Elfenbeinmeeresufergegend

Policei-Slalom Afrika
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

In Abidjan find ich dismal ein etwas billigeres hotel, die Residence François, in la Zone 4. Sauber, klimatisie, und sogar mit klobrille. Es hat keinen einzigen schönheitsfehler, sogar die tûr fonktionie – ich glaube das va die erste überhaupt auf der reise. Die gegend hir is ruhiger, hat trotzdem mehr bars und restaurants. Manche mädels laden mich ein zu vas auch immer, andre lächeln mich an, sogar die zwei kopfbetuchten libanas im supermarkee schaun mich begirig an. Immerhin bin ich hir wider verre. Und es interessie sie gar nich dass ich kein geld hab, wenigstens nich die libanas – sie besitzen den supermarkee. Hir tragen sehr file libanas a kopftuch, ich schätze mal so zwei drittel. Sicher fil mehr als im Liban. Vermutlich weil emmigrés gerne die traditionen der alten heimat pflegen, die oft in der heimat vergessen sind, so vie deutshbrasilis gerne fachwerkhäuser baun, oder brasilis im ausland fast nur noch samba hören, vas sie selten in der heimat tun. Egal: auch wenn ich dise welle von rauchverboten, alkoholverboten, wortverboten, parfum- und deoverboten (z.b. in den USA) und burkaverboten (z.b. in France, Belgie – und das im namen der freiheit) zutiefst verabscheu, machen mich kopftücher absolut nich an.

Mein näxtes zil is Guinea Ecuatorial, leider hat das land keine botschaft hir. Es hat eine botschaft in Ghana, aber da komm ich nich hin. Also is die einzige lösung, nach Douala in Cameroun zu fligen, wo’s eine botschaft von Guinea Ecuatorial gibt. Dises land besteht aus einer insel direkt vor der camerounano küste, vo die kapitale Malabo liegt, und südlich von Cameroun hat es noch ein stück festland. Hab im internet gelesen, von Douala fahren boote nach Malabo, und dann weiter nach Sao Tomé e Príncipe, ein inselstat weiter südwestlich – ideal für mich, da ich beide länder besuchen muss. Ich ruf die camerounano botschaft an, aber keiner geht dran, scheinbar alles kaputt, also muss ich mit dem taxi hinfahren. Dem taxler sagt die adresse nix - in Deutshland bitten die taxi-chauffeurs um pardon, wenn sie vas nich wissen, hir beschimpfen sie den passagir, weil er es nich weiss. Letzten endes find ich das gebäude, leider is die botschaft umgezogen - ohne die neue adresse auf irer webseite anzugeben. Die sind nich mehr auf dem Plateau, das is das centre, sondern im feinen virtel Cocody. Noch eine schnitzeljagd mit dem taxi, dann is es auch nich in Cocody sondern im fernen Rivera. Bei einer policeikontrolle stehn 4 policiers hintereinander im abstand von sagen wir mal 5 metern, sie alle geben dem chauffeur das stoppzeichen, winken frenetiques, er fährt slalom um sie herum und weg is er, ich mit ihm – ich fürchte sie werden schiszen, tun sie aber nich. Villeicht ham sie keine munition. Bei unserer ankunft hat die botschaft grade zugemacht, der pförtner listet auf was ich brauch. Man braucht fürs visa flug- und hotelreservation, und das alles geht nur ûber das Reiseclub Imperial in Deutshland. Früher kostete ein durchschnittliches visa in Africa 10 mark, also 5 euro, dises visa hat mich nu mit taxis und andren spesen 125 euro gekostet. Nur um in ein land zu dürfen, in das ich gar nich wollte, weil ich es schon kannte – nun, nur dort bekomm ich le visa für das land das mein zil is. Früher hätt ich Guinea Ecuatorial links ligen gelassen – zu teuer, zu compliqué. Aber nu ville ich ja die länder bereisen, in denen ich noch nich war, und die gehören eben dazu.

In Africa braucht man das geld eines Bill Gates und die leidensfähigkeit eines budhiste mönches, und das is eine seltene kombination. Andrerseits hängt dise verkomplizirung und verteuerung damit zusammen, dass man in Europa und sonstwo das gleiche mit afrikis macht. Sie zahlen mit der gleichen monnaie zurück. Das tut ihrer ekonomie nich goût, weil dann noch weniger touristen kommen, is aber jedenfalls eine genugtuung. Tun die brasilis mit den americains auch, und ich find es goût so, auch wenn die americains touristen nich fil fûr die visa-politik ihres gouvernements können. Und ich auch nich fûr die visa-politik des brasiliano gouvernements.

Ach so ja: 3 tage später entdeck ich warum die tûr in meinem hotelzimmer so leicht ging: sie hat nie zugemacht. Man merkt es einfach nich, auch wenn man sie normal teste. Man muss schon mit der schulter fast die tûr rammen, um zu prûfen ob sie wirklich zu is.

Côte d’Ivoire va in Westafrika vas Deutshland in der EU is, also der motor. Nach der krise is es nich mehr so ganz, aber es könnte alles noch schlimmer sein. Putsch und revolution werfen die länder ein oder zwei jahrzehnte zurück, und das vert mit Mali nach dem putsch auch nich anders sein – bis man so vas im ausland vergisst, dauert es lang. Die deutshis können ein lid davon singen, über 60 jahre nach dem krig. Aber Côte d’Ivoire is immer noch der gröszte kakaoproduzent und einer der gröszten kaffeeproduzenten der welt. Der anfang in der buschgrenze var nich so der hit, aber es wurde immer besser. Ansonsten is die infrastruktur nich schlecht und die stimmung is francophon gut. Abidjan is schön kosmopolitisch, und ich vert das land in guter erinnerung behalten.

Am flughafen von Abidjan nimmt man noch beim scannen meinen rucksack auseinander, dazu konfisquiert man ein messer und 2 feuerzeuge. Ich hätte mein rucksack am check-in abgeben können, aber in Afrika tun das die leute noch ungerner als woanders. Der service von Senegal Airlines war nix besonders aber ganz OK, und alkohol biten sie umsonst an, was heutzutage keine selbstverständlichkeit mehr is. Und bei meiner flugangst, je mer desto besser.

16:09 17.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
Schreiber 0 Leser 4
Zé do Rock

Kommentare