Heiliger Zwilling und Fürst

Schnelle abschiebung Afrika
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“Wo is Ir visum?”

“Was, brauch ich doch eins?”

“Ja natüralich brauchen Se eins!”

“Ich hab auf der site des brasileinischen aussenministeriums geschaut, und da stand, dass ich keins brauch.”

“Wenn Se a diplomatenpass ham, nich, aba sonst schon! Se müssen sich schon vorher em der botschaft informar!”

“Wenn es a botschaft nur gäbe! Aba weder im Cameroun noch em der Costa do Marfim (Côte d’Ivoire) gibt es botschaften von Sao Tomé e Príncipe.”

Natüralich gibt es die überall, meint der chefe da imigração, er hat offensichtlich weniger anung als ich, wo es botschaften von seinem land gibt. Die site embassypages.com listet 6 botschaften des landes, die restlichen 187 länder müssen one eine botschaft von Sao Tomé e Príncipe auskommen. Der chefe fragt mich wo mein rückflugticket is. Ich hab kein rückflugticket weil ich nich zurück flige sondam nach Namibia. Und wo is dás ticket nach Namibia? Ich will es hir kaufen, und konnte es nich kaufen weil gestern um dise urzeit ich gar nich wusste dass ich heute hir sein würd. Ausserdem bin ich autor und kein geschäftsmann, da hängt mein aufenthalt davon ab, ob es vil zu sen und schreiben gibt, und dann buch ich den weiterflug. Wi ich nach Namibia come, wenn es keine flüge von hir dorthin gibt? Von hir gibt es flüge nach Angola und von dort aus nach Namibia. Ob ich a viso für Namibia hab? Nein, aber ich brauch auch keins, wenigstens als brasileiro nich. Er glaubt me nich, a par andre grenzer im zimmer bestätigen meine aussage und meinen, em Namibia kann man auf alle fälle dás viso am aeroporto krigen, aba der chefe argumentiert, ich hab auch kein viso für Angola. Natürali hab ich kein viso für Angola, ich flig auch nich nach Angola sondam über Angola, als transito-reisender bleibt man eben im aeroporto, wenn má kein viso hat. Er weiss nix davon – wenn man über a land fliegt, braucht man a viso, und an meine globetrotter-erfarung glaubt er nich. Jemand ruft die brasileina botschaft an und er redet mir ir. Die bestätigen dass ich als brasileiro kein viso für Namibia brauch. Ich will mit inen sprechen, aba der chefe gibt mir keine chance. Offensichtlich is die brasileina botschaft auch nich gewillt, vorbei zu comem und mich aus der patsche zu helfen, auch wenn eine der funcções einer botschaft is, bürger des eigenen landes em der not zur seite zu sten. Ein angestellter von der angolana fluggesellschaft TAAG come grade vorbei und die leute da imigraçao fragen mich ob ich a bilhete kaufen kann. Clar kann ich, wenn ich mit der cartão zalen kann, ansonsten bräucht ich 10 minutos im internet, da kann ich mein reisebüro em Müniche contactar und em ein par minutos hab ich ein bilhete, oder ich kann meine Princesa anrufen und se bitten, mir geld über Western Union zu schicken, aba der chefe will nix davon wissen. Nach vilem insistir meinerseits und sogar von andren grenzern lässt er es zu, dass ich es mit meinem laptop versuch, leider gibt es zwar internet im aeroport aba keiner waiss dás passwort für das wlan, und wärend ich verzweifelt die leute nach dem passwort frag oder bitte, mich a fremden computador benutzen zu lassen, come der chefe wider mit seinem trupp und verfrachtet mich ins flugzeug one wenn und aba. Ich wünsch ihm pest und cólera. Zurück nach Malabo, über Libreville, und wirklich zurück, das flugzeug is voll und ich sitze sogar verkeert rum, der sitz is ganz vorn und schaut zum fondo des flugzeugs.

São Tomé e Príncipe is mittlere dritte welt, die STEPis scheinen nett zu sein, leider hat dás land a zimlich stupido chefe de imigração, der darauf erpicht war, mir keine chance zu geben. Claro, ma könnte sagen, es war blauäugig von mir, ich hatte schlechte cartas – kein viso, kein bargeld und ganz sauber war ich auch nich, nach der fart durch Cameroun. Dass die técnica, oder besser dás zusammenspil von mensch und técnica in einem aeroporto africano so versagen würde, damit is immer zu rechnen – alles kann überall versagen, und in Africa erst recht. Andrerseits, a viso hätte ich eben nich machen können, und normalerweise wollen africano länder an den grenzen weder weiterflugticket noch geld sen – weisse haben ja selbstverständlich geld - wenn má von a nachbarland come. Und wer einer der helfer der chefe, wer das vermutlich auch nich passiert. Manchmal risco ich so was und es funcciona, dismal eben nich.

STEPis – tomeaner wer falsch, principaner auch, weil beide nur die população von einer der zwei hauptinseln bezeichnen würde. Saotomeundprincipaner is lang und umständlich, also nimmt má die abreviaçao und macht daraus die bezeichnung für die einwoner. Eine frau aus dem land is a STEPa, a mann a STEPo, a mensch a STEPi. Und so verfärt man mit jedem land, dessen nome aus mer als zwei nomen zusammengesetzt wird.

A propós, dás land is eines der wenige, die die Republik China, also Taiwan, anerkennen, was heisst, es wird von der Volksrepublik China boicotado.

18:13 30.10.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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