Maryam Rajavi vor Tausenden Iraner in Berlin

Frauentag Maryam Rajavi vor Tausenden Sympathisanten des iranischen Widerstandes in Berlin: Die meisten Untaten des Fundamentalismus wurden vom iranischen Regime erdacht.
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Maryam Rajavi, die Präsidentin des iranischen Widerstandes, war am 8.März gefeierter Überraschungsgast auf einer großen Demonstration von Exiliranern und Sympathisanten des iranischen Widerstandes im Velodrom in Berlin. Unter den Zuhörern befanden sich neben Tausenden Zuhörern prominente Politiker und Würdenträger aus aller Welt. Aus Deutschland war unter anderem Rita Süssmuth, frühere Sprecherin des deutschen Bundestages, anwesend.

Maryam Rajavis Ankunft war aus Sicherheitsgründen lange geheim gehalten wurden. Die Präsidentin ist seit Jahrzehnten Ziel Nummer 1 auf der Todesliste der iranischen Mullahs. Frau Rajavi selbst ist von einem Exilparlament, bestehend aus verschiedenen Oppositionsgruppen im Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI) in Paris, zur Präsidentin des Widerstandes gewählt worden und wird von ihm in gewissen Abständen bestätigt.

Frau Rajavi kennt das iranische Regime seit seiner Entstehung wie kaum jemand anders. Sie selbst hat ihre Schwester und weitere Familienmitglieder durch Hinrichtung und Folter der Mullahs verloren und bis heute existiert eine Fatwa zu ihrer Ermordung. Entsprechend groß sind daher die Sicherheitsvorkehrungen der Vertreter des Nationalen Widerstandsrates Iran in Deutschland, welche die Veranstaltung zum ersten Mal im Velodrom abgehalten haben.

In ihrer Rede macht Frau Rajavi ihre Abrechnung mit 36 Jahren Terrorherrschaft der Mullahs.

„Wer hat denn die Steinigung in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sanktioniert? Wer hat das Augenausstechen und die Amputation von Gliedmaßen als Strafen gesetzlich festgelegt? Wer hat die meisten politischen Gefangenen seit dem Zweiten Weltkrieg massakriert? Wer hat eine Fatwa zum Mord an einem ausländischen Schriftsteller erlassen? Wer hat das reaktionäre Kalifat als Rollenmodell wiederbelebt und angewandt?

Alles das hat das Velayat-e-faqih-Regime getan, der Pate des Terrorismus, der Feind der Nationen des Mittleren Ostens und die stärkste Bedrohung von Weltfrieden und -sicherheit.“, stellt Frau Rajavi fest.

Ihre Aussagen beeindrucken die Zuhörer und nicht wenigen Teilnehmern kommen auch die Aussagen und Videos der Terrorgruppe ISIS und die Bilder von den Terroranschlägen in Paris in den Sinn. Sie erinnern sich an die Enthauptungen, die Ermordung der Schriftsteller der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Auch wenn ISIS in den Medien immer wieder als Feind des iranischen Regimes dargestellt wird, so wird doch allen bewusst: Fundamentalismus ist ein generelles Übel für diese Welt, es ist egal, unter welcher Fahne er praktiziert wird. Der Mastermind all dieser Gräueltaten kommt aus dem Iran, der Heimat von Frau Rajavi. Er muss ein Ende finden, darin sind sich alle einig.

Der Tag der Veranstaltung ist bewusst vom iranischen Widerstand gewählt worden. Der 8. März ist vor allem vielen Ost-Berlinern als Internationaler Frauentag tief im Bewusstsein verankert. Frau Rajavi weist daher gezielt auf die unfassbare Frauenfeindlichkeit im Alltag des Iran hin

„Liebe Schwestern, ihr befreiten Frauen aus Syrien, Irak, Palästina, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Jemen, Libyen, Marokko, Afghanistan, Indien, Pakistan, Europa, Amerika und aus anderen Gegenden der Welt, ich rufe euch auf, eine starke Front gegen den islamischen Fundamentalismus, seinen Terror und seine Barbarei im Namen des Islam zu bilden und immer größer zu machen.“, fordert sie und berührt damit nicht nur die Herzen der Delegationen, die aus diesen Ländern anwesend sind.

Eine Frau als iranische Präsidentin ist ein so großer Traum, dass er andere weibliche Führungspersonen in diesem Moment in den Schatten treten lässt, denn jeder weiß, im Iran müssen die Rechte der Frauen erkämpft werden, die z. B. in Deutschland längst verbrieft vorliegen. Die Einführung der Frauenrechte wird selbst nach einem Regimewechsel im Iran eine Mammutaufgabe sein, aber allein der Gedanke daran eröffnet bei den Anwesenden Hoffnung, denn Maryam Rajavi ist eine würdige Vertreterin der Frauen, des Islam, der Demokratie und der Politik. Das ist der wahre Grund, warum sie so verehrt wird, denn sie vertritt nicht ihre Person oder die Interessen von Wirtschaftsvertretern. Sie vertritt die Freiheit und die Rechte der Frauen eines Landes, wo deren Rechte so mit Füßen getreten werden wie nirgendwo auf dieser Welt.

Frau Rajavi benennt in ihrer Rede konkret, was sich die Frauen im Iran wünschen:

„Wir müssen das Recht der Frauen auf Gleichstellung in allen Bereichen, ihr Recht, ihre Kleidung selbst zu bestimmen, die Abschaffung der Zwangsverschleierung oder das Recht auf gleiche Teilhabe an politischer Führung erfüllen.“, sagt sie und jeder Zuhörer weiß, es sind Forderungen, die allen Frauen in der Welt zustehen.

Mit tiefem Respekt hört das Publikum zu, wenn Frau Rajavi die Frauen aufzählt, die in der Geschichte der Mullahs ihren Blutzoll für die Frauenrechte gezahlt haben:

„Fatemeh Amini, Ashraf Rajavi, Azam Rouhi Ahangaran, Marzieh Oskouii, die hellen Sterne von Camp Ashraf: Zohreh Qaemi, Giti Givehchian, Saba Haftbaradaran, Mahdieh Madadzadeh, Farideh Vanai, Razieh Kermanshahi und die tausend Frauen der Avantgarde in den Reihen der Mojahedin von Camp Liberty.“ Jede Iranerin, jeder Iraner weiß, hinter ihnen stehen noch einmal Tausende weitere Frauen und Millionen Tränen und Stunden des Schmerzes ihrer Angehörigen.

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Wenn Frau Rajavi über Camp Liberty im Irak redet, wo die größten Anhänger des iranischen Widerstandes seit 2009 unter einer barbarischen irakischen Regierung, die eine Marionrette der Mullahs ist, und einer tatenlosen Weltgemeinschaft leiden, bricht auch die Verbitterung des Widerstandes über die westlichen Regierungen durch:

„Sie haben nichts weiter im Sinn, als die Mullahs zu beschwichtigen. … Die westliche Beschwichtigungspolitik ist verfehlt, denn der Westen hat nicht nur dem Fundamentalismus nicht Einhalt geboten, sondern hat den Weg der Versöhnung mit dem staatlichen Terrorismussponsor, dem iranischen Regime gewählt und mit ihm noch gemeinsame Sache beim Durchgreifen gegen die Antithese zum Fundamentalismus gemacht.“

Die Vertreter des Nationalen Widerstandsrates Iran wirken nachdenklich bei ihren Worten. Sie wissen, dass die westlichen Regierungen sie einst, um dem iranischen Regime gefällig zu sein, als Terroristen, „Sekte“ und „Kultgemeinschaft“ brandmarkten, dass ihre Präsidentin selbst für Deals der französischen Regierung mit dem Iran 2003 verhaftet und ihre Zentrale gestürmt wurde. Heute haben zahlreiche Gerichte der Welt in teils historischen Entscheidungen die Unschuld des NWRI und der Mojahedin bestätigt, doch es bleibt ein schwerer Schaden in den Beziehungen mit dem Westen zurück, auch durch seinen Umgang mit den Flüchtlingen in Camp Ashraf und später Camp Liberty, von denen heute immer noch 2500 Menschen in täglicher Gefahr für Leib und Leben schweben.

„Wenn ihr den Mojahedin in Camp Liberty keinen Schutz gebt, füttert ihr das Ungeheuer des Fundamentalismus“, stellt Frau Rajavi fest und trifft damit den Kern der Sache.

18:33 12.03.2015
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Geschrieben von

Dr. Albrecht Wilkens

Dr. Albrecht Wilkens ist Menschenrechtler, Iranexperte, Vorstand des Deutsch-Iranischen Freundeskreises Berlin-Brandenburg, Kunsthistoriker, Philologe
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