De ro is bä

Afrika Land der Freien
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Laut Lonely Planet, der sogenannten Bible, fährt ein richtiger bus vom Red Light Motor Park (klingt mondän und modern, is aber nur eine staubiger markt, von dem auch vans wegfahren) nach Abidjan, der metropole in der Côte d'Ivoire. Ich fahr mit dem motorbike dorthin, 15 km vom centrum entfernt, aber keiner weiss von was. Es herrscht hier ein wahrsinniger defizit an information. Ich fahr zur ivoiriano botschaft und bestell ein visum. Sollte tage dauern, aber man kann es ausnahmsweise am gleichen tag ausstellen. Kostet 75 dollar, und weil der angestellte keine 5 dollar hat, lass ma’s bei 80. Jemand anders gibt mir den tipp wo ich den bus finden kann, schon wieder mal 10 oder 15 km von der stadt wegfahren. Und da is es tatsächlich. Nur, der bus fährt am samstag und wir haben dienstag. Kann ich vergessen. Und von stadt zu stadt mit dem buschtaxi, da graust es mir davor. Früher würd ich einfach lostrampen, aber diesmal möcht ich wenns geht etwas komfortabler reisen, oder weniger inkomfortabel. Ich schau bei einem reisebüro vorbei, der flug kostet 950 dollar, nur hin – für eine strecke wie von München nach Hamburg. Mit dem geld kann man locker einen flug von Frankfurt nach Bali und zurück finden. Klar, keine fluggesellschaft im westen verlangt den tarifpreis, weil die konkurrenz hart is, aber in Afrika gibt es für viele strecken einen einzigen anbieter, also verlangt man den tarifpreis. Mir bleibt nix anders übrig als den beschwerlichen weg des trämpens. Trämpen wär nich so schlecht wenn ich etwas weniger last hätte, aber ich hab einen schweren laptop, ich hab alle bücher mitgenommen, die ich schon lange lesen wollte, dann noch ein paar bücher und DVD’s von mir, für den fall dass jemand was kaufen möchte...

Ich trämpe los, ein SUV-fahrer nimmt mich mit. Ich erklär ihm, ich möchte raus aus der stadt auf der landstrasze nach Ganta, und was macht er? Er bringt mich zum Red Light Motor Park, dem letzten ort in der welt zu dem ich wollte. Da gibt es bushtaxis nach Ganta. Hier wär trämpen unmöglich, und ich müsste mindestens 2 stunden in der hitze laufen bis ich einigermaszen die stadt verlassen hab, also nehm ich doch ein buschtaxi. Zu viert im rücksitz und eine unerträgliche enge für meine beine, vor allem weil ich wegen einem kreuzbandriss ein operiertes knie hab, das ich nich allzu viel anwinkeln kann. Das taxi macht keine pause, ich halt es nich aus, steig aus und trampe weiter. Es gibt jede menge motorräder aber kaum autos, und wenn, dann taxis. Irgendwann nimmt mich ein farmer doch noch mit. Die leute können hier übrigens ein viel besseres englisch. In Monrovia würde man vielleicht so was sagen wie “Aga ro uga bäh”, und da hätt ich keine ahnung, was das zu bedeuten hat. Aber die leute hier sagen “De ro is bä”, und wenn man sieht, wieviele schlaglöcher die strasze hat, versteht man, dass er “The road is bad” meint. Die fahrer lassen mich immer in dörfern raus, und man muss ein par kilometer wieder gehen bis man sie richtig verlassen hat, eine pause unter einem baum machen kann, unbestraft eine rauchen darf. Und den schweiss ein bisschen abwischen – ich regne. Schön is die änderung für die nase: es stinkt nich mehr, sondern es riecht nach wald.

Mittendrin passiert was ganz eigenartiges: es regnet. Wasser stürzt einfach so vom himmel! Der erste regen seit Deutshland. Naja, hier soll bald die regenzeit losgehen, da hat man schon einen vorgeschmack. Es hat kaum 5 minuten geregnet, was man in Deutshland als inexistent bezeichnen würde, aber immerhin.

Irgendwie kommt man weiter, von farmer zu farmer, vermutlich nich wenige von ihnen americo-liberians, sie haben jedenfalls sehr englische namen wie George Wilkinson oder Silas Johnson. Die sklaven die zu herren wurden. Der asfalt verabschiedet sich diskret, die schlaglöcher werden immer gröszer, der asfalt immer weniger, bis er nich mehr auftaucht. An einem polizei-checkpoint (einer hütte plus einer schranke) beäugen mich die polizisten als könnt ich ein schwerkrimineller sein. Ich erzähl dass ich zu fuss unterwegs bin, und einer fragt, wie ich das mach, zu fuss durch die gegend zu marschieren. Naja, das is einfach, du schiebst ein fusz nach vorne, dann den anderen... da lachen sie sich tot und lassen mich passieren. Inzwischen hab ich schon wieder sehr wenig geld, und um zu erklären wieso ich kein buschtaxi nehm, sag ich, ich bin ausgeraubt worden und hab kein geld mehr (beides eigentlich wahr), weshalb ich zu fusz geh. Das konzept des trampens (ohne zu zahlen) is in Afrika unbekannt, und ich kann denen nich erzählen, dass ich lieber umsonst in einem klimatisierten SUV fahr als zahlend in einem sauinkomfortablen buschtaxi. Da hält dann ein jeep von der UNICEF an, in Saniquelle is das ende der vorstellung, aber einer der insassen, der sympathische Herry, geht mit mir zu einem motorbiker, verhandelt mit ihm, zahlt ihm meine fahrt bis zur grenze und gibt mir noch 4 dollar, damit ich was zu trinken kaufen kann. So lernt man die andere seite der afrikis kennen. An der liberiano seite der grenze kontrolliert man mich und lässt mich durch – das muss man den liberis zugute halten, man zahlt relativ selten an den polizeisperren und grenzen. Dafür aber umso mehr auf der ivoiriano seite.



11:07 25.09.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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