Wem die Seele brennt

Gesellschaftsroman Karine Tuils „Die Gierigen“ handelt von Liebe, Lügen und Verrat. Und als Leser stellt man heikle Fragen an sich selbst
Daniel Windheuser | Ausgabe 37/2014

Man könnte sagen, dass hier die Geschichte einer amourösen Dreiecksbeziehung erzählt wird. Ebenso könnte man sagen, dass Die Gierigen, das mittlerweile neunte Werk der französischen Autorin Karine Tuil, ein Gesellschaftsroman ist, der die klassischen Fragen nach Identität und Erfolg in zeitgenössischen Variationen auslotet. Vielleicht sollte man sich mit einer Etikettierung des Texts aber auch gar nicht so eindeutig festlegen, denn genau wie in den Leben der Protagonisten sind auch hier solche Zuschreibungen eher Einschränkung als Erklärung.

Alles beginnt Mitte der 80er Jahre an der juristischen Fakultät in Paris. Dort treffen Samir, Samuel und Nina aufeinander. Samir ist der Sohn tunesischer Migranten, aufgewachsen in den ärmlichen Verhältnissen der Banlieue; Samuel das Kind eines jüdischstämmigen Intellektuellenpaars. (So jedenfalls glaubt er, bis er achtzehn ist.) Dazwischen die extravagante Nina, der ihre Schönheit und der Effekt, den diese auf Männer haben kann, schon immer selbst ein wenig unheimlich waren.

Nina und Samuel führen bereits eine Beziehung miteinander, als sie Samir kennenlernen. Zunächst ist das Paar auf rein platonische Art sehr angetan von Samir. Dann jedoch kommen Samuels Eltern, mit denen er seit seinem 18. Geburtstag kaum mehr ein Wort geredet hat, bei einem Autounfall ums Leben. Am ersten Tag seiner Volljährigkeit hatten sie ihrem orthodox erzogenen Sohn eröffnet, dass er adoptiert worden war und seine leibliche Mutter eine polnische Bauerstochter sei.

Nach jenem ersten Bruch wirft ihn nun der zweite, der tödliche Unfall der Adoptiveltern, vollends aus der Bahn. In diesem Zustand bricht er auf, um ihre sterblichen Überreste nach Israel zu überführen. Bevor er Paris verlässt, bittet er Samir aber darum, sich während seiner Abwesenheit um Nina zu kümmern. Es kommt, wie es schon so oft gekommen ist, im Theater des Zwischenmenschlichen: Die beiden Zurückgebliebenen beginnen eine Affäre – zunächst eher als Übersprungshandlung, dann aber tritt echte Leidenschaft hinzu.

Die Liaison endet natürlich im Drama, und dieses wiederum führt zu einem weiteren Bruch. Und zwar zwischen dem ursprünglichen Paar, das sich wieder versöhnt, und Samir, der daraufhin Paris und schließlich auch Frankreich verlässt. Als Nina und Samuel ihn zwanzig Jahre später (noch immer als Paar) zufällig im Fernsehen sehen, beginnt der eigentliche Twist der Geschichte, seine Wirkung zu entfalten. Samir nämlich arbeitet mittlerweile als erfolgreicher Anwalt in New York, während Samuel und Nina ein eher tristes Dasein führen – er als Schriftsteller, dessen Werke niemand lesen will, sie als Werbemodel für die Supermarktkette Carrefour.

Um seinen von Nina und Samuel durchaus beneideten Status zu erreichen, musste Samir allerdings einen weiten Weg gehen, wie weitere Nachforschungen zeigen. Denn offenbar fußt seine Karriere darauf, dass er seine arabischen Wurzeln verleugnet und sich stattdessen als Jude ausgibt. Doch damit nicht genug: Zudem machte er Samuels tragische Lebensgeschichte auch noch teilweise zu seiner eigenen.

Ausgehend von dieser Konstellation legt der Roman, dessen Originaltitel L’Invention de nos vies („Die Erfindung unserer Leben“) lautet, den Finger auf die dunklen Stellen des Konstrukts Identität – und thematisiert damit zentrale Fragen jedes menschlichen Lebens. Denn sind nicht alle unsere Geschichten über Leben, Liebe und Erfolg immer auch ein wenig erfunden oder zurechtgebogen, je nachdem, wem und warum wir sie gerade erzählen?

Die Gierigen führt den Leser so auch zu einer Selbstbefragung: Wie weit ist man bereit zu gehen? Wie sehr lässt man sich zurechtbiegen, wenn es einen Vorteil verschafft? Und wann hört man auf, Kompromisse zu machen, und beginnt, sich selbst zu verraten? Ein jiddisches Sprichwort, das ein Förderer Samirs zitiert, gibt dazu zu bedenken: „Mit der Lüge kommt man durch die ganze Welt – aber nicht wieder zurück.“

Daniel Windheuser

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Leseprobe

Was hat uns bloß so ruiniert?

Mit zwanzig sind die drei Pariser Freunde Nina, Samuel und Samir unzertrennlich. Sie teilen dieselben Werte, Träume, Hoffnungen. Dann kommt ihnen das Leben dazwischen

Sie waren sich Mitte der 1980er Jahre an der Juristischen Fakultät von Paris begegnet. Nina und Samuel waren bereits seit einem Jahr ein Paar, als sie am ersten Tag des Studienjahres Samir Tahar kennenlernten. Man konnte ihn nicht übersehen, er war achtzehn Jahre alt wie sie, wirkte aber älter: ein mittelgroßer, muskulöser Mann mit einem dynamischen Gang, ein Mann, den man auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv fand, aber das änderte sich, sobald man mit ihm ins Gespräch kam. Man war gefesselt und dachte: So sieht männliche Autorität aus, das ist animalische Ausstrahlung, so entfacht man sexuelle Begierde. Sein ganzes Wesen verhieß Genuss, er vibrierte vor Erotik, aber es war eine aggressive, verderbliche Erotik. Das war das Verwirrendste an diesem Typ, den sie kaum kannten: Er lebte seinen Eroberungsdrang völlig offen aus. Seine Sucht nach Frauen – Sex war schon damals seine Schwäche – sprang einem sofort ins Auge, ebenso sein Talent zur unverblümten, fast mechanischen Verführung, seine sexuelle Gefräßigkeit, die er nicht einmal zu beherrschen versuchte, die er mit einem einzigen Blick auszudrücken vermochte (einem durchdringenden, starren, pornographischen Blick, der seine Absichten enthüllte und auf das geringste Echo lauerte) und die schleunigst befriedigt werden musste. Man registrierte seinen fordernden, hemmungslosen Hedonismus, sein umwerfend lässiges Auftreten. Jeder freundschaftliche oder soziale Kontakt zu einer Frau hatte für ihn offensichtlich nur dann Sinn, wenn die Möglichkeit bestand, dass daraus eine andere Art von Kontakt wurde.

Aber da war noch etwas anderes ... Man nahm eine Art Jagdinstinkt an ihm wahr, man spürte bei diesem Sohn tunesischer Einwanderer den Zorn, der von einer Kränkung gespeist wurde, und diese Kränkung war so offensichtlich, dass man sich fragte, welche Punkte in seiner Biographie und in seinen von Misstrauen geprägten Beziehungen ihn überhaupt so lange und so zuverlässig am Leben erhalten hatten. Gut, er hatte die Ambitionen seiner Mutter. Er war auf Erfolg aus, er wollte den familiären Teufelskreis der Niederlagen und Entbehrungen, des Verzichts und der Entsagung durchbrechen, der seinem Vater das Leben gekostet, die Träume seiner Mutter zunichtegemacht und seine Familie entwurzelt hatte. Er wollte aus seinem sozialen Gefängnis ausbrechen, und wenn er die Gitterstäbe mit den Zähnen durchnagte. Ein Streber? Vielleicht ... Auf jeden Fall ein Migrantensohn, der sich nicht bescheiden wollte, der die Botschaft der Politik verinnerlicht hatte: Ihr müsst studieren, ihr müsst arbeiten. Ein Vorbild. Man beneidete den jungen Agitator um seinen anarchischen Mut und um eine intellektuelle Angriffslust, die durchaus ihren Charme hatte. Und wie hätte man ihm auch widerstehen können, wenn er leicht ironisch, aber mit herzergreifender Eindringlichkeit von seiner Kindheit in den schäbigsten Armenvierteln Londons und in der heruntergekommenen Hochhaussiedlung am Rand von Paris erzählte, von seiner Jugend in der Dienstbotenkammer und dem Umzug in einen verwahrlosten Sozialbau, und fünf Minuten später über eine Diskussion zwischen Gorbatschow und Mitterrand referierte, als wäre er dabei gewesen. Seine Stärke war sein Sinn für politische Zusammenhänge und für das Anekdotische. Er konnte ganze Abende lang Memoiren oder Nobelpreisreden lesen, er liebte Berichte über außergewöhnliche Lebensläufe, denn genau das wollte er: ein Schicksal. Die Aura, das Charisma hatte er bereits.

Für Samuel, der sich als ein einziges Bündel von Neurosen betrachtete und nur den einen Ehrgeiz besaß, seine persönliche Leidensgeschichte zu einem großen Roman zu verarbeiten, war diese Freundschaft ein Glücksfall. Denn als er Samir kennenlernte, war er völlig am Boden zerstört. Er hatte gerade auf brutale Weise die Wahrheit über seine Herkunft erfahren, und in ihm herrschte das reinste Chaos. Seine Eltern hatten ihm pünktlich zu seinem achtzehnten Geburtstag eröffnet, dass er als Krzysztof Antkowiak in Polen zur Welt gekommen war – Schluss mit der Freude über die Volljährigkeit, willkommen in der Welt der Erwachsenen. Ihm wäre es lieber gewesen, er hätte das alles nicht erfahren ... Er wusste nicht, was ihn mehr schockierte: dass seine Eltern nicht seine Erzeuger waren oder dass sein richtiger Vorname von Christus abgeleitet wurde. Denn er war von einem durch und durch religionsfeindlichen Paar erzogen worden, das kompromisslos, stur und aggressiv für eine laizistische Gesellschaft eintrat und dann auf einmal zum jüdisch-orthodoxen Glauben übertrat – eine spektakuläre Umorientierung, für die es keine rationale Erklärung gab. Das allein bot schon Stoff für ein ganzes Buch. Ein paar Stunden nach seiner Geburt war Samuel von seiner Mutter Sofia Antkowiak ausgesetzt, von Unbekannten in ein Waisenhaus gebracht und schließlich von Jacques und Martine Baron, einem französischen Ehepaar jüdischer Herkunft, adoptiert worden. Ihre Namen sind in Vergessenheit geraten, aber in den 1960er und 1970er Jahren gehörten sie zu den unermüdlichsten Agitatoren der intellektuell-politischen Protestbewegung in Frankreich. Jacques und Martine Baron, die dem assimilierten jüdischen Kleinbürgertum entstammten, waren Mitglieder des Kommunistischen Studentenverbands UEC und der Kommunistischen Partei Frankreichs, standen Alain Krivine und Henri Weber nahe und hatten seit Langem jeden Identitätsanspruch verworfen. Sie lehnten Determinismus und Herdentrieb ab – und diese Prinzipien hatten sie dazu gebracht, sich wie durch Zauberei neu zu erfinden. Sie bewegten sich im Dunstkreis der intellektuellen Schwergewichte, die die Szene beherrschten. Sie hatten gemeinsam an einer Elitehochschule studiert und erfolgreich die Prüfung abgelegt, die sie dazu befähigte, an Universitäten zu lehren. Sie unterrichteten Literatur und Philosophie, waren jung, schön, kämpferisch und hatten alles – außer dem, worauf es ankam: einem Kind.

Jacques war zeugungsunfähig und litt sehr darunter, denn er hatte schließlich sein ganzes Leben auf die Weitergabe von Wissen ausgerichtet. Das Paar leitete ein Adoptionsverfahren ein und erhielt nach einer Wartezeit von zwei Jahren endlich einen positiven Bescheid. An jenem Abend feierten sie mit ungefähr dreißig ihrer engsten Freunde die unmittelbar bevorstehende Ankunft des Kindes. Nach einigen Gläsern Wein erhob sich die Frage: „Und wie wollt ihr das Kind nennen?“ Diese Frage hatten sie sich – das wurde ihnen jetzt erst bewusst, wie peinlich! – noch nie gestellt. Martine kam als Erste mit dem Vorschlag, sie könnten ihn doch Jacques nennen, nach ihrem Mann. Oder Paul, zum Beispiel, oder Pierre. Der Vorschlag fand allgemeine Zustimmung, man trank auf den zukünftigen PierrePaulJacques. Dieser Abend sollte ihnen als einer der wichtigsten ihres Lebens in Erinnerung bleiben. Zwei Wochen später jedoch beschloss Jacques zur Überraschung aller, die ihn kannten, seinen Sohn beschneiden zu lassen, obwohl er selbst nicht beschnitten war. Er nannte ihn Samuel, was in der wörtlichen Übersetzung aus dem Hebräischen so viel bedeutet wie „Sein Name ist Gott“, veranstaltete ein großes Fest und lud alle seine Freunde dazu ein. Und als der Rabbiner mit lauter Stimme den Vornamen des Kindes nannte, geschah etwas Außerordentliches: Jacques erklärte dem Rabbiner, er wolle von nun an wieder seinen echten Namen – Bembaron – tragen und sich künftig Jacob nennen. Er wolle den Bund, den sein Sohn gerade geschlossen hatte, selbst erneuern. Unter den Anwesenden – im Wesentlichen militante Linke, Journalisten, Schriftsteller, Lehrer und laizistische Intellektuelle – herrschte Ratlosigkeit. Wenn nicht gar Bestürzung. „Rückkehr ins Ghetto“, ging manch einem durch den Kopf. Jacques/Jacob war wie verwandelt, er schwitzte, und sein Gesicht strahlte, obwohl er nichts getrunken hatte, er sah den Rabbiner, er sah die golden schillernden Stickereien, welche die Thorarollen schmückten, er hörte die brausenden Orgelklänge von der Empore herab, und er hatte eine Erleuchtung. Eine andere Erklärung gab es für diese Hinwendung zum Heiligen nicht, die er später tatsächlich „meine Rückkehr“ nannte – nicht die Rückkehr ins Ghetto, sondern die Rückkehr zu sich selbst, zum Text. Bald darauf verließ die Familie Paris, das Quartier Latin, das Café de Flore und ihre Freunde, die sie nicht mehr verstanden, die sagten: „Sie sind verrückt geworden, wie traurig, eine Tragödie, sie stecken in einer Krise, sie werden zurückkommen.“

Die große Offenbarung

Sie kamen nie mehr zurück. Sie zogen in eine Dreizimmerwohnung in der Rue du Plateau im 19. Pariser Arrondissement, meldeten ihren Sohn in einer ultraorthodoxen jüdischen Schule an, wo die Lehrer Bärte und schwarze Hüte trugen und Gebete und heilige Schriften studiert wurden. In dieser Umgebung fühlte sich Jacob wohl. Er hatte sich noch nie so wohl gefühlt wie an der Seite seines Lehrers, eines charismatischen Siebzigjährigen, der ihm Hebräisch beibrachte und ihn in das Studium von Thora, Talmud und Kabbala einführte. Er fühlte sich wie neugeboren, er war nicht mehr der hochpolitische, rebellische, wütende Mann von früher. Und wenn er letztlich doch den Namen Baron behielt, dann nur, weil die Behörden ihn dazu zwangen.

Samuel wusste nichts über seine Herkunft. Jacob hatte mit der großen Offenbarung bis zur Volljährigkeit des Jungen gewartet. Zuerst reagierte Samuel gar nicht. Dann, nach ein paar Minuten, stand er wortlos auf, ging aus dem Zimmer, verließ das Haus. Kaum eine Stunde war vergangen. In der Toilette der städtischen Badeanstalt rasierte er sich den Bart, schnitt sich die Schläfenlocken ab und zog seine schwarze Kleidung aus. Lüge. Irreführung. Verrat. Schluss damit! Mit seiner Wut hatten die Eltern gerechnet, nicht aber mit der brutalen Zurückweisung, dem Bruch. Samuel schlief fortan in besetzten Häusern, dann begegnete er Nina im Hörsaal seines Fachbereichs. So, sie war keine Jüdin? Umso besser, ihm lag viel daran, seine Eltern zu provozieren. Denn für praktizierende Juden, denen die Weitergabe der jüdischen Identität am Herzen lag, war das ein Drama. Und sie stellten ihn vor die Wahl: Entweder du kommst zurück, oder du bleibst bei ihr und siehst uns nie wieder. Ein kategorisches Ultimatum, eine aggressive Kampfansage war genau das Richtige, um ihn von der Rückkehr ins Elternhaus abzuhalten. Er fand Unterschlupf bei einer Tante, die Eltern waren eingeweiht, sie steckten mit ihr unter einer Decke, aber es funktionierte. Es war ihnen lieber, ihr Sohn wohnte bei ihr als auf der Straße. In jener Zeit war er sehr verliebt in Nina und emotional vollkommen abhängig von ihr, kein angenehmer Zustand, aber die Soldatentochter hatte eine ziemlich strenge Erziehung über sich ergehen lassen müssen und ein starkes Moralempfinden. Loyalität war ihr wichtig. Als Siebenjährige hatte sie erlebt, wie ihre Mutter zu einem anderen Mann gezogen war. Sie war eines Morgens aufgewacht und hatte eine Abschiedskarte der Mutter auf dem Wohnzimmertisch vorgefunden, eine farbenfrohe Grußkarte, wie man sie nach einer Einladung an die Gastgeber schickt, um sich zu bedanken. Auf der Vorderseite stand in Großbuchstaben „DANKE“ geschrieben. Auf die Rückseite hatte sie mit zittriger Handschrift ein paar Worte gekritzelt. Danke für die gemeinsam verbrachten Jahre, danke, dass ihr mich nicht verurteilt, danke, dass ihr mir verzeiht. Der Vater hatte die Karte an ein Feuerzeug gehalten und sie vor Ninas Augen verbrannt. Von diesem Schlag hatten sie sich nie erholt. Der Vater hatte angefangen zu trinken. Nina war zu einem aufrechten, moralischen jungen Mädchen ohne Selbstvertrauen und Orientierung herangewachsen, dem Samuel den Spitznamen „die französische Justitia“ gab.

Eine Tragödie

Samirs plötzliches Auftauchen hatte frischen Wind in ihre monotone Beziehung gebracht. Von nun an waren sie zu dritt, wie eine Phalanx rückten sie vor, wie eine Welle, man sah sie von Weitem kommen, sie waren Freunde, Komplizen, das verliebte Duo und das frei bewegliche Elektron, keine Spur von Eifersucht oder Falschheit. Das gab Anlass zu Gerede, nicht nur auf den Fluren der Universität: Seht euch an, wie sie ihre Freundschaftsnummer abziehen, wie sie im Gleichschritt marschieren! Sie waren Gesprächsthema, und das genossen sie, es war ein Spiel.

Und dann auf einmal die Tragödie: Wenige Tage vor den mündlichen Prüfungen, nachdem Samuel lange nichts mehr von seinen Eltern gehört hatte, erfuhr er, dass sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Ein Polizist hatte es ihm im Morgengrauen mitgeteilt. Davor hatte er ihn gefragt, ob er auch wirklich der Sohn von Jacques und Martine Baron sei. Ja, das bin ich. Er ist wirklich der Sohn seines Vaters, als der Polizist ihm erzählt, dass das Auto von der Straße abgekommen und in eine Schlucht gestürzt sei. Samuel erinnert sich nicht mehr an seine Reaktion, ein schwarzes Loch tat sich auf, vielleicht ist er zusammengebrochen, hat geweint, hat geschrien, hat „Das ist doch nicht möglich! Ich kann das nicht glauben. Sagen Sie mir, dass es nicht wahr ist!“ hervorgestoßen. Glauben Sie mir, es ist wahr. Aber an die Totenwache erinnert er sich noch gut und auch an den Anblick der beiden mit Leichentüchern bedeckten Körper, umgeben von schwarz gekleideten Männern, die Gebete murmelten, und er selbst stand mit seinem Gebetbuch in der Hand dabei und rezitierte das Kaddisch für den Frieden ihrer Seelen. Samir war auch da, er stand hinter ihm, das Käppchen auf dem Scheitel. Auch er dachte an seinen Vater, zu dessen Beerdigung niemand gekommen war und den niemand beweint hatte. Noch am selben Tag überführte Samuel, begleitet von seiner Tante, die sterblichen Überreste seiner Eltern nach Israel, wie es ihrem letzten Wunsch entsprach. Doch bevor er das Leichenschauhaus verließ, nahm er Samir zur Seite und bat ihn in ernstem Tonfall: „Kümmere dich um Nina. Lass sie nicht allein. Ich verlasse mich auf dich.“

Und Samir kümmerte sich. Er lud sie zum Essen und ins Kino ein, brachte ihr Bücher, begleitete sie in die Bibliothek und ins Museum, hörte sie ab, und als sie kaum eine Woche nach Samuels Abreise in Tränen aufgelöst aus einer mündlichen Prüfung kam, brachte er sie in eine winzige Wohnung, die ihm ein Freund zur Verfügung gestellt hatte, nahm sie in die Arme, damit sie sich beruhigte, und brachte sie innerhalb weniger Minuten dazu, dass sie sich, immer noch weinend, gegen ihn fallen ließ. Er zog sie aus, sie trug einen Rock, das traf sich gut, und er tröstete sie auf seine Weise. Sex war seine Form von Trost, von Wiedergutmachung, seine Antwort auf die Brutalität der Welt – die deutlichste Antwort von allen, er hatte nie eine bessere gefunden. Dabei hätten sie es belassen können, aber das war unmöglich. Es war zu stark. Zu intensiv. Es überwältigte sie. Auf einmal waren sie schutzlos, einander ausgeliefert, das hatten sie nicht vorausgesehen. Und obwohl er ihr hätte sagen müssen, dass alles ein Irrtum war, obwohl er es hätte beenden müssen – denn das tat er immer, ganz instinktiv, ohne böse Absicht, weil er sich langweilte und nicht gern etwas wiederholte –, verliebte er sich in sie. Sie sahen sich wieder, sie trennten sich nicht mehr, verbrachten mehrere Tage eng aneinandergeschmiegt. Er liebte sie, begehrte sie, wollte mit ihr leben und sagte es ihr. Es war ein unsäglicher Verrat, Samuel würde wiederkommen, er hatte gerade unter tragischen Umständen seine Eltern verloren, er war sein Freund. In einer gerechten, fairen, moralisch einwandfreien Gesellschaft war das ein Skandal, aber wir leben nicht in einer gerechten Gesellschaft, dachte Samir, ich kenne mich aus, ich weiß, wovon ich spreche. Vielleicht ist das hier eine unfassbare Gewalttat – und wenn schon. Gewalt ist überall, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Auch die Liebe ist gewalttätig. Entscheide dich.

Als Samuel zurückkam, erzählten sie ihm nichts von ihrer Affäre. Samuel bedankte sich bei Samir – du bist ein Freund, ein wahrer Freund, auf den man sich verlassen kann, der da ist, wenn man ihn braucht, ein Bruder, dem man vertrauen kann. So ging es neun Monate, vielleicht auch länger, und Nina wollte Samuel, der jetzt allein in der Mietwohnung seiner Eltern zwischen den Möbeln und Habseligkeiten von Toten lebte, immer noch nichts sagen. Sie besuchte Samir nie, er kam nie mehr zu ihr – es war vorbei, sie schliefen nicht mehr miteinander, doch am Ende des akademischen Jahres stellte er ihr ein Ultimatum: er oder ich. [...]

Zwanzig Jahre später geht die Bombe hoch – als ein Feuer, das von innen heraus verzehrt, als eine Kränkung. Sie explodiert in einem Moment, in dem Samuel es am wenigsten erwartet, in dem er um den Mann trauert, der er hätte sein müssen; sie explodiert, als ihm nichts mehr geblieben ist, zielsicher hat er alle Chancen, die sich ihm geboten hatten, ausgeschlagen, all seine Begabungen ungenutzt gelassen. Warum nur hat er seine Selbstzerstörung so verbissen vorangetrieben? Nun steht er mitten in der Nacht schwankend auf, man könnte meinen, er würde hinken, würde geradewegs gegen die Wand laufen, aber er hält das Gleichgewicht, hält den Kurs, wächst an seiner Aufgabe, und nun steht er wie gelähmt vor Nina und betrachtet ihren klassisch schönen Körper, der auf einer Matratze auf dem Boden ausgestreckt liegt. Sein Blick wandert über ihre geschlossenen Augen mit den bläulichen Lidern und den dunklen Ringen, dem Ergebnis durchwachter, zergrübelter Nächte, über die schwarze Haarflut, deren Spitzen sie sich selbst mit einer gebogenen Nagelschere abgeschnitten hat, und die vollen, weißen Brüste, die sich unter dem zu großen T-Shirt abzeichnen – woher kommt diese Manie, immer alles eine Nummer zu groß zu kaufen, was will sie denn verstecken? Sie ist, völlig objektiv betrachtet, die schönste Frau, die er je gesehen hat, was ihn jedes Mal, wenn er sie offen oder verstohlen beim An- und Ausziehen beobachtet, aufs Neue bestürzt. Er hätte sich in der langen Zeit, die sie nun schon zusammenlebten, daran gewöhnen müssen, man gewöhnt sich schließlich an alles, aber daran dann doch nicht.

Sie ist hochgewachsen, hat schwarz umrandete Augen, feine Gesichtszüge und einen vollen, sinnlichen Körper. Ihr Hintern ist rund und fest, sie hat ein ausgeprägtes Hohlkreuz und lange Beine und ist erstaunlich muskulös, obwohl ihre wichtigste sportliche Aktivität darin besteht, der Regionalbahn oder dem Bus hinterherzulaufen. Ihre Gesten verleihen den geringsten Alltagsverrichtungen Glanz. Man muss ihr nur beim Lesen zusehen. Oder bei der Hausarbeit. Sie dabei zu beobachten, wie sie ein Zimmer betritt oder die Straße überquert, ist an sich schon ein erotisches Erlebnis, nicht etwa, weil Nina sich herausfordernd verhalten oder in den Mittelpunkt stellen würde – dazu ist sie viel zu diskret, zu unverstellt –, sondern weil ihr vollendeter Körper ihr hinderlich zu sein scheint. Sie ist nicht frei in ihren Bewegungen; sie kann nicht einfach mal mit offenen Haaren, in Shorts oder einem tiefer ausgeschnittenen Top auf die Straße gehen, um Luft zu schnappen. Wenn sie das tut, wenn sie ihrer Spontaneität und Sinnlichkeit freien Lauf lässt, pfeift man ihr nach, sie wird angesprochen, angebaggert, begafft. Sie hasst das, die ungerechten Gesetze der Begierde sind ihr lästig. Die gekünstelten Balzrituale, die das gesellschaftliche Leben regeln, langweilen sie. Man sieht ihr an, dass sie nicht weiß, was sie mit ihrem supererotischen Körper anfangen soll – sie kann machen, was sie will, ihr Körper zieht die Blicke auf sich, er übt eine magische Anziehungskraft aus. Der zweibeinige Jäger, der ihr Unbehagen spürt, denkt nur an eines: Er will sie besitzen. Für einen solchen Körper brauchte man eine Gebrauchsanweisung. So viel Schönheit macht unfrei. Zu Recht fühlt sich ihr niemand gewachsen. Sie ist keine Frau, die am ersten Abend mit einem Mann ins Bett steigt. Nicht mal am zweiten Abend. Nicht, weil sie besonders prüde wäre – ihr Moralempfinden ist eine variable Größe –, aber sie weiß zu gut Bescheid über die vernichtende Wirkung ihrer Schönheit, die anderen Angst macht, die entfremdet – und dabei macht ihr selbst ihre Schönheit am meisten Angst und entfremdet sie von ihrer Umgebung. Sie bindet ihre langen, glatten schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen, etwas Besseres fällt ihr nicht ein. Gut, sie ist vor Kurzem vierzig geworden und kommt allmählich in die Wechseljahre. Sie weiß, dass sich in ein paar Monaten oder Jahren (jedenfalls einer sehr kurzen, immer weiter schrumpfenden Zeitspanne, vor deren Ende sie keine Angst hat, denn das Alter wird das erotische Knistern dämpfen, das ihre Anwesenheit in einem Raum auslöst) die Männer nicht mehr nach ihr umdrehen werden. Samuel kann es kaum erwarten.

Eine Frau wie sie löst schreckliche Verlustängste aus. Du siehst sie an und weißt, dass jederzeit ein anderer kommen und sie dir wegnehmen kann, ein Mann, der den Wunsch und vielleicht auch die Mittel dazu hat: Charme, Humor, ein Vermögen, was auch immer. Es ist nur eine Frage von Stunden, von Wochen, von Monaten, dann nimmt er den Platz ein, den du dir durch Drohungen, Einschüchterung, Erpressung erkämpft hast und der ständig bedroht ist, weil dein Wankelmut und deine wiederholten Misserfolge dich bei ihr in Misskredit bringen. Dein Platz ist ein Schleudersitz, du musst schmeicheln/tricksen/verhandeln, um bleiben zu können, du wandelst beständig am Rande des Abgrunds, du fühlst dich niemals sicher, und selbst wenn du mit ihr im Bett liegst, hast du Angst, dem Geschenk, das sie dir mit ihrem Körper macht, nicht gerecht zu werden, du bist schon nervös, wenn du dich hinlegst, du schläfst schlecht und wachst mit der Angst im Bauch auf. In der Nähe einer so schönen Frau benimmst du dich wie ein schreckhafter Chauffeur am Steuer eines gepanzerten Geldtransporters. Reiß dich zusammen: Du beförderst schließlich den Inhalt der Französischen Nationalbank, alle Wegelagerer des Landes stehen bereit zum Überfall, sie warten nur darauf, dir mit einer Schrotflinte das Gehirn wegzupusten und mit der Beute abzuhauen. Sie wollen das, was dir gehört, und sie sind viel gieriger und stürmischer als du, denn sie hatten sie noch nie in den Fingern, sie wissen nicht, wie es ist, von einer so schönen Frau geliebt zu werden. Als Spionin hätte sie nur ihren Kopf auf ein Kissen legen müssen, um Staatsgeheimnisse in Erfahrung zu bringen, aber sie ist sich ihrer Macht nicht bewusst. Sie duckt sich immer noch ein bisschen, wenn sie einen Raum betritt, und senkt den Blick. Trotzdem wird sie angestarrt, und der Gedanke, sie zu verlieren, erschreckt Samuel maßlos. (Er ist auf dem besten Wege dahin, das spürt er, denn warum sonst hätte sie ihm, kaum war der Fernseher ausgeschaltet, den Vorschlag gemacht, Recherchen über Samir anzustellen?)

Schalt den Computer an, wir wollen doch mal sehen, was sich finden lässt. Und schon kauerten sie wie zwei fleißige Studenten vor dem Bildschirm. Samuel tippte die Worte SAMIR TAHAR in die Suchmaschine ein und las die folgende Empfehlung: Meinten Sie: „Sam Tahar“. Innerhalb weniger Sekunden erschienen Dutzende von Einträgen – Berufliches, Auszüge aus Interviews, Hinweise auf laufende Verfahren. Kein Eintrag in den einschlägigen sozialen Netzwerken.

Das Ich und das Internet

Er klickte auf jeden Link, der Samir betraf, und druckte jedes Dokument aus. So erfuhr er, dass Samir sein Jurastudium in Montpellier mit Auszeichnung abgeschlossen hatte und danach in die Anwaltskanzlei Lévy und Queffélec aufgenommen worden war, in der er zwei Jahre blieb, bis er die Leitung ihrer neu gegründeten anwaltlichen Zweigstelle in New York übernahm. Samuel tippte: Lévy, Berman und Partner. Als Mitglied der Anwaltskammern von Paris und New York hatte sich Samir einen Namen gemacht, indem er für die Rechte eines amerikanischen Feuerwehrmanns eintrat, der bei der Rettungsoperation in den Türmen des World Trade Centers schwere Verletzungen erlitten hatte, und indem er die Familien zweier in Afghanistan gefallener Soldaten verteidigte. Außerdem tauchte sein Name häufig im Zusammenhang mit Aktionen feministischer Gruppierungen auf, offenbar war er als Rechtsbeistand mehrerer Opfer von Gruppenvergewaltigungen aufgetreten. Das Internet informierte außerdem darüber, dass er mit Ruth Berg, der Tochter von Rahm Berg, verheiratet war.

Bei Wikipedia stießen Nina und Samuel auf folgenden Eintrag: Rahm Berg, geboren am 4. Mai 1945 in Jerusalem, amerikanischer Unternehmer und ehemaliger Präsident der RBA-Gruppe. Berg zählt zu den hundert reichsten Menschen der Welt und gilt als einer der wichtigsten Sammlermoderner und zeitgenössischer Kunst. Sein Vorname Rahm bedeutet im Hebräischen „erhaben“. Seine Mutter Rebecca Weiss entstammt einer berühmten Familie ultraorthodoxer Rabbiner. Sein Vater Abraham Berg, geboren in Jerusalem, ist ein ehemaliges Mitglied der ultranationalistischen zionistischen Untergrundorganisation Irgun, die zunächst in Palästina und dann inIsrael aktiv war. Er emigrierte Ende der 1950er Jahre mit seinen Kindern in die Vereinigten Staaten von Amerika. Rahm Berg ist ein glühender Anhänger der „jüdischen Sache“ und des Staates Israel. Er finanzierte mehrere Kunstprojekte, vor allem eine große Ausstellung mit dem Titel „Das schuldige Schweigen“ im Londoner Somerset House.

Dann sahen sie nach, welche Ergänzungsvorschläge Google machte, wenn sie Samirs Namen eingaben. Als sie „Sam Tahar“ tippten, tauchten verschiedene Kombinationen auf:

Sam Tahar Anwalt

Sam Tahar New York

Sam Tahar Jude

Zuerst waren sie skeptisch. Sie wussten, dass die Bezeichnung „Jude“ oft von Suchmaschinen an Eigennamen angehängt wurde, also klickten sie sicherheitshalber auf aktuelle Links, und die ließen keinen Zweifel.

„Samir gibt sich als Jude aus oder ist Jude geworden, das ist ziemlich klar, oder?“, sagte Nina.

„Ja“, antwortete Samuel trocken, ihm schien der Fund peinlich zu sein.

„Meinst du, er ist konvertiert?“

„Möglich ... Bei dem ist alles möglich.“

Plötzlich fiel Ninas Blick auf ein großes Porträt von Samir in einer amerikanischen Zeitschrift. Samir posierte in einem schwarzen Anzug mit weißem Hemd vor der Kamera eines berühmten Fotografen, sein Gesicht war kontrastreich ausgeleuchtet, als sollte die Doppelnatur des Porträtierten unterstrichen werden, welche die Bildlegende suggerierte: Gott oder Teufel? Über der Reportage, die eine ganze Seite füllte, stand in großer Schrift: Was treibt Sami an? Der Artikel, den eine junge amerikanische Romanautorin verfasst hatte, war im Rahmen einer Porträtreihe mit dem Titel Schicksale entstanden, die den Werdegang außergewöhnlicher Persönlichkeiten unter die Lupe nahm.

„Gib her.“ Sie griff nach dem Laptop, dessen Akku ganz heiß geworden war, stellte ihn sich auf die Knie und begann laut zu übersetzen, da Samuel, im Gegensatz zu ihr, nicht gut Englisch sprach. Aber schon nach wenigen Sekunden zog sie eine Grimasse und verstummte.

„Was ist? Was steht da?“, wollte Samuel wissen.

Nina sagte nichts, las stumm weiter und konnte den Blick nicht vom Bildschirm lösen.

„Aber was ist denn?“, rief Samuel. Er war kurz davor durchzudrehen, sie quälte ihn, warum quälte sie ihn, sag mir, was da steht, warum übersetzte sie es nicht für ihn? Doch Nina schwieg hartnäckig, sie musste den Artikel drei, vier Mal lesen, um seine Tragweite zu begreifen und um sich eine Strategie auszudenken. Er schüttelte sie: „Was ist? Sag schon! Was steht da?“ Aber sie starrte ihn nur mit offenem Mund an und brachte keinen Ton heraus.

Die Gierigen Karine Tuil Aufbau 2014, 479 S., 19,95 € 

 

Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit mit dem Aufbau Verlag

Karine Tuil, geboren 1972, studierte Jura in Paris und beschäftigt sich derzeit in ihrer Doktorarbeit mit gesetzlichen Bestimmungen zu Wahlkampfkampagnen in den Medien. Sie ist Autorin mehrerer gefeierter Romane und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Paris

14:20 10.09.2014
Geschrieben von

Daniel Windheuser

I am the key to the lock in your house that keeps your toys in the basement. Oder so ähnlich.
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Daniel Windheuser

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