Pharmaindustrie soll vor Medizinstudenten weichen!

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Den Medizinstudenten der Charité wird ein ganz besonderes Angebot gemacht: Sie sollen zum kritischen Umgang mit der Pharmaindustrie erzogen werden. In einem Seminar, wo sie lernen sollen, wie sie sich nicht von Kugelschreibern, Hochglanzprospekten und Medikamentennamen blenden lassen.

Von den insgesamt etwa 7000 Studenten der Charité, „drängen sich in den kleinen Seminarraum“ rund 20 Studentinnen und Studenten. Sie sollen hier beispielsweise lernen, dass die Benutzung des Handelsnamens anstatt des Wirkstoffnamens zwar natürlich ist, dass das aber vielleicht bei genauerer Betrachtung eine Beeinflussung sein könnte. Die Charité hat diesbezüglich eine Vorreiterrolle, auf die sie enorm stolz ist. Sie möchte gerne, dass ihre Idee von anderen Unis aufgenommen wird. Das Interesse am Thema hält sich in Deutschland allerdings in Grenzen. Offensichtlich bestand auch kein Anlass dazu, zu erforschen, „welchen Einfluss die Pharmalobby auf die medizinische Ausbildung hat.“ Es könnte an der Unwichtigkeit des Themas liegen. Es wäre unter Umständen auch denkbar und eventuell in Erwägung zu ziehen, man könnte sogar „natürlich darüber spekulieren, dass auch die Industrie gewisse Einflussmöglichkeiten hat, dies zu verhindern, indem sie über Lobbyarbeit verhindert, dass die Approbationsordnung hier geändert wird in diesem Bereich", meint der Chef der Arzneimittelkommission Wolf-Dieter Ludwig.

Eine neue Ära wird gerade eingeläutet. Und wir dürfen dabei sein.

Bis dahin soll aber erst einmal von Gerichten geklärt werden, ob die Geschäftsbeziehungen zwischen Ärzten und der Pharmaindustrie und zwischen Ärzten und Krankenhäusern Straftaten sind, wenn Pharmahersteller dem Arzt materiell entgegenkommen, damit dieser im Gegenzug deren Produkte verschreibt oder wenn die Krankenhäuser sich Ärzten gegenüber spendabel zeigen, um Ärzte zu veranlassen, ihnen Patienten für teure Operationen zu überweisen.

www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1696729/

16:42 11.03.2012
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Geschrieben von

Yola

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