Harte zeiten

Bootswanne Afrika
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der faro biegt dann links ab nach Namibia. Und ich hoffe das wird nich wider eine zitterpartie, weil die dichte der städte und der hotels nich gröszer wird. Da hab ich aber richtig glück: ein zimbabwer mit einem nagelneuen Mercedes hält an und färt mich bis nach Maun, am berümten Okavango-Delta. Er is mitbesitzer einer import- und mietautofirma und is auf dem weg von Walvisbaai an der namibian küste nach Zimbabwe, wo er das auto verkaufen will, und färt einfach durch, mein wasser is im rucksack im kofferraum, und als ich ankomm, bei der nachmittagssonne, die 1000 km weiter nördlich deutlich heisser brennt, fül ich mich schwach auf den beinen, und muss mich gleich hinsetzen. Ich komm zum berümten Old Bridge Backpackers, an einem fluss gelegen, wo man auf touris und aussteiger aus überall trifft. Hir schläft man in zimmergroszen zelten oder im schlafsal. Die musik is extreem diversifiziert, rock aus den 70ern und von späteren jarzenten, afrikanische musik, auch aus Cabo Verde, salsa, brasilianische musik, you name it. Mir get es saudreckig, die rezeptionista fragt mich ob ich gleich onmächtig werd. Ich trink ein bir, ess einen dicken hamburger und ge mitten im nachmittag ins bett. Ich hab hohes fiber, schüttelfrost, und kann kaum ein auge zumachen. Bin ich dehydriert oder hab ich malaria? Am näxten morgen get es mir deutlich besser, das fiber is wek, aber es kommt am nachmittag wider – fiber in schüben spricht für malaria. Und meinem kompiuter is auch gesundheitlich angeschlagen, seit Cameroun macht er probleme und will nich hochfaren. Aber jedesmal wenn ich das problem eim kompi-experte zeigen will, färt er wider hoch. Hir macht ein verrückter deutsher, der hir wont, alles sauber, milionen datein werden entsorgt wärend er mit verschidenen leuten redet und ein jägermeister nach dem andren kippt. Dem laptop get es dann für ein par tage besser, und dann wider nich.

Bei einer okavango-delta-bootstour färt man mit dem motorboot bis zu einer station, wo hunde unter dem zelt am fliszband kastriert werden. Das boot hat 20 nederlandis und einen brasilo. Man sit erstmal vile kühis und schwarzis, ich sag einem der nederlander, dass sie dafür nich so weit faren müssten, kühis und schwarzis haben sie in Nederland zur genüge. Ab der station färt man dann weiter mit dem schibeboot, das heisst, mit einem langen stock am boden getriben. Die bootsmänner sind alle bootsfraun. Man sit ein par nilpferde im see, aber keine sorge, man hat sich mit dem hippos arrangiert: hippos auf der einen seite, menschen auf der andren. Ja, ein par antilopen, storche und sonstige grosze vögel sind auch dabei. Der Okavango is ein besonderer fluss, er mündet nich ins mer oder in ein andren fluss, sondern versickert einfach in der savanne.

Mir get es immer schlechter: fiber, schüttelfrost, schwindelgefüle, übelkeit, mattigkeit. Ich will raus aus dem zelt, muss die “tür” aufmachen, erst den vertikalen reissverschluss, dann den horizontalen unten, und wenn ich draussen bin, alles in die umgekerte richtung. Und da bin ich so fertig wegen der ganzen aktion dass ich mich sofort hinsetzen muss, gott sei dank stet vor dem zelt ein kleines sofa, villeicht für solche fälle wie den meinigen.

An essen oder alkohol is nich zu denken, da get nur noch wasser rein, manchmal mit etwas saft verdünnt. Einmal hab ich in der nacht gekotzt, kann aber nur zuvil wasser gewesen sein, sonst war nix da. Von den ersten 7 nächten konnte ich an zwei von inen schlafen – sogar wenn ich kein fiber hatte, die einschlafautomatik schin bei mir ausgeschaltet. Dabei bin ich normalerweise beim einschlafen schneller als der Lucky Luke.

Und das hirn, das war wie speiseeis nach einem virtelstunde in der sonne. Ich wollte eine wasserflasche bestellen und orderte ‘a botter wattle’. Hab Labello gekauft, keine zwei stunden später war er wek. Wider gekauft, wider verloren, den hab ich wider gefunden. Handtuch im bad vergessen, jemand hat es mitgenommen. Hab ein drink aus Liquifruit und wasser, rede mit den leut an der bar und plötzlich is der drink wek. Ich such wie ein irro, irgendwann bringt ihn mir jemand vom personal, hatte es auf einem sessel gelassen. Als ich ein taxi nem, sag ich, ich zal nich mer als 20 000! Gemeint waren 20 000 pula, und der taxifarer schaut mich etwas befremdet an - ich sagte ihm, ich zal nich mer als 2000 euro für die fart von der stadt ins hostel. Der backpackers-wirt David erzälte mir, der pförtner war der meinung, “diser mann wird disen platz nich lebend verlassen”.

Obwol ich nich besonders komunikativ bin, fang ich manchmal doch ein gespräch an der bar an. Aber die leute entfernen sich zimlich bald. Riech ich villeicht schlecht? Ich bin so krank dass ich erst am näxten tag drauf komm, als ich mich im spigel anschau: ich schau zwar nich wie ein zombi aus, sondern wie Belzebub höchstpersönlich. Die haut rot wie die chinesische flagge one die gelbe sense, genauso wie die augen. Nur, der Teufel sit besser aus, hat eine glatte haut, wärend meine haut eer der haut von Tutanchamun änelt.

14:49 26.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
Schreiber 0 Leser 4
Zé do Rock

Kommentare 2

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community