Krabbenland

Mützig-Bir Afrika
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Am flughafen von Douala fragt mich ein typ, wo ich hin will, er wüsste da von einem taxi. Ich will aber eine rauchen, er geht mit mir zum café, wo rauchen erlaubt is. Ich bestell ein bir, er bestellt auch eins. Ein freund von ihm kommt dazu und bestellt noch eins, dann kommt ein mädchen dazu, bekannte von ihnen, und bestellt noch eins. Dann kommt die rechnung, natürlich direkt vor meine nase gestellt, das sind 4000 CFA, also um die 6 euro. Ich leg einen tausender auf den tisch und frage die andren, wie’s da ausschaut. Sie schauen mich an, als hätte Rockefeller den straszenkehrer um geld gebeten, sie wissen nich was sie sagen sollen. Ich wollte nur eine cigarette rauchen, und keine runde schmeissen! Ich geh gleich mit dem fahrer weg, die sind ja schwarz, der kellner auch und sie werden sich verständigen. Mann bin ich froh wenn ich disen kontinent verlassen hab!

Die wichtigsten birmarken sind hir Castel, Mützig und Satzenbrau. Mützig muss man wie fransiano ‘musique’ aussprechen, sonst verstehn sie's nich. Was die musik betrifft, hört man vor allem den brasilianischen hit ‘Ai se eu te pego' (nossa, nossa, assim você me mata), wie in ganz Afrika und im rest der welt. Die fraun singen mit und können alle plötzlich perfekt brasilianisches portugisisch.

Das hotel Manimateng oder ähnlich hat sogar eine tür die geht. Ich selber geh zum internet-café und muss zahlen: was is das für ein geld? Das is franc CFA, das geld der meisten francofonen länder in Westafrika, Cameroun inklusive, eine währung die im fixen verhältnis 1:650 zum euro steht! Kemma nich. Hir herrscht auch CFA, aber das geld schaut anders aus, und die haben keine erfahrung mit meinen komischen westafrikanischen scheinen, ausser in den hotels. Wir sind hir in Zentralafrika! So als würde man in Franse zahlen wollen und die sagen würden, dise euros sind ja in Deutshland hergestellt, die nehmen wir nich. Mann, diser kontinent macht mich noch wahnsinnig. Die straszen hir haben noch mehr motorräder als sonst, ich hab hundert kraftfahrzeuge gezählt, davon waren 85 motorräder. Es is die asiatisierung der mobilität in Afrika – vermutlich kommt zimlich jedes motorrad hir aus Asia, woher sonst?

Apropos, der name ‘Cameroun/Cameroon’ kommt aus dem portugalian, da hisz es ursprünglich ‘Camarões’, und das heisst ‘krabben’, ‘shrimps’. Villeicht machten die portugalis hir rast und nahmen eine portion camaroes mit einer caipirinha ein, auf dem weg zum Kap der Guten Hoffnung. Das land is politisch stabil, mittlere dritte welt, Afrika wie’s lebt und bebt. Ich hab Cameroun in guter erinnerung, eigentlich war es auf meiner ersten africa-tour mein liblingsland. Yaounde in den bergen is die hauptstadt, Douala an der küste is die gröszte stadt. Wenn Abidjan so grosz is wie Berlin, is Douala so grosz wie Hamburg. Weniger hochhäuser, stadtautobahnen, dafür etwas sauberer als Abidjan und sauberer als ich es in erinnerung hab. Als ich das letzte mal hir war, war sogar die verbindung zwischen der gröszten stadt Douala und der hauptstadt Yaounde eine piste, heute sind alle wichtigen städte mit geterten straszen verbunden. Früher gab es in Africa nur schrottkisten, heutzutage sind die taxis immer noch schrottkisten, dafür sind privatautos meistens neu, oft luxus-jeeps. Auch wenn die meisten leute noch in armut leben, wie in den meisten ländern der welt, wird die african ekonomie insgesamt besser. Nur, in groszen teilen der übrigen welt wäxt die ekonomie auch, und so gibt es wenige überholungsmanöver von africano ländern. Vermutlich wäxt die african ekonomie schneller als die ekonomie in den EU-ländern, die sind aber zu weit vorn, um von africano ländern überholt zu werden.

Auch Guinea Ecuatorial möchte für ein visum ein certificat de residence, und 16 leute warten draussen vor der botschaft, dass sie mal dran kommen. Ich darf sowieso nich rein, mit meinen kurzen hosen. Nackte schultern und mützen sind auch verboten. Also kann ich hir kein visum machen – lange hose hab ich im hotel, aber wie soll ich beweisen dass ich hir wohn, wenn ich hir nich wohn? Ich besuche mal ein par reisebüros. Mit einem boot geht es villeicht, ich fahr dann nach Sao Tomé, und krige villeicht am hafen ein tagesvisum für GE. Beim ersten reisebüro:

“Wissen Sie über boote nach Guinea Ecuatorial?”

Die dame schüttelt den kopf.

“Können Sie ein visum für Guinea Ecuatorial besorgen?”

Sie schüttelt mit dem kopf.

Ich sag ‘au revoir’, weda schüttelt sie mit dem kopf noch sagt sie was. Und so geht es waita. Ich versuch es mal am hafen, dort am aingang komm ich zu aina polizaikontrolle. Ich erklär, ich muss zum boot, das nach Guinea Ecuatorial fährt. Ich muss ainen euro entrichten um von jemandem zu den schiffen beglaitet zu werden, und muss mainen pass abgeben. Auf dem weg zu den schiffen sagt mir der beglaita, der die ganze zait bai der polizaikontrolle wartete, dass kain boot von hier aus nach Guinea Ecuatorial fährt. Hätte er mir sagen können, bevor ich den euro gezahlt hab, aba niemand macht sich hier sorgen um maine kasse. Aigentlich nirgends auf der welt. Und von wo aus fahren denn die boote? Von Tico. Das sind fast 100 km westlich von hier. Also werd ich morgen hinfahren. Ich besuch am abend aine bar, bestell ain bier und 5 spieszchen. Zwai typen setzen sich zu mir und reden mitainanda. Die spieszchen kommen, ich fang an zu essen, die zwai camerounis tailen mir mit, dass in Cameroun GETAILT wird. Hm, na gut, dann tailen wir uns die 5 spieszchen – is main abendessen, und ich ess immahin zwai von ihnen. Das sind aba kaine schnorra, immahin zahlen sie mir ain bier.

14:06 19.10.2012
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Geschrieben von

Zé do Rock

ich bin brasilianer, trampte um die welt, hatte vil ärger mit räubern, polizei und fraun, schrib bücher, drete filme, nu ge ich wider auf tur.
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Zé do Rock

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