Die Automatisierte Universelle Transaktionssteuer

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Geldgeschäfte machen ca. 85% aller weltweiten Transaktionen aus. Sie werden derzeit nicht besteuert. Durch den technischen Fortschritt der Automatisierung der Bankentransaktionen, der fehlenden Besteuerung und Regulierung ist ein Spekulationsungeheuer entstanden, welches das Funktionieren des internationalen Finanzwesens und der produzierenden, realen Ökonomie immer schneller in immer tiefere Krisen stürzt und zu einem Totalzusammenbruch der Weltwirtschaft führen kann.

Einen praktizierbaren Ausweg aus dieser Situation zeigt seit etwa 20 Jahren der deutsch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Edgar L. Feige von der University of Wisconsin-Madison auf. Er schlägt vor, in kleinen Schritten das jetzige hochkomplizierte, ungerechte Steuersystem der entwickelten Volkswirtschaften durch eine Automatische Universelle Transaktionssteuer (APT Tax = automated payment transaction tax) zu ersetzen. Eine Universelle Transaktionssteuer besteuert alle Geldtransaktionen, zum Beispiel ein Scheck, den ich bei der Bank einreiche, oder wenn Banken untereinander mit Devisen handeln, oder wenn ich Geld am Automaten von meinem Konto abhebe. Der Einzug der Steuer geschieht automatisch und anonym bei jeder Transaktion mit einem Niedrigsatz von weit unter 1%.

Hiermit würde dem derzeitigen Wahnsinn der internationalen automatisierten Finanzspekulation radikal Einhalt geboten. Derzeit wird der Produktionsfaktor Arbeit mit ca. 40% und mehr besteuert, Zwansabgaben eingerechnet, dagegen Geldtransaktionen überhaupt nicht. Dies System hat weltweit zu einer Verarmung der Arbeitenden und zu einer ungeheuren Bereicherung der Kapitalbesitzer (Spekulanten) geführt. Heute wird "Geld gemacht" mit Spekulation, nicht mit Arbeit.

Wenn sich die Banken mit dem Geld ihrer Kunden verspekuliert haben, werden sie derzeit belohnt, indem ihre Risiken und diejenigen ihrer Kunden vom Staat aufgekauft = vergesellschaftet werden (Bankenrettungspaket, Euro-Rettungspaket etc.). Mit einer Automatisierten Universellen Transaktionssteuer würden die Kapitalressourcen wieder in langfristige, produktive Investitionen geleitet zum Nutzen aller Bürger, insbesonders derjenigen, die von ihrer Arbeit leben. Eine solche Universelle Transaktionssteuer wäre auch dann wirkungsvoll, wenn sie allein in der Eurozone eingeführt würde. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die USA und Großbritannien mitziehen; denn Wallstreet und die City of London wären die großen Verlierer.

Zur Zeit beherrscht zerstörerische Spekulation die Weltwirtschaft. Wollen wir, dass dies so bleibt?

(In der Wirtschaftszeitschrift "brandeins" ist im Januar 2009 ein Interview mit Professor Feige erschienen, siehe

www.brandeins.de/archiv/magazin/wirtschaft-neu/artikel/weniger-bringt-mehr.html .

Demjenigen Leser, der sich detailliert informieren will, empfehle ich einen detaillierten Aufsatz von Edgar L. Feige in Amerikanisch unter http://ideas.repec.org/p/wpa/wuwppe/0506011.html )




07:59 19.05.2010
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Geschrieben von

Frank Linnhoff

Taugenichts im Ruhestand
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