieses 14seitige Papier auch auf RT Deutsch veröffentlichen? Oder interessiert sich RT Deutsch auch nicht dafür?