Das Gespenst der kalten Progression

Neue Steuerprügel. Ulrike Baureithel räumt in "Mehr ist weniger" (der Freitag, 14.8.2014) dem Widerstand gegen die kalte Progression breiten Raum ein.
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Jetzt hat das Bund-der-Steuerzahler-Gespenst der kalten Progression auch den Freitag eingenebelt.

Man missbraucht die Sorgen der Bezieher mittlerer Gehälter (wie wenig jene angesichts krasser Einkommensspannen in der Mitte liegen, ist oft genug beschrieben worden), wenn Inflation, Progression, Kirchensteuer und Steuerfreibeträge durcheinander gerührt werden.

Es ist eben gerade Absicht der (warmen?) Progression und ein Rest von Solidarität, dass höhere Einkommen mit einem höheren Satz besteuert werden. Was im Großen gewollt ist, ist auch bei einer Gehaltserhöhung von 500 Euro logisch: die Steuer steigt (ewas) stärker. Daraus eine sinkende Kaufkraft herzuleiten, funktioniert nur über den kartoffelmathematischen Griff zur Inflation, die hier gar nichts zu suchen hat. Denn wer den Einfluss von Inflation und Kirchensteuer auf die Kaufkraft (zu Recht) beklagt, soll mit seiner Kritik genau dort ansetzen und nicht bei der Progression.

Wir können es auch bedauern, dass die Progression bei Niedrigverdienern richtig derb zugreift. Das ist aber nur ein anderer Blickwinkel auf die - auch wieder gewollte – steuerliche Freistellung von Ganz-Niedrigverdienern, diejenigen, die noch vor dem Progressionsberg sitzen.

Am anderen Ende der Skala freuen sich Einkommen oberhalb des Grenzsteuersatzes darüber, dass bei Ihnen die Progression endet. Daran sollte sich die populistische Debatte ein Beispiel nehmen - und enden.

02:22 20.08.2014
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Geschrieben von

Wolkenstein

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