Netzschau: April, April. April!

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1. Wie wir ja alle wissen, hat es alljährlich zum ersten des Monats April die schöne Tradition, Freunde, Bekannte, Kollegen und jeden sonst, der nicht rechtzeitig fliehen kann, in den selbigen zu schicken. Wie sich dies Unwesen etablieren konnte, können einem aber wiederum nur Volkskundler oder Redakteure sagen, die Volkskundler befragt haben. Wie zum Beispiel die Kollegen beim Handelsblatt:

"Wo der Ursprung der jährlichen Fopperei liegt, darüber ranken sich jedoch viele Gerüchte und Mutmaßungen. Der Beginn in Deutschland wird am plausibelsten im Zusammenhang mit einer Währungsreform erklärt. Um 1530 beschloss der Augsburger Reichstag, das staatliche Münzwesen zum 1. April 1540 zu vereinheitlichen. Doch kurz vor dem Datum wurde der Termin vertagt und die Geldspekulanten, die an der Umstellung ordentlich mitverdienen wollten, verloren ihren Einsatz und ernteten stattdessen Hohn und Spott. " >> Handelsblatt

2. Der bisher beste, weil glaubwürdigste Scherz kommt aus der Tagesspiegel-Redaktion. Trotzdem ist der Gedanke, Thilo Sarrazin könnte ernsthaft im September als Spitzenkandidat der FDP antreten, ungefähr so absurd, wie zu behaupten, der Tagesspiegel sei ein rechtes Hetzblatt:

"Der Buchautor ('Deutschland schafft sich ab'), Ex-Bundesbankvorstand und frühere Berliner Finanzsenator gilt wegen seiner Kritik an Sozialleistungsempfängern bei den leistungsorientierten Liberalen als Idealbesetzung. Während die FDP in den Meinungsumfragen zuletzt bei drei Prozent lag, hält der Landesvorstand mit Sarrazin ein zweistelliges Ergebnis für realistisch. 'Er hat in einem Jahr mehr Bücher verkauft, als die Mitglieder der SPD lesen können', sagte ein Spitzenliberaler. Mit dem früheren Senator gewinne die FDP nicht nur einen exzellenten Finanzexperten, sondern auch einen rhetorisch brillanten Sympathieträger." >> Tagesspiegel

3. Da sich aber nicht für jeden der Realitätsgehalt derartiger Nachrichten auf den ersten Blick erschließt, dachte sich die Welt, dass gerade bei solch absolut unabstrusen Meldungen wie der grundlegenden Auflösung eines Menschheitsirrtums heute unbedingt ein Hinweis auf den satirischen Charakter nötig sei. Hätte der Tagesspiegel vielleicht auch mal lieber machen sollen. Man will ja schließlich niemanden unnötig verwirren:

"Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was soll das alles? Einige der größten Rätsel der Menschheit sind endlich gelöst. Bei Ausgrabungen am Berg Sinai entdeckten Wissenschaftler eine Steintafel, aus der zweifelsfrei hervorgeht, dass es sich bei der Erschaffung der Welt um einen Aprilscherz handelt. 'Und zwar um einen nicht besonders gelungenen', wie der Verfasser der steinernen Botschaft, ein gewisser Gott, zugibt." >> Welt online

4. Die BZ wiederum schwimmt, wie sie es ja eigentlich immer tut, konsequent gegen den Mainstrom (höhö) und stellt eine Sammlung von Geschichten zusammen, die zwar auf den ersten Blick wie Aprilscherze wirken, aber doch tatsächlich wahr sind:

"Am Eichborndamm 37 in Reinickendorf wurde am Donnerstag der neue Döner-Imbiss 'Grill-König' eröffnet. Der Clou: Dort gibt’s am Freitag ab 10 Uhr die ersten 1000 Kebabs kostenlos. Bereits am Donnerstag verschenkte Inhaber Mehmet Yesilbicer 1000 Kilo Dönerfleisch – rund 7000 Döner. 'Das ist einzigartig in der Stadt', so Yesilbicer." >> Berliner Zeitung

5. Die Agentur Meedia, die ja manch einer selbst für einen Scherz hält, hat sich der Aprilscherzwütigkeit bei Google angenommen und einen Überblick über die diesbezüglichen Umtriebigkeiten des Konzerns zusammengestellt:

"Alle Jahre wieder überschlägt sich Google am 1. April förmlich in Sachen Aprilscherze. Die Google-Witze zum 1. April sind in der Branche zu einer festen Größe geworden und meistens aufwändig produziert. Dieses Jahr gibt es angeblich Googlemail mit Bewegungssteuerung, Google präsentiert Finger-Aerobic für den Chrome-Browser, bei Youtube werden historische Webvideos gezeigt und bei Google Maps ist ein Wal in der Themse zu entdecken." >> Meedia

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Best of Aprilscherz I : Der Spiegel

Best of Aprilscherz II : taz online

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Die letzte Netzschau findet sich hier

16:20 01.04.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Daniel Windheuser

I am the key to the lock in your house that keeps your toys in the basement. Oder so ähnlich.
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Daniel Windheuser