Wolfgang Michal

Journalist; Themen: Umbrüche & Entwicklungen
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Wolfgang Michal
RE: Greenrock statt Blackrock | 16.08.2019 | 14:17

Die Linkspartei hat sich seither verändert. Ich habe das hier schon mal genauer beschrieben.

RE: Orbáns Kandidatin | 11.07.2019 | 13:26

Jens Geier von den deutschen Sozialdemokraten drückte es so aus: Es gehe jetzt um die Frage "Wer hat die Hosen an?" Der Rat oder das Parlament. Ist ja ein Klassiker. Siehe preußischer Verfassungskonflikt. Was damals die Lückentheorie war, ist heute die Meinung, Spitzenkandidaten stünden nicht in den EU-Verträgen. Ein Parlament, das etwas auf sich hält, entscheidet das einfach. Ein Parlament, das sich nie als Souverän konstituiert hat wie - sagen wir - die Nationalversammlung von 1789, hat natürlich ein Problem. Juncker sagt, dieser Machtkampf müsse ausgetragen werden. Da hat er Recht.

Auf Vestager könnte man sich immer noch einigen. Oder auf 2,5 Jahre Weber, 2,5 Jahre Timmermans. Man müsste das Parlament halt erst mal verhandeln lassen. Es hat sich ja gerade erst versammelt.

RE: Sie werden zu Zwergen | 12.06.2019 | 16:52

Das ist nicht „der Grundfehler des Beitrags“, lieber Herr Zietz, sondern der Grundfehler der Parteistrategien. Ich nenne die fünf wichtigsten und gebe zu bedenken, warum sie nicht funktionieren werden. Mit Verkaufe allein, da haben Sie recht, ist es nicht getan.

RE: Wer steckt hinter dem Strachevideo? | 21.05.2019 | 22:09

Die österreichische "Presse" hat diese Recherche hier am Abend veröffentlicht. Sie zeigt: Die Entmystifizierung des Falls ist wichtig (Follow the money!), um Überhöhungen von Seiten der FPÖ oder der Medien vorzubeugen, dazu gehört es auch, dass man sich noch einmal mit dem unsäglichen Wahlkampf von 2017 beschäftigt, in dessen entscheidender Phase das Video entstanden ist. Dafür muss man keine irgendwie benahmte "Karte" ziehen, es wäre aber schlicht lächerlich, sie auszublenden.

RE: Linke als Krisengewinnler? | 16.05.2019 | 18:25

Die hier geäußerte Skepsis gegenüber den Grünen ist natürlich berechtigt, man darf aber von einer Mitte-links-Regierung auch keine Wunder erwarten.

Die sich zuspitzenden Globalisierungsprobleme (schwindendes Wachstum, Handelsstreit, Markteroberungsstrategien, Ressourcen'sicherung', Sanktionspolitik, Kriege, Flüchtlingsbewegungen etc.) werden die Parteien einfach vor die Wahl stellen - egal, ob wir sie mögen oder nicht... ob wir sie glaubwürdig finden oder nicht... ob wir ihnen über den Weg trauen oder nicht.

RE: Bimbes und Buddy | 15.12.2018 | 15:48

@scandalous

Von schlagener Verbindung steht da nichts. Die genannten katholischen Studentenverbindungen sind beide nicht-schlagend.

@Gunnar Jeschke

Er hat das offenbar vor der Abstimmung gegenüber der Jungen Union so angekündigt: "Bei der Vorbesprechung der JU am Donnerstag hatte der 33-Jährige noch betont, er wolle als Nordrhein-Westfale natürlich die Kandidaten aus seinem Landesverband, Jens Spahn und Friedrich Merz, unterstützen. Spahn im ersten, Merz im zweiten Wahlgang. So hatten es alle verstanden. Ziemiak kommt aus Iserlohn. Sauerland. Merz-Land. Auch inhaltlich steht er Merz nahe, mit Spahn ist er befreundet..."

https://rp-online.de/politik/deutschland/paul-ziemiak-polit-talent-schwiegersohn-typ-opportunist_aid-35008909

RE: Regenerierungsauftrag | 06.11.2018 | 22:05

Nein, den Klassenbegriff von Reckwitz teile ich nicht. Meines Erachtens meint er damit "Milieus" im Sinne der erwähnten Sinus-Studie. Kritisieren müsste man auch, dass er das oberste 1 Prozent - die Superreichen - in seine Überlegungen nicht einbezieht, weil er diese für irrelevant hält. M.E. ein schwerer Fehler. Aber eine Kritik seiner These von der Drei-Drittel-Gesellschaft war hier nicht das Thema.

RE: Regenerierungsauftrag | 04.11.2018 | 18:19

Die Strategie bzw. das Programm, das Sie hier beschreiben, gibt es doch schon, nämlich im Programm der Linkspartei. Die pendelt aber seit vielen Jahren zwischen 8 und 12 Prozent. Es ist eine Sache, ein schönes Forderungsprogramm aufzuschreiben, eine andere, dafür eine Mehrheit zu bekommen.

Sie schreiben: "Es ist nicht der von Glotz definierte Teil der Gesellschaft, in dem die politische Linke ihre Aufgabe suchen, bzw. ihre Mehrheiten finden kann." Andreas Reckwitz, dessen Buch derzeit von vielen Politikern und Journalisten gelesen wird ("Die Gesellschaft der Singularitäten"), ist praktisch eine modernisierte Version der Glotzschen Zwei-Drittel-Gesellschaft.

Grüne, SPD und Teile der Linkspartei (Kipping-Flügel) konkurrieren heute um genau diese, ein knappes Drittel umfassende Wählergruppe (was man an den Großstadt-Ergebnissen ablesen kann, es findet ein Austausch innerhalb dieses "Lagers" statt, weg von der SPD, hin zu Grün und ein Klitzeklein auch zu Links).

Ohne dieses Glotz/Reckwitzsche Drittel (Grund: Bildungsexpansion, Dienstleistungsgesellschaft) gibt es in der Bundesrepublik von heute keine Mehrheit, da müssen sie nur die entsprechenden Statistiken ansehen.

Deshalb ist es mit einem Linksschwenk allein (ich unterstreiche hier: allein) nicht getan.

RE: Regenerierungsauftrag | 02.11.2018 | 21:48

Tucholskys Einschätzung der SPD am Ende der Weimarer Republik ("Hier können Familien Kaffee kochen") ist bitterster Sarkasmus, Enttäuschung und natürlich auch Resignation. Sicher ist die Lage der SPD von heute, die in Umfragen nur noch bei 15 oder 16 Prozent steht, zu einem gewichtigen Teil selbst verschuldet. Die jetzige Parteispitze scheint jenseits der GroKo keine Strategie zu haben. Aber was nützen in einer solchen aussichtslosen Lage Vorwürfe?

Merz böte die Möglichkeit, endlich über die Kernfrage zu streiten: über die Macht des Finanzkapitalismus und die Folgen. Olaf Scholz ist dafür wohl nicht der Richtige. Und Stephan Weil, sollte er an die Spitze der SPD gewählt werden, wird sich auch eher zurückhalten. Die vielbesungene Erneuerung kommt nicht schon morgen. Deshalb das nüchterne Bebelzitat am Schluss des Beitrags. Aber für die Partei insgesamt, für die Vielen, nicht für die Wenigen an der Spitze, wäre die Thematisierung von Blackrock eine Chance.

RE: Regenerierungsauftrag | 02.11.2018 | 12:49

@reziplikativ

Sie sollten mal die umfassende und detailreiche Willy Brandt-Biographie von Peter Merseburger lesen (es sind fast 1000 Seiten). Das würde Ihnen vielleicht manches erklären.

Als Sozialist (mit den prägenden Erfahrungen der dreißiger Jahre) wusste Brandt mit den Realitäten umzugehen. Schon in den fünfziger Jahren hat er die Zusammenarbeit mit der Union gesucht, vor allem in der Außenpolitik, er galt damals als "Rechter" innerhalb der SPD. Brandt hatte erkannt, dass es keinen anderen Weg gab, um das restaurative Adenauer-Deutschland zu überwinden. Er setzte deshalb auf die "Mitte" (und gebrauchte das böse Wort sehr häufig).

Eine linke Partei muss klar analysieren, mit welcher Strategie man in einer Schwächephase agiert - ohne deshalb die weitergehenden Ziele aufzugeben. Davon kann die heutige SPD sicher noch etwas lernen.

Ihre persönliche Empörung über die Schwäche der Linken ist sicher berechtigt, aber sie ist im Kern unpolitisch und zementiert durch ihre kindische und zuschauerhafte Vorwurfshaltung nur die herrschenden Verhältnisse.