Warum die USA Kriege führen - müssen

USA wünschen Frieden Man darf den USA ihre Kriege nicht vorwerfen, man muß sie verstehen und ihnen dann freundschaftlich heraushelfen - aus ihrem Dilemma
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Warum die USA Kriege führen – müssen

Ungerechte Kritik an den USA

Die USA werden immer wieder unfreundlich kritisiert, weil sie, so der Vorhalt, häufig, an den verschiedensten Orten, offiziell und direkt militärisch Krieg führten bzw. inoffiziell und indirekt intervenierten, obwohl sie dazu kein Recht hätten, d.h. sie ihre Aktivitäten nicht durch den Hinweis auf eine Wahrnehmung eigener wirklich elementarer Lebensinteressen rechtfertigen könnten.

Diese Kritik ist ungerecht. Denn Tatsache ist, sie zu bestreiten wäre eine Verleumdung, daß es auch in den USA, wie in jedem anderen Land, in Wirklichkeit kaum – dann kranke - Maßgebliche gibt, die einen Krieg etwa von sich aus wünschen, leichtfertig billigen, unterstützen oder ihn gar persönlich aktiv mitführen, quasi also „Wunschkrieger“ sind, die sozusagen fast eine dann pathologische Lust verspüren bei dem Erleben, dem Wissen um, der Erwartung oder nur der Vorstellung von durch Kriege getöteter, verletzter, gejagter oder verarmter „Kriegsbetroffener“. Nein, so sind die Amerikaner nicht, die uns Deutsche 1945, unter Einsatz des Lebens Zigtausender, von der NS-Diktatur befreit und auch uns so das Ende eines fürchterlichen Krieges gebracht haben ! - Und wo es denn in den USA Staaten tatsächlich einen „Nero“ gäbe, der, aus irrer Lust, „Rom“, Afghanistan, den Iran, Palästina, den Irak, Syrien o.ä. Orte gern brennen oder Menschen in einer „Schlacht“ gern sterben und bluten sähe, würde dieser kranke Irre von seinen gesunden Umfeld schnell aus dem Verkehr gezogen.

Und dabei sind dann - auch in den USA - in dem hier definierten Sinne - gesund nicht nur die „einfachen, friedliebenden Leute unten“, sondern ebenso die „strengen“ Polizisten und Richter oben - auch die Waffenindustriellen und die angeblich „rücksichtslos nach Märkten strebenden Neoliberalen“. Und schließlich im Prinzip auch die Politiker und die Militärs. So gut wie alle Angehörigen des amerikanischen Volks, nicht zuletzt die Arbeiter aus der Waffenproduktion wie auch die entsprechenden Wirtschaftsführer, liegen lieber in einem Schlaraffenland am Weinbrunnen, pflanzen lieber Olivenbäumchen, „schaffen“ innerlich tatsächlich nur ungern Waffen, produzieren nicht ihrem inneren Wunsch entsprechend Kalaschnikows, Panzer, Atomraketen, vielmehr immer nur sich dazu gezwungen fühlend, die Zähne zusammenbeißend, nicht etwa „zähnefletschend“. Und auch jeder „strenge Staatsschützer“ liest eigentlich lieber seinen Enkeln aus „Onkel Toms Hütte“ vor, als rebellierende Unruhe erzeugende „Nigger“ zu verfolgen. Generale schreiten die Front lieber ab, als daß sie sich ihr angstvoll aussetzen. Und nur unmaßgeblich viele Wirtschaftsführer wie Politiker fühlen sich neurotisch dazu gezwungen, ihr Einflußgebiet hin zu einem „Großreich“ auszuweiten beziehungsweise weltweiten „Lebensraum“ zu erobern.

Nein, wenn ein Amerikaner Krieg führt, fühlt er sich entsprechend gezwungen !

Warum die USA Kriege führen - müssen

Die USA haben drei zu respektierende und ernstzunehmende Motive für ihre direkten und indirekten militärischen Interventionen in den verschiedensten Regionen der Welt.

1) Eine Art von Idealismus

Die meisten US-Amerikaner sind überzeugte Idealisten. Ihre Vorfahren haben schließlich ihren Kontinent erst entdeckt, dazu den Atlantik „überschritten“, Amerika „urbar gemacht“, Freiheit und Demokratie miterfunden.

Selbst Menschen der untersten sozialen Schichten dort sind stolz auf ihre empfundene persönliche innere Unabhängigkeit, ihren - gegebenenfalls - Spielraum für Eigeninitiativen, rühmen ihren großen Staat, den sie für entsprechend großmächtig halten und der tatsächlich viel Großartiges und Hervorragendes erreicht hat und in Zukunft tatsächlich noch erreichen kann. Sie sind deshalb und verständlicherweise von „We can“-Versprechen fasziniert, empfinden ihre Gesellschaft als Vorbild für die Menschen der anderen Länder dieser Erde.

Und deshalb verstehen sie es als ihre moralische Aufgabe, für hinreichend freiheitliche und zukunftsorientiere Bedingungen auf möglichst der ganzen Erde zu sorgen. So wie sie die NS-Herrschaft in Europa beseitig haben, möchten sie im Prinzip überall auf der Welt Gesellschaftsformen etablieren, die ihrer Tradition und ihren Ansprüchen entsprechen. Für dieses Selbstverständnis sollte man den Amerikanern eigentlich zunächst einmal dankbar sein.

Diese Amerikaner, so ihr moralischer Impetus, wollen deshalb möglichst überall Marktwirtschaft statt Verteilungswirtschaft fördern bis einführen; mehr Individualität und Eigeninitiative, dafür weniger vom Staat zugeteilte Versorgung, ggf. dann aber auch mehr von Fall zu Fall eigentlich Freiheit beschränkende Ordnungs- und Moralprinzipien durchsetzen, sicherheitshalber, wenn sie empfinden, daß gewisse Freiheiten dem Volk schaden würden.

Sie sehen ein Aufgaben-und Verpflichtungsspektrum für sich, das von der Beseitigung eines nationalsozialistischen Regimes in Deutschland und Europa reichte, bis zu der Verhinderung von empfundener volksschädlicher „Libertinage“ („sexueller Freiheit“) da oder dort reichen kann, von der Einführung von Handelsfreiheit um der Freiheit als Prinzip Willen bis eventuell hin zur – gegebenenfalls als notgedrungen empfundenen – begrenzten Freigabe einer exzessiven Nutzung der Erde, die dann leider zwangsläufig zu Gunsten eines nur augenblicklichen und nicht nachhaltigen Vorteils führen mag.

Sie wollen oftmals Volksgruppen auf der Erde ein politisches individuelles Selbstbestimmungsrecht erkämpfen, gegebenenfalls auch auf die Gefahr hin, daß ein solches Selbstbestimmungsrecht am Ende Schaden für die unterstützten Volksgruppen selbst als auch für andere Involvierte zur Folge haben könnte. Grundsätzlich meinen US-Amerikaner oft, anderenorts Freiheiten schaffen beziehungsweise Reglementierungen ausschalten zu sollen, schon weil sie diese Freiheiten selbst schätzen oder Reglementierungen zu erleiden gelernt haben und nun meinen, ihre entsprechenden Erfahrungen anderen Menschen auf der Erde zugutekommen lassen zu sollen. Vielleicht sieht man in den USA den Wert einer Demokratie zu absolut, übersieht dann, daß – noch – ungebildete Massen, die guten Herzens aber ohne hinreichende Sachkenntnis mitbestimmen wollen, eventuell keinen Nutzen sondern viel Schaden verursachen können.

Die US-Amerikaner meinen gegebenenfalls manches, weil sie es gut meinen, weil sie ehrlich meinen, ihre Intervention täte den jeweils Begünstigten gut oder würde sie vor Schaden bewahren. Und deshalb darf man die Amerikaner nicht schelten, sondern sollte sie lediglich im gegebenen Fall respektvoll fragen, ob sie sich nicht selbst zu viel zumuten, wenn sie zu verbreitet die Last eines Weltpolizisten beziehungsweise Weltbefreiers auf sich nehmen. Hilfreicher ist es in solchen Fällen vielleicht, unseren amerikanischen Freunden Rat und Tat dafür anzubieten, gute Ziele – erfolgreich - mit ziviler Politik statt mit Waffengewalt anzusteuern.

Man kann uns Deutschen die amerikanische „Militärpolitik der Guten Absichten“ u.a. mit folgenden Beispielen verständlich machen:

Auch in Deutschland wird nur widerwillig akzeptiert, wenn Frauen in anderen Ländern der Welt nicht mit den Männern „gleichberechtigt“ sind, dieses oder jenes tun müssen oder nicht tun dürfen, was die Männer dort nicht tun müssen oder sehr wohl tun dürfen; daß Frauen sich dort mehr oder weniger „verschleiern“ müssen, nicht luftig und frei kleiden dürfen, nicht Auto fahren, studieren, gar wählen dürfen, körperliche Züchtigungen gegebenenfalls hinnehmen müssen. – Oder: Wir in Deutschland mißbilligen fast durchweg, wenn die Politik in uns fremden Ländern, „Kulturdenkmäler“ zerstört, nennen jede entsprechende Beseitigung, aus welchen dort vielleicht als relevant empfundenen Motiven auch immer, Ausdruck von Vandalismus. Wir Deutschen gehen – unsererseits selbstbewußt durchgängig davon aus, daß unsere „moderne Lebensart“ besser sei als die alte finstere „dort hinten“ und sind schnell bereit, zu schimpfen, zu verurteilen, zu intervenieren, am Ende auch militärisch unsere Ordnung, die Ordnung unserer neuen Zeit, durchzusetzen. Auch dann, wenn in Deutschland Frauen sich noch vor relativ wenigen Jahren „züchtig bedeckt halten“ mußten oder es sogar noch heute müssen, während in „paradiesischen Gegenden“ unbekümmert frei gelebt und geliebt wird. Obwohl dort überall ja nicht deutsche Kultur „geschändet“ wird sondern ggf. doch deren Kultur. Obwohl wir in Deutschland immerzu konsequent Zeugnisse unserer hiesige Geschichte beseitigen, wenn uns diese unsere Geschichte nicht mehr gefällt – und sich kein Asiate drüber aufregt, wenn wir Bismarck- oder Marx-Trophäen schleifen. - Wir sollten deshalb auch den Amerikaner nicht vorwerfen, wenn die sich überall „kümmern“.

Noch etwas, was immer wieder angesprochen werden muß: Wir im Westen – und damit auch die im Focus dieses Essays stehenden US-Amerikaner – fühlen uns durchweg genötigt und deshalb schnell auch berechtigt, mehr oder weniger militärisch angreifend „einzugreifen“, wenn andere Bewegungen, Völker und Staaten „Strafverfolgungsmethoden“ oder „Kriegspraktiken“ praktizieren, die wir als inhuman empfinden. Dann etwa, wenn man dort Mitmenschen „Gliedmaßen nimmt“, weil mit denen gestohlen wurde, oder Ehebrecher exemplarisch streng bestraft oder prophylaktisch entsprechend abzuschrecken sucht. Wenn „man“ sogenannte „Kindersolldaten“ „zum Einsatz bringt“.

In solchen Zusammenhängen sind die USA – und auch die USA-Kritiker – verständlicherweise – sehr betroffen; und wenn die USA dann ihre und unsere Vorstellungen von Humanität gewaltsam durchsetzen wollen, sollten wir dann den ehrbaren US-Kämpfern pro mehr Humanität keine Vorwürfe machen, sondern bei ihnen – zwar tief seufzend - Verständnis für die uns unmenschlich brutal erscheinenden Methoden der Fremden zu wecken versuchen, in dem wir darauf hinweisen, daß es im Prinzip nicht Sadisten sind, die dort wüten, sondern Angsthabende, die mit einem ihnen existenziell bedrohlich erscheinenden Problem ohne ihre „Gewaltmaßnahmen“ nicht fertigwerden können, weil dieses sie überfordert und sie es vielleicht als Folge eines unmoralischen oder – vor ihrem Gott straffälligen Tuns verstehen.

Zu den – zweifelsohne – inhumanen „Strafverfolgungsmethoden“ und „Kriegspraktiken“: Nicht nur dort, wo die Amerikaner gegen inhumanes Vorgehen kämpfen, sondern auch sonst wo, auch in den USA und nahe bei uns, werden Menschen „zur Strafe“ oder zur Abschreckung, das heißt eigentlich: aus Angst, hingerichtet, wurden „Hexen“ aus Angst – nicht aus Sadismus – verbrannt. Und – letztschrecklich: Die sog. Kindersoldaten sind keine Kinder sondern Soldaten, die keine Kinder mehr sind. Diese armen jungen Menschen werden meistens im Grunde nicht von verbrecherischen Unmenschen verantwortungslos und leichtfertig geopfert, vielmehr opfern sie sich meiste selbst, schon als Kinder, aufgrund ihrer erlebten Lebensbedingungen auf einen empfundenen Angstfeind eingefühlt, von ihrem Schicksal zu einer „Freiwilligkeit gezwungen“ - entsetzlich, tragisch –, aus einem eigenen gefühlten „Selbsterhaltungsgetriebensein“ heraus. Daß da auch Sadisten antreiben oder das meist Sichselbstopfern jedenfalls nicht verhindern, ist so, wie es ist. Aber: nicht Sadisten machen einen Krieg, sondern der Krieg macht die Sadisten.

Und warum herrscht da und da und da Krieg ? Jedenfalls kann man ihn nicht per Krieg verhindern oder überwinden. Vielleicht hätte ein – eigentlich ansonsten nicht kompetenter – Dichter seine Antwort so formuliert: „Erst kommt der Bauch, dann der Friede !“. Oder noch banaler aber wahr: „Satter Bauch kriegt nicht gern !“.

Helfen wir den Amerikanern also, sich - auf andere als kriegerische Weise – um Frieden, Humanität, Gerechtigkeit und Wohlstand auf der Welt zu kümmern !

2) Empfundener sozialer Rückstand

Zwar fühlen die US-Amerikaner heute sehr wohl, daß es jeweils einer der ihren war, der als erster seine Füße auf den Boden des Mondes gesetzt oder zum Beispiel 389 Patente auf dem Gebiete der Elektrotechnik angemeldet, einst einen Großteil der Menschen mit seiner Musik „in the mood“ versetzt hat; daß ihr Land noch heute über den größten Staatshaushalt der Welt verfügt und mit dem Empire-State-Building einmal über das entsprechend höchste Gebäude verfügt hat und schließlich ihr Militär diese unsere Welt 1945 von zwei faschistischen Herrschaftssystemen befreite.

Allerdings empfinden sehr viele Amerikaner beider Parteien inzwischen auch, wenn sie sich heute mit ihren tatsächlichen historischen Helden und tatsächlichen historischen Erfolgen identifizieren, nur so etwas wie ein Gefühl von Ersatzbefriedigung. – Sie leiden heute in großer Zahl darunter, daß sich ihr wunderbares Land mit seinen fast schier unbegrenzten Möglichkeiten heute ggf. von Russen aus dem All zur Erde zurückretten lassen muß, Koreaner so wie sie leistungsfähige Computer bauen können, China über wirtschaftliche Erfolge verfügt, die manche Amerikaner auf dieses Land blicken lassen, wie Kain auf Abel gesehen haben mag; daß Wüstensöhne unserer Zeit nicht mehr überwiegend in Zelten hausen müssen sondern in Wolkenkratzern residieren können – und schließlich daß die USA ihren letzten Kriege, die in Vietnam, Afghanistan und im Irak jedenfalls nicht mehr erfolgreich wie frühere abgeschlossen haben.

Und die US-Amerikaner – besonders die „mittleren“ und die kleinen Leute - leiden geradezu schmerzhaft besonders darunter, daß ihr heutiger durchschnittlicher wirtschaftlicher und sozialer Standard weltauffallend niedriger ist als der in manchen Ländern Europas und etwa in Australien. Der heutige Durchschnittsamerikaner ernährt sich leider billiger, wohnt weniger sicher und weniger komfortabel und ist schlechter alters- und krankenversorgt als Erdenbürger in anderen Ländern mit vergleichbaren Grundvoraussetzungen. Weltbekannte, angesehene und erfolgreiche amerikanische Schriftsteller berichten aufsehenerregend davon, wie „heruntergekommen“ (gemeint im sozioökonomischen Sinn) ganze Staaten der Vereinigten Staaten heute sind, Gegenden zerfallen, wie zahlreich die Menschen dort auf ein Wunder warten, wenn sie nicht nur dahinresignieren. Aber auch, wie leicht sich aus den unzufriedenen, hilflosen und sich mißachtet fühlenden Massen ein neidisches, revolutionär rebellierendes und mehr und mehr auch nach außerhalb aggressiv orientiertes Potential entwickeln kann.

Nun fühlen fast alle Menschen, die sich im Vergleich mit anderen als sozial unterlegen wahrnehmen und keine Möglichkeit sehen, ihren „Rückstand“ durch eigenes Bemühen zu überwinden, sich als ungerecht benachteiligt, suchen dann nach dem schuldigen Verursacher ihrer Benachteiligung und nach einem Weg, ihre Benachteiligung auszugleichen oder zu kompensieren. Bei der Bestimmung „ihrer“ Schuldigen und der Auswahl ihres Weges sind sie dann naturgemäß nicht sehr aufmerksam und sorgfältig; in Fällen von Not und Wut empfinden es Menschen immer als vordringlicher, überhaupt zu agieren als vorsichtig nur zu hoffen und abzuwarten. Und aggressiv agieren beziehungsweise reagieren die Menschen dann gegebenenfalls meist mit im Prinzip relativ gutem Gewissen, da sie sich ja zu „Unrecht benachteiligt“ fühlen und deshalb „das Recht haben“, „auszugleichen“, jetzt zu ihren Gunsten, also egozentrisch bis egoistisch „zuzulangen“.

Dabei handelt sich also keineswegs um eine spezifisch amerikanische Unart. So sind wir Menschen im Prinzip alle. Der Mensch ist eben ein „Wesen“, das von seiner Geburt an bis zu seinem Tod nicht nur für sich selbst verantwortlich ist sondern sich auch in erster Linie zuerst für sich – und seine unmittelbaren Nachkommen – zu sorgen verpflichtet und berechtigt fühlt. enzen.

Speziell die US-Amerikaner versuchen, sich zu „wehren“, in dem sie sich bemühen – empfundene ausgleichende Gerechtigkeit schaffend sowie sicherheitshalber, damit sie nicht irgendwann noch weiter zurückgelassen werden könnten –, weltweit möglichst viel von den Produkten zu verkaufen, über die sie reichlich verfügen – Rohöl und bestimmte Feldfrüchte zum Beispiel, – und sich überall auf der Erde Absatzmärkte zu sichern und entsprechende Konkurrenten klein genug zu halten bzw. zu verdrängen. Daß ihr Bemühen um Absatzmärkte draußen für sie einen „Schuß ins Ofenrohr“ – drinnen - darstellt, nehmen sie nicht entsprechend wahr. Vielmehr: Da, wo ihnen die – aus ihrer Sicht für sie existentiell wichtigen - Absatzmärkte streitig gemacht werden oder einmal streitig oder jedenfalls unattraktiv gemacht werden könnten, da bemühen sie sich, die aktuelle Konstellation und die zukünftige Entwicklung unter ihre Kontrolle zu bringen oder zu halten. Dabei denken die USAler durchaus ehrlich, unter einem Naturrecht stehend zu handeln und vorzugehen. Und da sollte man ihnen, die sich in einem Recht sehen, das für sie also ein Naturrecht ist, keine Vorwürfe machen.

Das Vorgehen der USA auf der Welt, mag es auch von außen als diplomatisch zu sehr drängend, als geheimdienstlich zu wenig diskret oder bei militärischen Interventionen als nicht hinreichend gerechtfertigt oder zu rücksichtslos erscheinen, mag es draußen Unverständnis oder gar Angst wecken, muß so lange letztlich weitgehend unkritisiert bleiben, hingenommen werden, wie den Amerikaner nicht von seinen Freunden eine wirklich hilfreiche und in diesem Fall uneigennützige Hand geboten wird, damit diese ihr Problem – durch ihre Politik im eigenen Land – überwinden, wieder – ohne Gesichtsverlust - zu der beispielgebenden Größe zurückfinden können, für die sie noch bis zur Mitte des 20. Jahrhundert bewundert wurden. Eine solche problemlösende Politik für Amerika, die in erster Linie eine entsprechende inneramerikanische Wirtschaftspolitik beziehungsweise Währungspolitik sein muß, darf und sollte man – vielleicht von Europa aus – bescheiden vorleben. Da hätte das demokratische Europa, ein demokratisches Deutschland eine durchaus erfolgsmögliche Aufgabe.

3) Zwei gegensätzliche Philosophien

Die US-Amerikaner kämpfen – jedenfalls mehrheitlich und unabhängig davon, ob sie „Republikaner“ oder „Demokraten“ sind – für eine dem Individuum möglichst viel Freiraum gewährende Gesellschaftsform, das heißt dann im Wirtschaftsbereich: für eine – im Prinzip immer freie – Marktwirtschaft und gegen eine mehr auf ein Kollektiv ausgerichtete Verteilerwirtschaft, eine Planwirtschaft. Die Philosophie „Planwirtschaft“, von der sich die Amerikaner wohl mehrheitlich bedroht fühlen und die sie deshalb bekämpfen, sehen sie heute, mehr oder weniger überall außerhalb der „Staaten“, entweder bereits existierend oder sich entwickelnd, weshalb die USA dagegen halten. – Die Geschichte dieses Konfliktes:

Am Anfang der Menschheit stand der Handel, das ist per Definition der „freie Handel“, die heute so genannte Freie Marktwirtschaft; es stand da also der Handel, bei dem mit der Hand nicht nur abgewogen sondern auch schließlich der Handel per Handschlag handfest gemacht wurde. Eine Zu- und Verteilerwirtschaft gab es nur innerhalb von Familien- und Sippengemeinschaften sowie in der Beziehung zwischen Obrigkeiten, die das Volk als quasi von Gott eingesetzt verstand, und eben diesem Volk. Das Prinzip der hoheitlichen Zuweisungen akzeptierte man, der ausgehandelte Handel funktionierte leidlich, zunächst als direkter Tauschhandel, anschließend als indirekter Handel, vermittelt durch das Tauschmittel Geld.

Was nicht besagt, daß die Menschen, geschweige denn alle Menschen, in dieser „Freien Marktwirtschaft“, in diesem frei ablaufendem Wirtschaftssystem, zufrieden waren beziehungsweise zufriedengestellt werden konnten. Das im Laufe der Geschichte immerzu fortschreitende Anwachsen des Wohlstandes in seiner Gesamtheit, eines Wohlstandes als Ergebnis fortwährender Erfindungen neuer Produktionstechniken sowie Findungen neuer Rohstoffquellen, teilte sich nämlich immer mehr auf nur relativ wenige immer Reichere auf der einen Seite und immer mehr Arme auf der anderen Seite auf.

Die Ursache der Ungerechtigkeit sahen das Volk und seine Denker sodann, weil man damals keine andere Ursache ausmachen konnte, in der herrschenden frei ablaufenden Wirtschaft, von der man – richtig - beobachtete, daß die bereits Reichen in ihr tatsächlich mehr Möglichkeit hatten, Reichtum weiter zu mehren, als die Armen geringen Wohlstand relevant vergrößern konnten.

Das Volk empfand und die Denker dachten daher, wenn man den Wohlstand möglichst gerecht nach einem gerechten Plan auf alle Menschen verteile sowie alle Menschen verpflichte, im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten und eines vernünftigen Plans für die Gesamtwohlstandsentwicklung zu arbeiten, würde das eine jedenfalls hinreichende Gerechtigkeit schaffen. Man plante dementsprechend – guten Glaubens und guten Willens - als Alternative zur Marktwirtschaft, mit der, man nicht zufrieden war, die sozial gemeinte Planwirtschaft. Und versuchte diese dann auch da oder dort oder weltweit einzuführen. - „Völker, hört die Signale ! Auf zum letzten Gefecht ! Die Internationale erkämpft des Menschen Recht“. - Gemeint war bei diesem Aufruf eine soziale Gerechtigkeit.

Allerdings: Die Planwirtschaft klappte nicht zufriedenstellend. – Wo die angestrebte gerechte Verteilung vielleicht funktioniert hätte, funktionierte aber die Erfüllung des Menschheitswunsches nach relevanter Vergrößerung des insgesamt zu verteilenden Wohlstandes nicht hinreichend. Denn, einem Naturgesetz entsprechend, strebten die Menschen, denen die geplante Wirtschaft bedeutsamen Vorteil für alle bringen sollte, grundsätzlich egoistisch, das heißt: primär nach Vorteilen für sich selbst. Sie trachteten durchweg danach, möglichst viel vom Gesamtwohlstand - in erster Linie jedenfalls – zu eigenem Nutzen zu gewinnen und ihre Eigenleistungen – aus Eigennutz – entsprechend zu beschränken. Dagegen brachte die Marktwirtschaft, wo man sie beibehielt, wenn schon einen nicht gerecht verteilten, dann aber doch immer in der Gesamtsumme größeren Wohlstand als die auf Gerechtigkeit zielende Planwirtschaft. Weiter brachte die Planwirtschaft deshalb keinen Segen, weil ihre Vertreter sich gezwungen fühlten, sie gegebenenfalls auch mit „gutgemeinter“ Gewalt einführen bzw. gerecht praktizieren zu sollen, zu dürfen. - So fehlte in den Augen der Verteidiger der ungerechten Marktwirtschaft in dem Model Planwirtschaft zusätzlich noch genug Wohlstand als Summe und die hinreichende persönliche Freiheit – die sie meinten.

In dem Kämpfen, gegebenenfalls Kriegen, die meistens die USA eröffnen und dann auch überwiegend bestreiten, handelt es sich tragischerweise im Kern um eine menschheitshistorische Auseinandersetzungen zwischen zwei bedeutenden gegensätzlichen philosophischen Positionen: Was hat für den Menschen Priorität, das Individuum oder die Gesellschaft ?

Dabei wissen die „Individualisten“ sehr wohl, daß in ihrem Einflußbereich nicht alles zum Besten bestellt ist, wenn sie auch nicht die Marktwirtschaft als den dafür Verursacher sehen; aber sie halten die „Alternative Kollektivismus“ für noch weniger „gut“ und haben denn auch die deutliche Beobachtung gemacht, daß die Alternative, die heute so genannte „sozialistische Planwirtschaft“, in der Vergangenheit „im Land und weltweit“ meist sehr schreckliche Formen angenommen hat. Die Anhänger der sogenannten „kapitalistischen Marktwirtschaft“ versuchen deshalb, die Ausbreitung des für sie „Schlechteren“ grundsätzlich zu verhindern, dessen Übergreifen auf ihre Welt, die Infizierung ihrer Welt mit dem „Ungeist“ präventiv auszuschließen. Wobei sie bezüglich Letzterem speziell von der Angst belastet sind, unzufriedene Massen in ihrem Bereich könnten sich am Ende besonders leicht entsprechend infizieren lassen und „ihr eigenes Land“ in ein Chaos stürzen.

Die „andere Seite“, die sozialistische, planwirtschaftliche, hält ihren Weg zur sozialen Gerechtigkeit für noch nicht „richtig“ zu Ende „gekämpft“. Sie gesteht dessen augenblickliche Schwächen, Fallen und „Noch“verhindernisse ein, meint aber, lediglich noch nachbessern und bisher gemachte Fehler korrigieren zu müssen. Dann, am Ende, werde man erfolgreich sein und allen Menschen Gerechtigkeit und Zufriedenheit bringen.

Obwohl man anfangs noch international beglücken wollte, möchte man heute eigentlich lediglich in seinen jeweiligen Regionen „nationalsozialistisch“ aktiv sein; außerhalb seiner Grenzen bemüht man sich im Prinzip nur noch um die Verteidigung seiner Bemühungen gegen die „Bösen“ draußen, gegen jene, die das „Fortschreiten des sozialistischen Sozialismus“ grundsätzlich zu verhindern trachteten, welche wiederum ihrerseits meinen, sich gegen die Ausweitung des „Schlechteren“, gegen eine diesbezügliche Infizierung der in ihrem Land so zahlreichen – wegen der sozialen Ungerechtigkeit gegebenenfalls leicht infizierbaren - unzufriedenen eigenen Bevölkerung schützen zu müssen.

Machen wir es kurz: Das heutige weltweite Chaos, das kriegerische Kämpfen, Zerstören, Verletzen, Töten, überall auf der Welt, kann und sollte eigentlich und letztlich verglichen werden, um es noch klar sehen zu können, als das Spiel zwischen zwei Zockern, die beide gleichschlechte Karten haben, oder als verzweifelten und verbissenen Kampf zweier Boxer, die beide innerlich schwach und nach außen so treffunfähig sind, daß der Kampf wegen „Technischen und moralischen K.O.s auf beiden Seiten“ abgebrochen, aufgegeben gehört. Keiner kann gewinnen, alle dagegen drohen am Ende – dramatisch, fürchterlich, entscheidend - zu verlieren !

Man lasse sich da nicht täuschen. Es werden in Wirklichkeit heute nirgendwo wirkliche Religionskriege geführt, ebenso wenig, wie frühere Kreuzzüge der Kreuzritter in ihrem Kernmotiv Religionskriege waren – oder Columbus ein Missionar für seine Religion.

Auch mag es ein aktueller Anlaß zum kriegerischen oder vorkriegerischen Tun der USA sein, es ist aber nicht Folge der wahren Kriegsgrundursache, wenn die USA vor noch nicht kurzer Zeit mit Saudi-Arabien gegen den Iran positioniert waren, damals als das Öl noch knapp war und für die Amerikaner nicht zu teuer sein durfte, während die Amerikaner inzwischen, weil sie selbst „überviel“ teueres Öl fördern und wegen ihrer Vorkosten nun hohe Preise nötig haben, zu den Saudis auf Distanz gehen, weil diese in der Gegenwart viel und daher dann billiges Öl verkaufen, während die Ökonomen in Teheran, an die Zukunft denkend, heute weniger und demzufolge teures Öl anzubieten interessiert sind, die Preise für USA-Öl also nicht unterbieten.

Letztlich sind die Kriege weltweit Kriege zwischen zwei Philosophien: Markt oder Plan, „Individuum“ oder „Kollektiv“ ? – Also:

Um ihre Philosophie zu verteidigen, wollten die USA („Individuum“) – nach dem Verlust des Iran an Mossadegh beziehungsweise Chomeini („Kollektiv“) nachvollziehbarerweise - in Afghanistan ein- und gegen Rußland („Kollektiv) vorrücken.

Um sich vor den USA zu schützen, „marschierte“ sodann zunächst Rußland dort ein.

Um diesem Schachzug der Russen zu begegnen, unterstützen die USAler sodann Rebellen in Afghanistan (eigentlich „Kollektiv“) gegen die Russen und zwangen so die Russen zum Wiederabzug.

Weil anschließend die Talliban („Kollektiv“) US-Interessen an Afgahanistan im Weg standen, Taliban steht den Russen näher als den USA, bekämpfte man jetzt die Taliban.

Der Kampf gegen den Feind Taliban mußten die USA inzwischen als unentschieden aufgeben.

Nachvollziehbar, man darf es ihnen nicht vorwerfen, wollten sich die Amerikaner schon früher - und jetzt aktuell aktiver – im Nahen Osten gleichzeitig gegen direkte Interessengefährdungen aus den Ländern dort und gegen Infektitonsgefährdungen von dort schützen, weshalb sie Saudiarabien („Individuum“) in Kuweit gegen den Irak („Kollektiv“) unterstützten.

Als sich nach dem US-Erfolg über den Irak ein Anschlußfeind, ein inzwischen allgemein äußerst gefährlicher Gegner auftat, die IS („Kollektiv“), bekämpften die USA folgerichtig jetzt auch die IS.

Gleichzeitig sehen sich die USA schon seit längerem gezwungen, ihre Interessen in der Region auch so zu vertreten, daß sie das derzeit in Syrien noch herrschende Assad-System („Kollektiv“) unter ihre Kontrolle nehmen, das ihrerseits vom IS bekämpft wird (weil dieses weniger konsequent „Kollektiv“ ist als IS).

Letztlich verfolgen die USA neuerdings Interessen im „Öl-Staat Kurdistan, wo sie zu beeinflussen suchen, daß diese Macht demnächst zur Gemeinschaft „Individuum“, nicht zu der „Kollektiv“ gehört.

Aus dem fundamentalen Konflikt, dem ewigen teuren Kampf und den immer wieder neuen elenden Kriegen zwischen den Philosophien „Individualismus“ und „Kollektivismus“ können sich die USA – zu ihrem und zum Nutzen der ganzen Welt – heraushalten, den Konflikt vielmehr auflösen bzw. entsprechende Auseinandersetzungen völlig „unnötig“ machen, wenn sie sich darauf besinnen und untereinander einigen, daß ihre USA, ein Land mit tatsächlich fast unbegrenzten Möglichkeiten, entsprechende Einflußnahmen draußen, Interventionen, militärische Eingriffe tatsächlich einfach nicht nötig haben, sobald sie bei sich zu Hause eine neue und bessere inneramerikanische Politik, das heißt, weil Politik grundsätzlich überwiegend Währungspolitik sein muß, eine neue, besseren Währungspolitik betreiben. Daß ihnen dann die ganze Welt für Importe und – als Voraussetzung fürs Importieren – Exporte freiillig offen steht, wenn sie im eigenen Land, über ihr Währungssystem, ihre Wirtschaft, damit ihre Sozialstruktur, reformieren, sie sich zuerst auf sich selbst konzentrieren, so ihr „eigenes Haus in Ordnung bringen“, statt die übrige Welt verbessern zu wollen und sich für ihre hausgemachte Miesere in der übrigen Welt schadlos halten – zu müssen.

Amerika hat dazu grundsätzlich, absolut, ab sofort und schnell, eine unbedingt realistische Möglichkeit und aktuelle Gelegenheit. - They must do - what they can ! – Und wenn die USA die in ihrem Land praktizierte Marktwirtschaft erst auf die Grundlage eines neuen hinreichend funktionsfähigen Währungssystem gestellt haben, wird diese Marktwirtschaft – automatisch und mehr und mehr – auch voll sozialgerecht funktionieren - so daß Anhänger der Kollektiv-Philosophie die auf das Individuum Mensch ausgerichtete Marktwirtschaft nachmachen werden, statt sie, wie die Amerikaner befürchten, per direkter Gewalt oder schleichender Infizierung zu bedrohen.

Anhang 1: Die USAler sind keine Waffennarren !

Nein, sind sie nicht ! Sondern eher – auch was die Waffen angeht – sentimentale Vergangenheitsliebhaber. Oder sympathische, aber pseudopotente Angeber, die den Entdecker- und Vereinigungskampf in der Geschichte ihres Landes nachempfinden.

Wenn es heute in den USA keine industrieproduzierten Waffen „in Bürgerhand“ gäbe, wäre die Gefahr von „Mord und Todschlag“ dort mitnichten geringer. In den USA gibt es heute noch wie früher schon – das kann jeder Amerikabesucher täglich hautnah feststellen und wird in angesehener Literatur von US-Amerikanern bedrückend und eindrücklich beschrieben - relevante Gewaltkräfte, die heute auch ohne Pistolen und Schnellfeuergewehren kämpfen würden und morgen eventuell vermehrt kämpfen werden. Und ihre Guns u.a. werden sie zwar schon auch einsetzen, wenn sie die heute nun einmal haben, oder aber eben auch „erforderlichenfalls“ alles reichlich andere ihnen immer genug zur Verfügung stehende Wirksame, was ihnen gerade in die Hände kommt.

„Gegebenenfalls, erforderlichenfalls“. – Ein USAler – wie im Prinzip jeder andere Erdenbürger – erschießt einen Einbrecher oder bricht ihm gegebenenfalls mit aufgestellten Fallen das Genick. Er erschießt die untreue Ehemalige oder – vergiftet sie. – Die heute bedrohlich wirkenden Waffenarsenale kommen erst dann wirklich relevant zum Einsatz – so ist zu befürchten und Entsprechendes zu vermeiden sollte erste Aufgabe der USA-Politik sein – wenn es dieser Politik nicht gelingt, die großen Massen von armen und ärmsten Mitbürgern, die heute – nicht nur da und dort sondern über ganze Landstriche hinweg – resignierend dahinhoffen, eine wirtschaftliche und soziale Zukunft zu eröffnen.

Solange das nicht gelingt, werden die „US-Armen“ den „US-Reichen“ und Scheinbarreichen immer bedrohlich erscheinen, welche Hautfarbe sie auch haben mögen; und so lange werden die Reichen und die Scheinbar- und Möchtegernreichen oder auch die Menschen, die nur Angst vor Unruhe und Terror vielleicht einmal Rebellierender verspüren, sich fürchten und sich mit ausreichenden Waffen jeder Art potentiell zu schützen trachten. Und gegebenenfalls auch dann und wann heute schon – vermeintlich vorwärtsverteidigend – ihre Waffen einsetzen. - Und - auf der anderen Seite – werden sich die sich unterprivilegiert Fühlenden gegen die Sich-schützen–Wollenden entsprechend bewaffnen. - Ein hilfreiches US-Konzept also - nur: Wohlstand statt Waffen !

Anhang 2:Warum Terroristen terrorisieren – zu müssen meinen

Als Terroristen bezeichnete Kämpfer bewirken direkt entsetzliches Unheil. Sie entsetzen besonders deswegen, weil sie Frauen und Kinder „zu Hause“ und nicht nur Männer „an der Front“ heimsuchen, weil sie keinen amtlich verkündeten Krieg führen sondern, so gesehen, inoffizielle Überfälle ausführen, weil sie aus einem Hinterhalt angreifen und nicht wie die Soldaten Friedrichs II. in gereihten und offenen Formationen zum gegenseitigen Töten aufmarschieren, und weil sie ihre „unkonventionellen“ statt „legitimierter“ „Kriegshandwerkzeuge“ einsetzen.

Allerdings töten Terroristen, wenn sie töten und wie auch immer sie töten, nicht um des Tötens an sich Willen. Selbst wenn sie nur ein taktisches Ziel verfolgen, also Angst machen wollen, ist nicht das taktisch Angestrebte, die Angst also, das Ziel; in solchen Fällen ist dann eben nicht „der Weg das Ziel“.

So unrechtmäßig, unmoralisch, unmenschlich oder absurd Betroffene und Beobachtende es auch immer erfühlen mögen, die Terroristen kämpfen, um ein politisches Ziel zu erreichen, von dem sie meinen, gegebenenfalls nur sie meinen, es rechtfertige ihr Tun. Sie meinen, ihr politisches Ziel sei entsprechend elementar wichtig, ihr Tun entsprechend – letztlich - angemessen. Manchmal zweifeln sie an der Angemessenheit, dann behaupten sie diese umso nachdrücklicher, um in einem inneren Konflikt vor sich selbst bestehen zu können. Einzelkämpfer, die tatsächlich nicht mehr für ein Ziel kämpfen, dieses Ziel etwa aus ihrem intelligenten Auge verloren oder es von vorn herein nie verinnerlicht haben, sondern nur mitgerissen, gewissermaßen „automatisch“ vorgehen, sind in der wirklichen Praxis niemals zahlenmäßig relevant und werden von den wirklich zielorientierten Kämpfern – um des eigenen Ziels Willen – immer weitestgehend unter Kontrolle gehalten. Wobei dann leider manches, leider Gottes, der Kontrolle entgehen kann. Und in der Praxis entgeht. - Entsetzlich !

Also die Terroristen meinen, kämpfen zu müssen, also zu sollen. Und was sollen beziehungsweise können sie dann anderes tun als das, was sie gegebenenfalls für notwendig „meinen“ ? Kann man Menschen überhaupt in ihnen wichtigen Fragen von ihrer gemeinten Überzeugung wirklich abbringen ? Oder kann man tatsächlich nur ihr Handeln stoppen, während die Überzeugung in den Emotionsspeichern der Gestoppten oder deren Nachfolgern verbleibt, dort wuchert, stärker wird, um auf eine spätere Chance zu warten ? - Und zwangsläufig kämpfen die terrorisierenden Kämpfer mit den Waffen und Mitteln, die ihnen zu Verfügung stehen. Wollten sie auf deren Einsatz verzichten und auf den Besitz „saubererer“ Waffen warten, müßten sie in der Praxis das Kämpfen einstellen. Das kämpfen eines Kampfes, den sie gegebenenfalls für existentiell notwendig, deshalb für unverzichtbar und naturlegitimiert – wenn auch gesetzwidrig – „meinen“.

Kann es da vielleicht einzig hilfreich und für alle schutzbringend sein – für alle -, mit den für sich meinungsüberzeugten Kämpfern zu reden, sie ernst zu nehmen, so wie sie zunächst sind und - zunächst noch ? - handeln, von ihnen in klarer Erfahrung zu bringen, welches die, wirklich gemeint, entscheidend wichtigen Ziele sind ? Und dann gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten, nach dem diese Ziele erreicht werden können, ohne legitime Interessen anderer zu beeinträchtigen – besonders ohne menschliche Opfer – hüben und drüben ? Denn explizit Unheil anrichten zu wollen, zu müssen, das meinen die Terroristen wohl im Grunde nicht !

16:45 13.07.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Günter Woltmann

Als freier und unabhängiger Wirtschaftswissenschaftler und politischer Publizist kenne ich die Lehrmeinungen, vertrete aber neue, modernere Konzepte.
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