RE: Eine Sprachzensur findet nicht statt | 04.06.2018 | 18:18

Für mich sind diese Diskussionen mittlerweile nerviger als eine halbe Stunde Warteschleife bei der Telekom. "Wenn Sie Argument pro lesen möchten, drücken Sie bitte die ..."

Also drücke ich auf Argment pro1 (oder kontra1, es gibt in diesen Diskussionen ja immer nur ein Entweder-Oder. Dialektik ist abgeschafft). Ich lese also:

"Zunächst soll allerdings kurz die Frage beantwortet werden, auf die sich Greiners Text bezieht: „Droht uns die Sprachzensur?“ Die Antwort darauf ist einfach, da es eine dämliche Suggestivfrage ist, die schnell beantwortet werden kann: Nein. Uns droht keine Sprachzensur.Artikel 5 des Grundgesetzes besagt: „Eine Zensur findet nicht statt.“

Wer sich zensiert fühlt, darf dagegen klagen. Genau so ist es mit der Meinungsfreiheit."

Ja, wenn dies ein Argument sein soll und nicht die Manifestation einer gewissen politischen Naivität, dann drücke ich schon nicht mehr auf pro2, sondern lege den Hörer auf.

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 04.06.2018 | 16:48

Danke. Da gab es wohl - nicht bei mir - Missverständnisse.

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 04.06.2018 | 13:51

Ich freue mich auf die Ausstrahlung, auch wenn ich die Interviewaussage Selges

"Wir hatten dem Verfassungsschutz das Stück geschickt und gebeten, es auf eine mögliche Gefährdungslage hin zu lesen. Der Anschlag im Bataclan hatte gerade erst stattgefunden; da hatte ich schon ein bisschen Angst. Aber die haben uns beruhigt. Erst mal fanden sie das Stück nicht islamophob; und dann sind wohl auch ganz andere Veranstaltungen als so ein Theaterabend gefährdet"

so 'was von deutsch finde.

Houellebecq ist ein ganz Großer. Er mag persönlich ein "nouveau réac" sein (wie sein kongenialer Referenzautor Philippe Muray), aber seine Romane (weniger seine Vorträge) sind grandios. Die gründliche Ironisierung aller Lebenslagen der Gegenwart hat ist für mich ein Akt der Aufklärung, auch wenn ich ihm nicht in den totalen Zynismus folgen kann, folgen will. Der Ökonom Bernard Maris, im Charlie-Attentat ermordet, verweist kurz vor Erscheinen der Soumission (und seinem Tod) auf die vielen kapitalismuskritischen Elemente im Werk Houellebecs. Eine linke, Sie würden schreiben "linke" Lektüre, bietet sich förmlich an.

Pointe der Soumission (und die gehört zum Thema Marion Maréchal): Der intellektuelle "Held" und Fachmann für einen katholischen Autor des Fin-de-siècle findet sich im rechten Katholizismus nicht wieder und zieht einen "sanften" Islam vor. Der gibt ihm auch keinen Sinn, aber es lässt sich damit leben. Damit provoziert H. natürlich die Rechten, aber auch die sozietale Linke. Die Provokationsmaschine H. läuft permanent, und das ist heilsam.

Ein Roman H's über die schicken Rechtsintellektuellen um Marion Maréchal, das hätte was. Auch für deutsche Leser, für ur-deutsche sowieso.

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 04.06.2018 | 09:23

Und als Bitte: In Ihrem letzten Kommentar zur "Unterwerfung" sind die Sätze zum "abendländischen Individuum" missverständlich formuliert. Könnten Sie unter "Beantworten" kurz erläutern, was gemeint ist?

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 04.06.2018 | 08:38

"...das neu-angebot von köpfen: charismatischer,

national-tribunenhafter, europäisch-bonapartistischer spiel-art

rivalisiert, reibt sich und wird sich verschleißen:

der ökonomische umbau der gesellschaft duldet keinen architekten.

er ist auto-poetisch, (finanz-)kapital-generiert..."

Danke für die Kommentare. denkzone8. Ich kann natürlich nicht auf alle von Ihnen angerissenen Aspekte und erkenntnisreichen Wortspiele eingehen und beschränke mich vorerst auf obiges Zitat.

Die angebotenen Köpfe, besser ihre Porträts für die Massen, scheinen momentan wirklich den europäischen politischen Markt zu überschwemmen. Sie sind jung, gebildet, überzeugt und überzeugend, rechts bis rechtsextrem, zunehmend weiblich, bourgeois, wirtschaftsliberal, zupackend, kurz, ideale Testimonials (so wie Schauspieler, Sportler, Moderatoren ...Man sollte Politikerspots in die normalen Werbesendungen platzieren. Aber das würde ihren Verschleiß befördern). Ähnliches gibt es natürlich spätestens seit Alkibiades, aber das waren andere Zeiten. In der Phase des "Spätkapitalismus" (man wagt den Begriff ja kaum noch) sind all diese kleinen Bonapartes einem geplanten oder ungeplanten (?) Verschleiss unterworfen, weil ihnen die im Fordismus noch existente Bevölkerungsbasis fehlt. Köpfe müssen also "rollen", und zwar immer schneller. Es ist, man mag es nicht richtig glauben, möglich, dass selbst ein Wauquiez, der Seriösität spielt, 2022 einen "verschlissenen" Macron ablöst. Die Chancen Maréchals habe ich oben erörtert. Wer oder was kommt nach Maréchal? etc.etc.

Dass auf der Linken (im weiten Sinne) noch keiner dieser Scheinnapoleoni mit Erfolg aufgetaucht ist, ehrt diese und beweist die Wirkunsmacht demokratischer Theorie, zeigt aber zugleich ihre Macht- und Marktlosigkeit. Sie haben halt keine Gewinnchancen. Die "besten" Placements gibt's im rechten Teil des politischen Feldes. Die Grünen scheinen diesbezüglich schon etwas weiter zu sein.

Wenn also das Politische immer mehr ein "kapital-generiertes Produkt", ein werbendes Kunstwerk, ein Quasi-Subjekt zur Unterhaltung der mehrwertschaffenden oder still auf Arbeit wartenden Bevölkerung ist oder wird, wenn sich "das Kapital" sowieso immer durchsetzt (un es kann ja auch anders als nur durch schöne Bilder sedieren), ist dann jede Kritik, jeder Widerstand sinn-los?

Nein und nochmals nein. Aber bitte, verlangen Sie jetzt keine Begründung für meinen Optimismus.

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 03.06.2018 | 19:55

Gerade lese ich von weiteren Problem Marine Le Pens- Der bürgerliche stramm rechte Verbündete Dupont-Aignan, Präside der Partei Debout la France und immer für einige Prozentpunkte gut, weist heute den Vorschlag einer gemeinsamen Liste mit dem RN (ex-FN) bei den Europawahlen 2019 zurück. "Wir werden nur gewinnen, wenn wir das alleinige Tête-à-Tête mit Marine Le Pen verlassen." Er sucht sich nun andere Verbündete im rechten Lager. Vielleicht findet er ja bald Marion Maréchal.

RE: Marion Maréchal - der Weg nach oben | 03.06.2018 | 18:08

Danke, iDog.

Beim Verfassen ist mir übrigens erst gegen Ende aufgefallen, dass die Linke (im weiten Sinne) in dieser Frage gar nicht (mehr) auftaucht.

RE: Washingtons Rundumschlag | 02.06.2018 | 11:01

Korrektur. Ohne "weine". Das Weinen kommt später.

RE: Washingtons Rundumschlag | 02.06.2018 | 10:58

"Wir müssen schneller werden und eine große Zahl an Soldaten und Gerät zügig bewegen können, um glaubhaft abzuschrecken und Verteidigungsbereitschaft zu zeigen", wird ein Nato-Diplomat zitiert. Die Initiative für die neue Eingreiftruppe ging dem Bericht zufolge in den vergangenen Monaten von den USA aus.

Die Nato will künftig auch die militärische Mobilität verbessern, um schweres Gerät wie Panzer schneller zum Einsatzort transportieren zu können. Dafür seien Verbesserungen in der Infrastruktur notwendig, aber auch der Abbau administrativer Hürden und beschleunigte politische Entscheidungen." (t-online, 2.6.)

Geht doch! Das sind doch Kompensationen, die deutsche (und amerik., brit., französische und russische) Unternehmer und Banker vom "Stottern" befreien werden, die Waffen-, Bau- und Autoindustrie (inklusive "deutschen Mittelstand") größere Investionsfelder und weine "weiter Front" öffnen. Inklusive Abbau der Demokratie und Nationalismus.

RE: Washingtons Rundumschlag | 02.06.2018 | 09:42

Merkwürdiger Text.

Nicht nur wegen der Metaphern:"weite Front", "Ächzen" ("unterm amerikanischen Joch" fehlt noch), "die stotternden Deutschen" (obwohl entfernt an die Bedeutung des Worts Barbaren einnernd, hat es was), "bröckelnde Wand des Widerstands" etc.

Wie selbstverständlich, quasi naturwüchsig, wird von einem "deutschen" Interesse ausgegangen. Die angekratzten Interessen sind die der deutschen Unternehmer- und Anleger-Bourgeoisie (die allerdings gut kapitalistisch einen nicht geringen Teil des globalen Mehrwerts akkapariert, vor allem in Europa, aber selbstverständlich auch in den USA, China, Russland etc.etc. It's economy. Und die via Politik enorme Handelsüberschüsse produziert und gleichzeitig - per Lohndumping in Deutschland und den europäischen Ländern enormen Ungleichgewichte herstellt, die Deutschland zur hegemonialen Macht in Europa machten. Nicht nur die Griechen müssen dies schmerzlich erfahren.

Implizit fordert die Autorin also Solidarität mit bestimmten "deutschen" Herren (und Damen) der Welt, besonders mit dem "deutschen" Mittelstand (der Begriff ist wohl unkaputtbar), mit denen also, die locker zur Misere beigetragen haben, und für die "Deutschland" eine ideologisch und praktisch nützliche Herrschaftsvokabel ist (Exportweltmeister, Fussballweltmeister).

Meint die Autorin, dass wir Krauses wirklich "Widerstand" in einer "Front" mit den Krupps leisten sollen? Hatten wir diesen "anachronistischen Zug" nicht schon einmal?