xanth
09.03.2016 | 14:13 7

Die Logik der Abschreckung – wohin führt sie?

Atomare Drohungen Nordkorea demonstriert, wohin die nukleare Abschreckung uns führen kann - zu einer Atomkatastrophe.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied xanth

Eingebetteter MedieninhaltEs bewegt sich was. In diesen Tagen klagt die Republik der Marshall-Inseln vor dem Internationalen Gerichtshof gegen die Atomwaffenstaaten, weil sie ihr im Atomwaffensperrvertrag verankertes Abrüstungsversprechen nicht gehalten haben. Gleichzeitig verhandelt die UN zur Zeit, zum ersten Mal über konkrete juristische Maßnahmen für die Abschaffung der Atomwaffen. Allerdings bleiben die Atomwaffenstaaten diesen Verhandlungen fern. Parallel dazu spitzt sich die atomare Bedrohungslage immer mehr zu. Die USA und Russland reden nicht mehr über Abrüstung, sondern rüsten mit massiven Modernisierungen der Atomwaffen auf - mitten in zwei heißen Konflikten um die Ukraine und Syrien. Und Nordkorea demonstriert, wohin die nukleare Abschreckung uns führen kann.

Die Medien machen Kim Jong-Un zur Lachfigur. Doch das ist gefährlich. Ein Land wie Nordkorea, geführt von einem diktatorischen Familienclan, der sich seit den 1950er noch im Krieg befindet und jetzt über Atomwaffen verfügt, ist nicht zum Lachen. Die IPPNW hat in der Nordkorea-Krise im April 2013 ausgerechnet, was Seoul erwarten würde, wenn Nordkorea eine einzige Atombombe mit einer Sprengkraft von nur 10 Kilotonnen auf die südkoreanische Hauptstadt abwerfen würde. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte wurden allein in den ersten vier Monaten etwa 140.000 Menschen sterben. Hinzu kämen mehr als 1 Million Menschen, die aufgrund der Druckwelle und der großen Hitze schwere Verletzungen oder Verbrennungen erleiden oder Opfer der radioaktiven Strahlung werden würden.

Wir haben vergessen, wie zerstörerisch Atomwaffen sind. Viele Menschen denken, Atombomben sind nur größere Bomben. Dabei vergessen sie die enorme Hitze, die bei der Explosion erzeugt wird und schlimme Verbrennungen verursacht. Oder die Radioaktivität, die viele Menschen einen qualvollen Tod an der akuten Strahlenkrankheit bereitet sowie die Langzeitfolgen für diejenigen Opfer, die nicht sofort sterben. Wir sollten jegliche Drohung des Einsatzes mit Atomwaffen sehr ernst nehmen, egal wer sie ausspricht. Die humanitären Folgen einer einzigen Atomwaffenexplosion würden eine Katastrophe verursachen und jegliche medizinische Hilfe praktisch außer Kraft setzen.

Als es um den Verdacht ging, der Iran würde eine Atombombe entwickeln, reagierte die Welt beinnahe hysterisch. Im Vergleich zu dieser Reaktion bleiben die USA erstaunlich gelassen, wenn es um Nordkorea geht. Zunächst wurde behauptet, Nordkorea sei nicht in der Lage, eine Atomwaffe überhaupt zu entwickeln; die Atomtests wären womöglich getürkt oder misslungen. Dann hieße es, der letzte Test könnte auf keinem Fall von einer Wasserstoffbombe stammen. Außerdem sei das Land nicht zu der notwendigen Verkleinerung der Atombombe fähig, um sie auf einer ballistischen Rakete zu montieren.

Dennoch funktioniert die Abschreckung anders. Wenn es möglich ist, dass das Land (oder auch ein nichtstaatlicher Akteur) schon in der Lage ist, eine Atombombe einzusetzen, egal wie, ändert sich die Lage maßgeblich. Nordkorea handelt "logisch" – im Sinne der Abschreckungslogik. Auch wenn „Experten“ meinen, die Abschreckung Nordkoreas sei nicht glaubwürdig. Sie muss ernst genommen werden, da die humanitären Folgen so gravierend wären für die Menschheit.

Über mehr als zehn Jahren arbeitet das Regime an der Entwicklung dieser Massenvernichtungswaffe und setzt dazu alles in ihrer Macht stehende ein – auch auf Kosten der Bevölkerung. Samantha Power, UN-Botschafterin der USA, sagte dazu kürzlich: „Das chronische Leid der Menschen in Nordkorea ist das direkte Ergebnis des Handelns der Regierung, die ihren Atomwaffen und ballistischen Raketenprogrammen mehr Priorität einräumt als den Grundbedürfnissen ihres Volkes.“ Allerdings erlaube ich mir hier die Bemerkung, dass die USA planen, in den nächsten dreißig Jahren bis zu einer Billion US-Dollar in ihr Atomwaffenprogramm zu stecken und ebenfalls zu wenig für die Grundbedürfnisse eines erheblichen Teils der US-Bevölkerung sorgen. Denn der Besitz von Atomwaffen stellt nicht nur eine unmittelbare Bedrohung für Menschen dar, er zieht Mittel von anderen wichtigen Aufgaben ab.

Die Eskalation der Lage auf der koreanischen Halbinsel lockt einige Befürworter der atomaren Abschreckung aus ihren Verstecken, die sich jetzt in ihrem Glauben bestätigt fühlen. Wegen Kim Jong-Un (oder Putin, der auch als Buh-Mann fungiert) müssen wir die Atomwaffen unbedingt beibehalten. Aber die Geschichte zeigt uns, dass diese Abschreckung nicht funktioniert: Wenn sie beidseitig eingesetzt wird, führt sie zu einer unhaltbaren Eskalation und Aufrüstung, schließlich zu einem Wettrüsten. In dieser Lage passieren Fehler und Unfälle, die uns zusätzlich bedrohen. Die Dokumentation solcher Fehler im Kalten Krieg zeigen, wie nah wir schon am Atomkrieg vorbeigeschrammt sind. Wollen wir dahin wirklich wieder zurück?

Aus der Konfliktbearbeitung und Mediation ist bekannt, dass man bei der Konfliktbearbeitung zunächst auf die Bedürfnisse der Akteure schauen sollte. Nordkorea hat seine Hauptforderung beständig wiederholt: Das Land will endlich ein Friedensabkommen mit den USA. Ähnlich wie beim Iran sollten die USA über ihren Schatten springen und direkte Gespräche über ein solches Abkommen aufnehmen. Die gefährlichen Militärübungen, die sie jährlich mit Südkorea durchführen, sollten abgesagt werden. Sie sind nicht notwendig. Kim Jong-Un weiß allzu gut, was die USA anrichten könnten. Vor allem jegliche Pläne, die Atomanlagen Nordkoreas zu bombardieren, gehören in den Mülleimer. Kim Jong-Un immer mehr in der Ecke zu zwingen, endet in mehr als Tränen. Am Ende dieses Weges könnte eine atomare Katastrophe drohen.

Eine Gesamtlösung des nuklearen Problems liegt in weiter Ferne. Aber eins können jetzt alle Staaten verabreden, zur Not auch ohne die Atomwaffenstaaten: Atomwaffen können – wie biologische und chemische Waffen – verboten werden. Dieser Schritt ist für viele noch schwer vorstellbar, da wir seit über 70 Jahre mit dem Damoklesschwert eines Atomkrieges über unseren Köpfen leben. Aber früher dachten wir auch, es sei unmöglich, B- und C-Waffen oder Landminen zu verbieten. Und heute haben wir Verträge, die wir – wie in Syrien – anwenden können.

Wir stehen in der Geschichte an einer Kreuzung. Die Logik der Abschreckung führt zum Wettrüsten; die Logik des Friedens zum Verbot von Atomwaffen und einer Kriminalisierung des Besitzes aller Massenvernichtungswaffen. In welcher dieser beiden Welten wollen wir leben?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (7)

Aussie42 10.03.2016 | 11:40


Ich stimme Ihnen zu, dass die Abschaffung aller nuklearen Waffen und deren Verbot laengst ueberfaellig ist. Es ist absolut notwendig immer wieder daran zu erinnern, dass es diese Waffen trotz aller internationalen Vertraege etc. immer noch gibt. Die in Deutschland gelagerten werden permanent "modernisiert". Diese Sprengkoepfe muessten laengst abtransportiert sein.

Nordkorea ist aber ein ziemlich schlechtes Beispiel, um auf die Gefahren eines nuklearen Krieges hinzuweisen. Dafuer gibt es mehrere Gruende. (hier nur drei):

1. Obwohl die westlichen Medien Kim jong un als "irren Diktator" inszenieren, ist er ein sehr berechnender Politiker. Ein atomarer Angriff (auf wen auch immer) waere lediglich Selbstvernichtung, ist also keine Option, die Kim zur Verfuegung steht.

2. Kim (wie schon Vater und Grossvater) ist sehr geeignet fuer das Marketing der nuklear Waffen Industrie (vor allem in den USA).

3. Kim ist seit seiner Schulausbildung in der Schweiz fest im Griff der wichtigen Geheimdienste. (Sonst haetten die voellig gepennt.) Er hat vor allem die Aufgabe zu verhindern, dass mehrere Millionen Nordkoreaner ueber die Grenzen nach China oder Sued-Korea laufen.

Trotzdem haben Sie Recht, dass derzeit die Gefahr eines nuklearen Krieges waechst. Aber nicht in Ost-Asien, sondern zwischen Indien und Pakistan. Drei Gruende:

1. Beide haben Lenk-Raketen, die zielgenau ueber eine Entfernung von ca. 1000 km eingesetzt werden koennen. Dass deckt fast ganz Pakistan und die noerdliche Haelfte Indiens ab. Indien hat seine IT-Industrie im Sueden angesiedelt (Hyderabad, Bangalore, Chennai).

2. Pakistan wird zunehmend unregierbar. China und die USA verlieren langsam die Kontrolle ueber die pakistanischen nuklear Waffen.

3. Alle Nuklearmaechte wollen wissen, ob und wie ein "begrenzter" Nuklear-Krieg gefuehrt werden kann. In Indien und Pakistan wuerde der "Versuch" jeweils ca. 50 bis 300 Mio Menschen toeten.

Dieses akute Problem wird nirgendwo diskutiert. Stattdessen ist der Suppenkasper Kim auf den Frontseiten.

Joachim Petrick 10.03.2016 | 15:07

Danke für den Beitrag!

"Allerdings erlaube ich mir hier die Bemerkung, dass die USA planen, in den nächsten dreißig Jahren bis zu einer Billion US-Dollar in ihr Atomwaffenprogramm zu stecken und ebenfalls zu wenig für die Grundbedürfnisse eines erheblichen Teils der US-Bevölkerung sorgen. Denn der Besitz von Atomwaffen stellt nicht nur eine unmittelbare Bedrohung für Menschen dar, er zieht Mittel von anderen wichtigen Aufgaben ab."

Glt der Kalte Krieg, der trotz und wg- des Zusammenbruchs der Blöcke fortbesteht, nicht ohnehin allein dem Ziel, die Verfügung über den Reichtum der Völker zu Gunsten der Wenigen zu Lasten der Vielen zu organsieren und diesen Willen, diese Vorstellung durch das atomare Gleichgewicht gegenseitiger Abschreckung zu verewigen? Und damit gegebene Versprechen der Atomstaaten mit dem Atomsperrvertrag von 1957 an Nicht- Atomstaaten, Atomwaffen zu kontrollieren, deren Verbreitung zu verhindern und auf Sicht ganz abzuschaffen nicht einlösen?

Bleibt die atomare Bewaffnung und deren Ausbreitung nicht solange durchgesetzt und fortgeführt, solange die friedliche Nutzung der Kernernergie als Schlid und Blackbox taugt, die Entsorgung miiltärisch atomar radioaktiv strahlendem Giftmülls unmerklich, neben der Entsorgung zivil atomar radioaktiv strahlendem Giftmülls, über Gebühr weltweit Verbrauchern aufzubürden?

"Nordkorea hat seine Hauptforderung beständig wiederholt: Das Land will endlich ein Friedensabkommen mit den USA. Ähnlich wie beim Iran sollten die USA über ihren Schatten springen und direkte Gespräche über ein solches Abkommen aufnehmen"

Steht dagegen nicht, wie im Fall des geteilten Deutschlands der Alleinvertretungsanspruch nationaler Interessen durch Westdeutschland, den die UdSSR letztendlich zu Lasten der DDR Richtung deutsche Einheit mit Erfolg über Perestroika, Glasnost Michail Gorbatschows kommunizierte, der Alleinvertretungsanspruch Nordkoreas für nationale Interessen Koreas zu Lasten Südkoreas?

Wo ist die Bürgerbewegung in Nord- oder Südkorea, wie einst in der DDR, die diesen nationalen Abgrund zum Wohl und Gedeih aller Teile Koreas international kommuniziert zu überbrücken vermag?

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/atomic-africa-we-want-power-no-arms
Joachim Petrick
07.06.2013 | 03:24
Atomic Africa "We want power, no arms"

50 AKWs in Africa Die dafür benötigten Uranreserven der Sahara sind vor Ort vorhanden und doch hart umkämpft, stellen sie doch die wichtigste Quelle für Frankreichs 50 Atommeiler dar.

Joachim Petrick 10.03.2016 | 15:30

"Dieses akute Problem wird nirgendwo diskutiert. Stattdessen ist der Suppenkasper Kim auf den Frontseiten."

Das nenne ich einmal eine Analyse.

Nordkorea steht in der Reihe ungehindert erfolgter Verbreitung atomarer Waffen, selbst durch den Partnerstaat China als Atommacht nicht gehindert, an letzter erfolgreicher Stelle.

Welches Interesse könnten Atommächte wo und wann haben, eine Region zum atomaren Versuchsgelände mit Abermillionen Toten, Versehrten gar ganz "nebenbei" als atomares Endlager für weltweit verbreiteten Atommüll auszubaldowern, um vermeintlich und wirkliche Gefahren atomarer Interventionen, Belastung durch atomaren Giftmüll, von sich selber fernzuhalten und gleichzeitig die Weiterverbreitung von Atomwaffen als sicherheitspolitisch relevante Option für bestimmte Staaten zu Lasten deren Haushalte und Allgemeinen Wohlstands zu nähren?

Atomare Gefahren bleiben atomare Gefahren, in Nahost mit der Atommacht Israel, in der Ukraine mit der Atommacht Russland, dem harvariert ungesicherten AKW- Komplex Tschernobyl im Jahr 1986, Fukushima GAU 2011 in Japan, Korea, Pakistan, Indien, den umweltzerstörend ungesicherten Uranabbaugebieten in aller Welt, voran in Afrika,.

Joachim Petrick 10.03.2016 | 17:12

Hallo Aussie42,
irgendetwas war doch noch, was an atomaren Gefahrenlagen fehlte, nämlich die Gefahren, die von zivilen Atomanlagen weltweit ausgehen, sei es, weil Staaten zerfallen, sei es, weil AKW- Betreiber auf Profit gepolt bleiben, Risiken maroder Meiler, wie jetzt in Belgien, in Fessenheim/Frankreich vor zwei Jahren, Sörfälle herunterspielen, gar unterschlagen, sei es, dass diese AKW- Anlagen Ziel terroristischer Anschläge mit konventionellen Mitteln sind, sei es, dass es zu Naturkatastrophen wie im Fall Fukushima 2011 kommt

Ohnehin kommt mir die Aufrechterhaltung militärisch atomarer Abschreckung durch die Atommächte seit Tagen des Kalten Krieges so vor, als ob dadurch die eigentlich schleichenden Gefahren ziviler Nutzung der Atomenergie mit ihren Bergen an atomar radioaktiv strahlendem Giftmüll bis zur Unkenntlichkeit marginalisiert werden sollen

denkzone8 10.03.2016 | 18:37

die pakistan-indien konfrontation, die jederzeit aus innen-politischen quellen der beiden länder hochsprudeln kann, ist im medialen bewußtsein der republik ganz an den rand gedrängt. für den durchschitts-medien-nutzer sind mehr als drei ganze und drei viertel krisen nicht zu beobachten. davon leben komplexitäts-reduzierer mit dem image der unbestechlichen hausfrau(und auch noch studiert) bis an jene schwelle, wo ihre haus-geltung von außen infrage gestellt wird(f-frage).

Aussie42 11.03.2016 | 04:35

Du weisst, wie ich zum Problem der nuklearen Waffen stehe. Die muessen verschwinden. Fuer nukleare Energieerzeugung gilt das gleiche. Beide Technologien sind nicht zu beherrschen. Fullstop.

Was die gegenwaeretige Situation angeht, sind wir aber etwas unterschiedlicher Meinung.

1. Nordkorea steht seit langem unter Kontrolle der Grossmaechte (RS, USA, CHina).
Die lassen es zu, dass mit Technologie aus den 50er Jahren an Plutonium-Bomben rumgebastelt wird. Nordkorea hat keine einsatzfaehigen Waffen und keine Einsatzmittel.
Der Rest ist Propaganda, die ein kleiner dicker Mann im Auftrag der Grossmaechte veranstaltet. Das hat schon dazu gefuehrt, dass die Japaner mehr Raketenabwehrsysteme in den USA kaufen und die Chinesen ihre Streitkraefte umbauen. Auch Russland ruestet in Ostasien auf. Weil da gibt's ja diesen unberechenbaren Zwergstaat mit seinen Atomwaffen.
Das gefaehrlichste an Nordkorea, ist das Kernkraftwerk mit dem das Plutonium erzeugt wird. Ansosnten duerfen sie nur unterirdisch(!) mal ein bisschen knallen.
Und ihre Technik koennen die Jungs schon lange nicht mehr verkaufen, weil die voellig veraltet ist.
Was daraus in den Medien gemacht wird, ist Stimmungsmache, Humbug und soll lediglich die Aufruestung begruenden.

Gut, man kann den "Atomwaffenstaat NK" so einschaetzen, wie die westlichen Medien. "Wir" glauben denen zwar sonst kein Wort, aber im Fall Nordkorea koennten die ja mal Recht haben. not my cup of tea.

2. Wichtiger scheint es das mogliche "Ausprobieren" eines "begrenzten Atomkrieges" einzuschaetzen. Die Generale sehen das vermutlich so:

Alle Daten ueber die Wirkungen von Kernwaffen stammen aus den 50er/60er Jahren, sind daher veraltet und bezogen sich zudem auf Sprengkoepfe mit hohen Wirkungen.
Seitdem wurden die Koepfe miniaturisiert. Ob das Verhalten dieser "kleinen" Waffen den Simulationen entspricht, ist zumindest zweifelhaft. Also: Ihr Einsatz waere ein grosses Risiko.

Andererseits waere die militaerische "Faehigkeit" einen begrenzten nuklearen Krieg fuehren zu koennen, eine preiswerte Moeglichkeit, um Grossmachtdominanz zu zeigen.

Darum haben die Grossmaecht, so muss man wohl annehmen, ein Interesse an der Erprobung eines "begrenzten Atomkrieges".
Indien und Pakistan waere die geeigneten Kandidaten.
Auf Grund ihrer Bevoelkerungszahl und Mentalitaet koennten beide Staaten zivile "Verluste" in der Groessenordnung 10-100 Mio Menschen problemlos riskieren.
Ein solcher Krieg waeren in wenigen Tagen vorbei. Beide Laender koennten sich auf das der Selbstverteidigung berufen.
usw.


In indischen Zeitungen wird ueber solche Szenarien seit langem diskutiert. Die USA haben die nukleare Aufruestung Indiens durch die Genehmigung von Urankaeufen in Australien beschleunigt. Sobald die Situation in Afghanistan zugunsten der Taliban gekippt ist, koennten die Grossmaechte gruenes Licht geben.

Ich will nicht behaupten, dass das unvermeidlich ist. Ein solcher Krieg ist aber derzeit die groesste nukleare Gefahr, die aber kaum beachtet wird.

xanth 11.03.2016 | 09:09

Ich wiederhole. Man muss jegliche atomare Drohung ernst nehmen, egal wer sie ausspricht. Das gilt natürlich für andere Staaten, die mit Atomwaffen drohen. Es gilt auch für noch unterentwickelte Technologien, wie unser Beispiel mit einem 10 KT Atombombe auf Seoul, die mit einem Flugzeug (wie bei Hiroshima und Nagasaki) abgeworfen werden kann. Man muss nicht miniaturisieren oder auf einer Rakete montieren, um Massen zu vernichten. Und auch die atomare Bedrohung durch AKWs, sei sie durch Unfall, Naturkatastrophe oder Angriff kann nur durch den Ausstieg aus der Atomenergie verhindert werden.