Alliierte Tradition

Medienkritik Die Springer'sche "Welt" kann es nicht fassen, die Ukraine-Berichterstattung wird vom ARD-Programmbeirat kritisiert. Gekontert wird mit knallharter Propaganda.
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In alter Tradition

Als die West-Siegermächte 1953 die bürgerlich-konservative Tageszeitung “Die Welt” an den Springer-Konzern übergaben, erhofften sie sich wohl kaum weiter so wohlwollend journalistisch unterstützt zu werden. Spätestens nach der Springer’schen Glanzleistung “Russland hat Ebola zur Waffe gemacht” (NEOPresse berichtete) wissen die Westmächte die Journalisten der “Welt-Gruppe” , die sich “Objektivität” in den Codex geschrieben haben, – zumindest indirekt – wieder auf ihrer Seite. Um die vermeintlichen transatlantischen Beziehungen weiter zu vertiefen erschien am gestrigen Tag eine weitere glanzvolle journalistische Abhandlung. “Putins langer Arm reicht bis in Gremien der ARD” nennt der Politikrekdateur Ulrich Clauß seine neue Arbeit, was er damit erreichen will wird auch schnell klar.

Erstmal ein Hitlervergleich

Zu Beginn, erstmal ein Hitler-Vergleich. Das wird sich Ulrich Clauß wohl gedacht haben, als er ein Propaganda-Plakat aus Tiflis, das Putin mit SS-Mütze karikatisch darstellt, einfügt. Kann ja nicht schaden. Doch dann auf zum Eingemachten: der Einleitungstext: “Der ARD-Programmbeirat kritisiert ‘antirussische Tendenzen’ im Programm. Das Verfahren erinnert an stalinistische Geheimprozesse. Protokolle sind nicht-öffentlich und die Programmrichter schweigen.” Nanu, ist der Programmbeirat nun russisch unterwandert? Dramatisch geht es weiter.

“Auch das letzte bislang bestens beleumdete Heiligtum der Öffentlich-Rechtlichen, der Nachrichtenjournalismus, wird in Misskredit gebracht – durch die eigenen Gremien. Der Programmbeirat der ARD, so wurde durch eine Indiskretion letzte Woche gestreut, kritisiert scharf und einstimmig angebliche “Unausgewogenheit”, “antirussische Tendenzen” und “Voreingenommenheit” bei der Berichterstattung über die “Krise in der Ukraine”, wie die verdeckte kriegerische Intervention Russlands in der Ost-Ukraine beschönigend genannt wird. Gesamturteil: ‘Mangelhaft’.”

Unerhört, immerhin erlaubt sich das hoch angesehene ARD-Gremium seiner Aufgabe nachzugehen und die eigene Berichterstattung zu kritisieren – für Springer ein Skandal! Eine “Indiskretion” sei das interne Protokoll, die Ukraine-Krise sei in Wahrheit eine “verdeckte kriegerische Intervention Russlands”.

“Kreml finanziert”

Die Zuschauer die “massiv Kritik übten”, sind laut dem Protokoll der journalistischen Zusammenkunft Grund genug gewesen Nachforschungen und Analysen an die Tagesordnung zu stellen. Der Programmbeirat ging seiner Arbeit nach. Doch nicht mit Erlaubnis der “Welt”. Die Zuschauerkritiken seien “offensichtlich koordinierte Protestwellen” und daher nicht achtungswürdig.

“Es arbeiten zum Beispiel vom Kreml finanzierte Heerscharen von Facebook-Aktivisten an der Beeinflussung der deutschen Öffentlichkeit und vervielfachen jede noch so absurde Fälschung russischer Staatsmedien über das Geschehen in der Ukraine. Kein Wunder, das Sarah Wagenknecht von der Linkspartei die Indiskretion der Putin-Versteher dankbar aufgriff und damit Stimmung macht.”

Kein Wunder ist es auch, dass es eine Springer-Zeitung ist, deren Verlag sich eine Förderung transatlantischer Beziehungen auf die Fahne geschrieben hat, die sich gegen eine offizielle Medienkritik wehrt – mit allen erdenklichen Mitteln. Und dass Ulrich Clauß wirklich alle Mittel recht sind, beweißt er bei seinen nächsten Ausführungen.

Propagandakolonnen

Man fühle sich, bei Betrachtung der Arbeit des Programmbeirats “ganz passend zu Putins Restalinisierungspolitik – an sowjetische Geheimprozesse einer nur scheinbar überwundenen Epoche erinnert”. Was genau ein journalistisches ARD-Gremium mit der “stalinistischen Epoche” und “sowjetischen Geheimprozessen” zu tun hat, erläutert der Springer-Journalist nicht weiter. Allen in Allem sei die ARD-Spitze dem “Verfahren machtlos ausgeliefert”. Eine Katastrophe – denn wo kämen wir denn hin wenn Journalisten nicht auch noch ihre eigene Kritik übernehmen dürften? Solang das aber noch so is,t hätten aber “Putins Propagandakolonnen und ihre Hilfstruppen von links bis rechts hierzulande Beutemunition erster Klasse für ihre PR-Schlachten”. Darüber, In wessen Propagandakolonne Herr Clauß gerne wäre, lässt sich jedoch nur mutmaßen. Propaganda scheint ihm jedoch schonmal gut zu gefallen.

19:07 27.09.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Wilhelm von Pax (NEOPresse)

Liberaler Ökonom und freiberuflicher Journalist. Parteilos und stamme aus Berlin.
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Wilhelm von Pax (NEOPresse)

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