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Die Schweiz mag keine Minarette. Das schreibt sie jetzt sogar in einem Verfassungszusatz nieder, zur Verwunderung der Weltöffentlichkeit. Architekturvorschriften in einer Verfassung, wer hätte das erwartet. Ein Ergebnis direkter Demokratie des Volkes, deren Anhänger ich nie war.

Absurderweise wird ähnlich wie beim Kopftuchstreit das Minarett zum Symbol des Islam aufgeladen, weshalb auch die Ablehnung von Minaretten nur eine Xenophobie dokumentiert. Minarett heisst eigentlich Leuchtturm. Vom Proheten wurde der Legende nach die Ankunft des Messias von einem Lichtturm angekündet.

Die pragmatische Funktion eines Minarett war also einst Orientierungspunkt und Ausguck, die religiöse Verwendung des Zweckgebäudes war die Gläubigen an das Gebet zu ermahnen. Für solche Funktionen braucht heute niemand mehr Türme und Ausrufer wie im Weichbild einer mittelalterlichen Stadt, dazu gibt es SMS, Uhren und andere Nachrichtensysteme. Auch im Falle der Glockengeläutes der Kirchen handelt es sich lediglich um angestammte Traditionsbestände, Kirchen werden in der Regel automatisiert geläutet, den Glocken zum Schaden. In meiner Stadt gibt es z.B. auch noch eine Mittagssirene.

Offenkundig haben die Schweizer nur etwas gegen Minarette. Zum Ausgleich schlage ich vor in der Schweiz einen großen Buddha zu errichten, vielleicht mit Blick auf das Monte Rosa-Massiv. Sollten die Schweizer dies per Verfassungsvotum ausdrücklich ablehnen, könnten wir den Buddha bei mir an der Nordsee als besondere Attraktion aufstellen, mitsamt seiner Funktion als Leuchtturm, auch als Leuchtturm des Tourismus. Es wäre der erste Großbuddha Europas, der den Weg zur Erleuchtung bringen könnte. Und Geld in die öffentlichen Kassen.

Vielleicht erinnere man sich an den Buddha aus Afghanistan, den die Taliban bei diesem Bergvölkchen wegsprengten? Ein Bildnis des Buddha Dipamkara, dazu Wikipedia:

Der Name Dīpaṃkara bedeutet „Anzünder der Leuchte “. Die Erlangung der Erleuchtung des Buddha Dīpaṃkara wird im „Butterlampen-Sutra“ (auch „Die Lampen-Geschichte des Königs mit der goldenen Hand“) beschrieben. ... Er ist auch unter dem Namen Dvipankara (etwa: Buddha der Inseln) bekannt. Bei buddhistischen Seeleuten wird er als der Beruhiger der Wellen verehrt. Die Fundstellen seiner Statuen sind ein guter Wegweiser entlang deren Seerouten.

Sieht beinahe so aus, als ob mein Buddhavorschlag nur hier an der Küste eine Chance hätte.

22:40 30.11.2009
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Geschrieben von

André Rebentisch

Begeisterung hat nichts mit den alten Gespenstern zu tun.
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André Rebentisch

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