Das Verschaffen von Dingen

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Drei­mal um­zie­hen ist wie ein­mal ab­bren­nen, plap­pert der Volks­mund gern, aber ich glau­be, dass dies mit einem rich­ti­gen Ver­bren­nen von Hab und Gut nicht ver­gleich­bar ist. Wenn alle meine Pa­pie­re: Pass, Ar­beits­zeug­nis­se, Bil­dungs­nach­wei­se und der ganze Kack sich in Rauch auf­lö­sen wür­den, wäre ich nicht nur ziem­lich auf­ge­schmis­sen, son­dern von Amts­we­gen auch gar nicht rich­tig da. Denn alles was nicht of­fi­zi­ell ab­ge­stem­pelt ist erst­mal frag­lich. Sie sind sind Herr R.? DER Herr R.? Da kön­nen sie mir ja viel er­zäh­len? Hoch­schul­ab­schluss? Zei­gen sie mal den Wisch! Da ist nich viel zu ma­chen ohne Ab­ge­hef­te­tes!
Das Be­wusst­sein der Be­hör­den be­stimmt eben nun mal das ei­ge­ne an­ge­seng­te Sein. Huch, hab ich jetzt ge­ra­de Phi­lo­so­phie­ge­schich­te ge­schrie­ben?
Um­zie­hen ist kein Ab­bren­nen, son­dern ein Ver­schaf­fen von Din­gen! Dar­auf möch­te ich den Vor­gang auch re­du­ziert wis­sen. An­sons­ten geht es wie immer im Leben um Ge­füh­le (bitte ge­dehnt aus­spre­chen!) und die sehen so aus, dass sich der Selbst­schlep­per da­nach wie eine ab­ge­grif­fe­ne Avo­ca­do im Frei­tag abend­li­chen Su­per­markt fühlt-​ die wohl am hef­tigs­ten ge­drück­te Gast­frucht des Abend­lan­des.
Der ei­ge­ne Umzug fin­det meist zu einer Zeit statt, wo der Groß­teil des Freun­des-​ und Be­kann­ten­krei­ses schreck­lich viel zu tun hat, wäh­rend sie sich zur Ein­wei­hungs­fei­ern alle noch ein Zeit­fens­ter raus­bo­xen kön­nen um einem das frisch be­zo­ge­ne quar­tier schmut­zig zu tram­peln. Zeit­fens­ter! Wer hat die­ses Blen­der­wort ei­gent­lich er­fun­den? Bill Gates?
Das wohl häu­figs­te Wort bei Um­zü­gen ist: Geht’s? Da ra­ckern sich zwei an einem Ei­chen­schrank ab, das scharf­kan­ti­ge Holz bohrt sich in die Han­din­nen­flä­chen, Split­ter ste­cken in zar­ter Haut, es ächzt und stöhnt wie beim Py­ra­mi­den­bau und da kommt eine leicht­fü­ßi­ge, am bes­ten nur mit einem Pa­pier­lam­pen­schirm be­la­de­ne, Per­son daher und fragt: Geht’s?
Das macht die Sache nicht leich­ter und wenn dann die Schrank­tü­ren auf­ge­hen, weil das Gaffa reißt und eine Samm­lung von Hüh­ner­göt­tern die Stu­fen run­ter­pur­zelt, dann kann sich Frau oder Herr „Geht’s“ ja mal nütz­lich ma­chen.
Ab­so­lu­tes Muss nach so einer Ak­ti­on ist der Satz: Da wisst ihr heute Abend was ihr getan habt!Da

11:45 11.07.2011
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Geschrieben von

Yacop Rakete

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