Wer arbeitet am längsten?

Arbeitszeit Die internationale Arbeitsorganisation ILO hat Statistiken veröffentlicht, die zeigen, wo auf der Welt am längsten gearbeitet wird.
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Spitzenreiter ist demnach Mexiko mit 2.225 Arbeitsstunden im Jahr, gefolgt von Costa Rica mit 2.212, Südkorea (2.069) und Griechenland mit 2.035. Deutschland belegt mit 1.363 Jahres-Arbeitsstunden den 36. Rang und selbst Japan kommt nur auf Platz 22 mit 1.713 Stunden. Wobei dort der Tod durch „Karoshi“ (Arbeitsüberlastung) mit 1.456 dokumentierten Fällen am höchsten ist. In Japan gibt es allerdings keine Obergrenze für die Wochenarbeitszeit oder für Überstunden. Außerdem sind japanische Angestellt häufig gehalten, nach Dienstschluss mit ihren Vorgesetzten noch einen trinken zu gehen. Letzteres gilt übrigens auch für Südkorea.

In den Statistiken nicht berücksichtigt sind die Fälle, wo jemand noch einem Zweitjob nachgeht um über die Runden zu kommen. Und natürlich auch nicht, wie intensiv und effizient die geleisteten Arbeitsstunden tatsächlich sind.

Südkorea hat gerade die maximal zulässige gesetzliche Wochenarbeitszeit von 68 auf 52 Stunden reduziert. Der neue Grenzwert wird ab Juli 2018 erst einmal in Großbetrieben eingeführt. Vermutlich im Vorgriff auf die erwartete Wiedervereinigung, bei der dann 10 Millionen Arbeitskräfte aus dem Norden auf den Arbeitsmarkt strömen könnten.

In Ländern mit niedrigem Einkommen wird tendenziell länger gearbeitet als in wohlhabenderen Staaten. Das liegt zum Teil an dem höheren Anteil von „Selbständigen“ mit niedrigen Einkommen in den ärmeren Ländern.

Viele Länder wie z.B. Indien oder die USA kennen überhaupt keine Begrenzung der Arbeitszeit. In Thailand sind 84 Wochenstunden erlaubt, in Singapur 61. Die ILO empfiehlt eine Obergrenze von 48 Wochenstunden. In Europa wird diese Grenze nur von Belgien und der Türkei überschritten.

In Indien und den USA haben die Menschen gar keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Jahresurlaub. In Mexiko, China, Japan und Nigeria gibt es wenigstens 10 arbeitsfreie Tage. In den USA sind allerdings individuelle Vereinbarungen auf Betriebsebene verbreitet, wobei nicht immer sichergestellt ist, dass die Urlaubstage auch bezahlt werden, z.B. wenn jemand nach Stundenlohn und tatsächlich geleisteter Stundenzahl bezahlt wird. Nicht berücksichtigt ist die in allen Ländern unterschiedliche Anzahl von gesetzlichen Feiertagen.

Dass die gelebte Praxis von der tatsächlichen Zahl der Urlaubstage erheblich abweichen kann, sieht man in Deutschland. Gesetzlich vorgeschrieben sind bei einer fünftätigen Arbeitswoche nur 20 Urlaubstage, tatsächlich sind es meist mehr als 30 Tage.

Schaut man sich die großen Metropolen in der Welt an, so wird in Hongkong mit 50,1 tatsächlichen Wochenarbeitsstunden am längsten gearbeitet. Auch dieser Wert dürfte unter dem dort gesetzlich zulässigen Höchstwert liegen. Das ist natürlich kein Trost für diejenigen, die vom statistisch ermittelten tatsächlichen Mittelwert aufgrund der individuellen Situation in ihrem Betrieb nach oben abweichen.

21:51 30.04.2018
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Geschrieben von

Querlenker

Zu den Problemen unserer Zeit stelle ich funktionierende Lösungen vor, die aber aus Gründen der Konvention, der Moral oder Faulheit niemand anpackt.
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