Irakkrieg - eine amerikanische Bilanz

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Der Abzug der amerikanischen Besatzungstruppen aus dem Irak beginnt, Zeit Bilanz zu ziehen. Was hat dieser Krieg die USA gekostet? Hat er den USA mehr Sicherheit gebracht? War er eine lohnenswerte politisch-strategische und ökonomische Investition für die USA?

Im Mai 2003 erklärte Präsident Bush auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln seinem Volk und der Welt: "im Kampf um Irak haben die USA und ihre Verbündeten den Sieg davongetragen."

Die US Bürger mussten kurz darauf feststellen, dass diese Siegesverkündigung ihres Präsidenten mehr als voreilig war. Bald darauf brachen bürgerkriegsähnliche Aufstände im ganzen Land aus. Sieben Jahre nach dieser Siegesrede gibt es Fortschritte im Irak, doch ist das Land bei weitem nicht befriedet, Attentate, Gewalt und Korruption beherrschen das tägliche Leben.

Der amerikanische Präsident wollte der Welt mit diesem Krieg die überwältigende Macht der USA demonstrieren, doch es hat nur dazu gereicht, die Grenzen der Macht aufzuzeigen.

Der Irakkrieg wurde dem amerikanischen Volk verkauft unter den sicheren Annahmen Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen, er plane einen Angriff auf den Westen, er arbeite mit Al Qaida zusammen. Als sich herausstellte, dass diese Annahmen nicht zutrafen, wurde als ausreichender Kriegsgrund von der Regierung Bush angeführt, dass ein demokratischer Irak ein starker Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terror werde, der demokratisierte Irak dem Nahen Osten Beispiel werde.

Welchen Preis haben die USA für diesen Krieg gezahlt ?

Humane Koste

  • Gefallene US Soldaten: 4.394
  • Verwundete US Soldaten: 31.768
  • Gefallene der irakischen Sicherheitskräfte: mehr als 9.451
  • Gefallene irakische Zivilisten: 96.037 - 104.754
  • Gefallene nicht-irakische Söldner: mindestens 463
  • Vertriebene innerhalb des Irak: 2,6 Millionen
  • Flüchtlinge ins Ausland: 1,9 Millionen

Kapitalkosten

  • Ausgaben für Militär : 748,2 Milliarden Dollar
  • Kranken- und Invaliditätskosten für amerikanische Veteranen: ca. 560 Milliarden Dollar

Politische und strategische Kosten: Hat dieser Krieg die strategische Position der USA im Nahen Osten gestärkt? Dies ist eindeutig nicht der Fall. Der Irakkrieg hat die Position der politischen Gegenspieler der USA gestärkt und diejenige der USA geschwächt.

Stärkung der Position des Iran: die Islamische Republik Iran ist der größte strategische Gewinner des von den USA im Irak geführten Krieges. Die irakischen schiitischen politischen Führer haben enge Kontakte zu den politischen Führern des Iran. Dies stärkt den Einfluss des Iran.

Stärkung des internationalen Terrorismus durch den Irakkrieg: der Irak ist heute eines der Länder, welche am meisten von Terroristen durchsetzt sind. Die Jahre der US Besatzung haben die islamistischen terroristischen Gruppen nicht nur geeint, sondern ihnen noch dazu ein ideales Übungsfeld zur Verbesserung und Vervollkommnung terroristischer Techniken geschenkt. Diese neuen Terrortechniken werden vom Irak aus an das internationale Terrornetzwerk weitergegeben, unter anderem direkt nach Afghanistan und Pakistan.

Verlust der moralischen Authorität der USA: die Bilder und Berichte über die Verfehlungen der US Militärbesatzung sind über Fernsehen, Presse und Internet in der ganzen Welt bekannt geworden. Insbesonders die Vorkomnisse im Gefängnis Abu Graib haben die moralische Authorität der USA für Dauer untergraben.

Es ist des öfteren zu hören, dass die USA diesen Krieg geführt habe, um die irakischen Erdölfelder zu kontrollieren. Doch sind es nicht die amerikanischen Erdölkonzerne, welche die Förderlizenzen erhalten haben.

Die direkten Militärausgaben der USA für den Irakkrieg von ca. 750 Milliarden Dollar entsprechen ca. 26.000 Dollar pro Kopf der irakischen Bevölkerung oder ca. 2.500 Dollar pro Kopf der US Bevölkerung.

Folgekosten am Beispiel der US Veteranen: Insgesamt wurden mehr als 2 Millionen Mitglieder der US Armeen im Irak und Afghanistan eingesetzt. Im Mai 2009 hatten 981.831 Veteranen Anspruch auf Krankenpflege, davon haben seit 2002 insgesamt 425.538 Veteranen = 49 % Krankenbehandlung in Anspruch genommen. Wegen Posttraumatischer Belastungsstörungen sind mindestens 101.882 Veteranen in Behandlung. Insgesamt leiden ca. 276.000 Irak- und Afghanistanveteranen an traumatischen Gehirnstörungen. Die Kosten für Krankenpflege für die Folgen des Irak- und Afghanistankrieges werden auf mindestens 560 Milliarden Dollar geschätzt.

Welche Kosten für das irakische Volk? Hierüber liegen keine genauen Daten vor. Es kann angenommen werden, dass sie den Rahmen des Vorstellbaren sprengen würden.

Nachtrag: dieser Beitrag basiert auf den Zahlen eines Aufsatzes, welcher im Center for American Progress in Washington unter dem Namen "The Iraq War Ledger" publiziert wurde, zu lesen unter

www.americanprogress.org/issues/2010/05/iraq_war_ledger.html

21:30 10.05.2010
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Geschrieben von

Frank Linnhoff

Taugenichts im Ruhestand
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