André Rebentisch

Begeisterung hat nichts mit den alten Gespenstern zu tun.
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André Rebentisch
RE: Do you versteh me? | 09.09.2013 | 11:06

Ich finde das als Gedanken gefährlich, Sprache ist ja auch stets Gefäss einer Kultur, und in dem Augenblick, wo das Volk in Fremdsprache regiert wird, kann es nicht mehr angemessen indirekt beteiligen, klaffen Rechtsordnung und Staatssubjekt auseinander. Aus Sicht Brüssel bedeutet das, wenn wir ein Ein-Sprachen-Regime zulassen werden unsere europäischen Gesetze und Regeln de facto für uns in der K-Street verfasst. Sprachmonaden sind, das ist die Lektion aus der Babelschen Vielsprachigkeit, ein Geschenk Gottes gegen totalitäre Baupläne. Die Geringschätzung der eigenen Sprache, der meist gesprochenen Europas, nimmt in Deutschland mitunter pathologische Züge an.

RE: Der Fluch des schnellen Erfolgs | 09.09.2013 | 10:57

Es ist eine Tatsache, dass gerade für die Wähler, welche die Mauer noch erlebt haben, eine SED-Nachfolgepartei unwählbar ist. Die WASG hat durch ihren Zusammenschluss die Möglichkeit verspielt im Westen glaubwürdig und wählbar zu sein. Zugegeben, der Name der WASG war von Anfang an grauenhaft. Parteien an den Rändern ziehen stets Querulanten an, mit denen kein Staat zu machen ist und auch keine nachhaltige organisatorische Form zu finden ist. Die Tendenzen des Aufbaus und der Selbstzerlegung sind gegenläufig, aber der Zerfall dominiert solange kein einigendes Band vorhanden ist oder Erfolg erkennbar. Die Volksparteien sind in diesem Sinne beständiger.

RE: Flaschenpostbote | 09.09.2013 | 10:10

"Seine Präsenz bleibt gerade nach seinem Tod für die Human- und Kulturwissenschaften unverzichtbar. ... Vermeiden einige Kulturwissenschaftler, zugunsten aktueller, eigentlich oberflächlicher Themen, nicht die wichtige Arbeit, nämlich in die Tiefen der Kulturgeschichte zu sehen, was die Belesenheit und Strenge eines Kittlers verlangt? Die nun schon publizierten drei Titel tragen jedenfalls dazu bei, hier eine Mahnung zu sein und das Werk dieses großen Theoretikers lebendig zu halten."

Somit wäre dann wohl das Bronzedenkmal fällig. Mit Bronzedenkmalen an den richtigen Stellen ist Berlin sowieso unterversorgt: "Wir treffen uns am S-Bahnhof Ladida, am Kittler."

Lassen wir die Wahrheit sprechen, der Ausflug in antike Tiefen diente F. Kittler nur dazu noch freier abjerken zu können. Dafür lieben wir sein Werk. Frei Kittlers Diktum: Alle Hirne einschalten.

RE: Sehnsucht Europa | 17.12.2012 | 15:50

Es gibt eine Parlamentslücke, ja. Schon heute ist die Plenarzeit unglaublich knapp. Es gibt de facto auch zwei Parlamentssitze zwischem denen die Abgeordneten pendeln.. Deshalb wäre es die passende Lösung zwei Parlamente zu schaffen, eine Kammer in Strassburg, eine Kammer in Brüssel mit unterschiedlichen Aufgaben, der EWSA fällt weg.

RE: Ziemlich leeres Geschwätz | 17.12.2012 | 15:33

Ich verstehe das Unwörterauswahlspiel nicht mehr. Dabei geht es inzwischen mit ganz gespreizten Sensibilitäten auch gegen treffende Wörter zu unliebsamen Debatten.

RE: Europa im Herzen | 17.12.2012 | 14:24

Die Schwierigkeit seiner Person ist, dass er als einer der Architekten der Gemeinschaftswährung nicht die Konsequenzen aus seinem Versagen gezogen hat, und im Sinne der politischen Gesamtverantwortung auf sich genommen. Wer wenn nicht er selbst als "letzter Überlebender von Maastricht" hätte diese Rolle für die Öffentlichkeit wahrnehmen können? Bislang nimmt keiner der Beteiligten die Verantwortung für das gebrochene Vertrauen auf sich.

Der Versuch anderen Staaten Eurobonds oder Schuldenvergemeinschaftung anzudrehen hat ihn demontiert. Herrn Juncker fehlt bei allem Charisma eine ordnungsliberale Schulung. Es wäre zu wünschen, dass der Insider unflätigen anti-deutschen Analyserahmen entgegen tritt, statt dessen bedient er die Prinzipienferne. Das finde ich sehr enttäuschend.

RE: Prophet statt Hohepriester | 12.12.2012 | 01:13

Mich hat seine SZ-Videokolumne im Internet begeistert, weil Joachim Kaiser so herrlich unzeitgemäß ist. Ich habe diese Videos sehr gerne gesehen, und das gar nicht aufgrund der Themen, sondern auf so einer ganz anderen Ebene. Mir gefällt zum Beispiel sein Akzent sehr, ist das die ostpreußische Mundart?

Die Welt in seinen Kunde-Videos besteht aus einer Walhalla der Großen, zu denen es Anekdoten gibt, und beflissene Seniorenstudenten der Musik das fachlich-differenzierte Urteil ihres Meisters einholen. Seine Fragen, so scheint es mir, stellt ein alter Ego dem alten Herrn oder die SZ-Redaktion verulkt ihn. Schon in der erste Folge fragte ihn die SZ-Redaktion keck: "Stimmt es, dass klassische Musik aussterben wird?"

Ist der Tristan besser als Britney Spears?
http://www.youtube.com/watch?v=e81_lAwOBgg

Warum gilt Wilhelm Furtwängler als größter Dirigent aller Zeiten?
http://www.youtube.com/watch?v=TTLm8EsC2KU

und die schmunzeligste Frage zu "von Elvis zu Wilhelm Kempff":
http://www.youtube.com/watch?v=ybhhO_q83ck

Es aber auch Momente, die ganz außerordentlich überzeugend sind, und zwar, wenn er wie hier geschrieben zum Propheten einer Sache wird, z.B. wenn er für Brahms streitet. Kaiser "funktioniert" besser im Diskurs als im Tempel. Da hat der Kritiker seine Appassionata-Momente.

Bitte mehr davon!

RE: Europa ist da, wo die Menschen sind | 26.11.2012 | 00:42

Formal ja, praktisch dürfte es sehr glücklich hier vor sich gehen. Die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker ist technisch nicht an die Verfassung Spaniens gebunden, sie ist außerkonstitutionell.

RE: Die Aufgabe ist größer | 25.11.2012 | 20:39

(Immer dieser olle Kommentardialog. Diesmal war 'n "sich" zu viel).

RE: Die Aufgabe ist größer | 25.11.2012 | 20:36

Der Mangel dieser Partei sind nicht ihre Inhalte, sondern ihre Verfahren, die an Zersetzung erinnern. Die Inhalte entfernen sich immer mehr vom Kern. Wer sich Interesse am digitalen Wandel hat, findet von der CSU bis zu den Grünen hochwertige Positionen und kompetente Plattformen mit freundlichen Umgangsformen. Die Piratenpartei hat in ihrer Gründungsphase dort gepunktet, inzwischen aber kaum noch Mitglieder, die sich für diese Themen einsetzen.