Zack
11.02.2017 | 13:00 39

Geschichtsvergessenheit

Klezmer Ein unfassbarer Vorgang der Geldeintreibung in Berlin durch die GEMA lässt mir die Haare zu Berge stehen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Zack

Ab und an flattern mir "Berichte" auf den Tisch, im übertragenen Sinne, die Abgründe offenbaren. Heute ist es der Blogbeitrag von Gerd Buurmann, „Mein Kampf“ für die GEMA.

Der dort angeführte Vorgang ist zwar nicht mit "Links" hinterlegt und entsprechend abgesichert. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Herr Buurmann sich das Geschehen ausgedacht hat.

Worum geht es?

Zuerst ein geschichtlicher Vorlauf:

Am 28. September 1933 wurde der Staatlich genehmigten Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte (STAGMA) das Monopol zur Wahrnehmung von Musikaufführungsrechten erteilt. Die STAGMA war fest in nationalsozialistischer Hand. Die leitenden Mitglieder der STAGMA waren eingefleischte Nationalsozialisten. Der Geschäftsführer Leo Ritter zum Beispiel verschenkte als Prämie für „verdiente Mitarbeiter“ Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Die Reichsmusikkammer unter ihrem Präsidenten Richard Strauss wiederum legte fest, dass „Nichtarier grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen“ seien. Für etwa 8000 in der Reichsmusikkammer organisierten Juden bedeutet dies ein Berufsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die STAGMA ihre Arbeit fort, ab dem 24. August 1947 allerdings unter der Bezeichnung GEMA.

Nun zum aktuellen Geschehen.

Am 14. Dezember 2016 erhielt das Café und Restaurant Bleibergs in Berlin einen Brief von der GEMA. Im Bleibergs werden Speisen und Getränke nach streng jüdischen Speisevorschriften angeboten. Von Zeit zu Zeit finden dort Musikabende unter dem Titel „Klezmer im Bleibergs“ statt. Sämtliche Musikveranstaltungen wurden von der Leitung des Bleibergs bei der GEMA gemeldet, jedoch mit dem Hinweis, dass an den Abenden keine Werke aus dem GEMA-Repertoire gespielt werden würden, sondern ausschließlich traditionelle Weisen und Volksmusik. Klezmerlieder werden seit Jahrhunderten von den Eltern an ihren Kindern weitergegeben. Im 20. Jahrhundert wurde diese Traditionen jedoch durch den Holocaust dramatisch unterbrochen. Eine Menge Material der Klezmerkultur ging durch diesen Völkermord verloren.

Wie reagiert die GEMA? So:

„Die GEMA-Vermutung besagt, dass aufgrund des umfassenden Weltrepertoires, über dessen Rechtwahrnehmung die GEMA verfügt, eine tatsächliche Vermutung dafür spricht, dass bei Musikaufführungen, unerheblich ob bei Tanzaufführungen, Tonträgernutzungen oder Videovorführungen, eine Vergütungspflicht besteht. Jeder, der behauptet, dass kein Werk des GEMA-Repertoires wiedergegeben wurde, hat hierfür den Beweis zu führen. Das heißt, es ist danach in jedem Fall Sache desjenigen, der sich darauf beruft, eine Musikwiedergabe mit ausschließlich urheberrechtlich freier Musik durchzuführen, im einzelnen darzulegen und lückenlos zu beweisen, dass alle von ihm wiedergegebene Musik urheberrechtlich ungeschützt ist.“

Ist diese Antwort nicht unfassbar geschichtsvergessen?

Entsprechend die Antwort der Leitung des Bleibergs:

„Nachdem Ihre Vorgängerorganisation STAGMA im 3. Reich, alles Jüdische aus ihrer Mitte verdammte, jüdische Komponisten und Musiker aus dem Verband ausschloss, kommen Sie jetzt daher und verlangen Gebühren genau für die Musik, die Ihre Vorgängerorganisation vor nicht allzu langer Zeit als entartet bezeichnet hat. Sie haben mir, für die von mir eingereichten Veranstaltungen eine Rechnung zukommen lassen. Diese erhalten Sie als Anlage wieder zurück. Ich werde nicht bezahlen. Erst werden die jüdischen Musiker und Komponisten von Ihrer Vorgängerorganisation ausgeschlossen und somit um einen großen Teil ihrer Einkünfte beraubt, dann wird das Vortragen ihrer Musik verboten, dann werden sie vergast, ermordet oder bestenfalls vertrieben und dann verlangen Sie von mir eine Bezahlung, wenn zu ihrer Erinnerung ihre Musik gespielt wird? Was soll ich anderes dazu sagen als bodenlose Frechheit!“

Ich persönlich empfinde "bodenlose Frechheit" als viel zu zahm.

Zeigt der dem Kapitalismus immanente Faschismus bei solchen Gelegenheiten seine Fratze? Gut verborgen hinter verschleiernden Begrifflichkeiten wie "Verwertungsgesellschaft"?

Ist eine derart abgrundtiefe Geschichtsvergessenheit der wesentliche Nährboden für den Rechtsruck, der gegenwärtig durch die Gesellschaft geht?

Verwerten, abkassieren, vernichten.

Sind diese Grundsätze des "Nationalsozialismus" weiterhin Grundlage für den Export-Erfolg von "Made in Germany"? Man befrage dazu die Rest-EU. Wie die Antwort wohl lauten mag?

Klezmer

Klezmer [ˈklɛzmɐ] (YIVO-Transkription von jiddisch כליזמר oder קלעזמער, von hebräisch כלי kli („Gerät, Gefäß“) und זמר zemer („Lied“), wörtlich „Gefäß des Liedes“, im modernen Hebräisch „Musikinstrumente, Musikanten“), ist eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition. Etwa um das 15. Jahrhundert entwickelten klezmorim genannte Volksmusikanten eine Tradition weltlicher, nichtliturgischer jüdischer Musik. Sie orientierten sich an religiösen Traditionen, die bis in biblische Zeiten zurückreichen; ihre musikalische Ausdrucksweise entwickelte sich indessen weiter bis in die Gegenwart. Das Repertoire besteht vor allem aus Musik zur Begleitung von Hochzeiten und anderen Festen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (39)

miauxx 12.02.2017 | 10:36

Die Argumentation Bleibergs hat, aus jüdischer Sicht, etwas für sich.

Jedoch: Irgendwie ist jede Behörde - auch die GEMA, obwohl gGmbH, ist gewissermaßen eine - in diesem Land ein Nachfolgeeinrichtung des Nazi-Staats. Wer nun in diesen Behörden bruchlos als die gleichen wie zwischen 1933-1945 erkennen will und damit dann eben ein riesen Problem hat, kann in diesem Land eben nicht leben und arbeiten. Wie gesagt: Die Argumente Bleibergs haben schon was für sich - am Ende ist es aber wohl nur ein Versuch, sich mittels dieser Argumentation einen Vorteil zu erhaschen (nachvollziehbar allemal).

iDog 12.02.2017 | 10:42

nicht die Geschichtsvergessenheit ist das Problem, sondern nur ein Phänomen desse , was man die Umkehr der Beweispflicht nennt, die an sich und hier schließt sich vielleicht der Kreis, ein Phänomen des Totatlitalrismus ist, dem auch die kapitalistischen Wirtschaft angehört.

Als langjähriges GEMA Mitglied (hab mal ein paar Songs geschrieben) kann ich mich n an den Augneblick erinnern, an dem diese Umkehr stattfand - natürlich angeblich im Sinne der vertretenen Künstler, aber doch wohl eher im Sinne der assoziierten Verlagshäuser (Bertelsmann-Mohn, Universal etc)

Die GEMA hätte an sich keinen Grund eine Beweispflicht anzumahnen, die über die simple Auflistung der dargebotenen Titel hinausgeht, denn diese muss praktisch reichen, um einen Abgleich mit dem Katalog der GEMA zu ermöglichen. Praktisch ist nicht mal eine weiter Beweißführung möglich, und auch nicht nötig, denn anhand der Titelliste GEMAfreier Titel ersieht die Gema, daß sie keine Autoren vertreten muss. Wer sollte es auch besser wissen?

Man sollte zwar die Geschichte nicht vernachlässigen, aber in diesem Fall auch den akuten Totalitarismus des Kapitalismus nicht überinterpretieren. Die "Verwertungsgesellschafts" ist in diesem Fall eindeutug die bürgerliche Gesellschaft, die Musik verwertet, also der Nutzer von Musik. Die GEMA ist , ob man dieses Prinzip nun für altmodisch oder was auch immer hält, die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" . Das hat trotz einiger möglicher Kritik an der GEMA nichts mit "Verwertung" im nationalsozialisitischen Sinne zu tun. Vielleict haben sie sich da in oberflächlicher Weise vertan und die GVL gemeint die das Wort "Verwertung" im Namen führt, aber die "Gesellschaft für die Verwertung von Leistungsschutzrechten" ist und die Rechte der Leistungen von Künstlern und Akteuren an einer kommerzeillen Produktion evaluiert und rückverteilt.

Mit der hier zitierten "Antwort" wird also ihr Veranstalter nicht weit kommen, mit einer Auflistung der GEMAfreine Titel allerdings sofort von jeder Zahlung befreit sein.

Magda 12.02.2017 | 17:55

Die GEMA ist nicht erst jetzt, sondern schon seit geraumer Zeit in der öffentlichen Kritik.

Die arbeiten sich auch an Sängerinnen des guten alten deutschen Volksliedes ab, wie der nachfolgende Link zeigt.

http://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/gema-verlangt-gebuehren-fuers-volkslieder-singen-id9664756.html

Offensichtlich langen die überall zu.Dass sie dabei auch kein historisches Gespür haben, muss einen nicht wundern. Die sind halt hinter dem Geld her.

https://www.gema.de/faq/musiknutzung/

Hier ist das recht umfangreich erklärt.

Magda 12.02.2017 | 18:01

Was ist die GEMA-Vermutung?

Die GEMA nimmt als einzige Verwertungsgesellschaft für musikalische Urheberrechte in Deutschland die Rechte an einem umfassenden In- und Auslandsrepertoire wahr. Deshalb spricht eine tatsächliche Vermutung – die sogenannte „GEMA-Vermutung“ – dafür, dass bei der Wiedergabe von in- und ausländischer Tanz- und Unterhaltungsmusik urheberrechtlich geschützte Werke genutzt werden und dass die Rechte und Vergütungsansprüche an diesen Werken durch die GEMA wahrgenommen werden.

Die GEMA-Vermutung wurde von der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zunächst im Hinblick auf öffentliche Musikaufführungen entwickelt. Sie gilt aber auch für jene „mechanischen Rechte“, bei deren Wahrnehmung die GEMA über eine faktische Monopolstellung verfügt – zum Beispiel für das Recht, Musikwerke in Filmen oder auf Tonträgern zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Aufgrund der GEMA-Vermutung muss jeder, der behauptet, bei einer Veranstaltung oder für einen Tonträger „GEMA-freie“ Werke – das heißt Werke, an denen die Rechte nicht durch die GEMA wahrgenommen werden – genutzt zu haben, dieses für jeden einzelnen Fall konkret darlegen und notfalls beweisen.

Kann man alles recherchieren.

iDog 12.02.2017 | 21:09

die "gewisse Tradition" ist wie gesagt der Totalitritätsanspruch des Kapitals. Das "3. Reich" war ein Phänomen des selben.

Die Umkehr der Beweislast ist in vielen anderen Fällen weit tragischer, denn sie führt zu einer generellen Schuldvermutung gegen den Bürger. Das solche Tendenzen von sogenannten "Demokratien" getragen werden, macht sie erst zu nur sogenannten ...

In diesem speziellen Fall würde ich sagen, sind die besagten Kapitalinteressen der Großverlage ausschlaggebend, denn diese haben mit ihren professionellen Repräsentanten längst das Ruder inerhalb der GEMA übernommen. Welcher Künstler wird denn wohl zur Generelaversammlng dieses Vereins gehen? Die meisten sind eher nicht anwesend - mich hat das 35 Jahre lang nur wenig interessiert, dieser aufgeblasene Bürokratisimus der Branche. Aber die Urheberrechtsanwälte der Verlage geben sich da die Klinke in die Hand.

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Ehemaliger Nutzer 12.02.2017 | 21:39

"Die Wiedergabe ist öffentlich, wenn sie für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist. Zur Öffentlichkeit gehört jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, oder mit den anderen Personen, denen das Werk in unkörperlicher Form wahrnehmbar oder zugänglich gemacht wird, durch persönliche Beziehungen verbunden ist."

Vielleicht sollte man sich als Freundeskreis definieren und das Ganze zu einer Privatveranstaltung machen. Vielleicht wäre das ja machbar.

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2017 | 00:17

Ich weiß, das kann man als Rückzug werten. Ich bin bei solchen Themen auch immer sehr empfindlich. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, besonders in den letzten Jahren, dass es zunehmend schlimmer wird, sich rechtes Denken weit über die Mitte hinaus in die Gesellschaft hineingefressen hat. Und es scheint unmöglich, irgendwie mit dieser Randgruppenansicht zu überzeugen. Man stößt allenfalls auf Unverständnis bis hin zu Aggression. Das ist sehr anstrengend und ich reagiere auf Diskussionen zunehmend genervt, weil ich nicht verstehen kann, dass man nicht verstanden wird. Deutschland hat sich unangenehm verändert.

Ich habe zum Beispiel einmal mit einer Bekannten am Wochenende ein Glas Wein getrunken. Wir haben und immer gut verstanden. Sie war eine Anhängerin der Grünen. Zwischendurch sprach ich das Thema BGE an. Da wurde sie urplötzlich hochaggressiv und fauchte, sie würde niemals so ein faules Pack unterstützen. So etwas hatte ich bei ihr über Jahre noch nie gesehen und gehört. Jedes weitere Wort konterte sie mit solch aggressiv gedroschenen Phrasen. Ich hab mich dann in den Wagen gesetzt und bin gefahren. Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr.

So etwas habe ich in den letzten Jahren öfter erlebt, auch zu anderen Themen. Das verstehe ich nicht.

iDog 13.02.2017 | 01:24

? Um was geht es nun? Kapitalismus ist faschistisch ? Tendenziell ja.

Sonst seh ich hier keine Eigentümlickeiten.

Dieses Grundsätzliche: jeder muss immer und jedes mal wieder für das selbe bezahlen, und zwar am besten automatisch, das ist so allgegenwärtig wie die vielen Methoden drumherum zu kommen.

Nee, an der Art der ökonomischen Herrschaft hat sich schon länger nix geändert ... aber leider auch nicht an den genzen Opportunisten udn Wasserträgern, die dieses "Verwertungs-" System als entmenschtes Konsumidiotentum klasse finden und meinen sie hätten was unter kontrolle, wenn sie ein Userinterface haben. Aber leider macht sie gerade das zum kontrollierten User.

Magda 13.02.2017 | 13:53

Vor allem habe ich gerade gesehen, dass ich einige Dinge nochmal verlinkt habe, die im Blog schon zitiert sind.

Die GEMA ist eine auch von jüdischen Musikern inzwischen anerkannte Gesellschaft. Die Jüdische Gemeinde Berlin z. B. hat in einer Einladung zu einem Kulturprogramm darauf verwiesen, dass sie die GEMA-Gebühren dafür übernehmen und dafür in Vorkasse gehen, weshalb sie um nähere Angaben zur geplanten Veranstaltung bitten.

Sie tun das sicherlich unter dem Aspekt, dass die GEMA - die ja inzwischen europaweit agiert - auch die Rechte jüdischer Komponisten und Künstler wahrt und dies auch international. So dass diese davon profitieren.

Wenn jetzt der Betreiber des Bleiberg sagt, er akzeptiert das nicht, dann kriegt er halt Ärger. Aber er kann sich auch den - wegen des Procedere - berechtigten Protesten anderer Institutionen wie Kindergärten, Altenheime, Kneipen und Kulturstätten - anschließen, die die Art, wie die GEMA GEbühren eintreibt, nicht so gut finden.

Andererseits: Wer selbst im Besitz von Aufführungsrechten ist, ist vielleicht ganz dankbar, wenn eine Institution sie für ihn wahrt und ihm dafür die entsprechenden Einnahmen auch auszahlt.

Man sagt, der Komponist Sholom Secunda, der das schöne Lied "Bei Mir Bistu Shein", komponiert hat, verkaufte die Rechte an zwei Produzenten, die damit Millionen verdienten. Später kaufte er sie zurück und verdiente auch nochmal dran.

Es gab mal eine schöne Doku über dieses Lied, das ein Goldesel wurde.

Zack 13.02.2017 | 14:30

Zum aktuellen Vorgang, aus dem Beitrag:

"Sämtliche Musikveranstaltungen wurden von der Leitung des Bleibergs bei der GEMA gemeldet, jedoch mit dem Hinweis, dass an den Abenden keine Werke aus dem GEMA-Repertoire gespielt werden würden, sondern ausschließlich traditionelle Weisen und Volksmusik. Klezmerlieder werden seit Jahrhunderten von den Eltern an ihren Kindern weitergegeben."

Um was für Musik es sich handelt, habe ich extra in einem Info-Kasten eingestellt. Es handelt sich nicht um moderne Popmusik.

Ist unter diesen konkreten Umständen, bezogen auf dieses konkrete Musikrepertoire die Kritik nicht verständlich, selbstverständlich?

miauxx 13.02.2017 | 16:43

Magda weißt auch darauf hin, was ich meine: Die Bleibergs geht es nicht anders als Singekreisen deutscher und was weiß ich für Volkslieder, die ebenso Bescheide bekommen. Die Urheber des Liedgutes, wenn überhaupt bekannt, dürften auch hier locker die notwendige 70 Jahre tot sein. Man soll auf jeden Fall diese Praxis der GEMA angreifen. Nicht zutreffend ist aber, dass hier ein Vollzug stattfinde, der "faschistisch" oder "antijüdisch" zu nennen wäre. Gleichwohl gebe ich ja zu - wie bereits geschrieben -, dass die Argumentation der Bleibergs etwas für sich hat. Sie könnte als Anstoß oder Hinterfragen dahin gelten, ob die GEMA ihre Vergangenheit aufgearbeitet hat. Sie verweist ja stolz auf ihre über 100-jährige Geschichte, wozu ja aber auch das Kapitel der nationalsozialistischen STAGMA gehört. Und wir wissen ja, dass es bei diversen Organisationen die Zeit des "3. Reiches" betreffend Defizite gab und gibt (z.B. Auswärtiges Amt, aber auch DRK).

miauxx 13.02.2017 | 16:55

"[...] denn diese haben mit ihren professionellen Repräsentanten längst das Ruder inerhalb der GEMA übernommen. Welcher Künstler wird denn wohl zur Generelaversammlng dieses Vereins gehen? Die meisten sind eher nicht anwesend - mich hat das 35 Jahre lang nur wenig interessiert, dieser aufgeblasene Bürokratisimus der Branche."

Na nach der Argumentation könnte man auch sagen: Selber schuld, wenn man das Parkett überlässt ...

An sich sind Verwertungsgesellschaften ja keine verkehrte Sache - ein bisschen Kompensation für hypothetisch entstehende Verluste bzw. Nicht-Einkommen. Gleichwohl stimmt es, dass die Verwertungsgesellschaften bürokratische Monster sind (tja, eine verwaltete Welt), die mit Grundsatzurteilen der höchsten Gerichte im Rücken selbstherrlich ihre Verfahren bestimmen. Aktuell gab es eine Eskalation zwischen der VG Wort und den Hochschulen bezüglich des Bezahlverfahrens. Die VG musste zunächst einlenken, weil die Hochschulen sich geschlossen gegen die Novelle gestellt haben.

Dass bei der GEMA sich die Vertreter und Anwälte der Konzerne die Klinke in die Hand geben ... weiß ich nicht. Aber da die VG's ja vornehmlich für die Urheber da sein sollen, zeigt sich hier wohl nur ein Problem, das auf einer anderen Ebene verhandelt werden muss: Den Verlust von Urheber- und Verwertungsrechten der Künstler an die Konzerne.

iDog 13.02.2017 | 17:28

Selber Schuld ? Nein, nur welcher Künstler hat die Zeit und das geld einmal im Jahr nach München zu reisen, um dort in einem 5 Sterene Hotel an der GV teilzunehmen. Ich zB. nicht. Ein weiteaus größerer Zeitaufwand wäre notwendig die Satzungsnovellen, zum Teil mehrere hundert Seiten lang, jedesmal vorher duchzulesen, juristisch zu verstehen und dann wohlmöglich vom eignen Urheberrechts-Anwalt sachlich bzw. auf Konsequenzen prüfen zu lassen.

Ich habe alleine für die Überprüfung der GEMAabrechnungen meiner Ausschüttungen jahrelang 10 % an kompetente Stelle abgedrückt. Das kann und will ein Künstler gar nicht verstehen, denn dann wird er zum Beamten und mit der Kunst ist es vorbei. Sie machen sich kein Vorstellungen davon wie kompliziert die ganze Verteilungroutine ist .... udn gerade dafür ist man als Künstler ja GEMA Mitglied, bezahlt ihr Prozente, damit man es nicht selber machen muss

Was ich also sage ist, dass die verlagsangestellten Profis nur das machen, auschließlich undn dagen kann kaum ein Künstler anstinken, und dass wissen die auch genau, und es also nicht um ein "selber Schuld" geht, sondern um einen Frontalangriff auf die Urherberrechte der Künstler, wenn diese Profis andauern und immer wieder am Verteilungsschlüssel rumschrauben ... Man denkt sich also : GEMA sei eine Vertretung der Rechte der Künstler und Urheber, kommt aber zu dem Schluss , dass es sich um eine "feindlich Übernahme" des Vereins durch die Verlage handeln muss ...

Erst kürzlich erging ein Urteil , das die GEMA nicht mehr automatisch an die Verlage ausschütten darf, was sie seit immer unter der Annahme tat, dass diese ein Recht auf einen Anteil haben. Seit diesem Jahr muss der Verleger erst beweisen , dass er Ansprüche hat. Das Ganze kam erst zustande nachdem ein Künster die GEMA daraufhin verklagt hatte. Es braucht also mindestens immer ein paar Künstrler , die gerade soviel Verdienen/Umsetzen und dahre Auszahlung erwarten , dass sie es ich überhaupt leisten können, Anwälte für entsprechende Gegenmaßnahmen zu beauftragen. Dazu kommt , dass die meisten Kanzleien , die sich auf Urheberrecht spezaialisiert haben , schon für die Verlage arbeiten ...

Zack 13.02.2017 | 18:07

Ich sag es einmal anders.

Was ist gruseliger: ein paar Billigverschnitte rechtspopulistischen Denkens, deren politische Agenda problemlos als solche identifiziert und bekämpft werden kann, oder ein "Verwertungsgesellschaft", die ihre Wurzeln im Nationalsozialismus hat und nun, nur eine Generation später, ausgestattet mit Vollzugsrechten und Beweislastumkehr, bei denen abkassiert, die von der Vorgängerorganisation STAGMA im 3. Reich aus dem Verband ausgeschlossen und deren Musik als entartet bezeichnet wurde?

Und, wie es im Beitrag steht: "Erst werden die jüdischen Musiker und Komponisten von Ihrer Vorgängerorganisation ausgeschlossen und somit um einen großen Teil ihrer Einkünfte beraubt, dann wird das Vortragen ihrer Musik verboten, dann werden sie vergast, ermordet oder bestenfalls vertrieben und dann verlangen Sie von mir eine Bezahlung, wenn zu ihrer Erinnerung ihre Musik gespielt wird?"

Ist das nicht zutiefst abstoßend, erschreckend und fördert diese "erfolgreiche" Neu?-Positionierung der GEMA nicht letztlich den Aufstieg der Rechten durch eine Art "Endsieg der Verwerter"?

Magda 13.02.2017 | 19:21

Was ist gruseliger: ein paar Billigverschnitte rechtspopulistischen Denkens, deren politische Agenda problemlos als solche identifiziert und bekämpft werden kann, oder ein "Verwertungsgesellschaft", die ihre Wurzeln im Nationalsozialismus hat und nun, nur eine Generation später, ausgestattet mit Vollzugsrechten und Beweislastumkehr, bei denen abkassiert, die von der Vorgängerorganisation STAGMA im 3. Reich aus dem Verband ausgeschlossen und deren Musik als entartet bezeichnet wurde?

Ach Gott, von hinten durch den Oskar ins Auge. Nicht mit mir.

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2017 | 21:47

Das ist richtig, und das scheint auch vor intelligenten Menschen nicht Halt zu machen.

Aber naja, es stimmt schon, dass die Praxis der Gema jeden gleichermaßen trifft und also nicht speziell antijüdisch ist. Dass aber ein Beweis erbracht werden muss, dass man sozusagen unschuldig ist, widerspricht auch meinem Gerechtigkeitssinn.

Gewöhnlich ist es ja so, dass Schuld bewiesen werden muss, nicht etwa Unschuld.

Aber solche Praktiken sind weit verbreitet, wahrscheinlich weil es Arbeitskräfte einspart.