RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 19.10.2019 | 01:51

„Das mag daran liegen, dass diese Gründe nicht die Beweggründe der westlichen Einmischung in den innersyrischen Konflikt darstellen.“

Der abgewichste Zynismus der westlichen Demokratie- und Menschenfreunde liegt in der Tatsache begründet, dass ein von IHREN Maßnahmen verursachter Hungeraufstand (vor allen die massiven Preiserhöhungen aufgrund der EU-Agrarsubventionen und die Restriktionen des IWF, nicht nur gegenüber Syrien) genutzt wurde, um ihn aktiv zu militarisieren und so eine störende Souveränität in einen flotten, und wenn nötig, genozidalen Bürgerkrieg zu führen.

Reinhard Merkel, schon vor 6 Jahre in der FAZ.

Auszug:

„Der Westen, wenn diese etwas voluminöse Bezeichnung gestattet ist, hat in Syrien schwere Schuld auf sich geladen - nicht, wie oft gesagt wird, weil er mit seiner Unterstützung des Widerstands gegen eine tyrannische Herrschaft zu zögerlich gewesen wäre, sondern im Gegenteil: weil er die illegitime Wandlung dieses Widerstands zu einem mörderischen Bürgerkrieg ermöglicht, gefördert, betrieben hat. Mehr als hunderttausend Menschen, darunter Zehntausende Zivilisten, haben diese vermeintlich moralische Parteinahme mit dem Leben bezahlt. Und es werden viel mehr sein, wenn dieser Totentanz irgendwann ein Ende findet.

Diese Strategie ist eine Variante dessen, was seit der Invasion des Irak vor zehn Jahren „demokratischer Interventionismus“ heißt: das Betreiben eines Regimewechsels mit militärischen Mitteln zum Zweck der Etablierung einer demokratischen Herrschaft. Im Irak besorgten die Invasoren das eigenhändig. Der Kriegsgrund wurde, wie wir wissen, zwischendurch umstandslos ausgewechselt: Waffen hin oder her - jedenfalls befreie man ein unterdrücktes Volk. Auch dieses Ziel rechtfertige den Angriff.

Die verwerflichste Spielart

Was in Syrien geschieht, ist eine dem Anschein nach mildere Form des Eingriffs, da sie den Sturz des Regimes dessen innerer Opposition überlässt, die von außen nur aufgerüstet - und freilich auch angestiftet - wird. In Wahrheit ist sie die verwerflichste Spielart: nicht so sehr, weil sie neben dem Geschäft des Tötens auch das Risiko des Getötetwerdens anderen zuschiebt. Eher schon, weil sie die hässlichste, in jedem Belang verheerendste Form des Krieges entfesseln hilft: den Bürgerkrieg.

Jedenfalls übernehmen die Intervenierenden die vermeintliche und absurde Rolle von Unschuldigen. Es ist ein suggestives Herabsetzen der Legitimationsschwelle für das eigene Handeln vor den Augen der Welt: Wir sind es nicht, die in Syrien töten; wir helfen nur einem unterdrückten Volk. So lässt sich offenbar eine Aura des Moralischen erschleichen. Rätselhaft ist, dass dies ohne nennenswerten Widerspruch gelingt…“

Der Westen ist schuldig

Und hier plaudert der französische Ex-Aussenminister Roland Dumas über seine Begegnung mit ein paar hauptamtlichen Verschwörungspraktikern aus dem UK.

RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 18.10.2019 | 17:14

Und ich wünschte wirklich, Du hättest auch nur annährend eine Differenz zu Deiner Obrigkeit, was die Maßstäbe und Kalkulationen IHRER aus- wie unausgesprochenen Konkurrenzaffären und Gewalthändel betreffen.

RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 18.10.2019 | 13:41

Liebe ZeitgenossInnen,

allüberall finden derzeit Demos, Aktionen, Diskussionsveranstaltungen zu dem Überfall der Türkei auf Rojava ein. Warum gegen den Krieg demonstrieren, wenn doch sowieso alle dagegen sind?

Ob im Fernsehen oder in der Zeitung, gegen den Krieg der Türkei in Syrien sind alle, von Amerika über die EU bis hin zu den Kurden.

Einen Unterschied macht es allerdings, aus welchem Grund die verschiedenen Parteien gegen diesen Krieg sind.

• Wir demonstrieren gegen den Krieg der Türkei gegen die Kurden und gegen ihren Bündnispartner Deutschland.

• Wir kritisieren die Bundesregierung nicht deshalb, weil diese nur halbherzig einen Waffenboykott verkündet hat, sondern weil dieser Boykott zeigt, wie die Regierung zu diesem Krieg steht.

Wenn sie der Türkei in Zukunft keine Waffen mehr liefern will, dann liefert sie die vereinbarten Waffen erst einmal weiter, weil die Türkei ein Bündnispartner in der Nato ist und auch bleiben soll. Deutschland hat die Türkei mit allen möglichen Waffen aus deutscher Produktion ausgestattet, weil für sie die Türkei im Rahmen der Nato ein strategisches Land ist in der Front gegenüber Russland, und um in Asien und dem Nahen Osten Einfluss auf die Politik der dortigen Länder ausüben zu können.

Zwar rechnet aktuell niemand der Regierenden mit einem Krieg gegenüber Russland, aber im Prinzip schon und dafür hat man die Türkei mit allem notwendigen ausgestattet. Von wegen der Krieg sei kein Mittel deutscher Politik. Wie die Rüstung der Türkei zeigt, kalkuliert man ständig damit und will dafür nichts anbrennen lassen.

Dass die Türkei gegen die Kurden vorgeht, auch dagegen hat man in Deutschland nichts, denn der Türkei gesteht man zu, dass sie ein berechtigtes Sicherheitsinteresse gegenüber den Kurden hat, die einen eigenen Staat anstreben und damit die Souveränität der Türkei in Frage stellen. In der Beziehung ist man mit der Türkei einig, dass jede Form derartiger Aktivitäten zu unterbinden ist, deshalb verfolgt Deutschland auch die kurdische Partei der PKK. Wenn Deutschland kritisiert, dass deutsche Waffen jetzt in Syrien zum Einsatz kommen, weil dieser Krieg die Region destabilisiere, dann kann das einen eigentlich nur verwundern. Für die Menschen in der Region ist die Situation alles andere als stabil, schließlich herrscht dort seit Jahren Krieg. Nur mit der jetzigen Kriegssituation kann Deutschland offenbar gut leben, ist es doch mit seinen Tornados dort eingemischt und kann Einfluss nehmen.

Mit dem Abzug der Amerikaner ist dieser Einsatz überflüssig und Deutschland ausgemischt. Das gefällt den Regierenden gar nicht. Wenn dann auch noch die Türkei in Syrien einmarschiert und damit die syrische Regierung und die Russen mit auf den Plan ruft, dann hat Deutschland diesen Krieg nicht bestellt und kritisiert die Türkei dafür, dass sie für diesen Einsatz deutscher Waffen das Herkunftsland nicht um Erlaubnis gefragt hat.

Also steht Erdogan in der Kritik für zu viel Eigenmächtigkeit, dafür hat man ihn nicht hochgerüstet. Wenn der dann auch noch hingeht, und mit der Öffnung der Grenzen für die Flüchtlinge droht, ist jedes Maß für die deutsche Regierung überschritten. Da wird Mitleid mit den Opfern geheuchelt, an denen nur eins interessiert: Dass sie möglichst nie die Grenzen zu Europa überschreiten. Denn dafür hat man die Türkei immer geschätzt: Dass sie diese Elendsfiguren daran hindert, Europa zu erreichen. W i e er das gemacht hat, dass er sie eingesperrt hat, das alles hat solange nichtinteressiert, wie die Flüchtlinge daran gehindert wurden, nach Europa zu gelangen. Dass er diesen Auftrag aufkündigen will, das ist eines ’seiner größten Vergehen‘, die aber das gemeinsame Bündnis nicht in Frage stellen soll.

Keine deutschen Waffenlieferungen – auch nicht die bereits vertraglich vereinbarten, und noch nicht gelieferten Waffenlieferungen – an die Türkei!

Aufklärung über die strategische Funktion der Türkei im Nato-Konzept und dem deutschen Interesse daran!

Raus mit deutschen Tornados in der Region! Beendigung des schmutzigen Flüchtlingsdeals zwischen Deutschland und der Türkei! Hände weg von Rojava!

https://www.magazin-auswege.de/data/2019/10/Hecker_Flugblatt_Warum_gegen_den_Krieg_demonstrieren.pdf

RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 18.10.2019 | 13:35

…. Israel and its amen corner in Washington, whose prime concern is clearly to maintain US military entanglement in the region in opposition to Iran and in defense of the Zionist state.

Keeping US troops in Syria and weakening the country with de facto partition are clearly the real motivation for this outrage, not the protection of the Kurds.

https://www.counterpunch.org/2019/10/17/syria-the-kurds-turkey-and-the-u-s-why-progressives-should-not-support-a-new-imperial-partition-in-the-middle-east/

RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 17.10.2019 | 23:48

Das erklärt wohlmöglich auch die Panik und Verzweiflung Pelosis und anderer Führungsfiguren der globalen "Chaosfraktion".

RE: Angst essen Seele auf - die EU und Erdoğan | 17.10.2019 | 22:23

Trumps Tweet gestern:

„Die Vereinigten Staaten haben ACHT BILLIONEN DOLLAR dafür ausgegeben, um im Nahen Osten zu kämpfen und dort für Ordnung zu sorgen. Tausende unserer Großen Soldaten sind gefallen oder wurden schwer verwundet. Auf der anderen Seite wurden Millionen getötet. DIE ENTSCHEIDUNG, IM NAHEN OSTEN ZU INTERVENIEREN, WAR DIE SCHLECHTESTE, DIE JEMALS GETROFFEN WURDE … IN DER GESCHICHTE UNSERES LANDES! Wir haben den Krieg auf einer falschen & inzwischen widerlegten Grundlage begonnen: MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN.“

https://www.wsws.org/de/articles/2019/10/11/pers-o11.html

RE: Verdammt mutig | 16.10.2019 | 17:01

„Bürgerkrieg“

Reinhard Merkels 6 Jahre alter Beitrag in der FAZ erklärt anschaulich, das auch die Verwendung des Begriff „Bürgerkrieg“ für den Krieg gegen Syrien legitim ist, dann nämlich, wenn klar gemacht wird, wer diesen Bürgerkrieg geplant, entfacht und ohne Unterlass befeuert hat.

Auszug:

„Der Westen, wenn diese etwas voluminöse Bezeichnung gestattet ist, hat in Syrien schwere Schuld auf sich geladen - nicht, wie oft gesagt wird, weil er mit seiner Unterstützung des Widerstands gegen eine tyrannische Herrschaft zu zögerlich gewesen wäre, sondern im Gegenteil: weil er die illegitime Wandlung dieses Widerstands zu einem mörderischen Bürgerkrieg ermöglicht, gefördert, betrieben hat. Mehr als hunderttausend Menschen, darunter Zehntausende Zivilisten, haben diese vermeintlich moralische Parteinahme mit dem Leben bezahlt. Und es werden viel mehr sein, wenn dieser Totentanz irgendwann ein Ende findet.

Diese Strategie ist eine Variante dessen, was seit der Invasion des Irak vor zehn Jahren „demokratischer Interventionismus“ heißt: das Betreiben eines Regimewechsels mit militärischen Mitteln zum Zweck der Etablierung einer demokratischen Herrschaft. Im Irak besorgten die Invasoren das eigenhändig. Der Kriegsgrund wurde, wie wir wissen, zwischendurch umstandslos ausgewechselt: Waffen hin oder her - jedenfalls befreie man ein unterdrücktes Volk. Auch dieses Ziel rechtfertige den Angriff.

Die verwerflichste Spielart

Was in Syrien geschieht, ist eine dem Anschein nach mildere Form des Eingriffs, da sie den Sturz des Regimes dessen innerer Opposition überlässt, die von außen nur aufgerüstet - und freilich auch angestiftet - wird. In Wahrheit ist sie die verwerflichste Spielart: nicht so sehr, weil sie neben dem Geschäft des Tötens auch das Risiko des Getötetwerdens anderen zuschiebt. Eher schon, weil sie die hässlichste, in jedem Belang verheerendste Form des Krieges entfesseln hilft: den Bürgerkrieg.

Jedenfalls übernehmen die Intervenierenden die vermeintliche und absurde Rolle von Unschuldigen. Es ist ein suggestives Herabsetzen der Legitimationsschwelle für das eigene Handeln vor den Augen der Welt: Wir sind es nicht, die in Syrien töten; wir helfen nur einem unterdrückten Volk. So lässt sich offenbar eine Aura des Moralischen erschleichen. Rätselhaft ist, dass dies ohne nennenswerten Widerspruch gelingt…“

Der Westen ist schuldig

RE: Verdammt mutig | 15.10.2019 | 21:48

Exemplarisch für den verwirrten Zustand der überrumpelten und vermutlich ahnungslosen EU, ein in die diplomatisch/militärische Bedeutungslosigkeit katapultiertes Mitglied der westlich/jihadistischen Kriegskoalition gegen Syrien, kann ich diese gestammelte Panikattacke eines führenden und ein wenig konfusen EU-Repräsentanten nur wärmstens empfehlen (Ab 8:00 - 12:40 Minuten). (Ein Kommentar weiter oben machte diesen Herren ja schon vorstellig.)

RE: Joker: Verführung und Selbstoffenbarung | 14.10.2019 | 20:38

Die eklige Botschaft Gaschkes lautet, hierzulande im deutschen Normalalltag ist doch grundlegend alles superklasse geregelt, dagegen anstinken würden sowieso nur Kapitalismus-Verächter und andere lebensuntaugliche Voll-Trottel und Schwächlinge, also die Masse der Leute, die es angeblich deswegen auch zu „nichts bringen“ und mit ihrer Versagerrechtfertigung („Kapitalismus…ist so schrecklich gemein…wähähäää") den zu Recht Erfolgreichen wie Frau Gaschke, einfach nur schwer auf den Senkel gehen. Und wer darüber hinaus nicht einsehen will, das der kapitalistische Normalalltag hier und heute ausgehalten, durchgestanden, nicht kritisiert und von den Leuten gefälligst auch als ein einzig fortlaufendes Weihnachtsfest des einzig Möglichen abgefeiert gehört, wird für Verrückt erklärt und zu Recht aus dem Verkehr gezogen. Das Frau Gaschke vorzeitig einen als "unerträglich hart und gewalttätig" beworbenen Film enttäuscht und gelanweilt abbricht ist ein anderes Thema.