Good Morning, Wetzlar

Rückblick Die Bundeswehr will jetzt kinderfreundlicher werden. Unser Autor nahm schon 1973 seine Tochter mit in die Kaserne
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 24/2014

Vor 41 Jahren verweigerte ich nicht wie viele meiner Altersgenossen den Wehrdienst. Und ich zog auch nicht nach Westberlin um. Stattdessen ging ich in die Bundeswehr, um sie – zusammen mit anderen Kameraden – von innen heraus kampfunfähig zu machen, zu zersetzen, wie es damals hieß. Also wurde ich W15, ein Wehrpflichtiger, der 15 Monate Dienst tut.

In dieser Zeit wurde ich auch Vater, und so stand ich, der Panzergrenadier Wolfgang Ratzel, am Dienstag, den 27. März 1973, vor der Kaserne in Wetzlar. Kampf- und schussbereit, das G3-Sturmgewehr quer über dem Rücken. In einem blauen Kinderwagen neben dem Schlagbaum lag vergnügt meine Tochter Lucy, gerade zwei Monate alt. Sie strampelte mit ihren Beinchen und stieß ihre winzigen Fäuste in die Lu