Medizin. Die säkulare Religion

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Religion und Medizin waren in der Menschheitsgeschichte von der Steinzeit an untrennbar miteinander verbunden. Von den Schamanen bis zu den großen Religionsstiftern waren Heilige oft auch Heiler. Der Prophet Mohammed heilte durch Handauflegen ein gebrochenes Bein, der Buddha wird als „Lehrer der Medizin“ verehrt, Jesus heilte Blinde und Taubstumme und sogar auf die Messiasfrage wird mit Heilungsversprechen geantwortet: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“

Mit der Aufklärung im 18. Jh. trennte sich die Medizin von der Religion. Seither versucht sich die Medizin von jedwelchen religiösen Referenzen zu distanzieren.

Sie werden verächtlich den alternativen Heilmethoden zugewiesen, sie selbst nimmt Wahrheit, Objektivität Tatsachenbezug nur für sich in Anspruch.

Der Rationalismus erhob die Fähigkeiten des Geistes auf eine höhere Ebene als alle anderen Quellen des Wissens. Spirituelle Einsichten sollten keine Rolle mehr spielen. Alles was man nicht messen und wiegen konnte und alles was sich im Rahmen eines logischen Systems nicht als wahr oder falsch bewährte, wurde verbannt. Aus diesem Dogma entwickelte sich der medizinischen Materialismus. Heilung reduzierte sich auf körperliche Wiederherstellung. Das vernünftige Denken wurde auf die analytischen Abstraktionen reduziert, denen man eine Art Allmacht einräumte. .Der physische Körper wurde zum nahezu einzigen Bezugspunkt, wenn es um die Frage der Gesundheitging.

Ethische Fragen (Klonen, Organhandel etc.) wurden nach und nach zu Fragen des technisch und ökonomisch Machbaren und die Medizin leidet inzwischen an einem Szientismus, der ihr Grenzen aufzeigt.

So recht gelingt es ihr jedoch nicht, sich von der kalten, herzlosen Schönheit ihres Dogmas zu verabschieden und kriegt doch, bei jedem selbstgefälligen Blick in den Spiegel, wie die schöne Königin aus Schneewittchen, immer wieder die Antwort, dass es eine noch Schönere gibt...;-)

Die medizinische Wissenschaft beruft sich auf Rationalität, jedoch sind ihre Erklärungsmuster oft Rationalisierungen. Wenn beispielsweise homöopathische Behandlungen zu deutlichen Verbesserungen des Gesundheitszustandes führen, werden diese Sachverhalte bestritten mit dem Hinweis, dass es sich um einen Einzelfall handelt, dass es einem reinen Placeboeffekt zu verdanken sei, dass die Untersuchungen nicht nach den Regeln der Kunst durchgeführt wurden, dass weitere Studien notwendig seien, dass nicht sein kann was nicht darf ((„Dafür gibt es keine schlüssigen Beweise“) etc.

Die moderne Medizin, so sehr sie sich auch bemüht, ausschließlich den Eindruck von Wissenschaftlichkeit zu erwecken, weist viele Merkmale auf, die religiöse Glaubenssysteme kennzeichnen.

Die randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblindstudie garantiert die Reinheit der Lehre, diese geheiligten Studien werden als die einzigen Quellen der Erkenntnis anerkannt und alle anderen Wissensformen werden als minderwertig eingestuft. Diese heiligen Schriften, die von den Mächtigen des medizinisch-industriellen Komplexes verfasst werden, sollen konsequent gegen Abtrünnige eingesetzt werden, um deren Ansichten, die oft auf methodisch unterschiedlichen Studien gründen, in Verruf zu bringen.

Wenn das Glaubenssystem der Medizin durch die Eigenerfahrung ihrer Gemeindemitglieder/Patienten infrage gestellt wird, verteidigt die Medizin ihr Dogma mit einem effektiven Gruppendenken und Intoleranz denen gegenüber, die ihren Einflussbereich bedrohen. Da sie, wie religiöse Bewegungen es tun, in Anspruch nehmen, der einzige Weg zum Heil zu sein, duldet sie weder Fragen noch andere Sichtweisen von „Ungläubigen“.

Rituale und Symbole gehören selbstverständlich auch zu jedem religiösen System. Die Mediziner haben die weißen Kittel an, die grüne OP-Kleidung mit Mundschutz und das Zepter, das Stethoskop, als Symbol medizinischer Weihe, die rituelle Waschung, der Kampf für Reinheit und Keimlosigkeit. Von den Gemeindemitgliedern werden ebenfalls rituelle Handlungen und Demutsbeweise erwartet: Jährliches check-up, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Mammographien, Cholesterinwerte, Tests, weitere Tests und Untersuchungen, denn die neuen technischen Entwicklungen sollen ja gewinnbringend eingesetzt werden.

Wenn sich die moderne Medizin weiterhin weigert, sich auf ihre Ursprünge zurück zu besinnen, nämlich das Wesen des Lebens vorurteilsfrei zu erforschen, Fragen der Energie, des Bewußtseins, der Intuition, der Vorstellungskraft, des Gefühls und der Bedeutung in ihre Überlegungen einzubeziehen, wenn die Medizin nicht in der Lage sein wird, ihr Verständnis anzupassen, wird ihr Geltungsbereich, ihrer mechanistischen Weltsicht entsprechend, begrenzt bleiben.

13:27 10.03.2012
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Geschrieben von

Yola

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