Varoufakis hatte Angst

Geldpolitik Wir nehmen Bezug auf einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Yanis Varoufakis ist keineswegs von seinem damaligen Chef aus dem Amt des griechischen Finanzministers verdrängt worden. Dazu war der zu schwach; Varoufakis hatte damals unter den Spitzenpolitikern effektiv das Sagen. Er ging vielmehr in eigener Entscheidung – aus Angst.

Nicht daß er um sein Leben fürchten mußte; nur wenn er die Straße mobilisiert hätte, hätte es ihm an den Kragen gehen können.

Varoufakis kniff vor der Drohung der damaligen „Troika“, diese würde Griechenland ggf. komplett den Hahn zudrehen, und aus der Angst, daß ihm dann das Volk mit dem Vorwurf mangelnder pragmatischer Kompromißfähigkeit die Schuld an einer befürchteten weiteren Eskalation der Not im Land zuschieben würde.

Dabei benötigte Griechenland die EU- und Weltbankmilliarden gar nicht zwingend; war dagegen der Kapitalmarkt an dem Verleihgeschäft mit Griechenland hoch interessiert – wegen des weltweiten Kapitalüberschusses und der gefährlich niedrigen Zinsen am Markt.

Varoufakis hätte lediglich seinen damals nicht zu Ende gedachten, also unkonkret gebliebenen „Plan B“ ins Spiel bringen, sich selbst nicht bluffen lassen und Griechenland so von der Troika letztlich im Prinzip unabhängig machen müssen.

13:57 02.08.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Günter Woltmann

Als freier und unabhängiger Wirtschaftswissenschaftler und politischer Publizist kenne ich die Lehrmeinungen, vertrete aber neue, modernere Konzepte.
Schreiber 0 Leser 2
Avatar

Kommentare 2