36 Jahre religiöse Diktatur im Iran

Iranische Revolution Ein See aus Tränen und ein Licht der Hoffnung für die Welt
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Heute jährt sich die iranischen Revolution von 1979. In einer klassischen Revolution stürzte das iranische Volk den brutalen Schah von Persien und seinen berüchtigten Geheimdienstapparat SAVAK, kam aber dann durch den Anführer Ajatollah Chomeni, der aus dem Exil in Paris nach Teheran reiste, vom Regen in die Traufe. Es war der Beginn einer beispiellosen religiösen Diktatur, der Beginn des organisierten islamistischen Fundamentalismus und einer Ära der Geiselnahme des Landes, der Region und der Welt, die bis heute andauert.

Fast alle Konflikte, in die andere Länder mit dem islamistischen Fundamentalismus verwickelt sind, lassen sich bis nach Teheran zurückverfolgen. Das Aufkeimen der Terrorgruppe ISIS ist ein Ergebnis der Hegemonialbestrebungen Teherans. Die Menschenrechtsverletzungen in Gaza sind ein Ergebnis der endlosen Aufrufe Teherans, Israel zu vernichten und selbst der mörderische Anschlag auf die Zeichner von Charlie Hebdo hat seinen Ursprung in der Fatwa Chomenis zur Ermordung von Salman Rushdie, die die Jagd auf islamkritische Künstler legitimierte.

Das iranische Regime steht aber auch für eine Art der organisierten Unterdrückung, die ihresgleichen sucht. Von den Revolutionsgarden über die Bassidsch-Milizen bis zum MOIS, dem iranischen Geheimdienst, herrscht ein Sicherheitsapparat mit äußerster Brutalität und er hat eine gefährliche Waffe im Gepäck, die religiöse Gehirnwäsche. Als 2009 Millionen Iraner auf die Straße gingen und für Freiheit kämpften, gab es nicht das übliche Überlaufen der Sicherheitsdienste, denn sie sind seit Kindesbeinen darauf gedrillt, dass jeder, der dem Obersten Führer Ali Khamenei nicht bedingungslose Treue schwört, ein Feind Gottes ist. Das macht das iranische Sicherheitssystem zu dem brutalsten und gefährlichsten weltweit und es stellt die NSA und andere westliche Sicherheitsdienste weit in den Schatten.

Der Iran steht auch für die Diktatur des Alltags. In keinem anderen System dieser Welt wird so massiv in den Alltag eingegriffen wie im Iran. Wer seinen Hijab nicht korrekt trägt, wer im Monat Ramadan öffentlich isst oder als Frau ein Volleyballspiel besuchen will, wird schikaniert, drangsaliert, verhaftet, gedemütigt und ausgepeitscht. Wer Ehebruch begeht, homosexuell ist, Drogen konsumiert oder zum Feind Gottes erklärt wird, stirbt am Galgen, oft anonym im Gefängnis oder in der Öffentlichkeit, oder er wird mit Scheinhinrichtungen gefoltert.

Das iranische Regime steht – wie es die Präsidentin des iranischen Widerstandes auf einer Rede vor dem EU-Rat treffend ausdrückte – für den Kampf gegen die Menschlichkeit. Die Mullahs definieren jeden als „Feind Gottes“, als Moharebeh, jeden, der sich nicht zu 100 Prozent dem valayat e-faqih (der absoluten Herrschaft des Klerus) unterwirft. Und so wandern täglich Lehrer, Blogger, Menschenrechtsaktivisten, Opfer in Notwehr und gar Mullahs selbst zu Tausenden und Abertausenden jedes Jahr in die Gefängnisse und an den Galgen. Die Zahl 1200, die für die Menschen steht, die unter dem angeblich moderaten Präsidenten des Iran bisher hingerichtet worden sind, kann nicht ansatzweise wiedergeben, welches Meer der Tränen hinter ihnen steht.

Unermessliches Leid breitet sich um die 30.000 erzwungenen Kinderehen aus, für immer haben die mit Säure verunstalteten Frauen aus Isfahan zu leiden, die von Milizen des Regimes zu Krüppeln gemacht wurden. Es fließen die Tränen der Bahai, Derwische, Kurden und Christen, die für ihre pure friedliche Religionsausübung eingesperrt werden, die Millionen Tränen von Drogenabhängigen und armen Iranern, die, obwohl der Iran das drittgrößte Öl- und das zweitgrößte Gasland der Welt ist, trotz eines wundervollen Potentials an Geschichte und Natur in bitterster Armut und Depression versinken.

In das Meer der Tränen fallen auch die Tränen der Kinder, Mütter und Väter, die unter dem widerlichen Terrorismus der Marke Teheran fallen, einer perversen Idee der Vereinigung der arabischen Länder unter dem Banner von Terrorismus und Destabilisierung. In dieses Meer fallen auch die Tränen der Opfer derjenigen, die von Houthi-Milizen im Jemen, Hisbollah, Hamas, Revolutionsgarden, Qods-Einheiten und anderen mullahtreuen irakischen Milizen ermordet und gequält wurden.

Unendliche Trauer hinterließen die Millionen Iraner, die ihre Heimat für immer verlassen mussten, - und sie nahmen die Trauer mit. Die Tränen der Künstler, der Altenpflegerinnen, der Ärzte, Sportler und der Menschen, die für ihr Land da sein wollten und von einem frauenfeindlichen, fundamentalistischen und mittelalterlichen Regime gezwungen wurden, in alle Welt zu fliehen, oft von heute auf morgen, und die ihre Familien für immer verloren.

Doch in diesem Meer der Tränen gibt es ein Licht der Hoffnung. Diese Hoffnung heißt iranischer Widerstand, heißt Nationaler Widerstandsrat Iran und iranische Volksmojahedin. Wer einmal diese Menschen näher kennen lernen durfte und ihr Programm verstanden hat, wird erkennen, dass der Iran nicht verloren ist, dass brutale Diktatur auch die höchste Güte in Menschen hervorbringen kann. Von diesen Menschen können wir wieder lernen, was Freiheit und Demokratie für einen immens wichtigen Wert haben in einer Welt, wo wir selbst in Gefahr sind, diese Werte zu vergessen, denn auch wir leben in einer Welt, wo vor lauter Ignoranz jeder gegen jeden auf die Straße geht, wo uns das neue Smartphone wichtiger ist als das Leid der Kinder von nebenan, wo wir Millionen Menschen erdulden, die zur Psychotherapie rennen, weil ihr Leben leer geworden ist und die ausgebrannt sind, anstatt frei zu sein.

Der Westen könnte noch heute viel von diesen Menschen lernen, welche die Urform des Freiheitskampfes und der Güte der Seelen in den Menschen verkörpern. Doch was machen wir? Wir setzen uns mit ihren Mördern an einen Tisch, wir setzen die Freiheitskämpfer für billige Konzessionen ohne Rechtsgrundlage auf die Terrorliste, wir diffamieren und ignorieren sie. Es ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und Politik, des Zustandes unserer Nation, wenn Freiheitskämpfer weniger wert sind als geopolitische Spiele und die Gier nach Konzernaufträgen. Es ist der Zustand einer Nation, die an Heuchelei nicht mehr zu überbieten ist, wenn sie den Terror der einen Seite hochjubelt und den Terror der anderen Seite verschweigt. Es ist der Tod des Journalismus, wenn er aufhört, die Menschlichkeit als oberste Nachricht zu sehen und nur von der undifferenzierten Angst lebt. Wir alle sind schuld, wenn bald ein neuer See in das Meer der Tränen münden wird.

Daher sollte dieser Tag nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Opfer der religiösen Diktatur und des islamistischen Fundamentalismus sein, sondern auch ein Tag, an dem wir über unsere jetzige Demokratie und den Wert der Freiheit sehr intensiv nachdenken ...

13:30 12.02.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dr. Albrecht Wilkens

Dr. Albrecht Wilkens ist Menschenrechtler, Iranexperte, Vorstand des Deutsch-Iranischen Freundeskreises Berlin-Brandenburg, Kunsthistoriker, Philologe
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