WiseWoman

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Umgekehrte Denunziation | 06.01.2012 | 11:09

Hindemith, KayH und Wolfram Heinrich haben bereits sehr treffend kommentiert, mir bleibt nur zwei weitere Punkten anzusprechen:

Informationelle Aufklärung erweist sich so als umgekehrte Denunziationsstrategie. Sammelt der herkömmliche Denunziant Informationen über vermeintlich subversive Elemente, so trägt der informationelle Aufklärer scheinbar subversive Fakten zusammen, um das zeitgenössische Herrschaftspersonal zu diskreditieren.

Wenn es sich um *Fakten* handelt, in wie fern ist das dann eine Diskreditierung? Vielleicht ist etwas nur falsch verstanden worden, da können wir darüber diskutieren. Gerade die Wikis bieten ein Forum, um über die dokumentierten Problemfälle zu diskutieren. Es gibt natürlich Leute, die darin einen persönlichen Angriff sehen, und entsprechend persönlich zurückschiessen. Aber es handelt sich bei alle von GuttenPlag und VroniPlag behandelte Werke um Veröffentlichungen, die frei zugänglich sind. Es wird, wie Hindemith aufgreift, nicht der Person, sondern das Werk diskutiert.

Wie eine Aufklärung, die sich keine Rechenschaft über die empirische Unfreiheit derer ablegt, die sie aufklären will, zur Lüge werden muss, so begünstigt ein Verständnis von Information, das keinem Begriff von Wahrheit mehr folgt, nicht die Aufklärung, sondern das Vorurteil und das Ressentiment. Auf diese Weise droht den informationellen Aufklärer, am Ende doch das zu werden, was man ihnen doch nicht als Absicht unterstellen will: Experten in Sachen Desinformation und Manipulation, die von ihren erklärten Gegnern kaum zu unterscheiden sind.

Als Informatiker_innen wissen wir, dass Information wertneutral ist. Sie wird erst zu Wissen (Wahrheit?), wenn sie in ein Kontext eingebettet wird, wenn sie interpretiert wird. Die Dokumentationen der Plagiate bieten im hohen Maße sehr viel Information an - zur "Desinformation" wird sie nur durch den Kontextgebern, zum Beispiel durch politische Parteien oder Zeitungen.

Es ist erlaubt, ja sogar erwünscht, in der Wissenschaft, dass zwei verschiedene Personen unterschiedliche Schlüsse aus die gleichen Daten ziehen. Darüber streitet man sich - aber bitte sachlich - und man schafft es vielleicht, den Gegenüber mit Argumenten zu überzeugen.